Wenn sich Rechnen lohnt:

Mit der Arbeitszeit rechnen

tägliche Arbeitszeit (im Wochendurchschnitt)=wöchentliche Arbeitszeit:Anzahl der wöchentlichen Arbeitstage
z.B.: 6,66 h/Tag=40h/Woche:6
monatliche Arbeitszeit in Stunden=wöchentliche Arbeitszeitx4,35*
z.B.: 174 h monatliche Arbeitszeit40 h/Wochex4,35
Arbeitstage im Monat=Anzahl wöchentliche Arbeitstagex4,35
z.B.: 26,1 Arbeitstage/ Monat=6 Arbeitstage/ Wochex4,35
Brutto- Stundenlohn=Brutto-Lohn im Monat:monatliche Arbeitsstunden
z.B.: 12 EUR Brutto- Stundenlohn=2.088 EUR Brutto- Lohn im Monat:174 Arbeitsstunden/ Monat
Brutto- Monatslohn=Brutto- Stundenlohnxmonatliche Arbeitsstunden
z.B.: 1.820,91 Brutto- Monatslohn=9,10 Brutto- Stundenlohnx200,1 Arbeitstunden/ Monat
* Ein Jahr hat bekanntlich 52 Wochen und 12 Monate. Demzufolge bekommt rechnerisch jeder Monat 4,334 Wochen (52:12=4,3333...). Nun gibt es aber auch Schaltjahre, die diese Rechnung von 4,3333... wieder ungenau machen. Deshalb rechnen Tarifpartner und auch die Lohnsteuerrichtlinie mit 4,35 Wochen in jedem Monat.

Merke: 1 Monat hat 4,35 Wochen und 21,75 (Fünf-Tage-Woche) oder 26,1 Arbeitstage (6-Tage-Woche)

Skandalös und unfair: Gehaltsempfehlungen der Bundesvereinigung der Berufsreiter

G E H A L T S E M P F E H L U N G E N   2 0 15 / 2 0 1 6

Für die Pferdewirte gibt es oftmals keine verbindlichen Tarifverträge. Aus diesem
Grunde erstellt die Bundesvereinigung der Berufsreiter im DRFV e.V. alle zwei Jahre eine Gehaltsempfehlung. Die weiten Spannen sind begründet sowohl in der unterschiedlichen Qualifikation und Berufserfahrung der einzelnen Berufsreiter als auch in den verschiedenen Anforderungen der einzelnen Betriebe.

Für die Einstufung sind u.a. folgende Kriterien von Bedeutung:

Anforderung und Aufgabenstellung durch den Betrieb

  • Leitung des Betriebes (selbständig/nicht selbständig)
  • Aufsicht über das Personal
  • Anleitung der Auszubildenden
  • Anzahl und Niveau der Reitstunden
  • Anzahl und Niveau der persönlich zu arbeitenden Pferde
  • zeitlicher Einsatz (Abendstunden, Wochenenden, Turnierbegleitung)
  • sonstige Aufgaben nach Struktur und Schwerpunkt des Betriebes/Vereins

Leistung und Persönlichkeit des/der Berufsreiters/-reiterin

  • abgelegte Prüfungen und deren Ergebnisse
  • Leistungsklasse (Dressur, Springen, VS), Turniererfolge
  • Erfolge als Reitlehrer/in (Erfolge der Schüler/innen)
  • Erfolge als Ausbilder/in von Pferden
  • Prüfungsergebnisse der Auszubildenden
  • Referenzen als Leiter/in eines Betriebes, Stalles, einer Vereinsanlage
  • sonstige Nachweise u. Referenzen über besondere Erfolge, Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen

Örtliche Lage des Betriebes

Die tatsächliche Höhe des monatlichen Gehaltes ist zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern frei zu vereinbaren. Sie sollte grundsätzlich in Bruttobeträgen und schriftlich erfolgen. Nur hierdurch werden klare Verhältnisse geschaffen (Sozialversicherungsbeiträge u.a.).

Bei Vereinbarung von (meist geringem) Festgehalt und Beteiligung an den Einnahmen aus Beritt und Unterricht und/oder am Gewinn ist zu beachten, dass diese Einkünfte beim Empfänger steuerlich erfasst werden müssen.

Von Fall zu Fall ist je nach vertraglicher Gestaltung darüber zu entscheiden, ob diese Einnahmen zu den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit gehören und damit lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig sind, oder aber ob es sich um eine getrennte selbständige Tätigkeit des Arbeitnehmers handelt, für dessen Versteuerung der Arbeitnehmer selbst verantwortlich ist. Diese Abgrenzungsfrage kann nur im Einzelfall nach Kenntnis aller Umstände und ggf. durch Einholung fachkundigen Rates entschieden werden.

MONATLICHE VERGÜTUNG FÜR AUSZUBILDENDE

Die Höhe der Vergütung ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich und sollte vor Beginn der Ausbildung abgeklärt werden.

ARBEITSZEIT/FREIZEITREGELUNG

Nach dem derzeit geltenden Arbeitszeitgesetz

 Urlaub

Nach dem derzeit geltenden Bundesurlaubsgesetz

EMPFEHLUNGEN 2015/16 FÜR MONATLICHES GEHALT/LOHN brutto

  • Pferdewirtschaftsmeister/in 2.625,00 € – 4.305,00 € ( € 2.187,50 – € 3.587,50 bei einer üblichen 40- Stunden- Woche)
  • Pferdewirt/in 1.598,00 € – 2.630,00 € bei 48- Stunden- Woche (1.331,67 € – 2.191,67 € bei einer üblichen 40- Stunden- Woche)
  • Weihnachts- u. Urlaubsgeld im Allgemeinen je 1/2 Monatsgehalt.
  • MONATLICHE VERGÜTUNG FÜR AUSZUBILDENDE. Die Höhe der Vergütung ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich und sollte vor Beginn der Ausbildung abgeklärt werden.

Gesetzliche Grundlagen (unter anderem) für

ARBEITSZEIT/FREIZEITREGELUNG,URLAUB, MINDESTLOHN

  • Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
  • Bundesurlaubsgesetz (BurlG)
  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
  • Mindestlohngesetz (MiLoG)

Achtung, hier droht Abzocke! Üblicherweise werden Lohnangaben immer bei einer Arbeitszeit von 40 Wochenstunden bzw. 173,33 Monatsstunden oder 2080 Jahresstunden genannt und nur so können Löhne überhaupt untereinander verglichen werden.

Bei den Lohnempfehlungen der Bundesvereinigung der Berufsreiter beziehen sich die Chefs auf das Arbeitszeitgesetz und das erlaubt 48 Stunden in der Woche. Anders ausgedrückt: Bei den Pferdewirten arbeiten die Mitarbeiter am Samstag ganze 8 Stunden für lau! Bei einer 48- Stunden- Woche bezahlen die Pferdechefs mal gerade den landwirtschaftlichen Mindestlohn. Pferdebetriebe, die nicht in der Sozialversicherung für Land- und Forst sowie Gartenbau (BG) unfallversichert sind sowie landwirtschaftliche Pferdebetriebe zahlen bei einer 48- Stunden- Woche ab 1.1.16 nach Empfehlung der Bundesvereinigung der Berufsreiter z.T. einen Lohn, der unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegt! Also klärt immer vorher ab, ob der Lohn für eine 40 Stundenwoche oder eine 48 Stundenwoche gilt. Den echten Arbeitsbruttolohn findet Ihr in den Klammern hinter den Nebelkerzenangaben der Bundesvereinigung der Berufsreiter. Seriös ist anders!

Alle nicht landwirtschaftlichen Pferdebetrieben müssen mindestens den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 € brutto je Stunde bezahlen (= 1473,30/40 h/Monat; 1.694,30/46 h/Monat; 1767,97 €/ 48 h/ Woche)

Ab 1.1.16 beträgt der Mindestlohn in der Landwirtschaft € 8,00 (€ 7,90 Ost), also € 1386,64 (€ 1369,30 Ost) bei 40- Wochen- Stunde; € 1.594,64 (€ 1574,70 Ost) bei 46- Stunden- Woche oder € 1.663,97 (€ 1.643,16 Ost).

Faire Gehaltsempfehlungen der Bundesvereinigung der Berufsreiter: Weit gefehlt! Mogelpackung! Die Bundesvereinigung der Berufsreiter handelt als Arbeitgeberorganisation und empfiehlt ihren eigenen Mitgliedern Löhne, die entweder direkt am Mindestlohn oder sogar unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Fair ist das nicht! Da helfen auch keine Hochglanz- Werbeseiten, um das ramponierte Ansehen der Berufsreiter wieder herzustellen.

Update

Deutlich realistischere Lohnempfehlungen der Bundesvereinigung der Berufsreiter sind für 2017/18 formuliert. Mehr lest Ihr hier.

Pferdewirtazubis schuften 62 h/Woche

Ein Fall für das Gewerbeaufsichtsamt?

Nach einer geheim gehaltenen Befragung von Ausbildern und Pferdewirtazubis arbeiten die Azubis in diesem Beruf durchschnittlich 62 h/ Woche und haben nur 2 Tage im Monat frei. Fast alle Azubis müssen vor und nach einem vollen Berufsschultag noch arbeiten, wenn sie denn überhaupt gehen dürfen. Normalerweise muss in diesen Fällen die Zuständige Stelle sowie das Gewerbeaufsichtsamt tätig werden, denn es handelt sich hier um Gesetzesverstöße. Das setzt natürlich voraus, dass man die Gesetzesverstöße auch kennt. Kein Wunder, dass diese Befragung nie veröffentlicht wurde.