Habt Ihr Euch schon mal um die Rente gekümmert?

Die Rente ist abhängig von Eurer Entlohnung. Nur faire Bezahlungen sichern eine menschenwürdige Rente. Jeder Euro mehr je Stunde zählt!

Aach, das ist ja noch so lange lange hin. Wer weiß, was da noch alles passiert. Stimmt. Und dennoch solltet Ihr jetzt noch weiterlesen, weil schon jetzt, heute, die Grundlagen für Eure spätere Altersversorgung gelegt werden. Warum ist das so? Ganz einfach, jedes Jahr sozialversicherte Arbeit ist ein Rentenbaustein, den Ihr übrigens auch so pi mal Daumen ausrechnen könnt. Keine Angst, diese Rechenformen können auch alle von Euch, für die Mathe ein Buch mit sieben Siegeln ist.

Die pi x Daumen Rentenformel*

(Bruttomonatslohn : 100) x Rentenbeitragsjahre = Rente im Monat

Nehmen wir gleich mal ein Beispiel und gucken, ob Ihr die Formel richtig rechnet: Im ersten Ausbildungsjahr habt Ihr € 710.- im Monat brutto verdient. Also rechnet Ihr zuerst € 710 : 100. Das sind €7,10. Das müsst Ihr jetzt mit 1 malnehmen, da Ihr ja 1 Beitragsjahr berechnen wollt. Das ist ein Rentenbaustein von € 7,10 im Monat. So könnt Ihr jetzt das zweite (z.B. € 7,60 für € 760 Bruttomonatslohn) und das dritte Ausbildungsjahr (z.B. € 8,10 für € 810) berechnen. Am Ende Eurer Berufsausbildung stehen also 3 Rentenbausteine mit zusammen € 22,80 Rente im Monat.

Das war nur der Beginn des Arbeitslebens

Das Arbeitsleben hat mit der Berufsausbildung erst begonnen, denn eine Rente gibt es erst im Alter von 67 Jahren. Nehmen wir einmal an, Ihr habt mit 18 die Berufsausbildung begonnen, dann ist die Berufsausbildung, wenn dreijährig, mit 21 abgeschlossen, Ihr seid 21 und habt drei Rentenbausteine mit einem Rentenwert von € 22,80 im Monat. Euer Arbeitsleben ist möglicherweise noch 46 Jahre lang, bevor Ihr in Rente gehen könnt. Anders ausgedrückt, es sind noch 46 Rentenbausteine möglich. Aber auch nur, wenn Ihr sozialversicherungspflichtig arbeitet. Ein Jahr Auszeit in Australien, gerne, aber ein Rentenbaustein mit € 0,00. Lasst uns wieder ein Beispiel machen: Bereits vorhanden 3 Rentenbausteine mit zusammen € 22,80 Rentenwert. Nehmen wir einmal an, Ihr arbeitet jetzt bis zum Renteneintritt zum gesetzlichen Mindestlohn (Stand 2020), dann beträgt der Wert der Rentenbausteine € 1619,42 Bruttomonatslohn : 100 = 16,1942 für ein Jahr. Für 46 Jahre sind das € 744,93 Rente im Monat. Zusammen mit € 22,80 aus der Berufsausbildung beträgt die geschätzte Rente im Alter von 67 Jahren € 767,73 im Monat.

Was fällt auf?

  1. Das ist ganz schön wenig!
  2. Die lebenslange Arbeit lediglich zum Mindestlohn ist für den Chef gut, für Euch im Alter ein Desaster. Bittere Armut garantiert!
  3. Unter 12,00 € je Stunde ist ein menschenwürdiges Leben im Alter nicht möglich. Vielleicht merkt Ihr jetzt schon, dass in der Pferdebranche nicht fair bezahlt wird.
  4. Jedes Jahr sozialversicherungspflichtige Arbeit schafft eine höhere Rente.
  5. Die Rentenhöhe ist direkt abhängig von der Höhe des Einkommens. Wer mehr verdient, bekommt auch mehr Rente. Jede nichtbezahlte Überstunde lässt nur den Chef jubeln, Euch aber in Altersarmut!
  6. Jahre mit geringem Monatslohn können nur mit Jahren höherer Bezahlung kompensiert werden.
  7. Einkommen, das nicht aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung kommt, erhöht auch nicht die Rente. Anders ausgedrückt: Selbständigkeit und Schwarzarbeit wirkt sich nicht auf die Rente aus.
  8. Schwarzarbeit ist ein Schuss ins eigene Knie!
  9. Das Aushandeln eines fairen Lohnes hat einen ganz großen Einfluss auf ein menschenwürdiges Leben im Alter.
  10. Diese pi x Daumen Rentenberechnung berücksichtigt keine Anrechnungszeiten für Kinder und/oder Pflege.
  11. Über Minilöhne und spätere, garantierte Altersarmut zu meckern, hilft Euch nicht weiter. Entweder Ihr schließt Euch in einer Gewerkschaft zusammen und kämpft für einen Tarifvertrag mit fairen Löhnen (und Renten), oder Ihr lasst die Chefs selber misten, qualifiziert Euch weiter und macht das Pferd zum Hobby.
  12. Wer mit den jetzigen Löhnen und den Renten zufrieden ist, der/die macht einfach weiter so.

Beispielrechnungen

Stundenlohn (brutto)Monatslohn (brutto) bei 40h/WocheRente nach
45 Berufsjahren
Rente nach
40 Berufsjahren
Rente nach
35 Berufsjahren
9,351619,42728,73647,76566,79
12,002078,40935,28831,36727,44
16,702892,441301,591156,971012,35
24,004156,801870,561662,721454,88

*Die pi x Daumenrentenberechnung dient lediglich zur Orientierung. Nicht berücksichtigt werden beitragslose Anrechnungs- Jahre für die Rente, wie Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten, Ausbildungszeiten, usw.. Die genaue Berechnung bis zu zwei Stellen hinter dem Komma soll nicht suggerieren, hier handele es sich um ganz korrekte, offizielle Berechnungen. Die pingelige Berechnung soll Euch nur helfen, den Rechenweg nachzuvollziehen und Euch zeigen, ob Ihr die Formel korrekt anwendet.

Eine Zusatzrente für mehr Sicherheit im Alter

Geldschein Joke 3
Bei der Tariflichen Zusatz Rente wandeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen kleinen Teil des Lohnes in eine Rente um. Einen guten Arbeitgeber erkennt Ihr daran, dass er sich fair an Eurer Rente beteiligt. Sucht Euch Arbeitgeber danach aus, dass sie Euch eine Zusatzrente ermöglichen.

Über die schlechte Entlohnung und die daraus späteren Minirenten der Pferdewirte muss nicht mehr viel gesagt werden. Jeder Pferdewirt, der derzeit weniger als 12,50 brutto sozialversicherungspflichtig (auf Steuerkarte und nicht bar in die Hand) verdient, wird eine so kleine Rente bekommen, dass das Sozialamt auf Hartz 4 aufstocken muss. Und Hartz 4 ist schon keine reine Freude im Alter, es ist einfach nur Armut.

Es gibt eine seriöse Möglichkeit, sich eine Zusatzrente zu schaffen. Die heisst Tarifliche Zusatz Rente TZR und wird getragen von der Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt und dem Bau- Arbeitgeberverband. Die haben dafür die Sozialkasse Bau, die Soka- Bau gegründet.

Und so gehts: Alle Pferdebetriebe, die im Zuständigkeitsbereich der Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt sind, können für ihre Arbeitnehmer die Tarifliche Zusatz Rente schaffen. Dabei wird ein kleiner Teil des Gehalts in Rente umgewandelt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen diesen Betrag gemeinsam in die Zusatzrentenkasse.

Das lohnt sich für alle Seiten: Der Arbeitgeber spart Sozialabgaben ein und der Arbeitnehmer spart eine Zusatzrente an. Teilnehmen können übrigens auch schon Azubis. Die Zusatzrente wird beim Betriebswechsel mitgenommen, ist also nicht an einen besonderen Betrieb gebunden.

Für Arbeitgeber ist es eine sehr preiswerte und gute Werbung, sich als sozial handelnder Betrieb darzustellen und Kunden und Mitarbeitern zeigen, dass hier das Personal wertgeschätzt wird. Für Euch ist es bei der Stellensuche sicher ein Qualitätsmerkmal, wenn Ihr einen Betrieb findet, dem das Leben der Mitarbeiter eben nicht egal ist und er Euch für gute Arbeit auch selber etwas Gutes tun will.

Fragt Eure Chefs, seid nicht mit einem ja, ja, mal sehen zufrieden, fordert Eure Tarifliche Zusatzrente ein. Wenn Euch das nicht gewährt wird, dann wisst Ihr, was Ihr von diesem Betrieb zu halten habt: Das Verhältnis Arbeitsleistung zu Vergütung steht nicht im Vordergrund, sondern nur Eure möglichst billige Arbeitskraft.

Eines muss aber noch klargestellt werden: Die Rentenumwandlung darf nicht dazu führen, dass der Mindestlohn unterschritten wird. Azubis fallen nicht unter das Mindestlohngesetz.

Und schlussendlich können sich seriöse, gute Pferdebetriebe mit der Fürsorge ihrer Mitarbeiter von den vielen unseriösen Pferdebetrieben absetzen, die möglichst schnell und billig den Ruf der Pferdewirte ruinieren.

Weil ich kein Rentenexperte bin, besprecht alle Details bitte mit:

Bodo Olitzsch

T 0151 42640663

 bolitzsch@soka-bau.de

Schreibt uns hier mal, wie das mit der Tariflichen Zusatz Rente bei Euch ausgegangen ist.

Mehr Infos findet Ihr auch hier

So ein bisschen Schwarzarbeit?

Zoll
Wenn der Wagen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit erst einmal vor der Tür steht, wird Schwarzarbeit teuer. Dann fallen Weihnachten, Neujahr, Geburtstag und Urlaub erst einmal aus. Foto: Zoll.de

Der folgende Brief ist eine vorzügliche Möglichkeit, einmal das Thema Nebenerwerb bzw. Schwarzarbeit genauer unter die Lupe zu nehmen und dann zu einer eigenen Meinung zu gelangen:

Hallo Herr Arnold,
ich habe eine Frage, die vielleicht auch für andere angehende Pferdewirte interessant sein könnte. Was muss ein Auszubildender beachten, wenn er während seiner Lehrzeit in seiner Freizeit in einem anderen Betrieb für einen Pferdezüchter mit dessen Pferde arbeitet (z.B. Anreiten, Ausbilden und Turniervorstellung)? Sollte der Azubi das seiner Ausbildungsstelle mitteilen? Muss der Azubi ein Gewerbe anmelden? Oder anders gefragt? Ab wie viel Pferden wird es zur Schwarzarbeit? Ich denke, dass der Beritt für Freunde und Bekannte an der Tagesordnung ist, und die Azubis sich so nebenbei auch gern mal was dazu verdienen wollen. Wie sieht das eigentlich aus, wenn der Azubi in seiner Freizeit privaten Reitunterricht erteilt? Hier wäre vielleicht ein bisschen Aufklärungsarbeit nötig, damit die Azubis wissen, in welcher „Grauzone“ sie sich bewegen.

Grundsätzlich muss jeder Azubi und natürlich auch jeder fertige, angestellte Pferdewirt, der nebenbei noch Geld hinzuverdient, wissen, dass er damit in aller Regel diejenigen Betriebe schädigt, die Mitarbeiter eingestellt haben und ganz besonders diejenigen trifft, die fair bezahlen. Ein Betrieb muss, wenn er fair entlohnen will, etwa den doppelten Stundenlohn kalkulieren. Das geht drauf für anteilige Sozialleistungen, Arbeitsbekleidung, Urlaub, Krankheit, Fortbildung usw.. Unter 20,00 EUR/h darf ein Betrieb nicht kalkulieren, wenn Ihr 10,00 EUR brutto ausgezahlt bekommt. In dieser Summe ist keinerlei Anlage, kein Telefon, Strom. Fahrzeug, Büro, usw. enthalten. Da in aller Regel Ihr so „privat“ billiger arbeitet, seid Ihr genau Konkurrenz für einen ordentlich wirtschaftenden Betrieb. Je fairer der Betrieb Euch entlohnt, Euch Arbeitskleidung stellt, Euch zu Fortbildungen schickt, desto mehr schädigt Ihr diesen Betrieb. Übrig bleiben in letzter Konsequenz nur die schwarzen Schafe.

Und dann sind Pferdewirte oder Pferdewirtazubis ja auch ganz normale Bürger, denn Gesetze und Verordnungen gelten auch auf Reitplätzen: Jeder Bürger, der Geld verdient, muss diese Summen bei der Steuer angeben. Ob das Finanzamt dann Steuern erhebt oder nicht, das entscheiden die dann beim Lohnsteuerjahresausgleich. Das entscheidet natürlich nicht der einzelne Steuerzahler. Wäre ja auch klar, was herauskommen würde, wenn wir uns alle selber bei der Steuer einstufen würden. Azubis können da ziemlich gelassen sein, bevor die wirklich Steuern zahlen müssen, ist schon noch Luft.

Unserer Sozialsystem ist nur so gut, wie auch Beiträge geleistet werden. Von den Reichen mehr, von den ganz Armen weniger. Nur mal so zum Vergleich: Ein Azubi zahlt irgendwie 150 EUR Krankenkasse, ein Besserverdiener mal eben 680,00 EUR im Monat. Azubi und Reicher sind in der selben Krankenkasse und der, der 680,00 EUR im Monat zahlt bekommt die selbe Behandlung. Wenn also immer mehr Menschen sich aus der Sozialversicherung verabschieden, also nur noch kriegen und nicht mehr einzahlen, dann fliegt uns das System irgendwann ganz fürchterlich um die Ohren. Die ersten, die darunter leiden werden, sind die Armen.

Das ist ja schon verlockend: Nebenbei ein wenig dazuverdienen und keine Abzüge. Das Leben kann ganz easy sein. Wenn Ihr an Steuern und Sozialversicherungen vorbei wirtschaftet, dann kennt das Sozialsystem natürlich nur die offiziellen Einkünfte. Und nur auf die gibt es Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Arbeitslosengeld, Rente im Alter oder Leistungen au der Unfallversicherung. In Notfällen seid Ihr also einfach nur arm, bettelarm.

Bitte vergesst bei dieser ganzen Diskussion folgendes nicht: Wenn Ihr offiziell nur 600,00 EUR verdient, dann müsst Ihr vielleicht 180,00 EUR Sozialversicherungen bezahlen. Verdient Ihr im Monat mal eben privat, also schwarz, 400,00 EUR dazu, dann müsst Ihr einen Beitrag von ca. 300,00 EUR im Monat bezahlen. Ihr betrügt also Eure Sozialversicherung um 120,00 EUR jeden Monat. Dieses Geld müssen andere Versicherte für Euch aufwänden. Die freuen sich riesig, dass der Beitrag zu den Sozialversicherungen immer mehr steigen wird. Und natürlich gibt es ein Strafverfahren und eine Nachzahlung für viele Jahre. Da ist schon so manchem Pferdewirt das Lachen im Halse stecken geblieben. Das dumme ist nur, dass die Betrüger immer groß im Kasino angeben, die sie erwischt haben, die sind mucksmäuschen still. Und Ihr denkt, das passiert kaum, dass sie da welche erwischen.

Nun ja, und dann sind da ja auch noch die Gesetze. Das Sozialgesetzbuch sagt schlichtweg und einfach, dass jeder, der Unterricht gibt, also auch Reitunterricht, rentenversicherungspflichtig ist. Und wer Steuern und Sozialversicherungen nicht bezahlt, der begeht eine Straftat. Da seid Ihr genau so sozial wie Ulli Hoeneß.

Und es gibt natürlich noch einen Aspekt: Im Falle eines Unfalles seid Ihr weder unfallversichert noch haftpflichtversichert. Ich verspreche Euch, dass bricht Euch im Notfall finanziell das Genick. Ach ja, Euer Arbeitgeber wird sich sicher ganz toll bei Euch bedanken, wenn Ihr bei der Schwarzarbeit ihm die Kunden wegnehmt, verunglückt und er dann den Lohn für Euch für 6 Wochen weiterzahlen muss. Das findet er sicher nicht witzig. Und somit ist natürlich die Frage beantwortet, ob ein Betriebsleiter es gerne sieht, wenn Ihr schwarz arbeitet.

Dann gibt es ja noch diese Arbeitgeber, die einen Minilohn zahlen und Euch als Ausgleich noch Schwarzarbeit besorgen. Das sind schlichtweg und einfach nur Verbrecher, denn die Chefs sparen jede Menge Sozialabgaben und sind die eigentlichen Gewinner. Dumm nur, dass Ihr glaubt, die Profiteure zu sein, weil Ihr ein paar Euros Steuern und Sozialabgaben spart. Spätestens nach einem Unfall, einer längeren Erkrankung, bei Arbeitslosigkeit oder bei der Rente sieht das dann anders aus. Armut ohne Ende.

So, jetzt denkt mal in Ruhe nach, denkt mal an das Wort Nachhaltigkeit und tut dann in Eurem Leben das Richtige. Entscheiden muss sich jeder selber.

Arbeitsalltag eines Pferdewirtes/in

Autosave-File vom d-lab2/3 der AgfaPhoto GmbHn.n, 2.9.2013:

Es wäre schön, wenn sich endlich jemand für die Arbeitsbedingungen und die Löhne der Pferdewirte einsetzen würde.

Es wäre schon hilfreich wenn die Betriebe regelmäßig kontrolliert werden, ob die Arbeitsschutzgesetze eingehalten werde und wenn nicht, sollten auch die vorgesehenen Strafen bezahlt werden müssen. Außerdem sollte ein bundeseinheitlicher Mindestlohn für Pferdewirte sowie ein Tarifvertrag eingeführt werden, wo auch Weiterbildungen und der LKW Führerschein berücksichtigt werden.

Der Arbeitsalltag der Pferdewirte ist wirklich schlimm, da spreche ich aus eigener Erfahrung: 50, 60 Stunden und mehr sind eher die Regel und nicht die Ausnahme. Das fängt schon bei der Ausbildung an.

Die Löhne der Lehrlinge sind wenigstens schon Tariflich geregelt, aber danach stehen die Pferdewirte mit Hungerlöhnen da.

Lt. Vertrag 48 Std.-Woche aber meistens eher 70-90 Std. bei 1000,– € Nettolohn, das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Wenn man was sagt, heißt es nur „Dann hättest du was anderes lernen sollen, hier ist das nun einmal so und wenn es dir nicht passt kannst du ja gehen“.

Überstunden ohne Ende – Ausgleichszahlung oder Freizeitausgleich – Fehlanzeige! Einhaltung des Arbeitsschutzgesetzes – Fehlanzeige!

Zitat: Wir gehören zur Landwirtschaft, da gelten andere Bedingungen.

Freizeit!

Man muss schon froh sein wenn man regelmäßig einen freien Tag in der Woche bekommt.

Urlaub!

Wenn du sehr viel Glück hast, bekommst du wenigsten teilweise deinen vertraglich festgelegten Urlaub!

Äußerungen der Chefs:

Ich glaube Turnierbegleitung gehört gar nicht zur Arbeitszeit, da tust du eh nicht so viel

da brauche ich dir keinen extra freien Tag geben. Mit mir wird es keinen höheren Lohn geben, ich zahl allen das gleiche, geh zum Beerbaum da musst du für gleiches Geld noch mehr arbeiten.

Gearbeitet wird bis alles fertig ist, egal was im Vertrag steht. usw…..

Mit solchen Aussagen könnte ich mittlerweile ein Buch füllen.

Zur Zeit liegt meine Arbeitsstelle in der Nähe meiner Eltern, so dass ich Zuhause Wohnen und Essen kann, denn eine eigene Wohnung kann ich mir gar nicht leisten. Die Kaltmieten hier liegen bei 350 bis 500 € für eine kleine 2-Zimmer Wohnung, die Mieten für ein Appartement sind auch nicht viel billiger. Auf ein Auto kann ich bei diesen Arbeitszeiten auch nicht verzichten, da der Betrieb zu weit weg ist um zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren und die öffentlichen Verkehrsmittel auf meine Arbeitszeiten nun mal keine Rücksicht nehmen. Eine Wohnung oder ein Zimmer in der Nähe des Hofes ist nicht zu bekommen da er zu abgelegen ist.

Ich liebe meinen Beruf und möchte auch weiter machen, aber ich weiß nicht, ob ich mir das auf Dauer leisten kann.

Angenommen ich mache doch weiter, bin ich im Alter sicher Harz IV-Empfänger oder ein Sozialfall, da ich gar kein Geld habe um für den Ruhestand vorzusorgen.

Von den Lehrlingen die mit mir die Prüfung abgeschlossen haben, haben sich bereits mehr als die Hälfte etwas anderes gesucht. Wie soll das weitergehen?

Ich hoffe nur, das alles doch noch besser wird, da es eigentlich immer mein Traum war mit Pferden zu arbeiten und ich dies sehr vermissen würde.

Ich hoffe doch, das mein Name nicht veröffentlicht wird, da ich sonst gleich meine Kündigung bekomme.

Mit freundlichen Grüßen

n.n.

Fairer Lohn nach der Prüfung?

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Vermögen lässt sich als Berufsanfänger beim Pferdewirt nicht bilden. Aber fair muss gute Arbeit schon bezahlt werden. Foto: DBB

Da es kaum verbindliche Tarife für Pferdewirte gibt, muss der Lohn Auge in Auge mit dem zukünftigen Arbeitgeber ausgehandelt werden.

Das ist gar nicht so einfach, denn einerseits möchte man zu Beginn des Berufslebens endlich auch einmal so viel Geld verdienen, dass die Eltern nicht mehr Hauptsponsor sind und andererseits nicht als massloser, gieriger Bewerber auftreten.

Ein guter Hinweis sind die gemeinsamen Empfehlungen der Arbeitgeber (Arbeitgeberverband der West- fälisch Lippischen Land- und Forstwirtschaft) und der Arbeitnehmer (Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt). Die beiden Sozialpartner sagen, dass ein Berufsanfänger als Pferdewirt

  • monatlich 1.832,00  brutto bei 40 Wochenstunden als fair und angemessen gelten kann. Das könnte etwa, je nach Alter und Lebenssituation, 1.200 € netto sein.