Warum bekomme ich so wenig Ausbildungsvergütung?

n.n. (dem Admin bekannt)

28.06.2018

Hallo,
Ich hätte da mal eine Frage, undzwar fange ich am 1.08 meine Ausbildung zum Pferdewirt in Sachsen-Anhalt an. In meinem Vertrag steht im 1. Ausbildungjahr 540 €, im 2. Ausbildungjahr 585 €, und im 3. Ausbildungjahr 630 €.
Das sind ganz andere Beträge als sie hier stehen.

Kann ich mit das ändern lassen ?

Meine Freundin hat es auch so, in ihrem Vertrag steht im 2. Ausbildungjahr 640 €, und im 3. Ausbildungjahr 680 €. Sie macht ihre Ausbildung in Hessen und da sind die auch ganz anders.

Hilfreiche Umrechnungstabelle zur Weidedüngung

Wenn eine Düngeplanung erstellt werden muss, ist eine Umrechnungstabelle der Pflanzennährstoffe immer hilfreich.

Sobald das Ergebnis einer Bodenprobe vorliegt, geht es für Pferdewirte an die praktische Umsetzung, die Düngeplanung. Deshalb gehört die Weidedüngung auch zum Prüfungswissen. Hierbei hilft in vielen Fällen eine Umrechnungstabelle der einzelnen Pflanzennährstoffe von der Elementform zur Oxidform und umgekehrt, denn ob der Stickstoff in Form von Nitrat oder Ammonium vorliegt, bedeutet nicht, dass deren Gewichte (Massen) vergleichbar sind.

Selbst bei der Fütterung kann die Umrechnungstabelle helfen, denn 100 g Salz (NaCl) sind nicht auch 100 g Natrium (Na).

Hier jedenfalls könnt Ihr Euch die hilfreiche Umrechnungstabelle herunterladen.

Update für das Giftpflanzenbuch

Im neuen Look und grundlegend aktualisiert: Das alte Buch Giftpflanzen für Pferde wird zu Pferdewirtprüfung (Bd. 10) -Giftpflanzen- .

Ganze 9 Jahre hat es schon auf dem Buckel gehabt, das Buch Giftpflanzen für Pferde. Dringend nötig das große Update zur 2. Auflage 2018. Nicht nur das Äußere (Titel, Format, Farbe, Grafik) hat sich verändert und ist damit zum Band 10 der Reihe Pferdewirtprüfung geworden, sondern, und das ist viel wichtiger, der Inhalt wurde an die neuen Erkenntnisse der Toxikologie angepasst und neuere Entwicklungen für Pferdehalter in Specials zusätzlich in der brandneuen 2. Auflage aufgenommen:

  • Bei den Kreuzkräutern steht nicht so sehr die Giftigkeit der Kreuzkräuter im Vordergrund, das ist allgemein bekannt, im Fokus steht, wie Pferdehalter eine erfolgversprechende Kreuzkrautprophylaxe installieren können, um ihre Pferde zu schützen.
  • Völlig unterschätzt wird mehrheitlich in der Pferdehaltung die nicht unerhebliche Gefahr der Nitrat- Vergiftung. Ursächlich verantwortlich bei der oft schleichenden, meist übersehenen Nitratvergiftung ist die Überdüngung der Böden und Gewässer hauptsächlich durch die Massentierhaltung. Da, wo Gülle und Rückstände aus der Biogasproduktion nicht zur Düngung, sondern zur Entsorgung auf die ohnehin schon üppig versorgen Böden ausgebracht wird, reichern nicht nur das Bodenwasser, sondern auch viele Pflanzen große Nitratmengen an, die bereits in geringer Konzentration zu Vergiftungen führen, die mit Darmentzündungen und Leistungsminderungen beginnen. Es gibt Toxikologie die berichten, dass die Vergiftungen mit Nitrat ein größeres Ausmaß haben, als „klassische“ Vergiftungen durch Pflanzen.
  • In neuerer Zeit wird die „Zucht“ von bekämpfungsresistenten Giftpflanzen zu einem großen Problem. Durch nicht fachgerechten Einsatz von Herbiziden werden in der intensiven Landwirtschaft regelrecht resistente Biotypen gezüchtet, die sich dann ungehindert auf vielen landwirtschaftlichen Flächen ausbreiten können und nicht nur im Futter wieder auftauchen, sondern auch in Saatreife gelangen. Große Probleme gibt es bereits bei Kreuzkräutern und dem Schwarzen Nachtschatten.
  • Erinnert wird einmal mehr über die besondere Vorsicht von Pferdehaltern mit ihren Gartennachbarn. Immer öfter wird der Gartenschnitt über den Koppelzaun entsorgt. Das geht nicht selten tödlich aus.
  • Und natürlich gibt es klare Ratschläge, wie Pferdehalter ihr Pferd und später auch dem Tierarzt helfen können, wenn der Fall doch eintreten sollte, den sich keiner wünscht.
  • In der 2. Auflage wurden auch die Hunde der Pferdehalter nicht vergessen. Alle Pflanzen, die auch für Hunde problematisch werden können, sind, soweit bekannt, markiert.
  • In einem Teil werden diejenigen Pflanzen beschrieben, die Pferdehalter nach dem heutigen Wissensstand sorglos um ihre Weiden Pflanzen können. Hier eignen sich sehr gut sogenannte Knicks, also Hecken. Eine eindeutige WIN-WIN-Situation für Pferdehalter, Pferde und Natur.

Die Beschäftigung mit diesem Praxisbuch für alle Pferdehalter ist geeignet, Pferdeleben zu retten, denn, da sind sich alle Toxikologie einig, 90% aller Vergiftungen hätten sich vermeiden lassen.

Die bibliografischen Angaben:

Dietbert Arnold: Pferdewirtprüfung (Bd.10) -Giftpflanzen-, (BOD) Norderstedt 2018, ISBN 978-3746006864

Erhältlich beim Verlag BOD, im Internethandel wie amazon, buecher.de, Hugendubel.de  sowie in jedem Buchladen zu bestellen.

Tipp: Bei der Bestellung erst auf das Erscheinungsjahr 2018 schauen und danach den günstigsten Preis (inclusive Porto und Verpackung) aussuchen. Nicht, dass Ihr noch ein altes Buch untergejubelt bekommt. Die Verwendung der alten Auflage kann aus fachlicher Sicht nicht mehr empfohlen werden!

Über den Tellerrand schauen!

Für jeden Menschen, aber gerade auch für Pferdewirte ist es besonders wichtig, sich durch Gradlinigkeit, Zivilcourage, Meinung, Einstellung und Haltung auszuzeichnen. Nur dann könnt Ihr aufrecht und zufrieden durch das Berufsleben und Euer Leben gehen.

Aber auch diese sozialen Verhaltensweisen müssen erlernt werden. Genau wie beim Reiten benötigt Ihr auch ohne Pferd Haltung.

Hilfreich können bei diesem Prozess die Berichte von Zeitzeugen sein, denn die sind, im Gegensatz zu den Kasinogesprächen, authentisch, eben keine Legenden, keine Fakenews.

Deshalb gibt es jetzt für Euch das Taschenbuch Pferdewirtprüfung (Bd. 9) -Zeitzeuge: Der Lipizzanerretter-. In diesem Buch berichtet der Zeitzeuge, der Tierarzt Dr. Lessing, Pferdewirtauszubildenden in ihrer Berufsschule aus seinem Leben und seine Erfahrungen damit. Entstanden sind Lebenserinnerungen, die nicht nur spannend, sondern obendrein kritisch, gut verständlich und durchaus humorvoll sind.

Als Zeitzeuge berichtet Dr. Lessing, wie er die komplette Lipizzanerzucht der Österreicher rettete, aber auch im eiskalten Wasser der Ostsee vor Göteborg schwamm, die Umzüchtung zum modernen Reitpferd gelang, er mit seinem Pferd auf der Autobahn ritt und wann er gemerkt hat, das die Nationalsozialisten Verbrecher waren.

Ein spannendes, gut lesbares Buch, dass auch nachdenklich macht.

Lasst es Euch nicht ausreden: Reiten alleine reicht nicht. Auch wenn Ihr nicht auf dem Pferd sitzt benötigt Ihr Haltung!

Nach der Schule noch arbeiten?

Der Berufsschulbesuch ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Prüfung. Deshalb hat jeder Azubi das Recht von Beginn der Ausbildung an die Berufsschule zu besuchen. Der Chef MUSS Euch gehen lassen!

 

Jeder Azubi in Deutschland hat das Recht während seiner Berufsausbildung die Berufsschule zu besuchen und der Ausbilder muss seine Azubis dafür freistellen.

Da Schule in Deutschland von den Bundesländern organisiert wird, gibt es so viele Schulgesetze wie Bundesländer. Die Mehrzahl der Bundesländer ordnet während der Berufsausbildung absolute Schulpflicht an, einige Bundesländer haben für manche Schüler eine lediglich eine Kann- Regelung. Genaues zu Eurem Bundesland findet Ihr hier.

Immer wieder gibt es Streit um die Zeiten des Berufsschulbesuches und die Frage, ob vor oder nach der Schule noch gearbeitet werden muss.

Grundsätzlich gibt es dazu klare Grundsätze:

  1. Die freizustellende Zeit zum Besuch der Berufsschule beginnt mit dem Schulweg und endet mit der Rückkehr in den Betrieb. Schulpausen oder eine Freistunden gelten als Schulzeit. Gleiches gilt für Schulveranstaltungen, wie Exkursionen, Klassenfahren, usw.. Aber: Ihr müsst den kürzesten Weg zur und von der Schule nutzen. Eigenmächtige Pausen bei MacD sind nicht in der Schulzeit enthalten. Ist die Schule kürzer als auf dem Stundenplan vermerkt, müsst Ihr direkt nach dem aktuellen Schulschluss zurück in den Betrieb. Entsprechend, wenn die Schule später beginnt.
  2. Um zu entscheiden, ob Ihr vor- oder nach der Schule im Betrieb arbeiten müsst, seht Ihr in Euren Ausbildungsvertrag. Dort MUSS die tägliche Ausbildungszeit stehen. Wenn nicht, wendet Euch an die Zuständige Stelle und lasst den Ausbildungsvertrag korrigieren, denn alle anderen Zeitangaben anstelle der täglichen Ausbildungszeit sind rechtswidrig. Besonders übers Ohr gehauen werden Azubis in Rheinland- Pfalz, weil sich die Zuständige Stelle nicht bequemt, ihre rechtswidrigen Ausbildungsverträge zu korrigieren. Nehmen wir einmal an, die tägliche Ausbildungszeit beträgt 8 h, dann zieht Ihr die Schulzeit (Schulhinweg + Schulstunden + Schulrückweg) von den 8 h ab. Bleibt ein Rest, müsst Ihr wieder in den Betrieb. Entsteht ein Minus, dann habt Ihr Überstunden geleistet, die entweder bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden müssen.
  3. Für Jugendliche, die noch nicht 18 Jahre alt sind, gilt das schärfere Jugendarbeitsschutzgesetz.

Wieviel Urlaub gibt es?

Jeder Mensch hat in Deutschland das gesetzlich garantierte Recht auf bezahlten Urlaub. Unter 24 Werktage geht gar nicht.

n.n. (dem admin bekannt)

11.11.2017

 

Hallo ,

meine Freundin arbeitet seit dem 15.1.2002 in einem Dressurstall. Sie ist 37Jahre alt, wie viel Urlaub steht ihr zu? Steht ihr rein rechtlich noch andere Leistungen zu die Sie in Anspruch nehmen kann?

Vielen Dank

 

Dietbert Arnold

12.11.2017

Hallo liebe n.n.,

ich habe einmal Deinen Namen weggelassen, damit wir uns in Ruhe austauschen können. Jeder Mitarbeiter, übrigens auch Minijobber, hat Anspruch auf Urlaub. Dieser wird bei Jugendlichen vom Jugendarbeitsschutzgesetz geregelt, bei Erwachsenen durch das Bundesurlaubsgesetz. Zu Jugendlichen schreibe ich jetzt nichts, denn da ist Deine Freundin ja gerade ein wenig drüber. Das Bundesurlaubsgesetz schreibt den Mindesturlaub vor. Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen höheren Urlaub vereinbaren, dann ist das natürlich erlaubt. Grundsätzlich darf der Urlaub nicht kürzer als 24 Werktage im Jahr sein. Werktage sind alle Tage außer Sonntage und Feiertage. Eine Staffelung nach Alter darf nur noch in begründeten Ausnahmefällen vorgesehen werden. Übrigens: Wenn im Arbeitsvertrag eine 5-Tage-Woche vereinbart wurde, dann besteht eine Urlaubswoche aus 5 Arbeitstagen, bei einer 6-Tage-Woche aus 6 Arbeitstagen. Die Anzahl der Werktage ist für beide Arbeitsverträge gleich, nämlich 6 Werktage. Somit haben alle Arbeitnehmer einen Jahresurlaub von mindestens 4 Wochen. Das wollte der Gesetzgeber so garantieren.

Infos zum Bundesurlaubsgesetz findest Du hier und  hier

Weitere Infos erhältst Du, indem Du die Suchwörter „Entlohnung“, „Arbeitszeit“ sowie „Mindestlohn“ eingibst. Ich denke Du findest sehr viele Infos, was fair ist und was nicht. Oben unter „Gesetzlichen Grundlagen“ findest Du alle Gesetze im Original.

Eine gute Idee ist übrigens, Mitglied in der Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt zu werden, denn die beraten nicht nur, die kämpfen auch für ihre Mitglieder, notfalls auch vor Gericht. Und das alles ist im Gewerkschaftsbeitrag enthalten.

Wenn weitere Fragen sind, dann melde Dich einfach wieder.

Wenn sich Rechnen lohnt:

Mit der Arbeitszeit rechnen

tägliche Arbeitszeit (im Wochendurchschnitt)=wöchentliche Arbeitszeit:Anzahl der wöchentlichen Arbeitstage
z.B.: 6,66 h/Tag=40h/Woche:6
monatliche Arbeitszeit in Stunden=wöchentliche Arbeitszeitx4,35*
z.B.: 174 h monatliche Arbeitszeit40 h/Wochex4,35
Arbeitstage im Monat=Anzahl wöchentliche Arbeitstagex4,35
z.B.: 26,1 Arbeitstage/ Monat=6 Arbeitstage/ Wochex4,35
Brutto- Stundenlohn=Brutto-Lohn im Monat:monatliche Arbeitsstunden
z.B.: 12 EUR Brutto- Stundenlohn=2.088 EUR Brutto- Lohn im Monat:174 Arbeitsstunden/ Monat
Brutto- Monatslohn=Brutto- Stundenlohnxmonatliche Arbeitsstunden
z.B.: 1.820,91 Brutto- Monatslohn=9,10 Brutto- Stundenlohnx200,1 Arbeitstunden/ Monat
* Ein Jahr hat bekanntlich 52 Wochen und 12 Monate. Demzufolge bekommt rechnerisch jeder Monat 4,334 Wochen (52:12=4,3333...). Nun gibt es aber auch Schaltjahre, die diese Rechnung von 4,3333... wieder ungenau machen. Deshalb rechnen Tarifpartner und auch die Lohnsteuerrichtlinie mit 4,35 Wochen in jedem Monat.

Merke: 1 Monat hat 4,35 Wochen und 21,75 (Fünf-Tage-Woche) oder 26,1 Arbeitstage (6-Tage-Woche)

Ausbildung- Check-up zum Ende der Probezeit

Spätestens im Dezember oder Januar läuft Eure Probezeit in der Berufsausbildung zum Pferdewirt ab. Innerhalb der Probezeit habt Ihr die Möglichkeit, den Ausbildungsbetrieb jederzeit komplikationslos, ohne Begründung und Angst vor Schadenersatzforderungen seitens des Ausbildungsbetriebes zu wechseln.

Jetzt ist die Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen, ob Ihr die nächsten Jahre Eure Ausbildung in diesem Betrieb fortsetzen wollt, ob Ihr in diesem Betrieb die Chance bekommt, eine erfolgreiche Berufsausbildung zu beenden.

Ich habe für Euch einmal Punkte in einer Tabelle erstellt, die nach meiner Erfahrung in der Berufsausbildung zu großen Konflikten führen können.

Nur ein Beispiel: Wenn Ihr nicht die Berufsschule besuchen dürft, dann findet Ihr das am Anfang vielleicht gar nicht so tragisch. Wenn Ihr dann aber eine sehr schlechte Prüfung ablegt oder, was gar nicht so selten vorkommt, deshalb durch die Prüfung fallt, dann ist das plötzlich eine ganz schlimme Sache. Euer Ausbilder lacht sich ins Fäustchen, dass Ihr so schön für ihn Geld verdient habt und Ihr müsst Euch nach der Berufsausbildung mit einem schlechten Zeugnis bewerben oder zusehen, wie Ihr die Wiederholungsprüfung schafft. Ein ganz mieser Start in das Berufsleben! Wollt Ihr das? Jetzt, zu Beginn der Ausbildung könnt Ihr das sicher zu erwartende Unheil noch abwenden. Entweder Euer Chef lenkt nach einem Gespräch ein, oder aber Ihr dreht Euch um und geht. Freie Ausbildungsplätze gibt es mittlerweile genug.

Probleme aushalten, anstelle sie frühzeitig zu lösen, führt in aller Regel in die Katastrophe. Das zeigt die langjährige Erfahrung mit Auszubildenden und mit Abschlussprüfungen. Gute Ausbildungsbetriebe sehen das genau so wie ich. Von Schwarzen Schafen müsst Ihr Euch trennen. Jetzt, nicht erst vor der Prüfung! Ihr seid jetzt erwachsen, Ihr seid jetzt im Berufsleben angekommen!

Wenn Ihr in der nachfolgenden Liste ein NEIN (also es stimmt nicht, was da steht) notiert habt und das Problem in einem klärenden Gespräch mit Eurem Ausbilder nicht lösen könnt, dann solltet Ihr noch in der Probezeit einen Wechsel des Ausbildungsbetriebes erwägen.

Ausbildungs- Check-up zum Ende der Probezeit

Das ist mein Ausbildungsalltag:janein
1****Ich besuche seit Ausbildungsbeginn regelmäßig die Berufsschule.
2Ich muss nach der Berufsschule nicht mehr arbeiten.
3Ich arbeite im Regelfall nicht länger als im Ausbildungsvertrag vereinbart.
4Die Zeit in der Berufsschule sowie der Schulweg werden als Arbeitszeit gerechnet.
5Überstunden werden vom Betrieb durch Freizeit ausgeglichen.
6Bei notwendiger Arbeit an Sonn- und Feiertagen bekomme ich Ersatzruhetage.
7Ich bekomme regelmäßig eine komplette Lohnabrechnung, auf der genau zu sehen ist, welchen Bruttolohn ich erhalte und ich den ausgezahlten Nettolohn nachvollziehen kann.
8Ich habe einen gesetzlich vorgeschriebenen, persönlichen Ausbildungsplan für meine Ausbildung erhalten.
9Ich schreibe wöchentlich einen Ausbildungsnachweis* mit Zeitangaben, den der Ausbilder regelmäßig unterschreibt.
10Ich hake diejenigen Ausbildungsinhalte im Ausbildungsplan** ab, die mir vom Ausbilder vermittelt wurden.
11Ich spreche regelmäßig mit meinem Ausbilder über meinen Ausbildungsfortschritt.
12Ich bekomme den im Ausbildungsvertrag vereinbarten Urlaub von mindestens 24 Werktagen.
13Ich habe einen von mir, dem Betrieb und der Zuständigen Stelle unterschriebenen Ausbildungsvertrag ausgehändigt bekommen.
14Ich erhalte den im Ausbildungsvertrag vereinbarten Lohn ***.
15Ich werde regelmäßig ausgebildet und bin nicht hauptberuflich Pferdepflegerin.
16Trotz der anstrengenden Berufsausbildung finde ich Zeit, mich mit der Theorie (Anatomie, Reitlehre, Haltung, Tierverhalten, usw.) zu beschäftigen.
17Bei allen Fragen und Problemen, die ich habe, kann ich meinen Ausbilder immer ansprechen und ich fühle mich ernst genommen.
18Ich freue mich noch immer, diesen Ausbildungsplatz bekommen zu haben.
19Ich werde nicht angeschriehen und beleidigt
20Ich werde nicht sexuell belästigt (anmachen, beleidigen, begrabbeln, sexuelle Anspielungen, usw.)
21Ich bin bei der Zusatzversorgung für Arbeitnehmer in der Land- und Forstwirtschaft angemeldet.*****
22Ich bin vom Betrieb sozialversichert. ******
* Unter Downloads könnt Ihr Euch einen gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsnachweis ausdrucken und regelmäßig ausfüllen.

** Unter "Downloads" findet Ihr einen Ausbildungsplan der entsprechenden Fachrichtung der Berufsausbildung zum Pferdewirt zum abhaken der bereits ausgebildeten Inhalte.

*** Unter "Bezahlung" findet Ihr die Euch zustehende Entlohnung während der Berufsausbildung.

**** Die Reihenfolge ist nicht nach Wichtigkeit/ Bedeutung vorgenommen worden.

***** Diese Aussage kommt nur für Azubis von landwirtschaftlichen Betrieben infrage. Sonst nicht beachten! Infos: www.zla.de

****** Im Zweifelsfall könnt Ihr Euch bei Eurer Krankenkasse erkundigen, die ist für die Beitragszahlung aller Sozialversicherungen zuständig.

Ausbildungsstatistik 2017: Die Talfahrt setzt sich fort: Vorzeitige Vertragsauflösungen erneut gestiegen!

Die neue Ausbildungsstatistik 2017 des Statistischen Bundesamtes ist seit eigen Tagen veröffentlicht und muss besonders in der Pferdewirtschaft mit großer Sorge zur Kenntnis genommen werden.

Nach wie vor befindet sich der Beruf Pferdewirt im freien Fall.

Jetzt rächt sich die vielfach zu beobachtende, gewissenlose Berufsausbildung in diesem Beruf, bei der die Arbeitsleistung der Azubis im Fokus der Ausbildungsbetriebe steht und Ausbildung zur Nebensache gerät.

Maßlose Ausbilder machen den Beruf kaputt. Die Reaktion des Berufsstandes ist, vorsichtig ausgedrückt, verhalten, nur Schönreden ändert nichts! Wer Kritik übt, ist ein Nestbeschmutzer.

Das standardmäßig wiederholte Argument, hier platzen nur die Träume der Wendymädels ist so einfältig wie falsch. In kaum einen Beruf machen Schüler dermaßen oft Schülerpraktika, wie im Beruf Pferdewirt und schließlich haben ja Berufsausbilder den Ausbildungsvertrag nach sorgfältiger Prüfung der möglichen Azubis unterschrieben.  Oder suchen die tatsächlich nur billige Arbeitskräfte, weil die Betriebe in der Pferdewirtschaft wissen, dass sie mit ihren Auszubildenden sogar noch Geld verdienen.

Nicht zu leugnen: über 50% der Azubis schmeißt die Ausbildung vorzeitig hin. Die Begründung der Azubis, die ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig lösen, ist nahezu immer gleich:

  • mangelnde Wertschätzung,
  • mangelnde Ausbildung,
  • maßlose Arbeitszeiten.

Damit ist der Beruf Pferdewirt einer der traurigen Spitzenreiter bei den vorzeitigen Vertragslösungen in Deutschland. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 25%. Bei den Pferdewirten liegt die vorzeitige Lösungsquote bei mittlerweile über 50%!

Trauriger Spitzenreiter ist die Fachrichtung Klassische Reitausbildung mit 56%!

Auch Pferdewirtazubis haben ein Recht auf Ausbildung und sind keine billigen Arbeitskräfte. Die Wirklichkeit sieht aber oft anders aus.

Interessant ist der Vergleich der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge und die vorzeitige Vertragsauflösung im Jahr 2016 und 2017 in Deutschland:

Neue und vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge 2016 und 2017

FachrichtungGeschlechtneue Verträge 2016vorz. gelöst. Verträge 2016neue Verträge 2017vorz. gelöst. Verträge 2017
Haltung & Servicem3918 (46%)3915 ( 38%)
w333153 (46%)327174 (53%)
Zuchtm66 (100%)153 (20%)
w5736 (63%)7533 (44%)
Klassische Reitausbildungm3315 (46%)3318 (55%)
w18999 (52%)216120 (56%)
Rennreitenm66 (100%)03
w93 (33%)126 (50%)
Spezialreitweisenm33 (100%)30 (0%)
w3012 (40%)3612 (33%)
alle Fachrichtungen705351 (50%)756384 (51%)
*Bei den ganz kleinen Fachrichtungen dürfen die %- Angaben nicht überinterpretiert werden, da bereits ein Azubi die Prozentzahl wesentlich beeinflusst.

 

Ein Beruf, der locker auf die Hälfte seiner Azubis verzichten kann, investiert zu wenig in seinen Nachwuchs und schafft sich mittel- und langfristig ab. Einzelne Fachrichtungen sind schon kräftig dabei.

Die Berechtigung Auszubildende einzustellen setzt voraus, sich an Recht und Gesetz zu halten, in Ausbildung zu investieren und den Wunsch nach einer billigen Arbeitskraft hinten anzustellen.

Übrigens:

  • Die guten Azubis brechen ab und gehen. Die, die gehen, haben in der großen Mehrzahl einen mittleren oder höheren Schulabschluss und entscheiden sich oft statt der enttäuschenden Berufsausbildung für ein Studium.
  • Obwohl viele Betriebe Jungen händeringend suchen, können sie nicht verhindern, dass z.T. ganze Jahrgänge ihre Ausbildung unter diesen Bedingungen hinschmeissen.
  • Den gesamten Bericht 2016 findet Ihr hier zum kostenfreien Download, den Bericht 2017 könnt Ihr hier downloaden.

Fachrichtung wechseln?

In den ersten zwei Jahren könnt Ihr die Fachrichtung noch wechseln. Entweder in der Probezeit oder danach nur nach Absprache mit Eurem Ausbilder.

n.n., 07.05.2017 (dem Admin bekannt)

Ich befinde mich jetzt seit 3 Monaten in der Ausbildung zum Pferdewirt FR Pferderennen EG Trabrennfahren. In ca. eineinhalb Monaten steht meine Zwischenprüfung bevor.

Mir macht das Fahren sehr viel Spaß, auch mit den Geschwindigkeiten habe ich kein Problem, nur habe ich mittlerweile das Gefühl, ich hätte kein „Handchen“ als Fahrerin. Zudem bezweifle ich momentan stark, ob ich Freude und genug Ehrgeiz für die Rennen hätte, da sich die Situation auf der Rennbahn doch sehr von der im Training unterscheidet.

Trotzdem fühle ich mich in meinem jetzigen Ausbildungsbetrieb wirklich wohl, ich komme mit den anderen Mitarbeitern, meinem Chef und den Pferden sehr gut klar und möchte das Umfeld dort nicht mehr missen! Allerdings möchte ich mich natürlich auch weiterentwickeln, auch reiterlich, was momentan nicht möglich ist.

Ich habe überlegt, die Fachrichtung zu wechseln, möglichst zur Zucht. Ich habe auch schon zwei mögliche Betriebe gefunden, die ich kontaktieren möchte, damit sie meine weitere Ausbildung übernehmen. Ist das überhaupt möglich oder muss ich erst „in den sauren Apfel beißen“ und meine jetzige Fachrichtung zu Ende lernen um dann zu wechseln? Könnte es Probleme geben, weil ich im zweiten Lehrjahr angefangen habe?

Haben Sie zudem eine Idee, wie ich ein Gespräch mit meinem jetzigen Chef anstoßen könnte, der wird ja wohl nicht allzu begeistert sein.

Dietbert Arnold, 08.05.2017

Grundsätzlich ist ein Wechsel der Fachrichtung oder des Einsatzgebietes im Beruf Pferdewirt/in möglich. Nach der Verordnung zum Beruf Pferdewirt/sind die ersten zwei Jahre der Ausbildung identisch, nur das dritte Ausbildungsjahr ist dann fachrichtungsbezogen. Das bedeutet, dass Du die ersten zwei Jahre in der Ausbildung immer für alle Fachrichtungen anerkannt bekommst. Du musst also nicht die Ausbildung neu beginnen. Selbst wenn Du die Abschlussprüfung in der einen Fachrichtung bestanden hast, benötigst Du nur noch ein Jahr weitere Ausbildung, also das dritte Ausbildungsjahr in einer anderen Fachrichtung, um dann die Abschlussprüfung in der weiteren Fachrichtung machen zu können.

Jetzt kommt aber die nächste Überlegung: Aus einem Ausbildungsvertrag kann man/frau nicht so einfach aussteigen. Dazu benötigst Du wichtige Gründe (Ausbildungsmängel, Verfehlungen des Ausbilders, Verbot die Berufsschule zu besuchen, usw.) oder aber der Hinweis, dass Du die Berufsausbildung ganz aufgeben möchtest. Das ist bei Dir augenscheinlich nicht der Fall. Weil eine Berufsausbildung so ein fester Vertrag ist, hat der Gesetzgeber bestimmt, dass es immer eine Probezeit geben muss, mindestens 1 Monat und maximal 4 Monate. In dieser Zeit können beide Seiten die Ausbildung ohne Begründung sofort beenden. Auf gut Deutsch: Chef ich bin dann mal weg, drehst Dich um und gehst. Danach geht das eben nicht mehr. Natürlich kann eine Berufsausbildung auch im gegenseitigen Einverständnis gelöst werden. Das muss aber schriftlich passieren. Die Zuständige Stelle hat dafür Vordrucke.

In Deinem Ausbildungsvertrag steht genau drin, wie lang Deine Probezeit ist, in der Du jederzeit in der Probezeit ohne jeglichen Grund kündigen kannst. Die beste Lösung ist immer, wenn Ausbilder und Auszubildende sich aussprechen und der Wechsel nicht im Streit geschieht. Ich rate Dir, ein Gespräch mit Deinem Ausbilder zu suchen und ohne Vorwürfe an ihn Deine Situation schildern und darum zu bitten, für Deine Entscheidung Verständnis aufzubringen. Du bringst Verständnis für seine Situation auf, denn der Ausbilder hat ja mit Dir als Arbeitskraft gerechnet. So ein Gespräch solltest Du nicht auf der Stallgasse suchen, sondern machst mit Deinem Ausbilder einen Termin aus, bei dem ihr euch bei einer Tasse Kaffee mal ganz in Ruhe unterhalten könnt. Ohne Handy und anderen Störungen.

Ganz zum Schluss muss ich Dir sagen, dass es durchaus eine gute Idee sein kann, von den Trabern zu einer anderen Fachrichtung zu wechseln, denn im Trabrennsport ist die Situation nicht wirklich zukunftsfähig. Das könnte eine Sackgasse sein für Auszubildende. Leider streiten sich die „Traber“ gerne mal untereinander und vergessen dabei, dass sie ihrem Beruf dabei nicht gerade weiterbringen.

Du hast ein Recht auf ein Arbeitszeugnis!

n.n.(dem Admin bekannt), 07.04.2017

Hallo,
Ich habe meinen Ausbilder gebeten mir ein Zeugnis auszustellen aber ich soll dieses selbst schreiben. Gibt es Vorlagen oder ähnliches ?

Dietbert Arnold, 08.04.2017

Hallo liebe n.n.

da macht es sich aber Dein Chef zu einfach! DER hat gemäß Berufsbildungsgesetz § 16 die Pflicht, Dir ein schriftliches Zeugnis auszustellen. Nicht DU, sondern DER muss das Zeugnis schreiben. Ich rate Dir dringend, nicht einen Zeugnistext zu schreiben, denn Du kannst überhaupt nicht abschätzen, welche Folgen welche Zeugnisformulierungen für Deinen weiteren Lebensweg haben werden. Dieses Zeugnis wird Dich lebenslang begleiten.

Du hast einen einklagbaren Anspruch auf ein Zeugnis Deines Ausbildenden und der hat am Ende der Berufsausbildung das Zeugnis auszustellen. Der Ausbildende kann aber verlangen, dass Du das Zeugnis bei ihm abholst. Bekommst DU kein Arbeitszeugnis von Deinem Chef, kannst Du ihn u.U. schadenersatzpflichtig machen!

DU musst übrigens Deinem Chef sagen, ob Du ein „einfaches“ oder ein „qualifiziertes“ Zeugnis haben möchtest. DU hast das Wahlrecht!

Das „einfache“ Zeugnis muss gemäß Berufsbildungsgesetz folgende Mindestinhalte haben: Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung, erworbene Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. Das Zeugnis muss schriftlich auf Papier und nicht in elektronischer Form erstellt werden. Zeugnisse müssen immer wahrheitsgemäß, vollständig und wohlwollend formuliert sein.

Das „qualifizierte Zeugnis“ enthält Angaben über Dein Verhalten ( Pünktlichkeit, Kundenumgang, Umgang mit Vorgesetzten, Mitarbeitern und Mitazubis, Umgang mit den Pferden, usw.) und Deine Leistungen in der Berufsausbildung (Auffassungsgabe, Lernwille, Leistungsbereitschaft, Selbständigkeit, Qualität der Arbeit, Zusatzqualifikationen, Turnierteilnahmen, Berufswettbewerbe, Arbeitstempo, Eigeninitiative, Entscheidungsfähigkeit, Urteilsvermögen, usw.). Das qualifizierte Zeugnis darf nur auf Deinen Wunsch erstellt werden. Auf keinen Fall dürfen bestimmte Formulierungen benutzt werden, die als sog. Geheimcodes dienen. Da werden positive Beurteilungen dazu genutzt, Dich zu kritisieren. Oft erkennen nur Profis die Geheimcodes, deshalb ist die Begutachtung des Zeugnisses von Fachleuten nicht falsch.

Am Ende des Zeugnisses wird eine Schlussformel erwartet.

Im Übrigen darf ein Ausbilder keine Auskünfte z.B. an neue Arbeitgeber ohne Deine Zustimmung geben. Zur Information an neue, zukünftige Arbeitgeber dient das Arbeitszeugnis.

Das Arbeitszeugnis muss auf dem betrieblich benutzten Geschäftsbogen erstellt und natürlich mit Ort und Datum unterschrieben werden. Das Zeugnis muss die Überschrift „Zeugnis“ oder „Arbeitszeugnis“ tragen und in einer akzeptablen Form erstellt werden (fehlerfrei, fleckenlos, umgeknickt, keine Radierungen oder Verbesserungen) und klar gegliedert und verständlich formuliert sein.

DU siehst jetzt, das ist keine Aufgabe eines Azubis. Lasse bitte, das ist mein dringender Rat, die Finger von der Zeugnisformulierung. Die rechtlichen Bestimmungen und Kommentare sind noch seitenlang und füllen Bücher!

Auch siehst Du jetzt, dass es einfach gut ist, wenn Du jemanden hast, der Dir im Berufsleben sagen kann, wo oben und unten  und was richtig und falsch ist. Deshalb bin ich Mitglied der Pferdewirtgewerkschaft IG Bauen, Agrar, Umwelt. Die beraten mich und denen lege ich bei solchen Fragen mein Arbeitszeugnis zur Kontrolle vor und notfalls geben die mir auch Rechtsschutz. Deshalb verlange von Deinem Ausbildenden ein Zeugnis, „einfach“ oder „qualifiziert“ und lege das dann als Gewerkschaftsmitglied den Rechtsschutzsekretären zur Prüfung vor. Das ist natürlich kostenloser Service für IG BAU- Mitglieder. Alternativ, wenn Du nicht Mitglied der Gewerkschaft werden möchtest,  lege das Zeugnis einem Fachanwalt für Arbeitsrecht zur Prüfung vor. Dann aber kommt eine Rechnung auf Dich zu.

Aus- und Fortbildung lohnt sich!

Immer eine gute Idee ist es, über eine Aus- oder Fortbildung nachzudenken. Generell gilt, dass Ihr mit jedem weiteren Schritt Euer Einkommen um mindestens 25% steigert und gleichzeitig die Gefahr der Arbeitslosigkeit deutlich senkt.

Mit jeder neuen Fortbildung steigert sich Euer Einkommen durchschnittlich um 25%. Da sind die Fortbildungskosten schon eingerechnet. Aus- und Fortbildung ist also eine gute Investition in Euer Berufsleben. Und denkt dran: Lebenslanges Lernen, auch Fortbildungen mit höherem Alter und Berufserfahrung lohnen sich immer.

Die Eintrittskarte in eine Fortbildung ist zunächst immer die Berufsausbildung. Ist die z.B. mit der Pferdewirtin abgeschlossen, habt Ihr die Wahl für zahlreiche Fortbildungen. Das kann der Meister sein, ein Fachhochschulstudium (Bachelor) oder ein Universitätsstudium (Master). In Betracht kommen aber auch Zwischenschritte, wie z.B. der Hufbeschlagschmied oder Besamungstechniker, das ist sozusagen der halbe Weg zum Meister.

Eines aber solltet Ihr immer bedenken: Nicht jeder, der Fort- und Weiterbildung anbietet, überreicht Euch hinterher ein staatlich anerkanntes Zeugnis, dass Euch eine Stufe weiter bringt. Auf der sicheren Seite seid Ihr immer, wenn Ihr Euch bestätigen lasst, dass Ihr am Ende der Fort- oder Weiterbildung ein staatlich anerkanntes Abschlusszeugnis erhaltet, welches auch die Einordnung Eures Abschlusses in den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) im Zeugnis bescheinigt.

Private Akademien und hochtrabende Abschlusszeugnisse bringen Euch nicht weiter in Eurer Berufskarriere, es sei denn Ihr legt Wert darauf, ein sündhaft teures Mickey- Mouse- Examen Euch an die Wand zu hängen.

Endlich realistische Lohnempfehlungen

Lange hat es gedauert, nun aber sind erstmals seriöse Gehaltsempfehlungen der Bundesvereinigung der Berufsreiter für Pferdewirte/innen und Pferdewirtschaftsmeister/innen herausgegeben worden.

Jetzt ist es soweit, die Bundesvereinigung der Berufsreiter gibt seriöse Empfehlungen für Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister heraus und nennt damit Gehälter, die als fair zu bezeichnen sind.

Besonders gut ist, dass auch die dazu passenden Stundenlöhne genannt werden, damit alle Mitarbeiter auch erkennen können, wie hoch die Überstundenbezahlung auszusehen hat.

Betriebe, die sich nicht an die Empfehlungen der Bundesvereinigung der Berufsreiter halten und deutlich weniger bezahlen, gehören mit Sicherheit zu den Arbeitgebern, die nicht fair entlohnen. Um diese Betriebe müsst Ihr einfach einen ganz großen Bogen machen.

Wer von Euch einen neuen Betrieb sucht und sich dort bewerben will, der findet in den Gehaltsempfehlungen einen guten Hinweis, welche Gehälter von Euch selbstbewusst gefordert werden können, ohne unverschämte Forderungen zu stellen. Einfach nur Euer gutes Recht!

Und wer derzeit beschäftigt ist und beim Lesen feststellt, dass er/sie viel weniger Lohn bekommt, der/die sollte dringend sich um eine neue Stelle bemühen, falls ein mutiges Gespräch mit dem Chef nichts bringt. Lasst sie alleine misten, diese Geizhälse!

Die Gehaltsempfehlungen der Bundesvereinigung sind privat herausgegeben und und sind leider keine offiziellen Tarifverträge. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass die in den Empfehlungen niedergeschriebenen Gehälter als üblich anzusehen sind. Mehr geht immer, weniger geht gar nicht.

Die alten Gehaltsempfehlungen 2017/2018 könnt Ihr hier herunterladen

Die im März 2019 bei der Berufsreitertagung beschlossene deutliche Erhöhung findet Ihr hier

Pferdewissenschaften in der Schweiz studieren

Lust auf Landwirtschaft? Lust auf Pferde? Lust auf die Schweiz?

Dann kann das eine Möglichkeit für Euch sein, denn die Berner Fachhochschule für Agrar- Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) kann auch von Studenten aus Deutschland besucht werden.

Besonders interessant ist das Bachelorstudium Agronomie mit der VertiefungPferdewissenschaften. Studierende erwerben zunächst die Basics der Agrarwissenschaften und beschäftigen sich  mit Pflanzen- und Nutztierwissenschaften, Betriebswirtschaft, Marketing, den relevanten Naturwissenschaften und auch der Technik. Ab dem dritten Semester beginnt dann die hippologisches Spezialisierung. Mehr und mehr beschäftigt sich das Studium mit Anatomie und Pathologie des Pferdes, Pferdefütterung, Gründlandmanagement, Ethologie, Pferdehaltung, Pferdeausbildung, Pferdezucht und Genetik, Sport- und Trainingslehre, Reitanlagenbau, Exterieurbeurteilung, Pferdehandel, Krisenmanagement und natürlich auch Wirtschaft und Recht rund um das Pferd.

Ganz genau könnt Ihr alles hier nachlesen oder: www.hafl.bfh.ch

Nach dem erfolgreichen Studienabschluss habt Ihr den Titel „Bachelor of Science in Agronomie mit Vertiefung Pferdewissenschaften“

Wer kann sich bewerben?

  • alle Pferdewirte mit der Fachhochschulreife oder allgemeinen Hochschulreife
  • alle Meister mit Fachhochschulreife oder allgemeiner Hochschulreife. Da die Schweiz nicht zur EU gehört, wird die Meisterprüfung derzeit leider nicht als Hochschulreife anerkannt.
  • Meister ohne Fachhochschulberechtigung können aber eine Sonderzulassung beantragen und wenden sich an den Leiter der Lehre, Prof. Dr. Roland Stähli, der jeden Antrag gerne prüfen möchte: T +41 31 910 21 25 oder roland.staehli@bfh.ch

 

Individuelle Auskünfte und Beratung zur Zulassung und zum Studium gibt Euch: Prof. Dr. Conny Herholz, Leiterin Vertiefung Pferdewissenschaften, T +41 31 910 21 11 oder office.hafl@bfh.ch

Alle Fotos dieser Seite: ©HAFL / C. Herholz

Locker, gut gelaunt und vorbereitet für die Prüfung!

Nach einem Vortrag der Sportpsychologin Gaby Bussmann (bussmann@reitsportpsychologie.de) , die als Mentaltrainerin die Deutschen Olympiareiter betreut, habe ich diese Profitipps zur Pferdewirtprüfung sowie zur Fortbildungsprüfung zum Pferdewirtschaftsmeister entwickelt.

 

  1. Wenn Ihr Euch auf die Prüfung vorbereitet, weil Ihr im Reiten, Longieren, Ausritt vorbereiten, Hufverband wickeln, der Exterieurbeurteilung oder in der Rationserstellung geprüft werdet, dann bitte genau so wie in der Prüfung! Also Ihr plant z.B. um 9:30 das Pferd Fury zu longieren. Dann findet das auch genau um 9:30 statt. Da wird nichts mehr geholt, aufs Handy geschaut, die Kleidung zurecht gezupft, das Pferd noch rasch geputzt, Anbindering gesucht oder zm Klo gegangen. Dann trainiert Ihr neben der eigentlichen Arbeit mit dem Pferd auch das in einer Prüfung so wichtige Zeit- Management. Also: Wenn Ihr um 12:15 eine L- Dressuraufgabe reiten wollt, dann geht das Punkt 12:15 los, da wird nichts wiederholt oder abgekürzt oder gar neu angefangen. In einer Prüfung habt Ihr nur eine Chance, die Ihr unbedingt nutzen solltet. Und das übt Ihr!
  2. Vor der Prüfung einige Tage Urlaub nehmen bzw. endlich mal die Überstunden nehmen. Wenn der Betrieb das nicht will, macht nichts, Ihr geht. Wenn der Betrieb immer noch mault, dann wisst Ihr, dass das ein schlechter Betrieb ist, um den man besser einen Bogen macht. Arbeitsrechtliche Probleme bekommt Ihr nicht, wenn Ihr geht.
  3. Wer kurz vor der Prüfung, vielleicht im Prüfungslehrgang oder während der Prüfungszeit beim Turnier meldet, der hat den Schuss nicht gehört oder der/die nimmt die Prüfung nicht so ernst. Geht gar nicht!
  4. Die „freie“ Zeit nutzen, den Prüfungstag bzw. Prüfungslehrgang in aller Ruhe sorgfältig vorzubereiten. Eine schriftliche Liste erstellen und das Erledigte abhaken.
  5. Zur Vorbereitung gehört auch, die Kleidung durchzusehen (Flecken, Löcher, Knöpfe) und Schuhe und Stiefel zu putzen sowie Vorbereitung des Autos und der Wegstrecke, sowie die Überlegung, wie Ihr fahrt, wenn Stau ist und wie lange da der Zeitpuffer sein muss. Wer gegen die Uhr zur Prüfung fährt hat schon verloren.
  6. Am besten einen Tag vorher anreisen. Schon einmal den Weg zum Prüfungsort machen, Zeitpuffer einbauen. Ziel ist es, erst einmal in aller Ruhe anzukommen und Zeit zu haben, sich umzuschauen, einzuleben.
  7. Ab jetzt klammert Ihr konsequent alle dunklen Gedanken aus und denkt einfach positiv. Ihr habt Euch super vorbereitet, das wird gut gehen! Ihr stellt Euch vor, wie schön es ist, endlich die Prüfung zu bestehen und Pferdewirtin zu sein. Das hilft wirklich!
  8. Ab jetzt viel lachen! Spaß haben, ist definitiv erlaubt und hilfreich. Ruhig lustige Sachen machen, lustigen Film sehen, Karten spielen, schönes Buch lesen. Immer einfach lächeln, das wirkt, probiert das mal aus! Und alle, die hektisch sind und schlechte Laune haben, konsequent meiden, einfach stehen lassen.
  9. Vor der Prüfung, Ihr habt ja ein wenig Zeit eingeplant, sich einfach mal richtig massieren lassen. Der Streß weicht und Ihr seid auch gelöst! 20 €, die gut angelegt sind. Zur Vorbereitung gehört also auch, sich vor der Prüfung mal eine Physiopraxis zu suchen und einen Termin zu machen. Ihr reiten gleich besser! Wer von Euch noch nie eine Message bekommen hat, sollte das zuhause einmal vorher probieren. Dann könnt Ihr die Anwendung direkt vor der Prüfung viel gelassener genießen.
  10. Wenn Ihr reiten müsst in der Prüfung, dann könnt Ihr Euch gegenseitig tapen  oder es gleich bei der Physio machen lassen. Dazu gibt es mehrere Methoden:
    1. Tipp "Horizont"Mit Kinesiotape von der einen bis zur anderen Schulter tapen. Ihr bekommt ein Feedback über das Tape, wenn Ihr nicht mehr gerade sitzt.
    2. Tipp "Hosenträger"Ihr tapet Euch Hosenträger während Ihr schön gestreckt seid und die Schultern zurück nehmt, beginnend auf der Vorderseite in Höhe des Dekolletee unter Zug bis zur Schulter, dann ohne Zug ! über die Schulter und auf den Rücken, so tief wie auf der Vorderseite.
    3. Tipp "Kreuz"Ihr beginnt an der Schulter und lasst das Tape auf der gegenüberliegenden Rückenseite im Bereich der letzten Rippen enden. Es entsteht ein Kreuz auf Eurem Rücken. Nehmt Ihr das elastischere Kinesiotape, dann erhaltet Ihr ein Feedback, wenn Ihr nicht gestreckt sitzt, ist das Tape aber wenig elastisch, dann werdet Ihr auch durch das Tape gerade hingesetzt.
    Warum das Ganze? Jedesmal, wenn Ihr nicht nicht gestreckt auf dem Pferd sitzt und die Schultern nach vorne geraten, dann macht sich Euer Tape bemerkbar und Ihr merkt, wdass Ihr nicht gerade und mit vorgebeugter Schulter auf dem Pferd sitzt. Das Tape gibt Euch also eine Rückmeldung. Ihr könnt jetzt Euren Sitz korrigieren, gerade und Schulter zurück. Und plötzlich wirkt Ihr besser ein und Ihr fühlt Euch viel stärker, besser gerüstet für die Prüfung. Wenn Ihr jetzt noch ein wenig lächelt, kann gar nichts mehr schief gehen und die Prüfer sind begeistert. Kleiner Tipp für die Männer: Vor dem Tapen rasieren, sonst macht das Entfernen des Tapes nicht wirklich Spaß! Aber: Das mit dem Tapen und die Wahl, welche Methode für Euch die passende ist, dass müsst Ihr unbedingt vor der Prüfung  in Ruhe zuhause ausprobieren.

    So könnt Ihr z.B. das Kreuz für einen aufrechten Sitz tapen. Mit einem runden Rücken und tiefen Kopf auf einen Stuhl setzen und eine zweite Person beginnt mit dem Kreuz unter Zug. Je starrer das Tape, desto stärker die Wirkung. Probiert es einfach aus. (Danke an das Team der Physiopraxis Ahrens in Bremen)
  11. Keine Prüfungsaufgabe wird komplett zu 100% von Euch erfüllt. Kein Mensch, auch nicht Prüfer, sind perfekt. Macht nichts! Bemerkt Ihr einen Fehler, dann nicht darüber nachdenken, nicht hadern, konzentriert Euch auf Euren Plan, den Ihr gemacht habt. IMMER NACH VORNE SCHAUEN UND NACH VORNE DENKEN! Und dann bloß nicht denken, dass jetzt alles umsonst, alles vorbei ist. Gewonnen wird immer am Schluß. Wenn Ihr mit einem Schiff fahrt, kommt Ihr ja auch nicht auf die Idee, vor dem Anlegen des Dampfers auszusteigen!
  12. Habt Ihr gemerkt? Nur wenn Ihr Euch Ziele setzt und dazu Pläne macht, werdet Ihr wirklich erfolgreich sein. Ziele,das Notieren Eurer Stärken  und Erinnerungen an gute Ritte/Trainingseinheiten sowie Eure Pläne solltet Ihr aufschreiben und immer wieder ansehen. Alle Prüfungsaufgaben, egal ob mit oder ohne Pferd, werden vorher von Euch geplant. Da malt man sich mal den Weg auf, da lauft Ihr die Aufgabe ab, Ihr reitet/ longiert mit geschlossenen Augen (natürlich ohne Pferd) oder malt die Aufgabe mit dem Finger im Sand, oder, oder. Auch den Hufverband kann man mit geschlossenen Augen in Gedanken wickeln oder mit dem Bleistift die Wickelungen zeichnen. Denn viele verschiedene Wege führen dazu, dass Ihr Euch, oder besser Euer Gehirn, sich die Aufgabe besser einprägt und Ihr dann selbstbewußt das Gelernte ausführen könnt, denn Ihr seid super gut vorbereitet. Einen Blackout wird es dann nicht geben, gibt es sowieso nicht, in meiner fast vierzigjährigen Prüferzeit habe ich noch nie einen Blackout erlebt: Alles Märchen und Gerüchte. Und wer sicher ist, der ist auch lockerer und deutlich besser in der Prüfung.
  13. Beim Fachgespräch nicht mit den Fehlern beginnen. Ihr habt eine gut vorbereitete Aufgabe gezeigt und da dürft Ihr ruhig stolz auf das hinweisen, was gut gelungen ist. Bloß keine Fehlerguckerei! Probleme können weiter zum Ende dargestellt werden, frei nach dem Motto, eigentlich war das ganz gut, wäre aber noch besser gewesen, wenn… . Ein guter Tipp ist auch immer die sog. Sandwich- Methode: Mit guten Dingen beginnen, dann Verbesserungen aufzeigen und zum Schluss noch mal aufzeigen, was insgesamt ganz gut war.
  14. Ihr wählt Euch vor und während der Prüfung 2 -3 Berater. Die dürfen Euch was sagen, die dürfen Euch beurteilen, denen glaubt Ihr. Und alle anderen Klugschnacker blendet Ihr konsequent aus! Wer seid Ihr denn, dass da jeder an Euch rumkritisieren darf. Ihr seid doch gut vorbereitet. Und dann noch etwas zum Überlegen: Ihr könnt Prüfer nicht Volltexten oder anfliegen, um Eure Schwächen zu kaschieren, meint Ihr, die Prüfer sind doof? Solche plumpen Versuchen enden immer negativ. Beherzigt: Zu viele Tipps machen Euch raschlebig und die Ergebnisse werden schlechter!
  15. Entzieht Euch ganz konsequent den Grüppchen, die da stressen, tratschen, lästern und ewig vom Durchfallen reden. Großen Bogen um diese Grüppchen. Macht in der prüfungsfreien Zeit etwas ganz anderes, geht Eis essen, macht das Handy lautlos, leiht Euch ein Fahrrad, geht ins Museum, macht einen Spaziergang und knipst ein paar schöne Bilder mit dem Handy, sucht schöne Pflanzen oder Blätter, sucht schöne Steine, singt einfach (muss ja keiner in der Nähe sein) oder setzt Euch alleine zu den Pferden in den Stall oder auf der Weide und beobachtet sie, redet mit denen,macht Fotos oder zeichnet sie.