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Facebook teilt mit, dass die Seite Pferdegrünland bei Facebook in Kürze (Mai 2022) dauerhaft geschlossen wird. Nachvollziehbar ist das nicht. Es gibt also keine Infos auf Facebook mehr zu meiner Webseite www.pferdegrünland.de. Soviel zur Datenkralle facebook, ein Glück habe ich einen eigenen, seriösen Server. Hier geht alles glücklicherweise seinen gewohnten Gang.

14 Antworten auf „Forum“

  1. Hallo Herr Arnold,
    ich habe mal eine Frage zum Thema Scheinselbständigkeit.
    Wenn : -ein freier Mitarbeiter des Vereins X
    – seine Einsätze nicht frei disponieren kann, sondern sich in ein online -Formular mit vom Verein vorgegebenen Terminen eintragen muss
    -seine Arbeitszeit nicht in der sonstigen Form erfassen darf, sondern ein online-Formular des Vereins nutzen muss , in das auch Festangestellte Mitarbeiter ihre Zeiten eintragen,
    – weisungsgebunden von einem hauptamtlichen Mitarbeiter betreut wird ,
    – nicht sein selbstausgearbeites Unterrichtsmaterial verwenden darf , sondern dass des Vereins nutzen muss
    – regelmässig vom Verein geschult wird
    – Kilometerpauschale und Auslagen nicht auf der Rechnung ausweisen darf , sondern ein Formular des Vereins nutzen muss,
    -eine Rechnungsvorlage vom Verein bekommt
    ( -und dann vielleicht noch nur diesen Verein als Kunden hat)
    … ist doch scheinselbständig ? oder habe ich da was völlig falsch verstanden ? Gruß Jytte

  2. Hallo Jytte,
    schön mal wieder etwas von Dir zu hören. Also das klingt schon ziemlich nach Scheinselbständigkeit. Aber, das ist mir ganz wichtig, ich kann das nicht wirklich kompetent beurteilen. Deshalb gebe ich Dir keine klare Antwort. Mut zur Lücke.

    Wer kann Dir eine kompetente Antwort geben?

    1. Die Deutsche Rentenversicherung. Auftraggeber sind grundsätzlich verpflichtet zu prüfen, ob eine Scheinselbständigkeit vorliegt oder nicht. Weil es bei einer Betriebsprüfung durch die Rentenversicherung durchaus vorkommen kann, dass die Betriebsprüfer zu einer anderen Einschätzung als der Auftraggeber kommen kann, gibt es die Möglichkeit, die Situation durch die Deutsche Rentenversicherung klären zu lassen. Ein Betrieb, auch ein Verein erspart sich dadurch jede Menge Probleme, wie jahrelange Nachzahlungen mit erheblichen Strafzahlungen. Mehr darüber findest Du hier: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/Arbeitgeber-und-Steuerberater/summa-summarum/Lexikon/S/scheinselbststaendige_arbeitnehmer.html . Diese Möglichkeit ist also mehrheitlich für Auftraggeber geeignet, die dadurch auch den Vorwurf der Vorsätzlichkeit (STRAFTAT!) vermeiden können.

    2. Wenn Selbständige sich vom Auftraggeber in Scheinselbständigkeit gedrängt fühlen, dann ist der Zoll und hier die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FSK) der richtige Ansprechpartner. Die FKS hat Polizeibefugnisse und ermittelt in alle Richtungen. Da werden nicht nur Nachzahlungen und Strafzahlungen fällig, sondern auch strafrechtliche Ermittlungen wegen Vorsatz, Betrug, Schwarzarbeit, usw. Das geht über Gerichtsverfahren mit Geldstrafen und durchaus auch mit Haftstrafen aus. Je nach Fall natürlich. Schlecht ist es immer, wenn die Scheinselbständigkeit erst auffällt, wenn der Zoll ins Haus kommt. Da kann sich kaum ein Beteiligter rausreden. Der Rat aller Fachleute in diesem Bereich ist, niemals laufen lassen und darauf hoffen, nicht erwischt zu werden. Glimpflicher gehen die Verfahren aus, wo die Beteiligten selber Zweifel bekommen und reinen Tisch machen wollen. Nachzahlungen können da nicht verhindert werden, Strafverfahren manchmal schon. Um es noch einmal deutlich auf den Punkt zu bringen: Scheinselbständigkeit ist Schwarzarbeit und eine Straftag. Entsprechend ist der Zoll mit der FKS zuständig.

    3. Mitglieder ihrer Gewerkschaft, wie z.B. der IG Bauen Agrar Umwelt, können sich natürlich vertrauensvoll durch den Rechtsschutz beraten und notfalls vertreten lassen, wenn sie in die Scheinselbständigkeitsfalle getappt sind.

    Wichtiger Hinweis in diesem Zusammenhang: Selbständige, die mehr als 450 € im Monat einnehmen und eine lehrende Tätigkeit ausüben (Musiklehrer, Nachhilfelehrer, Schwimmlehrer und alle anderen Lehrer, also auch Reitlehrer, müssen sich trotz Selbständigkeit selber bei der Rentenversicherung melden, weil sie RENTENVERSICHERUNGSPFLICHTIG sind. Das bestimmt das Sozialgesetzbuch für alle freiberuflichen Lehrer. Noch einmal deutlich: Für ALLE Lehrer, auch Jogalehrer, Tennislehrer, Skilehrer, … . Wer hiergegen verstößt, zahlt viele Jahre die Rentenbeiträge nach, bekommt aber auch im Rentenalter eine Rente. Versucht also nicht die Rentenbeiträge als freiberufliche Reitlehrer zu umgehen, seht es als Chance auf eine Altersrente. Und einen weiteren Hinweis kann ich Euch nicht ersparen: Reitlehrer*in ist jeder*e der/die Reitunterricht erteilt. Da sind keine Prüfungen nötig, um für die Rentenversicherung Reitlehrer*in zu sein. Mehr liest Du in meinem Artikel:https://pferdewirtpruefung.de/wordpress/?p=330 .

  3. Hallo Herr Arnold,
    ich hätte eine Frage zur Arbeitssicherheit wir müssen auf unserem Hof zum Führen von Pferden Sicherheitsschuhe Tragen das ist auch volkommen in Ordnung. Aber jetzt verlangt unsere Betriebssleitung das das jetzt auch beim Beritt nötig wäre also Sicherheitsstiefelletten und Chaps. Gibt es hierfür eine Gesetzliche Grundlage ??
    Vielleicht können sie mir Weiterhelfen.
    Vielen Dank schon mal im Voraus.

    1. Hallo,

      ich habe einmal Deinen Namen unkenntlich gemacht. Gerne will ich Dir meine Einstellung zu dem Thema schreiben.

      Immer dann, wenn arbeiten gefährlich sind, muss ein Arbeitgeber, also auch Dein Ausbilder, seine Mitarbeiter besonders schützen und vor Unfällen bewahren. Deshalb gibt es Unfallverhütungsvorschriften der jeweiligen Gesetzlichen Unfallversicherungen (Berufsgenossenschaften). Diese Unfallverhütungsvorschriften (UVV) sind zwar keine Gesetze, sind aber verbindlich vorgeschrieben. Werden die Unfallverhütungsvorschriften durch Zuwiderhandlung oder Unterlassung nicht eingehalten, drohen z.T. drakonische Strafen: Betriebsschließung, Strafverfahren, Bußgeld, Schmerzensgeld, Schadenersatz, Gefängnis, usw..

      Deshalb muss ein Betrieb auch die Unfallverhütungsvorschriften durchsetzen und die Mitarbeiter müssen sich daran halten. Im Extremfall kann Mitarbeitern sonst gekündigt werden. Eines aber ist ganz klar geregelt: Die Unfallverhütung und alle daraus hervorgehenden Maßnahmen muss der Betrieb bezahlen, das darf niemals auf Kosten der Mitarbeiter geschehen.

      Völlig unbestritten und klar geregelt ist in den Unfallverhütungsvorschriften für Pferdeberufe, dass z.B. grundsätzlich Sicherheitsschuhe, Reitstiefel bzw. Stiefeletten sowie ein Reithelm und bei Azubis eine Sicherheitsweste getragen werden muss!!. Warum auch beim Reiten? Ganz klar, weil Du ja auf das Pferd kommen musst und die UVV sagt, dass immer!!! im Umgang mit dem Pferd Reithelm und Sicherheitsschuhe getragen werden müssen. Also, auch wenn Du in eine Box gehst oder ein Pferd führst, musst Du Reithelm und Sicherheitsschuhe tragen und wenn Du ein Pferd erst putzt und dann aufsteigst, dann natürlich auch Sicherheitsschuhe, da dann aber welche ohne Profilsohle, damit Du im Notfall rasch aus dem Steigbügel kommst. Selbst auf dem Pferd musst Du reitgerechte Sicherheitsschuhe tragen, es gibt Stiefeletten und Reitstiefel mit Schutzkappe, weil Du immer auch ganz schnell absteigen können musst, wenn mal was passiert und Du dann nicht erst die Schuhe tauschen kannst.

      Kurz und gut, schaue im Internet in die UVVs im Umgang mit den Pferden und da findest Du alle diese Regeln, die für Deinen Chef und Dich verbindlich sind.

      Und jetzt kommt es aber: Diese Sicherheitsmittel, die Unfallversicherungen nennen sie Schutzausrüstung, müssen vom Betrieb kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Also Sicherheitsschuhe im Stall, Reitschuhe mit Sicherheitskappe, Reithelm, Sicherheitsweste, Handschuhe, Kälteschutzkleidung, Regenschutzkleidung, usw.. Der Betrieb muss sie kaufen und Du tragen. Die Schutzbekleidung geht aber nicht in Dein Eigentum über. Die darf auch gebraucht sein, wenn voll funktionsfähig und hygienisch vertretbar.

      Übrigens: Keine Diskussionen im Pferdeberuf an der Sicherheit. In Eurem Beruf passieren so viele Unfälle, wie in kaum anderen Berufen. Unrühmlicher Spitzenplatz. Und die Unfälle sind nicht selten fürchterlich. Wie gesagt. Ihr seid Spitzenreiter.

  4. Guten Tag,

    im Juni diesen Jahres habe ich in Bayern als Quereinsteiger die theoretische Prüfung im Betreich Haltung und Service. Im Juli folgt dann der praktische Teil in Schwaiganger. Zuvor habe ich eine kaufmännische Ausbildung und BWL bis B. A. studiert und anschließend fünf Jahre lang als Betriebsleitung eines Pferdepensionsbetriebes gearbeitet. Für die Prüfung habe ich bereits einiges getan und bin über Ihre Bücher sehr dankbar! Nun bin ich jedoch schon seit längerem auf der Suche nach alten Abschlussprüfungen. Weder die Berufsschulen, die IHK oder das LfL konnten mit leider weiter helfen. Ich wäre super dankbar, wenn mir jemand weiterhelfen könnte und freue mich auch noch über weitere Tipps. Als kleines Dankeschön würde ich mich mit einem Gutschein für ein Reitsportgeschäft erkenntlich zeigen 🙂 herzlichen Dank und viele Grüße

  5. Hallo Herr Arnold,
    ich hoffe sie sind gesund und haben eine schöne Weihnachtszeit.
    Ich melde mich leider aus nicht so gutem Anlass, denn die Pferdebetriebe haben eine neue Masche , den Mindestlohn zu umgehen, und ich dachte sie haben genug Reichweite um es öffentlich zu machen und alle zu warnen. Also , es kommt immer mehr in Mode den Pauschalbetrag zur Sozialversicherung der bei Minijobs anfällt und ALLEIN vom Arbeitgeber zu tragen ist , auf den Arbeitnehmer abzuwälzen. Natürlich bezahlen sie trotzdem nur 10,- Euro… Davon sollen dann die 30% Sozialabgaben abgezogen werden. Ergibt 7,- und damit deutlich unter Mindestlohn . Inzwischen sind sie so dreist und machen es nicht mehr nur unter der Hand , sondern schreiben es schon so in die Stellenanzeige. Dem gehört ein P vorgesetzt .
    Ist auch unfair gegenüber allen ordentlichen Betrieben. Gruß Jytte Loots

    1. Hallo Jytte,

      schön wieder von Dir zu hören und hoffentlich gesund. Mir selber geht es gut. Bisher hat man/frau ja über uns Bremer immer gelächelt, aber das Impfen haben wir einfach besser hinbekommen und deshalb fühlen wir uns hier relativ sicher und gut aufgehoben. Endlich mal sind wir hier nicht das Schlusslicht in Deutschland (Das musste mal gesagt sein).

      Was Du schreibst ist wieder eine weitere Facette der Methoden der Schwarzen Schafe. Auch hier muss wieder einmal festgestellt werden, dass dieses unsoziale Verhalten nicht weniger Arbeitgeber in der Pferdewirtschaft nur möglich ist, weil sich immer noch fast alle Mitarbeiter nicht in ihrer Gewerkschaft organisieren. Und deshalb gibt es so viele Opfer und gleichzeitig gesetzwidrig und unsozial handelnde Arbeitgeber.

      Dabei ist das Verfahren bei den Minijobs klar geregelt (Info: http://www.minijob-zentrale.de).

      Wesentliche Punkte sind:

      1. Maximaler Verdienst 450,00 im Monat (und nicht 1 Cent mehr!), sonst normaler Arbeitnehmer

      2. Seit 1.1.2015 haben Minijobber Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn.

      3. Verstoßen Arbeitgeber gegen die Regelungen des Mindestlohngesetzes, können sie im Nachhinein – beispielsweise aufgrund einer Überprüfung durch die eigens eingerichtete Prüfstelle der Zollverwaltung, eines Hinweises eines Arbeitnehmers beim Zoll oder durch den Betriebsprüfdienst der Deutschen Rentenversicherung – zu Nachzahlungen verpflichtet werden.

      4. Minijobber zahlen keine Rentenversicherungsbeiträge und sind auch nicht rentenversichert. Es sei denn, die Arbeitnehmer haben schriftlich beim Arbeitgeber einen Verzicht der Rentenversicherungsfreiheit erklärt. Dann, erst dann, wird ein Rentenversicherungsanteil fällig. Wie hoch der Arbeitnehmeranteil aktuell sein darf, sagt Euch die Deutsche Rentenversicherung. Der Arbeitgeber muss natürlich den Arbeitgeberanteil bezahlen. Wer auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichtet, erwirbt vollwertige Rentenansprüche. Volle Leistungen durch Verzicht auf Versicherungsfreiheit bei der Rentenversicherung, schriftlich, nicht für zurückliegende Zeiten, erhöht die Rentenanrechnungsjahre! Mittelung an den Arbeitgeber immer schriftlich, und Eingang vom Arbeitgeber quittieren lassen.

      Um vollwertige Ansprüche zu erwerben, können Minijobber jederzeit Ihren Arbeitgeber-Beitragsanteil durch eigene Beiträge auf den vollen Rentenversicherungsbeitrag ergänzen. Dazu teilen sie dem Arbeitgeber schriftlich mit, dass der/die Minijobber auf die Versicherungsfreiheit in der Rentenversicherung verzichtet. Damit ist ein/e Minijobber ein rentenversicherungspflichtiger Arbeitnehmer.

      5. Minijobber zahlen KEINE Beiträge zur Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung und gesetzlichen Unfallversicherung. Die Pauschalbeiträge zahlt alleinig der Arbeitgeber. Arbeitgeber dürfen den Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung und Rentenversicherung nicht vom Verdienst des Minijobbers abziehen!!

      6. Glücklich der/diejenigen die Mitglied der Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt sind, dann schafft der Rechtsschutz das Problem rasch aus dem Weg. Schwarze Schafe haben Einzig vor dem Zoll und der Gewerkschaft Respekt.

      7. Wer nicht in der Gewerkschaft ist, muss sich selber wehren oder das Unrecht ertragen. Ein Ritter im Weißen Gewand wird nicht kommen und das Unrecht beseitigen. Ansprechpartner sind der Zoll (Mindestlohn) und die Minijobzentrale.

      Und 8. wünsche ich Euch allen gesunde und friedliche Weihnachten. Denkt daran, dass Arbeiten an Weihnachtsfeiertagen durch Freizeitausgleich an anderen Tagen zeitnah erfolgen muss. Heilig Abend und Sylvester sind leider keine Feiertage.

  6. Guten Tag,

    erstmal vielen Dank für die tolle und informative Internetseite! Schon während meiner Ausbildung konnte ich hier immer wertvolle Tipps finden.

    Mittlerweile arbeite ich Hauptberuflich in einem Bürojob. Da mir die Arbeit mit den Pferden sehr gefehlt hat, habe ich mir einen Minijob als Pferdepflegerin gesucht.

    Ich habe einen Arbeitsvertrag bekommen mit 37,5 Stunden/Monat. Ich arbeite nur am Wochenende. Nun habe ich am 25.12. gearbeitet und werde auch am 01.01. arbeiten, da diese Tage auf das Wochenende fallen. Es wird dafür keinen Ausgleich geben. Wenn ich das Arbeitszeitgesetz richtig gelesen haben, muss es innerhalb von 8 Wochen einen Ausgleichstag geben oder? Ist es bei Minijobbern anders? An beiden Feiertage werden 8 Stunden gearbeitet. Müsste ich dann nicht im Januar zwei Tage weniger arbeiten als Ausgleich?

    Vielen Dank im Voraus.

    Viele Grüße aus Hamburg!

    1. Hallo n.n. (ich habe Deinen Namen mal anonymisiert),

      auch wenn Du „nur“ einen Minijob hast, dann gelten natürlich alle Gesetze auch für Dich und Deinen Arbeitgeber, so z.B. das Arbeitszeitgesetz, das Bundesurlaubsgesetz, usw.

      Der Zweck des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) ist im § 1 ganz klar beschrieben:
      „Zweck des Gesetzes ist es,
      1.
      die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland und in der ausschließlichen Wirtschaftszone bei der Arbeitszeitgestaltung zu gewährleisten und die Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeiten zu verbessern sowie
      2.
      den Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung der Arbeitnehmer zu schützen.“

      In § 9 steht deshalb auch : „Arbeitnehmer dürfen an Sonn- und Feiertagen von 0 – 24 Uhr nicht beschäftigt werden.“

      Natürlich weiß der Gesetzgeber auch, dass in manchen Berufen natürlich auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet werden muss und hat hierfür eindeutige Regeln § 10 und 11 aufgestellt. So gibt es natürlich einen Ausgleich für Sonn- und Feiertagsbeschäftigungen und grundsätzlich müssen Arbeitnehmer an mindestens 15 Sonntagen im Jahr frei haben. Merke: Samstage sind normale Arbeitstage, genau wie Heilig Abend und Silvester.

      Das Arbeitszeitgesetz findest Du hier: https://www.gesetze-im-internet.de/arbzg/BJNR117100994.html .

      Da ich kein Rechtsanwalt bin, darf ich Dir keine Rechtsberatung geben, deshalb rate ich Dir, weitere Schritte mit der Rechtsberatung der Gewerkschaft vorzunehmen. Für Mitglieder ist die natürlich kostenfrei. Falls Du wegen der Bürotätigkeit Mitglied in einer landwirtschaftsfernen Gewerkschaft sein, würden die Dich bei Bedarf zur Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt schicken. Wenn Du Dich nicht entschließen kannst, Mitglied der Gewerkschaft zu werden, dann bleibt Dir nur der kostenpflichtige Weg zu einem Rechtsanwalt für Arbeitsrecht.
      Natürlich weiß der Gesetzgeber auch, dass in vielen Berufen auch an Sonntagen und Feiertagen gearbeitet werden muss

  7. Mein Sohn ist im 1. Lehrjahr zum Pferdewirt. Mich wundert, das er die Reiztstunden in seinem Ausbildungsbetrieb bezahlen muss .
    Das finde ich sehr seltsam, da ich als Heizungsmonteur in meiner Ausbildung auch nicht für schweissen oder Rohrverlegung bezahlen musste.
    Wie ist denn die gesetzliche Regelung für Reitstunden in der Ausbildung im Betrieb?
    Mit freundlichen Grüßen
    n.n.

    1. Hallo T., nicht wundern, ich habe Deinen Namen anonymisiert.

      Es ist schon erstaunlich, welche Frechheiten sich Pferdebetriebe herausnehmen, wenn es um die Ausbildung ihrer Auszubildenden geht. Die Ausbilder sind ganz offensichtlich so raffgierig, dass sie ihre Azubis billigst im Stall ausnutzen, mit ihnen Kasse machen und dann auch noch die im Ausbildungsvertrag festgelegte, geregelte Ausbildung nur dann leisten, wenn sie von den Azubis extra entlohnt wird.

      Dabei muss festgestellt werden, dass Pferdebetriebe an ihren Azubis Geld verdienen und nicht Geld in ihre Ausbildung investieren. Das hat das Bundesinstitut für Berufsbildung klar berechnet.

      Vor diesen Ausbildern habe ich jeden Respekt verloren. Die glauben nämlich, dass Recht und Gesetz nicht auf Reitplätzen und in Pferdeställen gilt, weder bei der Ausbildung der jungen Auszubildenden noch bei der Ausbildung ihrer Pferde.

      Dabei ist die Lage ganz eindeutig: derartiges Verhalten ist einfach gesetzwidrig! Wo steht das? Ganz klipp und klar im Berufsbildungsgesetz (BBiG). So steht z.B. im § 12 Nichtige Vereinbarungen: Nichtig ist die Vereinbarung über die Verpflichtung Auszubildender, für die Berufsausbildung eine Entschädigung zu bezahlen. Und weiter in § 14 wird der Ausbildende, also der Chef, dazu verpflichtet die Berufliche Handlungsfähigkeit zu vermitteln, die in der Verordnung Pferdewirt/in genannt wird. Und natürlich müssen die Ausbildungsmittel, also Werkzeuge, Sicherheitskleidung, Pferde und Unterricht am und auf dem Pferd, Fachliteratur, usw. kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

      Du siehst also, die von Dir beschriebene Praxis verstößt eindeutig gegen das gültige Berufsbildungsgesetz, der Ausbilder handelt eindeutig rechtswidrig. Sofort die Zahlungen einstellen und das Geld zurückfordern. Der Unterricht darf dann aber nicht beendet werden.

      Im Pferdebereich ist derartiges, rechtswidriges Handeln nicht selten. Aus diesem Grund nenne ich Dir noch ein paar ganz wichtige Fallstricke, die derartige Ausbilder meistens im Paket bieten und das Bestehen der Abschlussprüfung oftmals vermasseln.
      1. Da wäre der Berufsschulunterricht, der oftmals vom Ausbildungsbetrieb verhindert wird. Zu keinem Zeitpunkt rate ich Deinem Sohn, auf Wunsch des Betriebes den ihm gesetzlich zustehenden Berufsschulunterricht zu schwänzen. Eine der besten Voraussetzungen, durch die Prüfung zu fallen. Natürlich ist der komplette Unterricht und der Schulweg Arbeitszeit und innerhalb der 40h- Wochenarbeitszeit zu leisten.
      2. Die Arbeitszeit beträgt 40 h/ Woche. Arbeit an Sonn- und Feiertagen wird durch Ersatzfreizeit ausgeglichen. Der gesetzliche Urlaub wird gewährt.
      3. Geht oben auf „Downloads“. Dort findet Ihr die Ausbildungspläne zur Kontrolle Eurer Ausbildung. Stück für Stück könnt Ihr abhaken, was bereits ausgebildet wurde und was noch offen ist.
      4. Weil es so viele Schwarze Schafe in der Pferdebranche gibt, rate ich dringend, dass Dein Sohn in die zuständige Gewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt eintritt, denn die bieten einen kostenfreien Rechtsschutz. Das ist oft das einzige, was hilft.
      5. Wenn mit dem Ausbilder nicht zu reden ist, dann sofort die Arbeit einstellen und den alleine misten lassen. Erfahrungsgemäß ändern sich diese Ausbilder niemals, die bleiben einfach nur ungerecht und unfair. Da hilft nur fristlose Kündigung!
      6. Keine Kompromisse mehr machen, ansonsten tatsächlich eine andere Ausbildung anstreben. Diese Entscheidung erfordert viel Mut, ist aber aus meiner langen Erfahrung mit vielen Hundert Azubis der beste Weg, ein verkorkstes Arbeitsleben zu vermeiden. Nur ein kleines Beispiel zum Nachdenken: Wer brutto 3.300 € jeden Monat verdient, bekommt eine Altersrente von 1.500 € brutto (Circaberechnung).

      Leider haben diese Ausbeuter Hochkonjunktur, denn ernsthaft haben die wenig zu befürchten. Die Zuständigen Stellen sind meist arbeitgeberfreundlich und haben eher die Tendenz ihren Schreibtisch sauber zu halten und die Auszubildenden sind einfach nur wehrlos, weil sie sich oft zu fein dazu sind, in ihre Gewerkschaft einzutreten. Und das hat Folgen: Die Schwarzen Schafe dominieren die Branche mit der Folge, dass in der Pferdewirtschaft Wild- West herrscht, ein Vielfaches geackert, weniger Urlaub gegeben wird und der Verdienst nachweislich nur halb so hoch ist. Alle Untersuchungen haben ergeben, dass Branchen, in denen sich die Mitarbeiter in ihrer Gewerkschaft organisieren, die Arbeitsbedingungen wesentlich besser und die Löhne etwa doppelt so hoch sind. Alle Eltern, aber auch Lehrer an den Berufsschulen müssen den Azubis sagen, dass in Deutschland es nur geregelte Arbeitsbedingungen, ausgehandelt in Tarifverträgen gibt, wenn die Mitarbeiter sich in ihrer Gewerkschaft organisieren. So steht es klar im Tarifgesetz.

      Auch die Mitgliedschaft in der Bundesvereinigung der Berufsreiter ist nicht hilfreich. Die versprechen zwar Hilfe, bisher habe ich davon nichts bemerken können. In Wirklichkeit glauben die Funktionäre, dass sie alle Probleme Wegschweigen und vertuschen können. Auf Dauer geht das schief und alle Azubis, die glauben ihnen wird geholfen, müssen wissen, dass die Bundesvereinigung immer die Interessen der Chefs vertritt. Schade um den Beitrag. Wie schnell einem Vertuschte und schöngeredete Probleme wieder auf die Füße fallen können, zeigt uns gerade die FN. Der fällt gerade die Barraffäire von vor etwas über 30 Jahren auf die Füße.

      Wie kurz und unüberlegt die Betriebe in der Pferdewirtschaft denken, sieht man/frau im Gastro- und Hotelbereich. Da wurden die Azubis genau so mies behandelt, wie die in der Pferdewirtschaft. Und dann kam Corona und es gab in dieser Branche keine Arbeit. Arbeitslos? Nein, plötzlich merkten die Mitarbeiter, dass andere Branchen auch Jobs haben, sogar besser bezahlen und ihr Personal auch noch wertschätzen, einfach nur fair behandeln. Die beste Therapie war die Arbeit in den Impfzentren. Plötzlich wertgeschätzt, keiner schreit, im Team arbeiten, geregelte Pausen, faire Bezahlung, und, und, und. Weg waren die Mitarbeiter aus der Gastro- und Hotelbranche und kommen auch nicht wieder. Prima. Jetzt ist das Geschrei der Chefs in Gaststätten und Hotels groß. Die Chefs müssen plötzlich selber arbeiten, wenn sie öffnen wollen. Die ehemaligen Mitarbeiter können es noch immer nicht glauben, dass das Berufsleben auch fair sein kann und genießen ihre neuen Jobs. Und genau diese Situation wird auch im Pferdebereich passieren. Irgendwann sind einfach junge Menschen nicht mehr zu blöd, sich von den Pferden in Sklavenbetriebe locken zu lassen.

      Wenn Du weitere Hilfe benötigst, dann melde Dich einfach wieder.

  8. Sehr geehrter Herr Arnold,

    ich klinke mich einfach einmal in diese Diskussion ein.
    Ich finde es sehr lobenswert, wenn auch Pferdeleute wie Sie langsam aber sicher vor dem großen Knall warnen.
    In Niedersachsen fängt der Azubi Mangel an, wie das in anderen westdeutschen Bundesländern ist, weiß ich nicht.

    Im Osten wurde ich bei einem Bewerbungsgespräch nach 2 Monaten Probearbeiten, welches für die Katz war ausgelacht, als ich dies ansprach.
    Da ist es immer noch die Devise: du willst unter den schlechten Bedingungen nicht lernen oder Arbeiten? Ist doch egal, es kommt der nächste.
    Es ist erstaunlich was man immer wieder für Leute kennen lernt in 15 Jahren Pferde Betriebe.

    Geht man zur Zeit den Stellenmarkt durch gibt es drei Sparten (wohlgemerkt es sind ca. 700! offene Stellen auf dem Markt ohne Ausbildungsstellen) :
    1.Reiten
    2.reine Stall Arbeit und Koppel service
    3. Kundenmanagment

    Pferdewirt Zucht oder einen vielseitigen Job? Mit Glück 2 -3 offene Stellen.

    Ausgebildet wird fast nur noch Bereiter oder Haltung und Service- auch viele Landgestüte halten dies so.
    Doch wofür wird der Pferdewirt Haltung und Service herangezogen?
    Wenn er Pech hat, deckt er Sparte 2 ab, mit etwas Glück darf er noch Jungpferde einreiten – das sorgt für Abwechslung und gebrochene Knochen. – denn wo kommen denn die Jungpferde auch im Winter jeden Tag raus?
    Und auf was für eine Bewegungsfläche?

    Nächster lustiger Punkt: wie viel Fläche braucht man nochmal um ein Pferd zu halten?
    Ich wurde jetzt mehrfach völlig ungläubig gefragt, warum ich denn bitte 1,2ha Fläche für zwei Pferde benötige?
    Das wäre doch reichlich zu viel…..

    Wo wir zum nächsten Punkt in der Branche kommen:
    Ist man Bauer, Zimmermann oder Bürofachkraft oder sonst was, keinen Chef interessiert was man in seiner Freizeit tut, ob man einen Hund hat oder zwei Pferde, Familienstand.
    Hauptsache man kommt zur Arbeit und macht seinen Job.
    Anders in der Pferdebranche:
    Hat man da Familie und tierischen Anhang (welcher wohlgemerkt nicht in den Betrieb mitkommt), ist man als Arbeitnehmer nicht mehr interessant.
    Hat man frecherweise als Pfleger oder Pferdewirt zwei Pferde ist das schon ein Unding, weil sowas hat man in der Position nicht zu haben!
    Einzig als Pferdewirtschafsmeister oder Bereiter, darf man in den Augen anderer Pferde haben.

    Der Wunsch etwas dazu zu lernen, sich fortzubilden, sich vielleicht im Laufe der Anstellung höher zu qualifizieren? Ein Wunsch auf den sogar teilweise ein Rechtsanspruch besteht.
    Trauriger Weise, kenne ich nur noch sehr wenige Betriebs Inhaber welche Ihr Wissen weitergeben oder die Angestellten unterstützen weiter zu kommen. Die meisten Chefs in der Art, gehen straff auf die Rente zu.
    Ausnahme auch hier: die Bereiter und wenige Ausnahmen.

    Thema Gehalt: es ist schön wenn man tatsächlich 8h am Tag arbeiten muss und dafür knapp 2000€ netto bekommt. Nur aufpassen wo ist der Haken?
    In 3,5 Monaten nicht einen freien Tag oder Nachmittag! (Das Gegenstück dazu ist woandrs, arbeiten von 7.30-22 uhr und die 2 freie Wochenenden im Monat)
    Auf meine Nachfrage wie das gehen soll, wurde mir gesagt man sucht ja schließlich eine Vollzeit Kraft und keine Aushilfe!
    Sie sehen, die schwarzen Schafe werden nicht weniger, sie versuchen es nur besser zu verkaufen und einen nur besser zu kaufen.
    Nur Geld allein macht nicht glücklich und gesund!
    Klar sind 2000€ in der Branche viel Geld, aber nicht für einen reinen Stall Job ohne Abwechslung wo man auch immer nur brav in eine Richtung fegen darf und auch nur mit dem richtigen Besen, und das ohne frei in 3,5 Monaten!

    Thema guter Ausbildungsbetrieb: es ist schon schwer einen zu finden!
    Auch dort wird mehr als 40h ggearbeitet!
    Weil der Betrieb gut ist nimmt man das hin. Doch traurig ist, wenn auch solch ein Betrieb der Meinung ist: seine Pferde müssen aus goldenen Schalen trinken und bei den Pferden der Angestellten reicht der Entwässerungsgraben aus den Wiesen!
    Schließlich können die schon froh sein, dass der Betrieb die privaten Pferde akzeptiert!

    Thema Umgangston und Team:
    Bei dem Ton, welcher in vielen Ställen herrscht, geht man direkt rückwärts wieder aus der Tür.
    Und es ist eine „tolle“ Branche, mit gezicke und intriganten Verhalten.
    Wo man sich immer mehr Mühe gibt und immer besser seinen Job machen will damit genau das aufhört, nur der einzige der das zu loben weiß, der Chef ist. Und zack, bekommt man dafür vom Rest des Teams nochmal ein über.
    Aber es ist ja auch nicht mehr gewünscht, dass man sich in den Job einbringt, die Arbeit einfacher, effizienter und pferdefreundlicher gestaltet, eigenständig denkt und eigenverantwortlich arbeitet- wohlgemerkt auch um den Betrieb zu entlasten.
    Man hat seinen Job zu machen: genau das was man soll und genau so wie man es gesagt bekommen hat, über alles andere hat man zu schweigen- auch darüber wenn den Pferden, dem Personal Schaden zugefügt wird bzw. sogar dem Chef durch die Geschäftsführung geschadet wird!

    Thema Verfügbarkeit:
    es wird immer zu sofort ein neuer Angestellter gesucht, nur was ist denn mehr Wert? Ein Angestellten den ich Hals über Kopf eingestellt habe und der auch schnell wieder weg ist, denn mehr als zwei Koffer hat der nicht.
    Oder ein Angestellter der vielleicht das eine oder andere Packet mehr hat und dafür aber auch länger bleibt, weil es einfach manchmal sehr mühselig ist bestimmte Pakete zu „transportieren“. Nur so ein Angestellter will sowohl von Arbeitnehmerseite wissen: was hat man für einen neuen Betrieb und der Betrieb: will den neuen Angestellten besser kennenlernen bevor man den nachher nicht schnell wieder los wird.
    Wo Leben denn vor allem manche Chefs? Eine Wohnung hat in der Regel 3 Mon. Kündigungsfrist, eine Arbeitsstelle 14 Tage bis 4 Wochen, mit sofort ist es nicht so einfach!

    Um das ein wenig abzuschließen:

    Ein schönes Beispiel aus der Landwirtschaft:
    Da ist der Knall schon lange passiert, in einigen Branchen.

    Es ist leichter einen guten und vor allem netten Betrieb zu finden.

    -Es wird versucht alle Stunden zu bezahlen oder abzugelten, in welcher Form auch immer.
    – Es wird eine Wohnung gestellt (oft sogar ein kleines Haus mit Grundstück) oder es wird geholfen eine zu finden. Oft sehr günstig in der Miete oder umsonst.
    – Oft wird Arbeitskleidung gestellt, oft kann im Betrieb eine Dusche genutzt werden, damit man sauber und ohne Betriebs Keime nach Hause kann.
    – Hat man Familie oder Anhang ist das kein Problem.
    -Hat man selbst Tiere gibt es manchmal die Chance, dass der neue Chef eine Weide verpachtet und die Mist/Stroh/Heuversorung möglich ist, bzw. man den betriebseigenen Traktor nutzen kann nach Einweisung.
    -Klar suchen die auch zu sofort, nur sind die glücklich wenn Sie jemanden finden und sind dann auch bereit noch einige Wochen länger zu warten wenn die neue Angestellte gut ist und erst noch ihre Verträge zu Hause auflösen muss.

    Nur so wie es vielen in der Landwirtschaft geht, die sich Mühe geben damit sie einen neuen Angestellten bekommen und den dann auch behalten wollen und trotzdem keinen bekommen, weil viele wollen in der Branche nicht mehr arbeiten.

    – So lieber Herr Arnold, geht es unseren Pferdebetrieben leider noch nicht!
    Traurig ist einfach, das genau dieser Knall kommen muss, damit sich vielleicht etwas an der Branche ändert!

    Es liegt jedenfalls nicht allein am Personal, wie viele schimpfen.

    Es ist teilweise gutes Personal da, nur dieses möchte vernünftig behandelt werden, ein klein wenig unterstützt, vom Lohn leben können und auch ein Privatleben führen. Das Wort Wertschätzung wieder integriert wissen und ein wenig Input bekommen, denn in dem Job lernt man nie aus sowie selbstständig denken dürfen!

    Wenn man als Chef anfängt das zu verstehen, hat man vielleicht auch wieder einen Angestellten, welcher 60h im Notfall arbeitet, sich die Nächte um die Ohren haut, wenn kranke Pferde zu versorgen sind oder Not am Mann ist. Der nicht immer auf den Stunden Zettel klopft sondern auch zu anderen Abgeltungsverfahren bereit ist, der auch dann da ist wenn keiner normalerweise kommt. Der über den Tellerrand schaut um bei Problemen dem Betrieb helfen zu können. Der daran interessiert ist seinen Betrieb zu unterstützen und weiter zu bringen- jedoch nicht als Rad was sich stumpf dreht, sondern als Teil eines vernünftigen Betriebes, wo man einen Angestellten nicht nur benutzt und ausnimmt sondern auch einfach mal ein Danke, Wunder vollbringt!

    Sehr geehrter Herr Arnold ich weiß ja nicht, Sie kennen doch viele Leute, vielleicht sollte man diese Problemmatik in unseren Betrieben einfach mal auf eine Doppelseite im Züchter Forum oder einer anderen einschlägigen Zeitung bringen.

    Viele Grüße und Entschuldigung, dass ich mir mal Luft machen musste über unsere Arbeitgeber im Pferde Bereich.

    Viele Grüße

  9. Guten Tag,
    ich habe viel gelesen über den Beruf und war auch auf dem Informationstag in Eschede. Meine Tochter denkt über diese Ausbildung nach.
    Leider habe ich nicht einen einzigen positiven Kommentar gelesen und die schlechten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen werden überall kommuniziert. So wirft sich mir die Frage auf… gibt es gute Ausbildungsbetriebe überhaupt?! Hat man nach der Ausbildung überhaupt die Möglichkeit sich so hoch zu arbeiten, dass man ein auskömmliches Einkommen beziehen kann? Gibt es gute Arbeitgeber?
    Da ich selbst in der Arbeitsverwaltung tätig bin, weiß ich um schlechte Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in vielen Branchen und das auch gerade in Bereichen, die oftmals im Niedriglohnsektor liegen. Auf der anderen Seite haben sich aber auch die Auszubildenden verändert, bei denen es oft an den sogenannten Softskills ( Durchhaltevermögen, Zuverlässigkeit,…) fehlt.
    Letztlich finde ich es gut und wichtig, dass Sie an der Verbesserung der Bedingungen arbeiten. Wenn ich jedoch „nur“ negatives lese, werde ich meiner Tochter lieber empfehlen einen anderen Weg einzuschlagen. Vielleicht wäre ein Bereich super, indem über Positivbeispiele berichtet werden?! Oder gibt es diese nicht bzw. hab ich sie nur nicht gefunden?!

  10. Hallo Ines,

    gerne möchte ich Dir meine Erfahrungen und Gedanken zu Deinem Beitrag schreiben. Lasse mich folgendes vorher sagen:
    1. Ich beschreibe jetzt die Situation für Frauen im Beruf Pferdewirt
    2. Ausnahmen bestätigen immer die Regel, aber wenn die Zahlen so deutlich sind, wie sie sind, dann sind Verallgemeinerungen zulässig.
    3. Ich schreibe hier keine Promotion- Beiträge, sondern meine unabhängige Meinung.
    4. Nicht nur Du, sondern auch Deine Tochter muss sich unbedingt mit der Situation im Beruf auseinandersetzen.

    Es gibt natürlich auch faire Ausbildungsbetriebe, wie z.B. die Landgestüte. Die Wahrscheinlichkeit, auf einen „Ausbildungsbetrieb“ hereinzufallen, der alleinig die billige Arbeitskraft der Azubis nutzt, ist recht hoch. Alle statistischen Daten dokumentieren die prekäre Lage in der Berufsausbildung zur Pferdewirtin und die spätere Arbeit in diesem Beruf. Ausbildungsabbrüche bis 50%, anschließende Prüfungsdurchfallrate 25%, durchschnittliche Arbeitszeit 50 meist 60 h/Woche ohne finanziellen Ausgleich, kein oder wenig Freizeitausgleich wegen Wochenendarbeit, teilweise Entzug von her Berufsschule, Gewinnerzielung der Betriebe durch Einsatz von Azubis, 80% der geprüften Pferdewirtinnen verlässt nach der Abschlussprüfung den Beruf, keine wertschätzende Behandlung, … .

    Diese grenzwertige Situation ändert sich kaum durch die Abschlussprüfung. Bezahlt wird max. Mindestlohn für 40 h/Woche, obwohl 50 – 60 h gearbeitet wird. Ein eigenständiges Leben ist für Frauen in diesem Beruf kaum zu finanzieren. Ein Leben in Abhängigkeit von einem Partner. Beruf und Kinder sind kaum zu vereinbaren. Auch darf nicht wegdiskutiert werden, dass der Beruf Pferdewirtin kaum bis zum Rentenalter durchgehalten werden kann und es sich um einen der unfallträchtigsten Berufe in Deutschland handelt. Über Elternzeit, Weiter- und Fortbildungen möchte ich hier gar nicht diskutieren, kommt zu selten vor.

    Vielfach geistert besonders der Rat durch die Pferdegemeinde, dass besonders Frauen toll im Beruf als Minijobber bzw. schwarz oder selbständig neben der Familie sehr gut Geld dazuverdienen können. Im Fall eines Unfalles, einer Krankheit oder spätestens im Alter endet das oft in bitterer Armut. Besonders gilt das bei einer relativ hohen Scheidungsrate in Deutschland. Deshalb habe ich immer meinen Schülerinnen gepredigt, ihr Leben immer so zu planen, dass sie davon auch alleine zurecht kommen können. Wenn das nicht nötig sein sollte, umso besser.

    Für welche Frau, aber auch Mann würde ich diese Berufsausbildung empfehlen?
    1. Wenn der elterliche Betrieb (oder andere Betriebsnachfolge) weitergeführt werden soll
    2. Wenn die Berufsausbildung die Vorstufe für ein generelles Studium ist, z.B. Landwirtschaft, Tiermedizin, Journalismus, Lehramt, Sportwissenschaft, usw.. Aber Achtung, die sog. Pferdestudiengänge sind nicht die Alternative zu den generellen Studiengängen, die eine große Variation in der beruflichen Tätigkeit mit dem Pferd zulassen. Göttingen ist sicher geeignet für Betriebsnachfolger, ansonsten produzieren nach eigenen Recherchen die Pferdestudiengänge eigentlich nur Vertreter für Futtermittel und Versicherungen. Und dann gibt es auch noch Studiengänge im Pferdebereich, die durchaus von Futtermittelfirmen “mitgestaltet” werden. Deren Professoren werden so niedrig besoldet, dass sie für Gefälligkeitsgutachten anfällig sein könnten oder Bewerber eingestellt wurden, deren frühere Arbeitgeber ein Interesse daran hatten und haben. Unabhängige Wissenschaft ist da nicht immer gewährleistet zumal die Unileitung dieser Studiengänge Bewerber darauf hinweist, dass erhebliches Einkommen durch Gutachten zu erzielen ist. Eine Pension/Rente gibt es darauf nicht.

    Jetzt kennt Ihr meine Gedanken dazu und könnt sie als eine Meinung neben anderen diskutieren. Aber denkt immer daran, wenn der Sumpf trocken gelegt werden soll, dann darf man/frau die Frösche nicht fragen. Bewertet so die Äußerungen z.B. der Bundesvereinigung der Berufsreiter, der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und vieler Ausbildungsbetriebe zum Thema.

    P.S.
    Des vielgemachte Argument der Betriebe, die heutigen Azubis sind das Problem, ist völlig absurd. Fast alle Azubis haben vorher ausgiebige Praktika gemacht und wissen, was Arbeit, Verantwortung und Benehmen ist. Ich jedenfalls weiß ganz sicher, dass die Pferdewirtinnen besonders nette und dankbare Berufsschülerinnen sind, mit denen es in der Schule so gut wie keine Probleme gibt und Berufsschullehrer wären glücklich in ihrem Beruf, wenn alle Azubis so wären. Wer die Pferdewirtazubis für die desolate Berufsausbildung verantwortlich macht, ist nicht nur unfair, sondern will an der Situation nichts ändern, schließlich kann ein Betrieb mit den Azubis richtig Geld verdienen. Nicht umsonst stellen sie so viele ein. Die misten und der Chef verunglimpft sie noch. …

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