Prüfung durchgefallen – Was nun?

n.n. (dem Admin bekannt)

04.04.2019

Hallo,ich würde gerne wissen wie das nach nicht bestandener Abschlussprüfung ist: praktischer Teil Dressur und Unterricht nicht bestanden.

Muss man dann weiterhin zur Berufsschule gehen ? Muss der Ausbilder oder der Auszubildende dort evtl. wieder anmelden? Wer beantragt die Wiederholungsprüfung, nur Azubi oder mit dem Ausbilder zusammen? Wer legt fest wann die nächste Wiederholungsprüfung ist? 

Vielen Dank im voraus für Ihre AuskunftIch würde Sie bitten keine Namensnennung vorzunehmen.

Mit freundlichen Grüssen

Durchfallen bei der Abschlussprüfung bietet gleichzeitig immer eine zweite Chance, die Ihr allerdings nutzen müsst.

Dietbert Arnold

04.04.2019

Hallo n.n.

natürlich werde ich Deinen Namen nicht nennen. Du bist durch die Abschlussprüfung gefallen. Das ist doof, kann aber auch eine Chance sein, im zweiten Anlauf eine wesentlich bessere Wiederholungsprüfung zu machen. Das kommt schon des öfteren vor und dann beim zweiten Mal gibt es doch noch strahlende Gesichter. Hinterher fragt keiner mehr, ob Du ein oder zwei Anläufe gebraucht hast.

Voraussetzung ist allerdings, dass Du die Schwächen wirklich angehst und Dich verbesserst. Neben den noch vorhandenen Schwächen im praktischen Reiten haben Dir die Prüfer auch dokumentiert, dass die Umsetzung der Reitlehre für den Unterricht nicht geklappt hat. Also auch an der Reittheorie arbeiten.

Ich gehe beim Lesen Deiner Fragen davon aus, dass Du nach dem Durchfallen Deinen Ausbilder gebeten hast, das Ausbildungsverhältnis zu verlängern. Das muss er auf Deinen Wunsch auch, bis zur nächsten Prüfung, maximal 1 Jahr. Du bist aber nicht verpflichtet, in den Ausbildungsbetrieb zurückzugehen. Das weißt Du aber, oder?

Wenn Du also wieder Azubi bist, dann bist Du, wie vorher auch berufsschulpflichtig, wenn allgemeine Schulpflicht besteht, wie z.B. in Ostdeutschland, Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig- Holstein, usw. Da in den Bundesländern ganz unterschiedliche Schulgesetze gültig sind, unbedingt in der Schule nachfragen! Wenn Du es willst, muss Dein Chef Dich zur Schule gehen lassen, auch nach der misslungenen Prüfung. Ebenso muss Dein Chef Dich als Azubi, auch nach dem Prüfungsversuch, zur Prüfung bei der Zuständigen Stelle anmelden sowie die Prüfungskosten übernehmen. Die Anmeldung kann praktisch schon morgen erfolgen, formal kannst Du bei der nächsten Abschlussprüfung schon wieder teilnehmen. Allerdings solltest Du mit Deinem Ausbilder besprechen, ob Du in einer kürzeren oder längeren Zeit Deine Schwächen ausbügeln kannst. Bedenke bitte, dass Korrekturen im Dressurreiten durchaus einen längeren Zeitraum benötigen können. Das kann ich aber von hier nicht beurteilen.

Ich hoffe, ich habe Dir weiterhelfen können, sonst zögere nicht und schreibe mir noch einmal.

Liebe Grüße

2 Antworten auf „Prüfung durchgefallen – Was nun?“

  1. Hallo,ich würde gerne wissen wie das nach nicht bestandener Abschlussprüfung ist: praktischer Teile Zuchtmaßnahmen und Pferdebeurteilung nicht bestanden.

    Ich bin in keinem Ausbildungsverhältnis und habe durch Sonderregelung die Möglichkeit meine Prüfung abzulegen.
    Jetzt ist es so das in der Prüfung ja drei Prüfer sind und ich meine Leistungen nicht als mangelhaft oder ungenügend ansehe. Desweiteren wurde in der Prüfung sogar bemerkt und auch nachgefragt ob ich den Besamungswart gemacht habe. Habe das Gefühl das hier eher das Problem besteht als externer Prüfling nicht bestehen zu können. Die Prüfung zur Beurteilung glich einem Verhör. Hierzu muss ich sagen das es schon der zweite Versuch war. Durch Akteneinsicht wurde schon deutlich das ich schlecht bewertet wurde. Klar habe ich auch Fehler gemacht und somit beim zweiten Mal diese wirklich deutlich verbessert. Ich bin im Moment am überlegen ob es überhaupt Sinn macht, es zu wiederholen. Da ich nicht das Gefühl habe, das ich es schaffen soll. Leider ist es ja nur im eigenem Bundesland möglich, die Prüfung abzulegen.
    Welche Möglichkeiten habe ich und lohnt sich ein Widerspruch? Da die Prüfer ja zu dritt sind und ich keine Zeugen habe um zu beweisen das die Leistungen gut bis ausreichend waren.

    Vielen Dank im voraus für Ihre Auskunft. Ich würde Sie bitten keine Namensnennung vorzunehmen.

    1. Liebe n.n.,
      ich glaube, Du bist damit einverstanden, dass ich Deinen Namen nicht nenne. Gerne möchte ich auf Deinen Beitrag antworten. Doch vorher muss ich Dir natürlich sagen, dass ich zu diesem konkreten Fall nichts sagen kann und auch nicht werde, denn das Prüfungsgeschehen ist nicht öffentlich. Deshalb einige grundsätzliche Bemerkungen, die ich in meiner jahrelangen Prüfertätigkeit gewonnen habe und Dir hoffentlich helfen können.

      Du hast die Prüfung nach § 45.2 Berufsbildungsgesetz mit einer Zulassung ohne Berufsausbildungsvertrag zur Berufsabschlussprüfung zugelassen worden. Damit bist Du Prüfling wie alle anderen auch und musst auch so behandelt werden.

      Aus Erfahrung weiß ich, dass es mindestens genauso viele sehr gut vorbereitete und weniger gut vorbereitete Prüflinge gem. § 45.2 gibt. Ein Teil der nicht bestandenen Prüflinge gem. §45.2 hat nicht selten die Anforderungen, die an Pferdewirte gestellt werden, unterschätzt. Ob Dir das auch so ergangen ist, kann ich nicht sagen. Prüfe Dich da einmal selber. Das ist deshalb so wichtig, weil Du als Prüfling mit Sonderzulassung keine Vergleiche hast, welchen Kompetenzumfang Du hast. Azubis, die zur Berufsschule gehen können die Anforderungen besser einschätzen, weil die Schule ähnliche Niveaus hat und außerdem ist der Kontakt zu anderen Azubis schon sehr aufschlussreich, wenn Du Deine Kompetenzen selber einschätzen möchtest. Auch ist nicht klar, ob Du in Deiner praktischen Arbeit als Ungelernte genügend „ausgebildet“ wurdest. Damit Du sehen kannst, was in der Prüfung von Dir verlangt werden kann, musst Du in die Verordnung Pferdewirt*in schauen. Da stehen die Inhalte komplett drin. Nicht mehr und nicht weniger darf geprüft werden.

      Die Prüfung muss handlungsorientiert durchgeführt werden. Das bedeutet: Du bekommst eine berufstypische Aufgabe und musst die in der vorgegebenen Zeit komplett lösen. Die Prüfer sollen sich da heraushalten und Dich beobachten. Ausnahmen sind natürlich, wenn es gefährlich wird, das Tier leidet oder etwas fachlich völlig schief läuft. Für die Aufgabe hast Du genau 45 min Zeit. Die Prüfer sollen in ihrem Protokoll notieren, wie zügig Du arbeitest, ob Sicherheit und Tierschutz eingehalten wird, wie routiniert Du bist, ob fachliche Fehler beobachtet werden, wie Du geplant und organisiert hast, wie Du Deine Arbeit noch einmal am Ende kontrolliert hast und aber auch, was Du richtig gemacht hast. Denke immer daran, dass eine Prüfungsaufgabe immer aus Planen, Durchführen und Überprüfen besteht. Anschließend soll maximal 15 Minuten ein Fachgespräch über Deine Aufgabe geführt werden. Fachgespräch bedeutet, dass Prüfling und Prüfer auf Augenhöhe ein Gespräch über Deine Aufgabe führen. Das Niveau der Aufgabe und des Fachgespräches ist auf Ausgelerntenniveau. Also das darf kein Verhör sein. Vielmehr sollen die Prüfer von Dir z.B. erfahren, warum Du dieses oder jenes so oder so gemacht hast und sie könnten von Dir dann z.B. wissen wollen, welche Möglichkeiten Du noch gehabt hättest. Am Ende, nach Aufgabe und Fachgespräch entscheiden die Prüfer dann über Deine Note. Eine Faustregel ist, dass die Grenze zum Bestehen bei 50% Fehler und 50% Fehlerfreiheit liegt. Abgewichen wird, wenn sehr grobe Fehler, Tierquälerei oder lebensbedrohliche Sicherheitsmängel vorliegen. Dann kannst Du durchfallen. So wie bei einer Fahrprüfung. Du kannst noch so toll fahren, wenn die Ampel rot war, bist Du durchgefallen.

      Deine Prüfung wird von einem Prüfungsausschuss abgenommen, dieser besteht immer aus mindestens 3 Prüfern. Also die Zahl der Prüfer ist kein Indiz auf böse Prüfer. Aus meiner langen Zeit als Prüfer weiß ich, dass Prüflinge mit Sonderzulassung durchaus gute Chancen habe zu bestehen, wenn sie gut vorbereitet sind. Es gibt natürlich Prüfer, die man/frau netter findet und andere wieder nicht so nett. Die Frage nach dem Eigenbestandsbesamerlehrgang ist nicht unbedingt negativ zu sehen. Ich werte das so, dass die Prüfer sich gefragt haben, warum Du solche Fehler gemacht hast, obwohl Du den Lehrgang ja erfolgreich beendet haben solltest. Alle „normalen“ Pferdewirtazubis in der Fachrichtung Zucht müssen diesen Lehrgang in ihrer Ausbildung auf Kosten des Ausbildungsbetriebes gemacht haben. Deshalb finde ich zunächst die Frage nach dem Lehrgang ganz normal.

      Einsicht in die Prüfungsakte und Einspruch einlegen gegen das Prüfungsergebnis, das ist das gute Recht eines jeden Prüflings. Aber Einspruch hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn Du genau sagen kannst, was falsch gelaufen ist. Nimm Dir die Verordnung Pferdewirt und die Prüfungsordnung der Zuständigen Stelle und kontrolliere, was in der Prüfung nicht regelgerecht gelaufen ist, also z.B. die Zeiten von Aufgabe und Gespräch, Anzahl der Prüfer, aussagefähiges Protokoll mit Uhrzeiten, Inhalte, die die Verordnung verlangt, usw..

      Ich persönlich würde nicht die juristische Auseinandersetzung suchen, sondern mich konzentrieren, die 3 Prüfung ganz konsequent vorzubereiten. Du musst scheinbar eingestehen, dass die bisherige Vorbereitung nicht ausreichte. Dann musst Du was verändern. Also Pferdebeurteilung, das musst Du einfach üben. Das lernst Du nicht in 5 Minuten. Da brauchst Du einen Profi, der Dir hilft. Nicht so einen selbstgebackenen, der da auch noch ist, sondern einen anerkannten Fachmann/frau. Dann musst Du jetzt Schauen besuchen und mit anderen Fachleuten zusammen ganz viele Pferde beurteilen. Nur Routine hilft Dir weiter. Und Zuchtmaßnahmen, das ist der Kern der Fachrichtung, da musst Du sicher noch zulegen und handlungssicherer werden. Vielleicht hast Du Dir ja die Techniken von den falschen Vorbildern abgeschaut. Also auch hier gilt es, wirkliche Fachleute um Hilfe zu bitten. Wie wäre es denn, wenn Du einmal ein Praktikum in einer professionellen Deckstation machst und dann noch eins bei einem Zuchtverband, wo tagein/tagaus Pferde beurteilt werden. Ein Tag für jeden Bereich wird nicht nutzen. Vielleicht 4 – 6 Wochen je Praktikum. Und besprich mit der Kammer, wie lange die bestandenen Prüfungsbereiche bestehen bleiben. Dann kannst Du in aller Ruhe Dich auf die Prüfung vorbereiten.

      Auf jeden Fall rate ich Dir, auch die dritte Chance zu nutzen. Was kann Dir denn passieren. Wenn Du in den Sack haust, bist Du auch durchgefallen. Also, Frust herunterschlucken, nicht davon ausgehen, dass die Prüfer alle böse sind und besser, gut vorbereitet zur Prüfung erscheinen.

      Wie gesagt, ich habe das hier alles geschrieben, ohne Dich zu kennen und Deine Umstände beurteilen zu können. Aber, Du schaffst Das!

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