Kann ich gefeuert werden?

Das dürfen Azubis erwarten: Eine grundsolide reiterlicht Ausbildung, um dann sich auch im Sport präsentieren zu können. Nur viele Ausbilder wissen das scheinbar nicht, denn die billige Arbeitskraft und nicht die Ausbildung steht im Focus.
Das dürfen Azubis erwarten: Eine grundsolide reiterlicht Ausbildung, um dann sich auch im Sport präsentieren zu können. Nur viele Ausbilder wissen das scheinbar nicht, denn die billige Arbeitskraft und nicht die Ausbildung steht im Focus.

n.n., 10.06.16

Ich brauche dringend Hilfe! Ich bin im  3. LJ und mache die Fachrichtung Klassische Reitausbildung. Seit etwa einem Jahr läuft es nicht mehr so richtig, ich bekomme kaum Unterricht und die Pferde, die wir bei der Anerkennung als Ausbildungsbetrieb bei der Zuständigen Stelle vorgestellt haben, darf ich höchstens putzen. Ich darf keine Turniere reiten und was die Ausbildungsinhalte,  sind interessiert auch keinen. Ich hatte bereits meine Zwischenprüfung. Der Teil, für den ich lernen konnte war gut, der andere Teil, auf den mein Betrieb mich hätte vorbereiten müssen, war schlecht.

Seitdem verschlechterte sich die Situation zusehend, ich bekomme kein Pferd um mich auf meine Abschlussprüfung vorbereiten zu können und erst recht keinen dahingehenden Unterricht.

Ich hab dies zum Ausdruck gebracht, woraufhin mir gesagt wurde, dass ich gehen kann. Sprich soll ich wohl gefeuert werden. Jetzt meine Frage: Darf man das so einfach? Was sind meine Rechte?

Liebe Grüße!

 

Dietbert Arnold, 12.06.16

Hallo n.n.,

natürlich komme ich Deiner Bitte nach, Deinen Namen nicht zu nennen.

Deine Situation ist ausgesprochen blöd. Du rasselst sehenden Auges in eine disaströse Abschlussprüfung. Es ist kein Trost, wenn ich Dir sage, dass wir das genau so immer wieder bei Abschlussprüfungen erleben. Als Ausmisterinnen ausgenutzte Azubis, die in der praktischen Prüfung große Probleme haben.

Eines ist sicher: Du musst was tun, sonst ist die Gefahr, durch die Prüfung zu rauschen, ziemlich groß. Sicher ist auch: Du musst rasch handeln, denn wenn es eine positive Wendung wenige Tage vor der Prüfung gibt, dann hilft das überhaupt nicht.

In einem Punkt kannst Du Dich ganz beruhigt zurücklehnen: Wenn Du Deinen Chef nicht anspuckst oder ihm ein blaues Auge haust, dann kann der Dich nicht loswerden. Und ohne schriftliche Abmahnung geht gar nichts. Oben im Reiter „Download“ findest Du das Berufsbildungsgesetz BBiG. Dort findest Du auch Hinweise zur Kündigung.

Bei einem wichtigen Grund, und das ist sicher, wenn Du nicht entsprechend der Pferdewirtverordnung ( findest Du auch unter Downloads) ausgebildet wirst, kannst Du einseitig kündigen, um Dir einen richtigen Betrieb zu suchen.

Ebenfalls musst Du bereits bei Vertragsunterzeichnung einen Ausbildungsplan bekommen haben, in dem genau drinsteht, was Dir beigebracht werden muss. Eigentlich sollte die Zuständige Stelle darauf achten, dass dieser individuelle Ausbildungsplan vorliegt.

Was kannst Du tun?

  1. Sprich mit dem Ausbildungsberater/in der Zuständigen Stelle und sage denen, dass Du nicht richtig ausgebildet wirst und dass Du befürchtest, durch die Prüfung zu fallen. Bitte die Zuständigen Stelle, Dir zu helfen. Das ist deren Aufgabe, die müssen Dir helfen. Lasse Dich von denen nicht vertrösten! Fordere die Hilfe! Spreche den Ausbildungsplan an, der für Dich vorliegen muss.
  2. Du wirst Mitglied der Gewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt und bittest die, Dir zu helfen, notfalls mit Rechtsschutz. Wenn erwiesen ist, dass Dein Ausbildungsbetrieb Dich nicht korrekt auf die Prüfung vorbereitet, kannst Du den Betrieb auch schadenersatzpflichtig machen. Wenn Du Hilfe brauchst, die richtigen Leute bei der Gewerkschaft zu finden, helfe ich Dir.
  3. Wenn Du beide oben genannten Schritte nicht machen willst, beauftrage einen Rechtsanwalt, Deine Interessen wahrzunehmen. Das kostet aber.
  4. Kündigen aus einem wichtigen Grund und Dir einen neuen Betrieb suchen.
  5. Kündigen und einen anderen Beruf suchen.

Ja, mehr kann ich Dir derzeit nicht sagen. Eines ist aber so sicher wie das Ahmen in der Kirche: Wenn Du nichts tust, dann ist Deine Prüfung in Gefahr und Du hast drei Jahre umsonst für Deinen Chef geschuftet. Denn eines ist auch sicher: Dein Chef hat mit Dir jede Menge Geld verdient, auch wenn er dich mit dem Auszubildendenlohn abgespeist hat.

Also, nimm allen Mut zusammen und wehre Dich. Damit diese Briefe an mich endlich aufhören. Ich drücke Dir ganz tüchtig die Daumen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.