Skandalös: Rechtswidrige Ausbildungsverträge

Ausbildungsvertrag Arbeitszeit

 

 

Manchmal kann man kaum glauben, was sich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bremen, Schleswig- Holstein, Rheinland- Pfalz sowie Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen erlauben: Tausende landwirtschaftliche Auszubildende bekommen gesetzwidrige Ausbildungsverträge untergejubelt.

Obwohl im § 11 des Berufsbildungsgesetzes klar gesagt wird, dass in jedem Berufsausvertrag die regelmäßige, tägliche Ausbildungszeit festgelegt werden muss, halten sich die Zuständigen Stellen nicht an diese Vorschrift und es fällt schwer zu glauben, dass dahinter keine Absicht steckt.

Warum ist die Angabe der täglichen Ausbildungszeit für Auszubildende so wichtig? Ganz einfach, ist die tägliche Ausbildungszeit überschritten, muss diese zusätzliche Ausbildungszeit entweder mit Freizeit oder zusätzlicher Bezahlung ausgeglichen werden.

Nehmen wir einmal an, im Ausbildungsvertrag steht, dass es sich um eine 40- Stunden- Woche von Montag bis Samstag handelt, dann wird an einem Tag lediglich 6 Stunden und 40 Minuten gearbeitet. Genau diese Zahl muss dann im Berufsausbildungsvertrag festgelegt werden. Jede Minute länger muss mit Freizeit oder zusätzlichem Lohn ausgeglichen werden.

Auch für den Berufsschulbesuch ist die gesetzlich vorgeschriebene Nennung der regelmäßigen, täglichen Ausbildungszeit von großer Bedeutung. Besonders für Auszubildende, die einen langen Schulweg haben, ist die tägliche Ausbildungszeit ganz besonders wichtig. Für die Berufsschule müssen Azubis bei voller Bezahlung und Anrechnung der Ausbildungszeit vom Betrieb freigestellt werden. Zur Berufsschulzeit gehören die Fahrtzeiten, die Schulstunden und die Schulpausen. Beträgt die Schulzeit weniger als die tägliche Ausbildungszeit, müssen volljährige Auszubildende zurück in den Betrieb. Das kann auch nur manchmal sein, wenn Schulstunden ausfallen. Ist allerdings die Schulzeit länger als die tägliche Ausbildungszeit, dann haben Azubis natürlich auch Anrecht auf Freizeitausgleich bzw. zusätzliche Bezahlung.

Das wissen die Zuständigen Stellen natürlich und haben dann einfach mal den Betrieben einen riesigen Gefallen getan und Euch benachteiligt, weil Ihr um Euren Freizeitausgleich bzw. Eure zusätzliche Entlohnung gebracht werdet.

Auch diejenigen Auszubildenden, die einen Ausbildungsvertrag mit dem Kästchen „regelmäßige, tägliche Ausbildungszeit“ haben, sollten kontrollieren, ob diese tägliche Ausbildungszeit überhaupt eingetragen worden ist. Es liegen Hinweise vor, die die Befürchtung nahe legen, dass das Berufsbildungsgesetz durch Nichteintragung einfach umgangen wird.

Wir alle dürfen nicht dulden, dass die Zuständigen Stellen, die hoheitliche Aufgaben vom Staat in der Berufsausbildung übertragen bekommen haben, sich noch wie Gutsherren aufspielen und dabei geltendes Gesetz missachten. Die wehrlosesten in der Berufsausbildung, die Auszubildenden, werden benachteiligt, die Betriebe, die ohnehin schon mit ihren Azubis Kasse machen, wieder einmal hofiert. Schämen die sich eigentlich nicht?

 

Eine Antwort auf „Skandalös: Rechtswidrige Ausbildungsverträge“

  1. Hallo.
    Auch wir haben einen solchen Vertrag unterschrieben! Ja schämen sollten sich die zuständigen Kammern. Unsere Kammer ist die Landwirtschaftskammer NRW. Was wir dagegen unternommen haben? Nach einigen unruhigen Nächten haben wir unser Kind bei der Gewerkschaft IG Bau angemeldet. Obwohl unser Vertrag mit der IG Bau erst ab dem nächsten Monat gültig ist, haben wir bei denen offene Türen eingerannt. Man hat uns direkt Hilfe zugesagt. Wir sind gespannt wie es nun weiter geht, aber es ist ein gutes Gefühl etwas unternommen zu haben. Man muss sich schließlich nicht alles gefallen lassen, und Leute, ihr wollte Pferdewirte werden! Wenn ihr nicht lernt euch in der Ausbildung zu wehren, zu einem Zeitpunkt wo ihr noch alle Rechte habt….wann wollt ihr damit anfangen? Beschwert euch! Über eure Gewerkschaft oder das Gewerbeaufsichtsamt. Viele Dinge gehen sogar, ohne das man eure Namen öffentlich nennt.

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