„Ausbildungsangebot“ zum Pferdepfleger

Hallo Herr Arnold ,
nach dem langen und dunklen Winter wünsche ich Ihnen ersteinmal einen schönen Frühjahrsbeginn.
Es ist doch echt zum „Mäusemelken“. Auf der Suche nach potentiellen Kunden , habe ich doch tatsächlich ein (angebliches ) Ausbildungsangebot gefunden. Angeblich deshalb , weil es nicht zu einem anerkannten Ausbildungsabschluß ( Pferdewirt , Landwirt oder meinetwegen auch Tierpfleger) führt , sondern am Ende nur die FN- Pferdepfleger Prüfung steht . Und dass Ganze noch Jugendamts-gefördert. Rausgeschmissene Steuergelder also . Und keinem schulmüden Jugendlichen ist mit sowas geholfen. Das kann doch nicht okay sein , grummel … Vielleicht täusche ich mich ja auch , aber eine Stellungnahme von Ihnen wäre schön.
Viele Grüße Jytte

(P.S. Ich habe Deinen Beitrag verschoben, deshalb oben mein Name)

3 Antworten auf „„Ausbildungsangebot“ zum Pferdepfleger“

  1. Hallo Jytte,

    das mit dem Pferdepfleger FN ist alles mögliche, nur keine Berufsausbildung. Ich persönlich finde derartige Angebote unseriös! Da wird jungen Leuten eine Ausbildung versprochen, die aber nirgendwo anerkannt ist. Warum ein Jugendamt derartige Ausbildungen propagiert und auch fördert, kann ich nicht nachvollziehen, ich kenne aber auch nicht den Hintergrund.

    Wenn junge Leute Probleme in einer Ausbildung haben, z.B. Verhalten, mangelnde Zuverlässigkeit, mangelndes Selbstvertrauen, gewalttätiges Zuhause, Lernschwierigkeiten, usw. dann ist eine reguläre Ausbildung anzustreben und der Staat muss dann für die notwendige Assistenz sorgen. Für solche Zwecke gibt es Ausbildungsbegleiter. Ein Sozialstaat hat dafür zu sorgen, dass auch gehandikapte Jugendliche eine seriöse Berufsausbildung machen können und dann mit uns allen am Leben teilhaben können.

    Die sog. Ausbildung zum Pferdepfleger ist ja nur eine billige Arbeitskraft für 1 – 2 Jahre und dann eine kleine Abschlussprüfung bei der FN. Es ist doch fraglich, dass die Inhaber eines Pferdebetriebes in der Lage sind, sich dermaßen intensiv und kompetent um Jugendliche zu kümmern. Das gelingt ja schon den wenigsten Ausbildungsbetrieben mit „normalen“ Jugendlichen. Meine Befürchtung ist, dass klamme Betriebe wie die Motten auf das Geld vom Staat schauen und eigentlich nur Interesse an Arbeitern für lau haben.

    Ja, jetzt kennst Du meine Meinung. Kann man lange und heiß diskutieren.

    1. Also ich sehe, dass ein bisschen anders. Ich bin Pferdewirtschaftsmeister und Heilpädagogin. Ich leite eine Reitschule die auch Ausbildungsbetrieb für Haltung und Service ist. Auf unserem Hof findet gleichzeitig auch stationäre Jugendhilfe statt für Mädchen ab 14. Wir sind ein Team aus drei Pädagogen, 2 Reitlehrern, 1-2 Azubis und 1-2 Praktikanten (meistens EQJ, manchmal Pferdepfleger FN). Auch wir haben bereits Mädchen begleitet, die in ihrer Zeit bei uns den Pferdepfleger FN machen und teilweise parallel dazu in Fernbeschulung den Schulabschlüsse nachgeholt hat. Eine junge Dame wäre mit einer normalen Ausbildung maßlos überfordert gewesen und wäre mit ihrem Zeugnis und geringen Vorkenntnissen auch in kein Ausbildungsverhältnis übernommen worden. Sie hat beides erfolgreich beendet und zusätzlich noch das Longierabzeichen vorher gemacht. Sie lebt und arbeitet inzwischen selbstständig. Wichtig finde ich, dass man ehrlich sagt, dass es keine Ausbildung ist und die Praktikumszeit nutzt um umfassendes Wissen zu vermitteln – eben nicht nur Ausmisten und fegen. In Bethel und Neustadt Dosse sowie im Rheinland gibt es mittlerweile einjährige „Fortbildungen“ für den Pferdepfleger FN, die sogar bezahlt werden muss, ob dass richtig ist weiß ich nicht. Wir erleben immer wieder, dass viele Mädchen mit sehr ungünstigen Voraussetzungen sich bewerben und haben regelmäßig junge Menschen, die ein EQJ bei uns absolvieren. Wenn es gut läuft kann ich sie danach in ein Ausbildungsverhältnis übernehmen. Leider erleben wir beim EQJ oft Dinge die eine Ausbildung im Anschluss ausschließen wie: ständig unpünktlich, häufig krank am besten ohne Bescheid zu sagen, ständig am Handy rumspielen, unfreundlich, unmotiviert… Manchmal fehlt es aber auch an Talent, schulischen Vorrausetzungen… oder derjenige bräuchte noch mehr Zeit. Insbesondere Jugendliche aus der Jugendhilfe brauchen eine ganz andere Begleitung und Förderung als „normale “ Azubis. Da finde ich den Pferdepfleger FN oder ein EQJ sinnvoll. Im übrigen werden immer wieder Pferdepfleger gesucht. Ich habe einmal eine sehr schwache vom Amt geförderte Auszubildende genommen – nie wieder. Sie war nach der Probezeit 2/3 der Arbeitszeit krank und in der restlichen Zeit auch nach der Probezeit sehr unzuverlässig. Der Ausbildungsvertrag wurde nach einem Jahr aufgelöst nach einem Termin beim Arbeitsgericht. Die Kosten und Mehrarbeit, die so etwas verursachen sind eine Katastrophe für kleine Betriebe. Ein Ausbildungsbegleiter wurde übrigens nicht vom Arbeitsamt bereitgestellt… Unsere Mitarbeiter haben alle geregelte Arbeitszeiten inklusive einer von uns bezahlten Fortbildung (auch für Azubis und Praktikanten) sowie natürlich Urlaub nach Tarif der LWK. Ich habe zurzeit Gott sei Dank zwei tolle Azubis von denen wir eine evtl. übernehmen wollen. Aber wenn ich sehe wie wenig von manchen jungen Leuten an Fleiß, Ehrgeiz und Engagement vorhanden ist aber welche Ansprüche sie stellen (spontaner Urlaub wann es ihnen gerade passt, am liebsten überwiegend Reiten, longieren und Unterricht geben, bitte keine Kritik – egal wie höflich verpackt, ein Dienstplan der auf ihre Hobbys und sonstigen Privattermine abgestimmt…), dann wird mir schlecht…

  2. Hallo Judith,
    es ging mir nicht darum jemanden persönlich auf den Schlips zu treten, sollte ich das in deinem Fall getan haben tut es mir leid.
    Ich weiß ja nicht ob das damals gefundene „Ausbildungsangebot “ von Euch war , aber da wurde eben explizit eine “ Ausbildungsstelle angeboten .
    Ich habe gar nichts gegen die EQ – im Gegenteil ich begleite selbst mehrere solcher Fälle.Und ich hätte es durchaus gut gefunden , wenn die Dauer nicht so starr wäre , sondern sich an den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Teilnehmer orientieren würde.
    Ein Praktikum zum Pferdepfleger ist eben keine so gute Lösung , weil in der Berufschulklasse haben sie eigentlich nichts zu suchen , ein EQ ler darf dahin . Und wie geht´s nach dem Pferdepfleger weiter -ein schwacher Kandidat wird wohl kaum irgendwann zur Externenprüfung gehen … Nach Unfall dauerarbeitslose Pferdepfleger gibt es ja nun einige…
    Es wird immer Jugendliche geben für die eine Vollausbildung “ nichts ist “ . Und deshalb gibt es Fachpraktiker / Werker oder Prüfungserleichterungen z. B . bei Landwirten, dann können sie ohne Probleme Pferdepflegerstellen besetzen .
    Natürlich werden immer mal wieder Pferdepfleger gesucht . Jeder der sich ein bisschen geschickt anstellt im Stall kann so eine Stelle bekommen. Man muss dafür kein Praktikum machen -und erst recht keine teure Fortbildung . Und wenn man die Stelle einige Jahre hatte , kann man auch zum Lehrgang der FN.
    Achja , natürlich wird kein Ausbildungsbegleiter vom Arbeitsamt gestellt – die machen das ehrenamtlich in ihrer Freizeit.
    Schöne Weihnachten

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