Überstunden ohne Ende – aber erst einmal auf dem Pferd gesessen

Bestimmen Schwarze Schafe unter den Berufsausbildern mehrheitlich den Beruf Pferdewirt/in? Nicht immer kann jungen Leuten eine Berufsausbildung im Beruf Pferdewirt ohne Einschränkung empfohlen werden.

09.04.20 n.n. (dem admin bekannt)

„Im August 2019 habe ich meine Ausbildung zur Pferdewirtin auf einem Hof in der Nähe von xxx begonnen. In meinem Ausbildungsvertrag stehen 5 Tage/40 Stunden.

Ich arbeite jedoch weitaus mehr, einen Tag in der Woche habe ich frei und es gibt ein freies Wochenende im Monat, dann wird der freie Tag zum Wochenende hin verschoben und ich habe drei Tage am Stück frei. Ende Januar habe ich bereits um die 250 Überstunden gehabt. Wir beginnen um 7.30 Uhr und ich komme sehr selten vor 20 Uhr vom Hof, oft erst viel später. In dieser Zeit sind Pausen von 1,5 Stunden, die aber auch häufig kürzer ausfallen. Und, ich arbeite 6 Tage die Woche.

Es gibt kaum Feiertagsausgleich, für das anliegende Osterwochenende habe ich einen Tag frei bekommen, als Ausgleich.

Und so langsam geht mir die Puste aus, ich schreibe in der Schule schlechte Noten, weil ich einfach keine Zeit und Energie mehr habe, den Stoff zu lernen und durchzugehen. Wenn ich Abends zu Hause bin, geduscht hab und etwas gegessen habe ist es oft so spät, das ich mich auf nichts mehr konzentrieren kann. Darüber bin ich unglücklich, ich bin es gewohnt, gute Noten zu schreiben und die Schule ist mir wichtig, denn hier kann ich etwas lernen.

Ich hab keine Zeit für Treffen mit Freunden oder andere Aktivitäten, weil es jeden Abend so spät wird.

Dazu kommt, das ich zunehmend merke, dass die Ausbildung nicht das verspricht, was ich mir erhofft habe: Auf dem Hof gibt es drei Azubis und zwei polnische Helfer für die groben Arbeiten und den Chef. Wir bekommen unsere Aufgaben, führen Abends eine Abschlußbesprechung und sehr wenig Anleitung, selten geht jemand mit uns los und zeigt uns etwas. Bisher habe ich einmal auf einem Pferd gesessen und ich bekomme keinen Unterricht. 

Noch vor Ausbildungsbeginn wusste ich, dass ich zu Beginn 2020 eine größere Kiefer OP haben werde, dies habe ich persönlich vorher in einem Gespräch mitgeteilt, damit sich alle darauf einstellen können, oder die Ausbildung  ggfs. verschoben werden kann. Man sagte mir, das sei kein Problem, trotzdem wird es mir jetzt dauernd vorgehalten.

Nach einem Gespräch mit der LWK habe ich mich entschlossen, zum 1. August einen neuen Hof zu suchen. Da ich ja eine schulische Vorausbildung habe,  ein landwirtschaftliches Grundschuljahr, erklärten mir die Ausbildungsberater der Kammer, hätte ich so oder so keine Zeit verloren und könne jederzeit im 2. Ausbildungsjahr neu beginnen. Man meinte sogar, ich könne sogar sofort aufhören….. .

Um meinem Chef ehrlich gegenüber zu sein, habe ich ihm mitgeteilt, dass ich mir zum 1. August einen neuen Hof suchen möchte, daraufhin wollte er sofort einen Aufhebungsvertrag mit mir schließen, was ich abgelehnt habe, das war ja nicht mein Plan, ich wollte gehen, wenn ich eine neue Stelle habe… und ich möchte meine Überstunden ausgeglichen haben.

Er moniert mein Berichtsheft, dass das nicht immer so ordentlich kommt, wie es sollte, aber ich weiß nicht, wann ich das schreiben soll, es gibt selten Anweisungen, worüber ich schreiben soll, ich soll es an meinem freien Tag schreiben und ich muss mir die Informationen selbst heraus suchen. Kann mich also nicht auf Ausbildungsgespräche stützen.

Ich habe in meiner Bewerbung geschrieben, dass ich Asperger Autismus habe, keine schwere Form,  aber es bedeutet auch, dass ich für manches etwas länger brauche, dafür aber sehr gründlich und zuverlässig bin. Was man mir aufträgt, das erledige ich auch so. 

Nach 14 Tagen Praktikum war er auch mit mir zufrieden und ich habe dort begonnen.

Nun aber. Seitdem der Chef weiß, dass ich gehen möchte, mache ich ihm wenig recht. Ständig schimpft er mit mir, ich bin zu langsam, entscheide die Arbeitsabläufe falsch, rufe zuviel an um zu fragen oder zu wenig… dabei sind seine Anweisungen unklar und wenn ich nun nachfrage, ist er verärgert. Er vergreift sich im Ton, reagiert bei mir anders, wenn ich Fehler mache als bei den anderen ist offensichtlich total verärgert. Betont, dass er mir ja ein „Gehalt“ zahlt und dafür vollen Einsatz erwartet und ich den Betriebsfrieden störe. 

Er hat übrigens nicht nachgefragt, warum ich gehen möchte. Und ich konnte das, aufgrund meiner Beeinträchtigung leider nicht so klar aussprechen, wie ich es hier schreibe. Die Zuständige Stelle hat mit ihm telefoniert und er meinte, er würde im ersten Lehrjahr nicht ausbilden, erst im zweiten und dann so richtig im dritten Jahr – aber ich halte das für vorgeschoben,  denn meine Mitauszubildenden (sie haben mit mir begonnen) sind im zweiten Ausbildungsjahr und machen das Gleiche wie ich, bis auf eine der beiden, sie arbeitet hauptsächliche die Pferde, weil sie so gut reiten kann…. Sagt er. Der Rest der Hofarbeit liegt auf mir und meiner Kollegin. 

Wie gehe ich jetzt am besten vor? Ein Aufhebungsvertag bedeutet ja, dass ich keine weiteren Forderungen erheben kann, was ich nicht möchte. Ich möchte meine Überstunden ausgeglichen haben, ich möchte nicht tricksen (mich etwa krank schreiben lassen) und ich mache meine Arbeit genauso ordentlich und aufmerksam wie immer. “ 

10.04.20 Dietbert Arnold

Hallo liebe n.n.

ich kann Dich gut verstehen, dass Du Sorgen um Deine Ausbildung hast, denn das, was Du mir schreibst, ist keine Ausbildung, sondern nur Ausbeutung. Es ist richtig, dass Du die Reißleine ziehen willst und Dir einen neuen Betrieb suchen möchtest. Du musst aber aufpassen, dass Du nicht an einen ähnlichen Betrieb gerätst, denn davon gibt es leider verdammt viele.

Grundsätzlich muss Dir klar sein, dass ich Dir keine Rechtsauskunft geben darf.

Ich finde es richtig, wenn Du den jetzigen Betrieb nicht einfach so davonkommen lässt, denn schließlich muss sich rumsprechen, dass Auszubildende ein Recht auf Ausbildung haben und nicht billige Hilfsarbeiter sind. Du musst wissen, dass Pferdewirtazubis mehr Geld erwirtschaften, als sie kosten. Das ist ja der Grund, warum diese Betriebe, die eigentlich gar nicht ausbilden wollen und denen egal ist, wo ihr bleibt, Azubis einstellen. 

Wie kannst und solltest Du Dich wehren? 

Da gibt es grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten: 

  • Einen Anwalt mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht beauftragen oder aber den Rechtsschutz einer Gewerkschaft nutzen. Ein Anwalt lebt von dieser Arbeit und wird deshalb eine Kostenrechnung schicken. Ein erstes Beratungsgespräch kostet nicht ein Vermögen und es ist Dein gutes Recht und kein Anwalt wird Dir böse sein, wenn Du vorher genau erfragst, was da finanziell auf Dich zukommt. Das eigentliche Verfahren ist beim Arbeitsgericht in der ersten Instanz immer kostenfrei. 
  • Anders gelagert ist der Rechtsschutz einer Gewerkschaft. Die hat für ihre Mitglieder eine kostenfreie Rechtsberatung und natürlich auch einen kostenfreien Rechtsschutz vor Gericht. Das Problem ist wahrscheinlich bei Dir, dass Du nicht in einer Gewerkschaft Mitglied bist. Das erwarten die natürlich, weil sich der Rechtsschutz der Gewerkschaft aus den Mitgliedsbeiträgen aller Gewerkschaftsmitglieder finanziert. 

Was tun?

  • Eventuell macht die Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt , die sind für die Pferdewirte zuständig, einmal eine Ausnahme und übernimmt Deinen Rechtsschutz, obwohl Du bei Beginn des Problems noch nicht Mitglied warst. Da musst Du mit denen ganz offen umgehen. Es darf nicht sein, dass Du sofort nachdem Du das Problem gelöst hast, wieder aus der Gewerkschaft austrittst. Das wäre insofern sehr unsolidarisch und unfair, weil Du das Geld der vielen anderen Mitglieder verbraucht hast und selber nicht dafür zur Verfügung stehst, wenn es Dir besser geht und Du andere Pechvögel finanzieren könntest. Das musst Du mit der Gewerkschaft besprechen, wie ihr damit umgehen wollt. Die Gewerkschaft kann Ja sagen, muss es aber nicht. Wenn die aus guten Gründen NEIN sagen, darfst Du denen nicht böse sein. Ein anderes Angebot an die Gewerkschaft könnte sein, dass Du anbietest, Deinen Fall als Beispiel dafür zu nehmen, zu zeigen, wie wichtig es ist, dass alle Pferdewirtazubis und alle Pferdewirte Mitglied in ihrer Gewerkschaft werden, bevor das berühmte Kind in den Brunnen gefallen ist. Manchmal hilft auch schon ein „böses“ Schreiben der Gewerkschaft und der Chef knickt ein. Wer will schon zweiter Sieger werden?
  • Du beauftragst einen Fachanwalt für Arbeitsrecht. Oft kann schon ein Schreiben des Anwaltes mit der Drohung eines Gerichtsverfahrens für Abhilfe sorgen. Das würde die Kosten geringhalten. 

Es wäre super, wenn Du mir erlauben würdest, Deinen Fall anonym auf meiner Seite www.pferdewirtpruefung.de zu veröffentlichen, damit möglichst viele von Euch sehen, wie wichtig es ist, schon in die Gewerkschaft einzutreten, bevor es zum Notfall kommt. Auch hier gilt: Vorsorgen ist besser als nachsorgen.

Einen ganz wesentlichen Hinweis habe ich noch an Dich, dabei ist es völlig egal, wie Du Dich entscheiden wirst, Dich zu wehren. Du musst täglich ganz exakt aufschreiben, wie lange Du gearbeitet hast und was Du gemacht hast. Nur dann kann bewiesen werden, dass Du Überstunden ohne Ende gemacht hast und obendrein auch noch nicht ausgebildet wurdest, so wie es die Verordnung Pferdewirt/in vorschreibt. Gleichzeitig muss Dein Betrieb Dir einen individuellen Ausbildungsplan zum Beginn der Ausbildung gegeben haben, aus dem hervorgeht, was der Betrieb Dir wann beigebracht haben muss. Dazu gehört natürlich auch das Reiten. Auf meiner Internetseite https://pferdewirtpruefung.de/wordpress/?page_id=62 findest Du auch 3 Seiten als Ausbildungsnachweis/Stundenzettel zum Download. Versuche so weit wie möglich zeitlich rückwärts die Tätigkeiten auszufüllen. Ich hoffe, Du hast Dein Berichtsheft wahrheitsgemäß ausgefüllt und der Ausbilder hat die Wochenberichte unterschrieben. Daraus müsste ja ersichtlich werden, dass Du z.B. für die Feiertage keinen Freizeitausgleich bekommen hast. 

Falls Du Hilfe zu einem Kontakt zur Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt ( www.igbau.de ) benötigst, melde Dich bitte bei mir, da bin ich Dir gerne behilflich. Übrigens: Als Azubis zahlt ihr bei der Gewerkschaft höchstens 10 € im Monat Beitrag und habt alle Vorteile einer großen, starken Gewerkschaft.

Dir jedenfalls wünsche ich den nötigen Mut und das Durchhaltevermögen, Deine Dir zustehenden Rechte einzufordern. Auch solche Situationen muss man im Leben erlernen, um nicht lebenslanges Opfer zu bleiben. DU schaffst, davon bin ich fest überzeugt.

n.n. 16.04.20

Hallo Herr Arnold,

gern dürfen Sie meinen Fall anonym veröffentlichen. Ich bin seit kurzem Mitglied bei der IG Bau, Agrar und Umwelt und habe dort schon um Hilfe gebeten. Vielen Dank für Ihre Antwort und ich halte Sie gern auf dem Laufenden.

Viele Grüße
n.n.

Hinweise der Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) zur derzeitigen Corona- Pandemie

Seit Sonntag, 23. März 2020 ist klar: zum Schutz vor der Ausbreitung des Corona-Virus müssen Mindestabstände und Hygienestandards eingehalten werden.

Auch die Pferdewirtschaft wird hierbei vor besondere Herausforderungen gestellt. Relativ häufig kommen trotz der ernsten Situation Sätze wie „das ist im Stall und auf dem Hof nicht umsetzbar“ oder „die Hygiene war im Stall nie ein Thema“. Dabei ist zu beachten, dass viele Vorgaben (wie die Möglichkeit sich unter fließendem Wasser die Hände waschen zu können) schon lange in den sog. Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 4.1), geregelt sind.

Fakt ist: Wer sich nicht an die Vorgaben der Bundesregierung hält, spielt mit der Gesundheit und am Ende auch dem Leben seiner Mitmenschen.

Fakt ist: trotz aller Einschränkungen ist ein Weiterarbeiten auch in den Branchen der Landwirtschaft, im Stall und auf der Weide, möglich, „schließlich müssen wir ja die Tiere versorgen“. Und genau wie in anderen Branchen, wie in der Pflege oder der Gebäudereinigung und den Versorgern ist die Arbeit auch notwendig. Denn die Landwirte leisten einen wichtigen Beitrag, um dieses Land am Laufen zu halten.

Für uns als Gewerkschaft IG BAU ist klar: die Gesundheit steht an erster Stelle. Können die bundesweit beschlossenen Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden, müssen die einzelnen betroffenen Arbeitsstätten vorerst stillgelegt werden. Denn hier geht es um Menschenleben! Auch junge Menschen können durch das Corona- Virus lebensbedrohlich erkranken und auch sterben.

Müssen die Sicherheitsabstände im Pferdestall überhaupt eingehalten werden?

Ja, diese gelten auch für die Pferdewirtschaft. Das gilt für die Fahrt im Bulli genauso wie im Stall selbst als auch im Mitarbeiterraum. Das hat im Übrigen nichts mit der Schließung von Betrieben oder dem allgemeinen Kontaktverbot zu tun.

Die Sicherheitsabstände können nicht bei allen Tätigkeiten im Umgang mit dem Pferd eingehalten werden. Was kann ich tun?
Für solche Arbeiten müssen entsprechende Schutzvorkehrungen getroffen werden. Das umfasst z.B. Masken und Handschuhe für die Mitarbeiter*innen. Wenn es nicht anders geht, sollten die Arbeiten vorläufig nicht ausgeführt werden.

Welche Behörde ist für die Überprüfung der Arbeitsstätten vor Ort zuständig?
Die Zuständigkeiten für die Überprüfung der Arbeitsstätten vor Ort sind regional unterschiedlich verteilt. Ein guter erster Ansprechpartner ist in der Regel das örtliche Gesundheitsamt. Zuständig können aber auch die Gewerbeaufsicht oder das Ordnungsamt sein. Das zuständige Gesundheitsamt ist ganz einfach zu finden: https://tools.rki.de

Meine Firma hält sich nicht an die Vorgaben der Bundes- und Landesregierung; wir haben keine Möglichkeit, um uns die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Was kann ich tun?

Das BMAS (Bundesministerium Arbeit und Soziales) empfiehlt bei Verstößen im Betrieb beim Thema Corona, umgehend das Gesundheitsamt in der jeweiligen Region (Stadt) zu informieren.

Die Behörde hat hier die Möglichkeit tätig zu werden und kann auch anordnen, die Arbeit einzustellen. Das zuständige Gesundheitsamt ist ganz einfach zu finden: https://tools.rki.de

Kann ich aufgrund der Pandemie zuhause bleiben?

Arbeitnehmer*innen, die nicht erkrankt sind, steht kein Recht zu, ihre Leistung zu verweigern. Ganz im Gegenteil: sie sind weiterhin verpflichtet, ihre arbeitsrechtlichen Aufgaben zu erfüllen und Weisungen Folge zu leisten.

Mein Arbeitgeber gibt mir jetzt Aufgaben, für die ich üblicherweise nicht zuständig oder verantwortlich bin; muss ich diese ausführen?
Der Arbeitgeber kann seinen Beschäftigten zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs auch solche Arbeiten zuweisen, die vertraglich zuvor so nicht vereinbart wurden, sofern die einzelnen Beschäftigten die erforderliche Eignung (!!) besitzen und zustimmen. Dies gilt in örtlicher, zeitlicher und sachlicher Hinsicht.

Was passiert, wenn der Arbeitgeber mich wegen der Pandemie nach Hause schickt, weil ich an Corona erkrankt bin?
Bei Krankheit besteht wie immer Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für 6 Wochen. Danach besteht Anspruch auf Zahlung von Krankengeld durch die Krankenkasse.

Untersagt die zuständige Behörde die Ausübung der beruflichen Tätigkeit, besteht auch über den Lohnfortzahlungszeitraum von 6 Wochen hinaus Anspruch auf Ersatz des Entschädigung für den entgangenen Verdienst nach dem Infektionsschutzgesetz.

Was passiert, wenn der Arbeitgeber mich wegen der Pandemie nach Hause schickt, obwohl ich gesund bin und Arbeit da ist?
Es besteht Anspruch auf Annahmeverzugslohn. Die Arbeitskraft sollte ausdrücklich und nachweislich, am besten schriftlich, angeboten werden. Auch bei Kurzarbeit der Mitarbeiter müssen Auszubildende im Betrieb ausgebildet werden!

Was passiert, wenn der Arbeitgeber mich wegen der Pandemie nach Hause schickt, obwohl ich gesund bin aber wegen Arbeitsausfall nicht arbeiten kann?
Der Arbeitgeber ist berechtigt, Arbeitszeitguthaben abzubauen. (vgl. § 3 Ziffer 1.43 BRTV). Gerade Pferdewirte haben sehr oft viele unbezahlte Überstunden geleistet. Die könnt Ihr jetzt einfordern!

Was passiert, wenn ich gesund bin, aber wegen notwendiger Kinderbetreuung nicht arbeiten kann?
Das muss individuell mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden, unter Umständen besteht wegen persönlicher, unverschuldeter Verhinderung Anspruch auf Lohnfortzahlung nach § 616 BGB. Im Zweifel muss Urlaub genommen werden.

Welche Regeln gelten eigentlich? Gibt es einen Tarifvertrag für Pferdewirte?

n.n., 24.02.2020

Guten Tag Herr Arnold, 

mein Name ist n.n.(dem Admin bekannt), ich habe hier auf dem Hof, auf dem ich bisher eine Vollzeitanstellung hatte, fristgerecht auf Ende Februar gekündigt. 

Meine Arbeitgeberin ist was den letzten Arbeitstag betrifft nicht sehr kooperativ und beruft sich auf Überstunden, die ich laut Vertrag noch abzuleisten hätte. 
Ich stehe aktuell mit mehreren Leuten im Kontakt um das ganze zu klären. 
Da kam die Frage auf, nach den Regelungen im Tarifvertrag bezüglich Mehrarbeit und Überstunden, was bedeutet das usw. . Gibt es überhaupt einen Tarifvertrag und wenn ja, wo finde ich den? 

Dietbert Arnold, 01.03.2020

Liebe n.n.,

leider musstest Du ein wenig auf eine Antwort warten, weil ich anderweitig unterwegs war. Da ich diese Seite in meiner Freizeit betreibe, kann es deshalb vereinzelt zu Wartezeiten führen. Nun aber zu Deinem Problem:

Für Pferdewirte/innen gibt es KEINE Tarifverträge. Ausnahmen sind die Landgestüte als Arbeitgeber. Warum seid Ihr nicht tarifgebunden oder besser ausgedrückt durch einen Tarifvertrag geschützt. Die Antwort ist ganz einfach: Einen Tarifvertrag für eine Berufsgruppe schließen immer die Arbeitgeberorganisation und die Arbeitnehmerorganisation. Bei den Arbeitgebern sind das der Arbeitgeberverband und bei den Arbeitnehmervertretern die Gewerkschaft. Diese beiden Sozialpartner beraten über die Bedingungen der Arbeit und schließen Lohn- und Manteltarifverträge ab. Die gelten aber nur, wenn der Betrieb im zuständigen Arbeitgeberverband und die Mitarbeiter in der zuständigen Gewerkschaft Mitglied sind.

Für die Betriebe ist die Situation doch easy, keine Regeln aus einem Tarifvertrag bedeutet, die können fast alles machen, was sie wollen. Kein Wunder also, dass Berufe mit Tarifverträgen im durchschnitt doppeltet so hohe Gehälter haben als tariffreie Branchen.

Und jetzt könnte ich sagen: Ihr habt ja alle selber Schuld, dass Ihr keinen Tarifvertrag habt! Ein bisschen stimmt das nämlich. Warum? Ganz einfach, kaum ein Pferdewirt/in ist Mitglied in ihrer Gewerkschaft (Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt, IG BAU) und deshalb können die ganz wenigen, organisierten Pferdewirte/innen die Arbeitgeber nicht zwingen, auch sich im Arbeitgeberverband zu organisieren und einen Tarifvertrag abzuschließen. Die Arbeitgeber haben natürlich überhaupt kein Interesse, einen Tarifvertrag zu vereinbaren und haben auch verdammt wenig Respekt vor ihren Arbeitnehmern. Die sind ja nicht organisiert und kommen nur einzeln unter die Augen der Chefs. Dann werde die meisten natürlich ganz klein. Nur wenn Ihr Euch alle organisiert, dann sieht das Ganze schon anders aus, weil Ihr Pferdewirte/innen dann sagen könnt: Chef, wenn das nicht fairer wird mit der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen, dann streiken wir mal, dann könnt ihr alle alleine mal den Stall machen. Und das scheuen Chefs wie der Teufel das Weihwasser.

Also gilt für Dich der Arbeitsvertrag, den Du mit Deinem Betrieb abgeschlossen hast. Ich hoffe, Du hast einen Arbeitsvertrag? In dem Arbeitsvertrag muss eigentlich stehen, wie viele Stunden Du zu arbeiten hast. Hast Du Deine Arbeitszeiten dokumentiert? Eigentlich muss auch Dein Arbeitgeber die wichtigsten Bestimmungen des Arbeitsvertrages niedergeschrieben und auch die Stunden dokumentiert haben. Wenn Du natürlich keine Aufzeichnungen hast, dann kann Dein Betrieb natürlich viel behaupten.

Was tun?

Du brauchst eine richtige Rechtsberatung. Die würde die Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt natürlich kostenfrei für Dich vornehmen und notfalls auch Dich vor Gericht vertreten. Dumm ist, dass Du wahrscheinlich nicht Mitglied der Gewerkschaft bist und der Versicherungsfall natürlich schon eingetreten ist. Laut Satzung vertritt die Gewerkschaft Dich dann nicht, weil, wenn alle erst eintreten, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann habt ihr natürlich nicht genug Beiträge geleistet, diesen Rechtsschutz zu finanzieren. Gewerkschaften finanzieren sich grundsätzlich durch die Mitgliedsbeiträge ihrer Mitglieder. Und dennoch kannst Du einmal bei der IG BAU vorsprechen, ob sie Dir trotzdem helfen. Wenn das so sein sollte, dann darfst Du natürlich nicht im Mai austreten. Das wäre einfach nur unfair, weil Du die Mitgliedsbeiträge vieler IG BAU- Mitglieder verbraucht hast, ohne selber in „guten“ Zeiten das ein wenig auszugleichen.

Wenn die Gewerkschaft sagt, dass sie Dich nicht vertreten kann (was Du sicher verstehen könntest), dann rate ich Dir Dich bei einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten zu lassen. Die Beratung und vielleicht ein deutlicher Brief des Anwaltes kostet nicht die Welt. Hilft aber oft. Rede einfach bei der ersten Beratung auch über Kosten. Das ist völlig normal und Anwälte sind deshalb nicht böse. Du wirst ja auch gefragt, was eine Reitstunde bei Dir kostet.

Wenn Du schlau bist, dann lasse entweder von der Gewerkschaft bzw. vom Anwalt Deinen neuen Arbeitsvertrag ansehen, bevor Du ihn unterschreibst. Und denke daran, unter 12,00 brutto jede Stunde gelten Arbeitnehmer nach Ansicht der Europäischen Gemeinschaft als arm!

Wenn Du weitere Fragen hast, dann melde Dich einfach wieder. Ich hoffe, es geht dann rascher.

Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt: Informationen zum Rechtsschutz ihrer Mitglieder

Oft reicht schon das Schreiben der Gewerkschaft aus, um den Chef umzustimmen, aber manchmal hilft nur der Gang vor Gericht, um Eure Rechte durchzusetzen.

Wir setzen uns ein! Mit uns bekommen Mitglieder Ihr gutes Recht! Jahr für Jahr gewährt die IG Bauen-Agrar-Umwelt insgesamt vielen tausend Mitgliedern erfolgreich Rechtsschutz. Das ist Kompetenz, die unseren Mitgliedern bares Geld bringt.

Mit unserer Rechtsschutzarbeit erstreiten wir jedes Jahr viele Millionen Euro für unsere Kolleginnen und Kollegen, allein im Jahr 2018 waren es 29 Millionen Euro. Recht haben und Recht bekommen Gewerkschaften sorgen mit Tarifverträgen für eine solide Grundlage, für die Ansprüche der Arbeitnehmer*innen gegenüber den Arbeitgeber*innen.

Unsere Tarifverträge sichern Einkommen und regeln Arbeitsbedingungen. Sie sind für Gewerkschaftsmitglieder rechtsverbindlich und können im Streitfall eingeklagt werden. Die IG BAU ist da, wenn es um Streitigkeiten zum Sozialrecht oder Arbeitsverhältnis geht. Schließlich haben Tarifverträge nur dann einen Wert, wenn sie in den Betrieben auch angewendet werden. Leider ist es so, dass Recht haben und Recht bekommen zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind – das muss insbesondere beim Thema Kündigungsschutz immer wieder festgestellt werden.

Wir helfen unseren Mitgliedern, dass sie ihr Recht bekommen! Kostenlose Rechtsberatung Tarifverträge werden nicht für Gewerkschaften, sondern von Gewerkschaften für ihre Mitglieder abgeschlossen. Die Arbeitnehmer*innen sind im Streitfall auch Kläger*innen, schließlich geht es darum, ihre Ansprüche durchzusetzen. Das geht manchmal nur vor Gericht. Die Gewerkschaft selbst hat keine Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber, darf also selbst nicht als Kläger auftreten. Sie muss vielmehr durch eine schriftliche Vollmacht dazu berechtigt werden, sich für den*die Arbeitnehmer*in einzusetzen. Wir kümmern uns um alles, was recht ist!

Rechtsschutz der IG BAU gibt es in Streitfällen mit dem*der Arbeitgeber*in (Arbeitsrecht), in Streitfällen mit der Kranken- und der Pflegekasse, in Streitfällen mit dem Arbeitsamt, dem Rentenversicherer, der gesetzlichen Unfallversicherung und dem Versorgungsamt (Sozialrecht). Voraussetzungen: Sie müssen mindestens drei Monate Mitglied bei der IG BAU sein und uns eine schriftliche Vollmacht für die Führung des Verfahrens erteilen.

Rechtsschutz gewähren wir übrigens auch, wenn ein Mitglied wegen einer vom*von der Arbeitgeber*in veranlassten Sache strafrechtlich verfolgt wird. Das kommt gar nicht so selten vor. Gerade bei Verstößen gegen das Umweltrecht, Unfällen mit Schwerverletzten oder gar Todesfällen, die es in unserer Branche leider häufig zu beklagen gibt, machen wir uns für die Interessen und Rechte der Arbeitnehmer*innen stark.

Wir wissen, was zu tun ist Wir schicken unsere Mitglieder (beziehungsweise deren Hinterbliebene) nicht zu irgendeiner Rechtsberatung, vielmehr beraten und begleiten wir sie selber kompetent und zuverlässig. Bei der IG BAU arbeiten erfahrene Gewerkschaftssekretär*innen und Jurist*innen im Interesse der Mitglieder. Im konkreten Fall formulieren wir eine schriftliche Geltendmachung der Ansprüche, die es durchzusetzen gilt. Sollte dieser Antrag, der immer vor einer Klage kommt, erfolglos sein, organisieren wir in Absprache mit der*dem Kläger*in das weitere Verfahren. Wir arbeiten eng mit der Rechtsschutz GmbH des DGB (Deutscher Gewerkschafts- Bund) oder ausgewählten Vertrauensanwält*innen zusammen, um eine möglichst optimale Vertretung vor Gericht sicherzustellen.

Sie sind also in guten Händen! Keine Angst vor der eigenen Courage „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ Das mag in vielen Dingen des Lebens funktionieren, aber bestimmt nicht, wenn man sich mit dem*der Arbeitgeber*in auseinandersetzt. Hier muss die Belegschaft Rückgrat beweisen und jede*r Einzelne für sein*ihr gutes Recht energisch eintreten. Unser Rechtsschutz ist ihm dabei sicher! Voraussetzung ist eine schriftliche Vollmacht. Ohne diese können wir nicht juristisch tätig werden. Das ist auch bei jedem*r anderen Anwalt*Anwältin so. Mehr Mitglieder – noch bessere Leistungen! Unser Rechtsschutz ist eine solidarische Leistung aller organisierten Arbeitnehmer*innen in der IG BAU.

Jedes neue Mitglied stärkt unsere Organisation und sorgt für noch mehr Durchsetzungskraft. Als Stimme der Arbeitnehmer*innen setzen wir uns auf Arbeitgeber*innenseite für faire Einkommen, angemessene Arbeitsbedingungen und soziale Leistungen ein. Im Rechtsschutz sorgen wir für juristische Klarheit und entwickeln die Rechtsprechung im Sinne der Arbeitnehmer*innen weiter. 

Gut zu wissen Die Gewerkschaft leistet kompetenten Rechtsschutz und ist eine zuverlässige Partnerin in der Rechtsberatung. Sie ist jedoch keine Rechtsschutzversicherung, für die jeder einzelne Rechtsschutzfall ein Risiko darstellen würde, das es zu vermeiden gilt. Wir sind für sie da. Immer. Private Rechtsschutzversicherung besser ? – Denkste ! Die privaten Rechtsschutzversicherungen bieten weder die Qualität noch die Leistungen des gewerkschaftlichen Rechtsschutzes. Es sind z.B. tariflichen Forderungen ausgeschlossen oder die beauftragten Rechtsanwält*innen haben wenig Erfahrung und Fachkenntnisse über Arbeits- und Sozialrecht. Wir haben die erfahrenen Expert*innen und arbeiten mit den aktuellsten Gesetzen.“ aus: Wir setzen uns ein – der Rechtsschutz der IG BAU

Merke:

  1. Der Rechtsschutz wird gewährt, wenn mindestens drei Mitgliedsbeiträge eingegangen sind.
  2. Der Rechtsschutz wird auch gewährt, wenn es im Betrieb keinen Tarifvertrag gibt.
  3. Der Rechtsschutz wird nicht für Streitigkeiten gewährt, die vor Gewerkschaftseintritt entstanden sind.
  4. Der Monatsbeitrag der IG BAU beträgt 1,15% des Brutto- Monatslohnes (Azubis ca. 6.-€ – 9.-€ im Monat), so steht es in der Satzung der Gewerkschaft

Große Unzufriedenheit auch 2019 bei den Pferdewirtazubis

Seltene Momente in der Ausbildung zum Pferdewirt: Lernen statt misten

In ihrer jährlichen Befragung der Auszubildenden hat die Landwirtschaftskammer Niedersachen auch 2019 erhebliche Defizite bei den Auszubildenden im Beruf Pferdewirt/in festgestellt. Ganz offensichtlich nutzen viele Betriebe ihre Auszubildenden nur als billige Arbeitskräfte aus. Von einer geregelten Berufsausbildung der jungen Menschen kann nicht die Rede sein.

Die Ergebnisse der Befragung im Einzelnen:

Über 60%, also 2 von 3 befragten Azubis, bemängeln …

  • … die hohe Zahl der Überstunden ohne jeglichen Zeitausgleich
  • …und gleichzeitig die unstrukturierte Ausbildung bei ebenfalls fehlendem Ausbildungsplan.
  • Und ganz offensichtlich schuften die Azubis noch nicht genug und sind auch noch maßlos mit ihrer Bitte um bessere Ausbildung, denn die Ausbilder strafen sie dafür mit mangelnder Wertschätzung.

Der Berufsbildungsausschuss der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat auf seiner jüngsten Sitzung dieses wiederholt schlechte Befragungsergebnis beraten und kündigt an, dass die Ausbildungsbetriebe konsequent entsprechend des Beschlusses des Berufsausbildungsausschusses vom 26.11.06 und 18.11.19 anwenden werden. Da wurde z.B. beschlossen, dass „Mängel in der Eignung der Ausbildungsstätte und der Ausbildungsleistung (,die) an die Zuständige Stelle herangetragen werden“ zu Überprüfungen der Betriebe führen.

Und das ist mein Tipp an Euch:

  1. Dokumentiert immer Eure Ausbildungszeiten ganz genau. Dazu könnt Ihr die kostenfreien Ausbildungsnachweis- Seiten downloaden oder Euch das kostenpflichtige Ausbildungsnachweis- Buch (ganz nach unten scrollen) bestellen.
  2. Ihr unterschreibt den Berufsausbildungsvertrag nur, wenn Ihr einen individuellen Ausbildungsplan (zeitliche und sachliche Gliederung der Ausbildung) ausgehändigt bekommt.
  3. Ladet Euch von meiner Webseite den Ausbildungsplan der jeweiligen Fachrichtung herunter und hakt dann immer die Ausbildungsinhalte ab, die der Betrieb für euch durchgeführt hat. Eine lückenhafte Ausbildung wird so rasch sichtbar.
  4. Wenn der von Euch geführte Ausbildungsnachweis und/oder der ebenfalls von Euch sorgfältig geführte Ausbildungsplan Mängel an der Ausbildung sichtbar macht, dann sprecht beim Ausbildungsberater der Zuständigen Stelle vor und bittet um Abhilfe. Ihr solltet wissen, dass die „Zuständige Stelle darüber zu wachen hat, dass die Eignung der Ausbildungsstätte sowie die persönliche und fachliche Eignung vorliegen.“ (§ 32 Berufsbildungsgesetz )
  5. Werdet Mitglied der Gewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt, denn die werden mit Euch zusammen die von mir zur Verfügung gestellten und von Euch geführten Ausbildungsnachweise sowie die Ausbildungspläne ansehen und sich dann an die Zuständige Stelle wenden und notfalls natürlich auch klagen. Dieser Rechtsschutz ist für Mitglieder der Gewerkschaft kostenfrei. Der große Vorteil für Euch ist, dass Ihr endlich ernst genommen werden, denn mit einer starken Gewerkschaft legt sich so schnell keiner an, der „kleine Pferdewirt/in“ wird dagegen schon schnell mal folgenlos übers Ohr gehauen oder abgewimmelt.

Arbeitszeit* – was gilt denn jetzt?

*Arbeitszeit und Ausbildungszeit sind in diesem Zusammenhang gleichbedeutend. Der Gesetzgeber beschreibt die Arbeitszeit für Auszubildende als Ausbildungszeit.

Nach den Vorschriften des Gesetzes muß in jedem Berufsausbildungsvertrag die „regelmäßige tägliche Arbeitszeit“ eingetragen sein. So steht es im § 11 Berufsbildunggesetz BBiG. Es kann und sollte gleichzeitig auch die „regelmäßige wöchentliche Ausbildungszeit“ aufgenommen werden, das allerdings ist keine Pflichtangabe.

So muss es eingetragen werden, wenn die regelmäßige wöchentliche Ausbildungszeit 40 h beträgt und die Woche 6 Arbeitstage hat. Sind lediglich “ regelmäßige tägliche Ausbildungszeit 8 h“ eingetragen, dann wären maximal 48 h in einer 6-Tage- Woche möglich. Wenn Ihr das nicht wollt, dann schafft Klarheit durch die beiden Angaben: „tägliche regelmäßige Ausbildungszeit“ und „tägliche regelmäßige Wochenstunden“.

Beispiel 1

„regelmäßige tägliche Ausbildungszeit: 8 h“ und „regelmäßige wöchentliche Ausbildungszeit: 40 h“ dann bedeutet dies, dass Du eine 5-Tage-Woche hast, denn 5 x 8 =40.

Beispiel 2

„regelmäßige tägliche Ausbildungszeit: 8 h“, dann bedeutet dies, dass für volljährige Auszubildende lediglich das Arbeitszeitgesetz gilt und das begrenzt die Arbeit auf werktäglich 8 h. Werktäglich bedeutet im Arbeitsrecht: Alle Tage, ausgenommen Sonntag und gesetzliche Feiertage. Kurz und gut: Der Chef kann werktäglich die tägliche Höchstzeit von 8 h anordnen, also glatte 48 h.

Beispiel 3

„regelmäßige tägliche Ausbildungszeit 6 h 40 min“ und „regelmäßige Wochenausbildungszeit 40 h“ bedeutet, dass es sich um eine 6-Tage-Woche handelt und an diesen Tagen jeweils 6h 40 min gearbeitet werden muss.

Was solltest Du vor Abschluss des Berufsausbildungsvertrages wissen?

Zunächst ist es extrem wichtig, dass Du genau verstanden hast, was da im Berufsausbildungsvertrag steht, denn wenn Du aus Unwissenheit gegen die Ausbildungszeit verstößt, kann das letztlich zur Kündigung führen. Deshalb rate ich Dir dringend, im Berufsausbildungsvertrag darauf zu achten, dass die vorgeschriebene „regelmäßige tägliche Ausbildungszeit“ eingetragen ist und dringe dann noch darauf, dass die „regelmäßige wöchentliche Ausbildungszeit“ zusätzlich im Berufsausbildungsvertrag vermerkt wird. Wenn dafür kein Feld vorgesehen ist, dann kann diese Wochenstundenangabe unter „sonstige Vereinbarungen“ notiert werden. Nur alleine mit der Angabe der „regelmäßigen täglichen Ausbildungszeit und „regelmäßigen wöchentlichen Ausbildungszeit“ besteht für beide Seiten Klarheit. Späterer Verdruss und Streit wird vermieden.

Was hat die „regelmäßige tägliche Ausbildungszeit“ mit der Berufsschule zu tun?

Das Gesetz schreibt vor, dass ein Berufsschultag mit mehr als 5 Unterrichtsstunden einem Arbeitstag im Betrieb mit der „regelmäßigen täglichen Ausbildungszeit“ gleichzusetzen ist. Steht also im Berufsausbildungsvertrag: „regelmäßige tägliche Ausbildungszeit: 8h“, dann hast Du an diesem Berufsschultag bereits 8 von 40 oder 8 von 48 Stunden gearbeitet, muss so bezahlt werden und hast damit auch die tägliche Höchstarbeitszeit erreicht. Du musst nicht mehr in den Betrieb zum Arbeiten kommen. Gleiches gilt beim Blockunterricht: Bei Blockunterricht hast Du die „regelmäßige wöchentliche Ausbildungszeit“ erreicht, wenn Du mindestens 25 Unterrichtsstunden an mindestens 5 Tagen hattest. Vergleiche §15 Berufsbildungsgesetz.

Sofort kündigen? – Sofort kündigen!

n.n. (Name dem Admin bekannt), 18.09.2019

Hallo Herr Arnold,

ich befinde mich seit dem 01.09. in einer Pferdewirtausbildung und bräuchte ihren Rat. Diese Ausbildung ist meine 2. Ausbildung, ich habe bereits eine abgeschlossene Ausbildung. Bei dem Betrieb bei dem ich lerne, war ich schon vorher länger und hab vorher schon Longen und teilweise die Gruppenstunden gegeben. Nun ist es so, dass mein Arbeitsalltag daraus besteht, dass ich vormittags die Pferde für die beiden Bereiter herrichte & die Hallen sauber halte und nachmittags den Schulbetrieb übernehme. 

Es ist so, dass ich eine 6 Tageswoche habe und theoretisch 40 Stunden die Woche arbeiten müsste. Praktisch sind es jetzt schon deutlich mehr und sollen ab November nochmal mehr werden. Ab November gibt es Tage bei denen ich von 08:00 bis 21:00 Uhr oder von 06:15 bis 19:30 arbeiten müsste. Teilweise ohne Pause. Das wäre die Regel, da sind Notfälle und Vertretungen noch nicht eingerechnet. Wenn ich mir das durchrechne, was sie an Stunden erwarten, komme ich auf mind. 60 Wochenstunden. Allerdings werden sie argumentieren, dass ich meine Wohnung ja noch getrennt abarbeiten soll. 

Mein Betrieb hatte mir eigentlich angeboten, 4,5 Jahre auf Mindestlohn zu arbeiten exklusive der Wohnung und dann die Bereiterprüfung extern zu machen. Darauf habe ich mich nicht eingelassen. Jetzt war der Deal die ersten beiden Jahre eine Pferdewirtausbildung Service und Haltung und anschließend Klassische Reitausbildung. Ich befinde mich reiterlich auf einem A-Niveau. Im Moment reite ich Freitags eine Springstunde und ansonsten überhaupt nichts und das wird sich auch nach Rücksprache mit einem vorherigen Azubi nicht ändern, da sie nicht darauf verzichten werden, dass ich ihnen die Pferde herrichte und nachmittags & abends ist immer der Schulbetrieb. Die vorherige Azubine hat genau aus diesem Grund gekündigt, leider habe ich erst nach Start der Ausbildung mit ihr gesprochen. Bei der Kündigung haben sie zu ihr gesagt, dass sie zu ehrgeizig wäre. 

Ich sehe ehrlich gesagt nicht die Möglichkeiten so in drei Jahren auf das erforderte reiterliche Niveau von dem Pferdewirt Klassische Reitausbildung zu kommen. Ich habe auch das Gefühl, dass sie überhaupt nicht an einer Ausbildung interessiert sind, da sich auch nie jemand sich Zeit nimmt, um mir etwas zu erklären. Prinzipiell hätte ich die Möglichkeit kostenlos Stunden zu mit meiner eigenen Stute außerhalb meiner Arbeitszeit zu nehmen, nur arbeite ich während die Stunden angeboten werden. Außerdem ist meine Stute ein ungünstig gebauter Haflinger und wird nie über A-Niveau herauskommen. Wie sind ihre Erfahrungen bzgl. solchen Betrieben? Besteht da trotzdem eine reelle Möglichkeit die Ausbildung zumindest für Service und Haltung zu bestehen und das letzte Jahr dann wo anders zu machen oder wäre es sinnvoll sich noch in der Probezeit einen neuen Stall zu suchen? Das fände ich prinzipiell schade, weil ich dort schon lange bin und auch mein Pony dort steht, aber andererseits möchte ich die Ausbildung auch machen, um reiterlich weiter zu kommen und den Beruf zu erlernen. Mir würden auch die vielen Überstunden prinzipiell nichts ausmachen, wenn ich dafür auch selbst zum reiten kommen würde.

Dietbert Arnold, 27.09.2019

Hallo n.n.,

ich habe Deinen Namen mal weggelassen, damit wir uns ohne Konsequenzen für Dich unterhalten können. Leider musstest Du ein wenig auf meine Antwort warten, aber auch ich habe einmal Urlaub. Jetzt aber zu Dir:

Eigentlich beschreibst Du die Situation sehr genau und bist doch schon zu einer Meinung gelangt, traust Dich aber nicht die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

Fassen wir zusammen, dieser Betrieb sucht eine billige Arbeitskraft und ist nicht an Ausbildung interessiert. Die Arbeitszeiten widersprechen dem Arbeitszeitgesetz, die Inhalte der Verordnung Pferdewirt/in werden nicht eingehalten, das Abarbeiten der Wohnung ist auch problematisch, denn das sind Sachbezüge und die müssen auf der Lohnabrechnung stehen. Ebenso muss jede Stunde über 40h/Woche entweder bezahlt oder besser noch mit Freizeit ausgeglichen werden. Wie ist das eigentlich mit dem regelmäßigen Berufsschulbesuch, der Dir nicht verwehrt werden darf!? Und Du kannst es mir glauben, die Bedingungen werden noch schlechter, sobald Deine Probezeit beendet ist und sie Dich an der Angel haben. Sicher ist, dass Du in einer Abschlussprüfung Haltung & Service schon Probleme bekommen wirst und eine Abschlussprüfung aus meiner Sicht schier unmöglich zu bestehen sein wird. Kurz und gut, Du hast es ja selber schon geahnt: Du bist einem Schwarzen Schaf aufgesessen!

Was tun? Es ist gut, dass Du schon rasch nach dem Beginn der Ausbildung kritisch und nachdenklich wirst. So wird aus der Geschichte keine Fahrt in eine Sackgasse, sondern es besteht ja die Möglichkeit eine Vollbremsung zu machen und einen besseren Weg einzuschlagen. Zum Glück bist Du noch in der Probezeit. Du hast das Recht jederzeit zu kündigen. Völlig risikolos für Dich. Also gehe. Am besten schon Montag. Denke daran, eine Kündigung muss schriftlich erfolgen. In der Probezeit muss sie nicht begründet werden. Ab jetzt, wo Du meine Antwort liest, beginnst Du, Dir einen neuen Ausbildungsbetrieb zu suchen. Viele Betriebe suchen noch Azubis, Ihr seid in einer guten Position. Aber dieses Mal bist Du kritischer und selbstbewusster: Du sprichst genau diese kritischen Punkte an und sagt z.B., dass Du im Regelfall nur 40h arbeiten möchtest, damit Du Dich gut auf die Prüfung vorbereiten kannst und dass Du natürlich die Berufsschule besuchen möchtest. Wenn die Dich dann immer noch nehmen würden, dann bist Du richtig. Sonst umdrehen, Tschüss sagen und gehen. Wie gesagt es gibt genügend frei Ausbildungsplätze. Aber die Schwarzen Schafe, die lässt Du bitte die Boxen selber misten.

Dir persönlich würde ich immer den Beitritt zur Gewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) empfehlen. Denn die bieten Dir immer eine richtige Rechtsberatung und im Notfall auch rechtliche Vertretung durch einen Rechtsanwalt. Und das alles für ein Päckchen Zigaretten im Monat als Azubi.

Schreibe uns einmal, wie es Dir ergangen ist. Viele mitlesende Azubis können daraus lernen. Dir wünsche ich den nötigen Mut, Dich nicht ausbeuten zu lassen.

Der schlanke, schicke Blaue ist da!

Ohne einen Ausbildungsnachweis werden Auszubildende nicht zur Abschlussprüfung zugelassen. Aber die derzeitige Praxis mit dem dicken, grünen Berichtsheftordner ist mehr Frust als Lust und erfüllt obendrein nicht seinen eigentlichen Zweck: Die nachvollziehbare, nachweisbare Dokumentation der Berufsausbildung. Mit dem Bd. 11 der Reihe Pferdewirtprüfung stelle ich Euch eine überraschend schlanke, möglichst praktische und einfache Lösung zum Führen des vorgeschriebenen Ausbildungsnachweises zur Verfügung. Im Gegensatz zu den derzeitig gebräuchlichen dicken, überfrachteten, grünen Berichtsheftordnern erfüllt dieser schlanke, blaue Ausbildungsnachweis komplett die Anforderungen …

  • …des Berufsbildungsgesetzes, …
  • … der Beschlüsse des Hauptausschusses beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) und dem …
  • Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zur Arbeitszeitdokumentation

Endlich haben Pferdewirtauszubildende die Möglichkeit sich für eine schlanke, einfache und nicht frustrierende Ausbildungsnachweisführung zu entscheiden, die dennoch die Berufsausbildung nachvollziehbar und nachweisbar dokumentiert. Nur mit einem Ausbildungsnachweis seid Ihr in der Lage, im Fall der Fälle Mängel der Berufsausbildung nachzuweisen und Euch mit Erfolg auch vor Gericht zu wehren. Auch die Zuständige Stelle MUSS tätig werden, wenn in Eurem Ausbildungsnachweis Ausbildungsmängel sichtbar werden. Aber auch Ausbildungsbetriebe können sich gegen unberechtigte Vorwürfe wehren, wenn der Ausbildungsnachweis einen korrekten Ausbildungsverlauf dokumentiert. Deshalb ist die Führung dieses Ausbildungsnachweises für den Ausbildungsbetrieb und seine Auszubildenden gleich wichtig.

KEIN Azubi und KEIN Ausbildungsbetrieb darf gezwungen werden, das alte, grüne Berichtsheft zu führen und es ist nur Euch überlassen, ob Ihr als Zusatz im Ausbildungsvertrag Euch verpflichtet, den dicken, grünen Berichtsheftordnern mit all den frustrierenden Berichten und Angaben zu führen und dennoch nicht einmal ein lückenloser Nachweis Euerer Ausbildung ist.

Merke:

Wenn Euer Ausbilder von Euch verlangt, Erfahrungsberichte, Lagepläne, Infoteile, Leittexte usw. zu bearbeiten, dann müsst Ihr das nur tun, wenn das während der 40stündigen Wochen-Arbeitszeit gemacht wird. Hausaufgaben gibt es in der Berufsausbildung nicht!

Lasst Euch nicht für dumm verkaufen!

Selbst wenn der Ausbildungsbetrieb sich wider Erwarten weigern sollte, seinen Auszubildenden diese ökonomische und dennoch präzise Ausbildungsnachweisführung zu erlauben, solltet Ihr diesen Ausbildungsnachweis für Euch ganz gewissenhaft führen, denn mit den herkömmlichen dicken, grünen Berichtsheftordnern lassen sich Verstöße in der Berufsausbildung mit daraus entstehenden Schadenersatzforderungen noch Nachfragen der gesetzlichen Unfallversicherungen belegen. Aus diesem Grund sollten Ausbildungsbetriebe und Auszubildende beide ein Interesse an einer wahrheitsgemäßen und vollständigen Dokumentation haben.

Der Neue schlanke, Blaue beinhaltet:

  • die Verordnung Pferdewirt,
  • den Ausbildungsrahmenplan,
  • Grundsätze zum Führen des gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsnachweises,
  • Musterwochenbericht mit Anleitung zum Ausfüllen sowie
  • Wochenberichtsformulare für drei Jahre und
  • zwei Überprüfungsberichtsseiten der Zuständigen Stelle.

Wo bekommt Ihr den Ausbildungsnachweis für Pferdewirte, der als Pferdewirtprüfung (Bd.11) daherkommt:

Die bibliografischen Angaben:

Dietbert Arnold: Pferdewirtprüfung (Bd.11) – Ausbildungsnachweis -, (Verlag BOD), Norderstedt 2019, ISBN 978-3744893367

Mehr Infos zum Führenden des Ausbildungsnachweises findet Ihr hier.

Euer Recht auf eine Zusatzrente im Alter

Mit bis zu 80€ die Rente aufstocken!

Das bietet Euch die Zusatzversorgung für Arbeitnehmer in der Land- und Forstwirtschaft (ZLF / ZLA).

Und das ganz ohne Euren Beitrag, denn in der gemeinsamen Einrichtung der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), der Arbeitgeberverbände und des Bundes wird von jedem Arbeitgeber 5,20€ je versicherungspflichtigen Mitarbeiter (auch Azubis) erhoben und damit die spätere Zusatzrente finanziert.

Das klappt aber nur, wenn Ihr dafür sorgt, dass Ihr mindestens 15 Jahre, besser länger, sozialversichert in einem landwirtschaftlichen Betrieb beschäftigt seid. Neuerdings (ab 2003) können auch freiwillige Beiträge bezahlt werden, um keine Lücken im Versicherungsverlauf zu haben. Also kümmert Euch. Am besten Ihr schaut einfach mal auf die neue Webseite der Zusatzversorgung für Arbeitnehmer in der Landwirtschaft www.zla.de. Natürlich kann man da auch anrufen und Fragen loswerden oder aber im Web-Portal eigene Meldungen zu Versicherungszeiten eingeben oder aber bereits vorhandene Dokumente einsehen. Und schon habt Ihr eine Kontrolle darüber, ob Ihr vom Arbeitgeber gemeldet seid.

Also:

  1. Sorgt schon jetzt für einen durchgängigen Versicherungsverlauf und sichert Euch alle Belege von Beschäftigungszeiten. Die müsst Ihr natürlich später, wenn es um die Höhe der Zusatzversorgung geht, vorlegen können.
  2. Und nicht vergessen: Diese hier beschriebene Zusatzversorgung gilt nur für alle landwirtschaftliche Betriebe, die in die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft einzahlen. Einzige Ausnahme: Gartenbaubetriebe.
  3. Euer Betrieb muss Euch bei der ZLF/ZLA bei Arbeitsbeginn angemeldet haben, so bestimmt es der für alle landwirtschaftlichen Betriebe (außer Gartenbau) rechtsgültige „Tarifvertrag über die Zusatzversorgung der Arbeitnehmer in Land- und Forstwirtschaft“  Wenn Ihr Zweifel habet, fragt die ZLF/ZLA einfach.
  4. Achtet einmal bei den großen landwirtschaftlichen Messen, wie z.B. Agritechnika auf den Stand der Zusatzversorgung für Arbeitnehmer in der Land- und Forstwirtschaft. 

    An diesem Logo erkennt Ihr die ZLA
  5. Bittet Euren Politiklehrer darum, dass Ihr über die ZLA informiert werdet. Die Schule kann sich auch an die ZLA wenden, die Euch dann Infos aus erster Hand liefern.

Du hast ein Recht auf ein Arbeitszeugnis!

n.n.(dem Admin bekannt), 07.04.2017

Hallo,
Ich habe meinen Ausbilder gebeten mir ein Zeugnis auszustellen aber ich soll dieses selbst schreiben. Gibt es Vorlagen oder ähnliches ?

Dietbert Arnold, 08.04.2017

Hallo liebe n.n.

da macht es sich aber Dein Chef zu einfach! DER hat gemäß Berufsbildungsgesetz § 16 die Pflicht, Dir ein schriftliches Zeugnis auszustellen. Nicht DU, sondern DER muss das Zeugnis schreiben. Ich rate Dir dringend, nicht einen Zeugnistext zu schreiben, denn Du kannst überhaupt nicht abschätzen, welche Folgen welche Zeugnisformulierungen für Deinen weiteren Lebensweg haben werden. Dieses Zeugnis wird Dich lebenslang begleiten.

Du hast einen einklagbaren Anspruch auf ein Zeugnis Deines Ausbildenden und der hat am Ende der Berufsausbildung das Zeugnis auszustellen. Der Ausbildende kann aber verlangen, dass Du das Zeugnis bei ihm abholst. Bekommst DU kein Arbeitszeugnis von Deinem Chef, kannst Du ihn u.U. schadenersatzpflichtig machen!

DU musst übrigens Deinem Chef sagen, ob Du ein „einfaches“ oder ein „qualifiziertes“ Zeugnis haben möchtest. DU hast das Wahlrecht!

Das „einfache“ Zeugnis muss gemäß Berufsbildungsgesetz folgende Mindestinhalte haben: Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung, erworbene Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. Das Zeugnis muss schriftlich auf Papier und nicht in elektronischer Form erstellt werden. Zeugnisse müssen immer wahrheitsgemäß, vollständig und wohlwollend formuliert sein.

Das „qualifizierte Zeugnis“ enthält Angaben über Dein Verhalten ( Pünktlichkeit, Kundenumgang, Umgang mit Vorgesetzten, Mitarbeitern und Mitazubis, Umgang mit den Pferden, usw.) und Deine Leistungen in der Berufsausbildung (Auffassungsgabe, Lernwille, Leistungsbereitschaft, Selbständigkeit, Qualität der Arbeit, Zusatzqualifikationen, Turnierteilnahmen, Berufswettbewerbe, Arbeitstempo, Eigeninitiative, Entscheidungsfähigkeit, Urteilsvermögen, usw.). Das qualifizierte Zeugnis darf nur auf Deinen Wunsch erstellt werden. Auf keinen Fall dürfen bestimmte Formulierungen benutzt werden, die als sog. Geheimcodes dienen. Da werden positive Beurteilungen dazu genutzt, Dich zu kritisieren. Oft erkennen nur Profis die Geheimcodes, deshalb ist die Begutachtung des Zeugnisses von Fachleuten nicht falsch.

Am Ende des Zeugnisses wird eine Schlussformel erwartet.

Im Übrigen darf ein Ausbilder keine Auskünfte z.B. an neue Arbeitgeber ohne Deine Zustimmung geben. Zur Information an neue, zukünftige Arbeitgeber dient das Arbeitszeugnis.

Das Arbeitszeugnis muss auf dem betrieblich benutzten Geschäftsbogen erstellt und natürlich mit Ort und Datum unterschrieben werden. Das Zeugnis muss die Überschrift „Zeugnis“ oder „Arbeitszeugnis“ tragen und in einer akzeptablen Form erstellt werden (fehlerfrei, fleckenlos, umgeknickt, keine Radierungen oder Verbesserungen) und klar gegliedert und verständlich formuliert sein.

DU siehst jetzt, das ist keine Aufgabe eines Azubis. Lasse bitte, das ist mein dringender Rat, die Finger von der Zeugnisformulierung. Die rechtlichen Bestimmungen und Kommentare sind noch seitenlang und füllen Bücher!

Auch siehst Du jetzt, dass es einfach gut ist, wenn Du jemanden hast, der Dir im Berufsleben sagen kann, wo oben und unten  und was richtig und falsch ist. Deshalb bin ich Mitglied der Pferdewirtgewerkschaft IG Bauen, Agrar, Umwelt. Die beraten mich und denen lege ich bei solchen Fragen mein Arbeitszeugnis zur Kontrolle vor und notfalls geben die mir auch Rechtsschutz. Deshalb verlange von Deinem Ausbildenden ein Zeugnis, „einfach“ oder „qualifiziert“ und lege das dann als Gewerkschaftsmitglied den Rechtsschutzsekretären zur Prüfung vor. Das ist natürlich kostenloser Service für IG BAU- Mitglieder. Alternativ, wenn Du nicht Mitglied der Gewerkschaft werden möchtest,  lege das Zeugnis einem Fachanwalt für Arbeitsrecht zur Prüfung vor. Dann aber kommt eine Rechnung auf Dich zu.

DAS Weihnachtsgeschenk für Pferdewirtazubis

Ein Weihnachtsgeschenk für Pferdewirtazubis: Ihr werdet Pate und übernehmt den Mitgliedsbeitrag für die zeit der Berufsausbildung bei der Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt und sorgt so für eine "Vollkaskoversicherung" während der Ausbildung Eurer Lieben. Ein Geschenk das mehr Wert ist, als es kostet.
Ein Weihnachtsgeschenk für Pferdewirtazubis: Ihr werdet Pate und übernehmt den Mitgliedsbeitrag für die zeit der Berufsausbildung bei der Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt und sorgt so für eine „Vollkaskoversicherung“ während der Ausbildung Eurer Lieben. Ein Geschenk, das mehr Wert ist, als es kostet.

Liebe Eltern,

liebe Paten,

liebe große Geschwister,

liebe Partner,

Ihr sorgt Euch um Eure Pferdewirtazubis? Ihr wollt den schwer schuftenden Azubis was Gutes tun? Ihr wollt Euern Lieben mit einem Geschenk den Rücken stärken?  Ihr wollt keinen Gutschein für MacDoof verschenken? Ihr wollt mit einer Patenschaft einfach nur Verantwortung übernehmen?

Euch kann geholfen werden! Ihr übernehmt Verantwortung, werdet Paten und verschenkt zu Weihnachten die Mitgliedschaft bei der IG Bauen, Agrar, Umwelt für die Zeit der Berufsausbildung . Damit seid Ihr Sponsor einer „Vollkaskoversicherung“ für die nicht immer problemlose Ausbildung zum Pferdewirt/in. Gar nicht so selten gibt es Schwierigkeiten mit masslosen Chefs während der Berufsausbildung (Ihr braucht ja nur die Kommentare hier lesen) und dann ist Euer Geschenk mehr als Gold wert! Von der Beratung bis zum Rechtsschutz, vom preiswerten Urlaub bis zur Freizeitunfallversicherung, das alles ist der Mehrwert der Mitgliedschaft bei der Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt, die ihren Mitglieder immer den Rücken stärkt und sie nicht alleine dem Chef überlässt.

Dieses, im wahrsten Sinne des Wortes, wertvolle Geschenk ist obendrein nicht wirklich teuer, nur wertvoll. Der Mitgliedsbeitrag mit allen Leistungen eines großen, starken Partners kostet mal gerade 1,15% vom Nettolohn, also zwischen 5.- bis 7.- Euro im Monat für Pferdewirtazubis. Eine Summe, die Eltern, Paten, große Geschwister oder Partner doch übernehmen könnten. Ein Geschenk, das mehr Wert ist als es kostet!

Wie kann man Mitglied der IG Bauen, Agrar, Umwelt werden? Das seht Ihr hier.

Kein Ausbilder mehr – keine Prüfung?

Ziel einer jeden Berufsausbildung ist die Abschlussprüfung. Jeder Azubi hat darauf ein Recht und Ausbildungsbetrieb und Zuständige Stelle haben alles zu unternehmen, dass das Recht auf Prüfung auch erfüllt wird.
Ziel einer jeden Berufsausbildung ist die Abschlussprüfung. Jeder Azubi hat darauf ein Recht und Ausbildungsbetrieb und Zuständige Stelle haben alles zu unternehmen, dass das Recht auf Prüfung auch erfüllt wird.

n.n. (Name bekannt), 18.10.2016

Hallo,
Ich bin Auszubildende im 3. Lehrjahr Schwerpunkt Klassische Reitausbildung in Bayern.

Ich habe im Dezember 2013 meine Lehre angefangen, durch einen Umzug/neue Anerkennung aber 4 Monate „verloren“ (trotzdem im Betrieb nachweisbar gearbeitet und bezahlt worden), sodass ich nun laut Vertrag im April 2017 fertig bin.

Nun ist es so, dass meine Ausbilderin vorhat, innerhalb der nächsten Wochen zu kündigen. In meinem Betrieb möchte ich aus persönlichen Gründen ohne meine Ausbilderin nicht bleiben. Es wird auch kein neuer Meister angestellt.

Was kann ich machen? Kann ich mich so zur Prüfung anmelden? Mein Problem ist auch, dass ich in Bayern ja verpflichtet bin, eigene Prüfungspferde mitzubringen. Diese nimmt meine Ausbilderin aber mit. Könnte ich dann beantragen, die Prüfung in Warendorf zu machen? Ich komme ursprünglich nicht aus Bayern und würde, wenn meine Ausbilderin kündigt, wieder dort wegziehen. Was sind meine Möglichkeiten, sodass ich möglichst nicht das 3. Lehrjahr wiederholen muss?

 

Dietbert Arnold, 19.10.2016

Das ist eine blöde Situation für Dich. Wenn der Betrieb nicht mehr die Voraussetzungen der Ausbildung besitzt, weil z.B. die Meisterin geht und kein neuer Ausbilder eingestellt wird, dann muss der Betrieb einen neuen Ausbilder einstellen. Nur weil die Ausbilderin geht, endet Dein Ausbildungsvertrag nicht. Wenn der Betrieb nicht alles tut, um das Ausbildungsziel zu erreichen, dann ist er eventuell sogar haftpflichtig.

Nur wenn Du kündigst, gilt der Ausbildungsvertrag nicht mehr und Du bist ganz alleine dafür verantwortlich, die Prüfung zu organisieren und zu finanzieren.

Also, was rate ich Dir:

  1. Die Zuständige Stelle in Bayern hat die fachliche Eignung des Betriebes ständig zu überwachen. DIE sind zuständig dafür, dass in Deiner Ausbildung alles korrekt läuft. Neben der Überwachungsfunktion haben die auch eine Beratungsfunktion und deshalb  müssen die Dir ganz konkret helfen durch Beratung und Hilfe, wie Du zu Deiner Prüfung kommst. Mich wundert es schon, dass Du mit denen scheinbar nicht gesprochen hast. Eines jedenfalls ist sicher: Du hast das Recht auf Prüfung und die Zuständige Stelle muss Dir die Prüfung ermöglichen. Wenn das nicht so ist, dann verstösst das gegen das Grundgesetz, das Recht auf freie Berufswahl.
  2. DU kündigst erst einmal überhaupt nicht!!!!! Du verlierst sonst alle Ansprüche gegenüber Deinem Ausbildungsbetrieb. DU unterschreibst ohne Beratung erst einmal gar nichts! Dein Gehalt muss weitergezahlt werden!
  3. DU solltest unbedingt Mitglied der Pferdewirtgewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt werden, denn die haben Fachleute, die Dich rechtlich sicher beraten können. Alternativ kannst Du auch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht kontaktieren. Den musst Du aber bezahlen. Wenn Du Hilfe bei einem Kontakt in Bayern brauchst, dann kannst Du Dich noch einmal melden.
  4. Generell ist es mit Genehmigung der Zuständigen Stelle in Bayern möglich, in Warendorf die Prüfung zu machen. Aber!, da entstehen kKosten für den Vorbereitungskurs und die Prüfung, so um 2.000.- Euro. Und wenn Du vorschnell kündigst, dann musst Du das zahlen! Also aufpassen. Deshalb der dringende Rat, Dich an die Gewerkschaft zu wenden.

Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen, wenn noch Fragen sind, dann melde Dich noch einmal. Ich jedenfalls drücke Dir die Daumen! Kopf hoch!

Kann ich gefeuert werden?

Das dürfen Azubis erwarten: Eine grundsolide reiterlicht Ausbildung, um dann sich auch im Sport präsentieren zu können. Nur viele Ausbilder wissen das scheinbar nicht, denn die billige Arbeitskraft und nicht die Ausbildung steht im Focus.
Das dürfen Azubis erwarten: Eine grundsolide reiterlicht Ausbildung, um dann sich auch im Sport präsentieren zu können. Nur viele Ausbilder wissen das scheinbar nicht, denn die billige Arbeitskraft und nicht die Ausbildung steht im Focus.

n.n., 10.06.16

Ich brauche dringend Hilfe! Ich bin im  3. LJ und mache die Fachrichtung Klassische Reitausbildung. Seit etwa einem Jahr läuft es nicht mehr so richtig, ich bekomme kaum Unterricht und die Pferde, die wir bei der Anerkennung als Ausbildungsbetrieb bei der Zuständigen Stelle vorgestellt haben, darf ich höchstens putzen. Ich darf keine Turniere reiten und was die Ausbildungsinhalte,  sind interessiert auch keinen. Ich hatte bereits meine Zwischenprüfung. Der Teil, für den ich lernen konnte war gut, der andere Teil, auf den mein Betrieb mich hätte vorbereiten müssen, war schlecht.

Seitdem verschlechterte sich die Situation zusehend, ich bekomme kein Pferd um mich auf meine Abschlussprüfung vorbereiten zu können und erst recht keinen dahingehenden Unterricht.

Ich hab dies zum Ausdruck gebracht, woraufhin mir gesagt wurde, dass ich gehen kann. Sprich soll ich wohl gefeuert werden. Jetzt meine Frage: Darf man das so einfach? Was sind meine Rechte?

Liebe Grüße!

 

Dietbert Arnold, 12.06.16

Hallo n.n.,

natürlich komme ich Deiner Bitte nach, Deinen Namen nicht zu nennen.

Deine Situation ist ausgesprochen blöd. Du rasselst sehenden Auges in eine disaströse Abschlussprüfung. Es ist kein Trost, wenn ich Dir sage, dass wir das genau so immer wieder bei Abschlussprüfungen erleben. Als Ausmisterinnen ausgenutzte Azubis, die in der praktischen Prüfung große Probleme haben.

Eines ist sicher: Du musst was tun, sonst ist die Gefahr, durch die Prüfung zu rauschen, ziemlich groß. Sicher ist auch: Du musst rasch handeln, denn wenn es eine positive Wendung wenige Tage vor der Prüfung gibt, dann hilft das überhaupt nicht.

In einem Punkt kannst Du Dich ganz beruhigt zurücklehnen: Wenn Du Deinen Chef nicht anspuckst oder ihm ein blaues Auge haust, dann kann der Dich nicht loswerden. Und ohne schriftliche Abmahnung geht gar nichts. Oben im Reiter „Download“ findest Du das Berufsbildungsgesetz BBiG. Dort findest Du auch Hinweise zur Kündigung.

Bei einem wichtigen Grund, und das ist sicher, wenn Du nicht entsprechend der Pferdewirtverordnung ( findest Du auch unter Downloads) ausgebildet wirst, kannst Du einseitig kündigen, um Dir einen richtigen Betrieb zu suchen.

Ebenfalls musst Du bereits bei Vertragsunterzeichnung einen Ausbildungsplan bekommen haben, in dem genau drinsteht, was Dir beigebracht werden muss. Eigentlich sollte die Zuständige Stelle darauf achten, dass dieser individuelle Ausbildungsplan vorliegt.

Was kannst Du tun?

  1. Sprich mit dem Ausbildungsberater/in der Zuständigen Stelle und sage denen, dass Du nicht richtig ausgebildet wirst und dass Du befürchtest, durch die Prüfung zu fallen. Bitte die Zuständigen Stelle, Dir zu helfen. Das ist deren Aufgabe, die müssen Dir helfen. Lasse Dich von denen nicht vertrösten! Fordere die Hilfe! Spreche den Ausbildungsplan an, der für Dich vorliegen muss.
  2. Du wirst Mitglied der Gewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt und bittest die, Dir zu helfen, notfalls mit Rechtsschutz. Wenn erwiesen ist, dass Dein Ausbildungsbetrieb Dich nicht korrekt auf die Prüfung vorbereitet, kannst Du den Betrieb auch schadenersatzpflichtig machen. Wenn Du Hilfe brauchst, die richtigen Leute bei der Gewerkschaft zu finden, helfe ich Dir.
  3. Wenn Du beide oben genannten Schritte nicht machen willst, beauftrage einen Rechtsanwalt, Deine Interessen wahrzunehmen. Das kostet aber.
  4. Kündigen aus einem wichtigen Grund und Dir einen neuen Betrieb suchen.
  5. Kündigen und einen anderen Beruf suchen.

Ja, mehr kann ich Dir derzeit nicht sagen. Eines ist aber so sicher wie das Ahmen in der Kirche: Wenn Du nichts tust, dann ist Deine Prüfung in Gefahr und Du hast drei Jahre umsonst für Deinen Chef geschuftet. Denn eines ist auch sicher: Dein Chef hat mit Dir jede Menge Geld verdient, auch wenn er dich mit dem Auszubildendenlohn abgespeist hat.

Also, nimm allen Mut zusammen und wehre Dich. Damit diese Briefe an mich endlich aufhören. Ich drücke Dir ganz tüchtig die Daumen.

 

Gericht: Nichtigkeit eines Berufs- Ausbildungsvertrages zur FN-geprüften Pferdepflegerin

Die Schwarzen Schafe in der Pferdewirtschaft werden immer frecher und die Notwendigkeit als Gewerkschaftsmitglied von einem konsequenten Rechtsschutz besser geschützt zu sein.

Strohkarren

 

Ein besonders dreister Arbeitgeber hat ein Ausbildungsverhältnis nur vorgetäuscht und in Wirklichkeit ein Arbeitsverhältnis mit ausbeuterischem Charakter bezweckt, berichtet die DGB-Rechtsschutz GmbH. Das Arbeitsgericht Osnabrück deckte den Fall des nichtigen Ausbildungsvertrages auf.

 

Ausbildungsvertrag ohne Ausbildung ?

Nun hat vor kurzem ein Arbeitgeber im niedersächsischen Osnabrück ein derartiges Ausbildungsver-hältnis nur vorgetäuscht. Bei näherer Betrachtung stellte sich nämlich heraus, dass es sich gar nicht um ein Ausbildungsverhältnis handelte und der Arbeitgeber in Wirklichkeit ein Arbeitsverhältnis mit ausbeuterischem Charakter bezweckte.

Im vorliegenden Fall schloss die volljährige vermeintliche Auszubildende nach einer abgebrochenen Berufsausbildung im staatlich anerkannten Ausbildungsberuf zum Pferdewirt mit dem vermeintlichen Ausbilder einen Ausbildungsvertrag zur sogenannten .

Vertrag

Der „Pferdefuß“ an dieser Vertragsgestaltung war, dass ein solches wirksames Ausbildungsverhältnis einen ordnungsgemäßen Ausbildungsgang erfordert. Dafür ist wiederum die Erstellung eines betrieblichen Ausbildungsplanes notwendig, der Gegenstand des Berufsausbildungsvertrages wird und an dem sich die Ausbildungsleistungen orientieren müssen.

Wenn aber die Berufsausbildung in einem solchen geordneten Ausbildungsgang nicht durchgeführt wird, so ist der Ausbildungsvertrag nichtig.

Kein Meistertitel, keine Berufsschule

PferdFohlenIm vorliegenden Fall setzte der vermeintliche Ausbilder die vermeintliche Auszubildende schon ab Beginn des Vertragsverhältnisses frech als Gestütshilfskraft mit 45 Stunden pro Woche zzgl. Über-stunden ein und das, obwohl nach den Vorschriften des Berufsbildungsgesetzes eine 40 Stunden-woche nicht überschritten werden darf.

Weiter musste die vermeintliche Auszubildende schwere körperliche Arbeiten verrichten, wozu auch das Bereiten von Pferden gehörte. Nach der Ausbildungsordnung für die Zulassung zur Prüfung zur FN-geprüften Pferdepflegerin wäre jedoch eine etwa zwei-jährige hauptberufliche Tätigkeit im Umfang und in der Pflege von Pferden in einem Reit- oder Zuchtbetrieb erforderlich gewesen.

Der Ausbilder täuschte somit ein formelles „Ausbildungsverhältnis“ vor und nahm in Wirklichkeit gar keine Ausbildung mit der Auszubildenden vor. Auch ging die Auszubildende während ihrer Beschäftigungszeit nicht in die Berufsschule.

Zudem stellte sich heraus, dass der Ausbildende weder über einen Meistertitel verfügte, noch gab es eine Person im Betrieb des Ausbilders, die den Meistertitel innehatte. Der Gipfel war dann die Ausbildungsvergütung in Höhe von sage und schreibe nur 530,– EUR brutto pro Monat.

Die „Auszubildende“ hatte diese Arbeitsumstände satt und verklagte den vermeintlichen Ausbilder auf den Differenzbetrag von 9.478,19 €.

Arbeitsgericht stellt Nichtigkeit fest

Das Arbeitsgericht Osnabrück stellte fest, dass es sich hier aufgrund des fehlenden Ausbildungsplans keine Ausbildung vorlag und das Ausbildungsverhältnis nichtig war.

Doch was bedeutet dies im konkreten Fall?

Im Arbeitsrecht spricht man dann von einem sogenannten „faktischen Arbeitsverhältnis“, das heißt rechtlich bestand zwar gar kein Arbeitsverhältnis, tatsächlich wurde aber Arbeit geleistet, die natürlich auch entlohnt werden muss. Insofern erhielt die Auszubildende dann den vollen eingeklagten Lohn.

Reitverbot

Hinsichtlich des Versuches des Arbeitgebers hier durch ein vorgetäuschtes Ausbildungsverhältnis billig eine Arbeitskraft zu rekrutieren, kann man nur sagen: „Verritten: Disqualifiziert“!

(aus: DGB Rechtsschutz GmbH; Daniel Capellaro,
Rechtsschutzsekretär und Online-Redakteur)


Das Arbeitsgericht Osnabrück veröffentlichte folgende Pressemitteilung:

Arbeitsgericht Osnabrück: 2 Ca 431/14:

Nichtigkeit eines Ausbildungsvertrages zur FN-geprüften Pferdepflegerin

Ein Ausbildungsvertrag für einen staatlich nicht anerkannten Ausbildungsberuf mit einem Minderjährigen ist wegen Verstoßes gegen ein gesetzliches Verbot gemäß § 4 Abs. 2 BBiG nichtig. Bei Volljährigen erfordert ein solches wirksames Ausbildungsverhältnis einen ordnungsgemäßen Ausbildungsgang. Voraussetzung hierfür ist die Erstellung eines betrieblichen Ausbildungsplanes, der Gegenstand des Berufsausbildungsvertrages wird und an dem sich die Ausbildungsleistungen zur orientieren haben. Findet danach eine Berufsausbildung in einem solchen geordneten Ausbildungsgang tatsächlich nicht statt, ist der Ausbildungsvertrag nichtig.

Die volljährige Klägerin schloss nach einer abgebrochenen Berufsausbildung im staatlich anerkannten Ausbildungsberuf zur Pferdewirtin mit der Beklagten einen Ausbildungsvertrag zur sogenannten FN-geprüften Pferdepflegerin. Hierbei handelte es sich nicht um einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf. Ab Beginn des Vertragsverhältnisses wurde sie tatsächlich als Gestütshilfskraft mit 45 Stunden pro Woche zuzüglich Überstunden eingesetzt. Hierzu gehörten schwere körperliche Arbeiten, aber auch das Bereiten der Pferde. Die Ausbildungsordnung für die Zulassung zur Prüfung zur FN-geprüften Pferdepflegerin vor der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. sah eine etwa zweijährige hauptberufliche Tätigkeit im Umfang und in der Pflege von Pferden in einem Reit- oder Zuchtbetrieb vor.

Die Beklagte und ihr Ehemann hatten diese Zulassungsvoraussetzungen in ein formelles „Ausbildungsverhältnis“ eingekleidet, ohne tatsächlich eine Ausbildung im Rahmen eines Ausbildungsplanes durchzuführen. Die Klägerin besuchte während ihrer Beschäftigungszeit nicht die Berufsschule. Die Beklagte verfügte weder über einen Meistertitel noch gab es in ihrem Betrieb einen angestellten Meister. Die Klägerin wurde über einen Zeitraum von zehn Monaten mit 530,00 € brutto pro Monat vergütet.

Das Arbeitsgericht Osnabrück hat die Kündigungsschutzklage der Klägerin abgewiesen.

Das Beschäftigungsverhältnis der Parteien ist mit dem Rechtsmangel der Nichtigkeit behaftet, da die Klägerin in dem staatlich nicht anerkannten Ausbildungsberuf keine Berufsausbildung in einem geordneten Ausbildungsgang im Betrieb der Beklagten erfahren hatte. Für den Zeitraum der Durchführung des nichtigen Vertrages liegt lediglich ein sog. faktisches Arbeitsverhältnis vor. Für die Zukunft können die Parteien eines faktischen Arbeitsverhältnisses sich ohne weiteres und ohne Ausspruch einer Kündigung voneinander lösen.

Dem Zahlungsantrag über 9.478,19 Euro brutto hat das Arbeitsgericht dagegen entsprochen. Für faktische Arbeitsverhältnisse ist eine angemessene Vergütung zugrunde zu legen. Für die Tätigkeit als Gestütshilfskraft hat das Arbeitsgericht vorliegend einen Bruttostundenlohn von 7,00 Euro als angemessen angesehen.

(Anmerkung d. Redaktion: Zu der Zeit galt noch nicht das Mindestlohngesetz)

Ein Beruf schafft sich selber ab!

Wenn ein Berufsstand es nicht schafft bzw. es nicht schaffen will, wirkungsvoll gegen die Schwarzen Schafe im Beruf und in der Berufsausbildung vorzugehen und auch nicht bereit ist, seine Berufsausbildung zu modernisieren, dann darf man/frau sich nicht wundern, dass sich die erheblichen Missstände herumsprechen und Mitarbeiter und Auszubildende immer öfter einen großen Bogen um den Beruf Pferdewirt machen. Schon jetzt ist zu beobachten, dass nahezu alle guten Azubis nach der Ausbildung den Beruf verlassen.

Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Anzahl der Pferdewirtauszubildenden in Deutschland sinkt deutlich und die  Zahl der vorzeitigen Ausbildungsvertragslösungen erreicht bundesweite Spitzenquoten. 50 %, oder anders herum ausgedrückt, jede zweite Auszubildende bei den Pferdewirten schmeißt hin und kündigt den Ausbildungsvertrag. Die Gründe sind mangelnde Wertschätzung und fehlende Ausbildung durch die Ausbilder, die Pferdewirtschaftsmeister. Der nicht vorhandene Wille, die Neuordnung des Berufes Pferdewirtes umzusetzen, verhindert zusätzlich wirksam die Wandlung zu einer attraktiven, zukunftssicheren Berufsausbildung. Stattdessen verharren Arbeitgeber, viele Zuständige Stellen sowie die Berufsschulen in alten, überkommenen Strukturen und verpassen so die Chance, den Beruf Pferdewirt für junge Menschen attraktiv zu machen. Es keimt der Verdacht auf, der Berufsstand sucht lediglich mehrheitlich widerspruchslose, billige Pferdepfleger und nicht gut ausgebildete Pferdeexperten und tut alles, um überqualifiziertes, selbstbewusstes und gutes  Stallpersonal zu verhindern. Und weil die jungen Leute so schlecht ausgebildet sind, deshalb kann man sie auch nur so niedrig entlohnen, so das Argument eines Vorstandsmitgliedes der Bundesvereinigung der Berufsreiter.

Die Pferdewirtschaftsmeister sind ganz alleine für ihren Berufsstand verantwortlich. Derzeit ist nicht zu erkennen, dass sich der Berufsstand ernsthaft Gedanken macht, wie verhindert werden kann, dass ein Berufsstand in Verruf gerät. Es ist keine Prognose mehr sondern bereits Wirklichkeit, dass immer mehr Schulabgänger einen ganz großen Bogen um den Beruf Pferdewirt machen und nach der Schule gleich eine Hochschule oder Uni besuchen. Derzeit sind es schon 60% aller Schulabgänger, die den direkten Weg zur Hochschule einschlagen. Wenn dann ein Beruf noch in Verruf gerät, dann wird es in bereits wenigen Jahren nicht mehr möglich sein, auch nur annähernd genügend Azubis für den Beruf zu finden. Und ein Beruf ohne Berufsnachwuchs schafft sich selber ab

Statistik der Pferdewirtauszubildenden: Weniger Auszubildende (grüne Trendlinie) und davon löst jeder/e Zweite ihren Ausbildungsvertrag wieder auf (rote Trendlinie). Zufriedenheit mit der Berufsausbildung zum Pferdewirt/in sieht anders aus. Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Statistisches Bundesamt
Statistik der Pferdewirtauszubildenden: Weniger Auszubildende (grüne Trendlinie) und davon löst jeder/e Zweite ihren Ausbildungsvertrag wieder auf (rote Trendlinie). Zufriedenheit mit der Berufsausbildung zum Pferdewirt/in sieht anders aus. Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Statistisches Bundesamt