Probleme mit der schriftlichen Prüfung

n.n. (dem admin bekannt), 16.07.2020

Seit einigen Wochen schaue ich immer mal wieder auf Ihrer Homepage vorbei – aus gegebendem Anlass, mein Sohn hatte gestern seine schriftliche Prüfung im Bereich Service und Haltung und hat leider im Bereich Betriebsorganisation eine 5 geschrieben, die er nicht mehr hätte kriegen dürfen.

Weil er ja nun noch eine Chance in der mündlichen Prüfung hat, würde mich Ihre Einschätzung interessieren. Als Prüfungsaufgabe sollte ein Reitpaltz geplant werden. Mein Sohn hat ein Ebbe-Flut-System beschrieben, wie er es mt seinem Ausbilder geübt hatte, und bekam gesagt, das sei völlig am Thema vorbeigegangen. Weil nun auch der Ausbilder ratlos ist: denken Sie, dass für die Prüfer ausschließlich Anlagen mit 3-Schicht-System gelten? Oder wie kann er es in der mündlichen Prüfung (deutlich) besser machen?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!

n.n. (dem admin bekannt), 15.07.2020

Zunächst einmal Danke und Respekt für Ihre Website pferdewirtpruefung.de – sehr hilfreich!! 

Mein Sohn hat leider die Prüfung zum Pferdewirt Haltung und Service (in Hessen) nicht bestanden und soll nun in die mündliche Nachprüfung. Da er im Abschnitt Betriebsmanagement eine fünf geschrieben hat, werden nun die Prüfungsthemen wohl nochmal genauer abgefragt. Eines der Themen war „plane einen Reitplatz für Deinen Reiterhof inkl. Verkehrslage, Bodenprofil, Unfallverhütung…“ (ich habe das jetzt mal verkürzt zusammengefasst). Dazu ist in der Literatur und auch in seinen Berufsschulunterlagen eher wenig konkretes und umfassendes zu finden. 

Kennen Sie eine Quelle, in der man dazu recherchieren könnte? 

Dietbert Arnold, 16.07.2020

Eure Fragen werde ich einmal gemeinsam beantworten. Scheint fast so, als ob Ihr aus der selben Ecke kommt. Ich denke, Ihr wisst, dass ich nichts zu dieser Prüfung und diesem Prüfungsausschuss sagen kann. Dennoch versuche ich, Euch mit generellen Infos zu versorgen, damit Ihr gut informiert seid und die Situation einschätzen könnt. Dann will ich mal loslegen:

Grundsätzlich kann nicht jeder Lerninhalt der Verordnung abgeprüft werden, sonst wäre die Prüfung an sieben Tagen der Woche. Also wird exemplarisch geprüft und der Prüfungsausschuss legt zu jeder Prüfung neu fest, welche Inhalte geprüft werden. Weil auch die Prüfer wissen, dass lediglich exemplarisch geprüft wird, werden normalerweise nicht die selben Inhalte schriftlich und mündlich abgeprüft. Das wäre auch pädagogisch nicht wünschenswert, weil die Prüfer haben nicht das Interesse eine Wissenslücke zwei mal zu entdecken und zu „bestrafen“.

In der Prüfung, sowohl schriftlich als auch mündlich, soll nach Verordnung festgestellt werden, ob die berufliche Handlungsfähigkeit eines Pferdewirtes*in vorhanden ist. Deshalb sollen Prüfer keine Fragen stellen, sondern nur berufstypische Aufgaben formulieren. Etwa so, wie es der Chef im Betrie auch tut, wenn er Aufgaben an eine Fachkraft vergibt. Diese Aufgaben sind in einer vorher festgelegten Zeit zu bearbeiten. Bearbeiten bedeutet, eigenständig zu planen, durchzuführen und das Arbeitsergebnis selber zu beurteilen. Während der Aufgabe arbeiten die Prüflinge völlig selbständig. Es ist völlig normal und auch erwünscht, dass Prüflinge zu eigenständigen Lösungen kommen. Die Prüfer beurteilen die drei Teile (Planung, Durchführung, Überprüfung) nach dem Kriterium, ob die berufliche Handlungsfähigkeit eines ausgelernten Pferdewirtes*in vorhanden ist. Entscheidend sind für die Prüfer die Fragen: Ist die Aufgabe fachlich korrekt gelöst? Ist die Aufgabe zeitlich angemessen erledigt? Ist die Aufgabe in einem realistischen Aufwand (Arbeitsmittel, Personal, Kosten, usw.) erledigt und ist die Aufgabe kritisch überprüft worden. Alleine aus dieser, meiner Beschreibung wird deutlich, dass eine Aufgabenlösung variantenreich sein kann. Dieses ganze Verfahren heißt handlungsorientierte Prüfung und hat seit vielen Jahren die Prüfungsfragen abgelöst. Nur alle halten sich nicht dran. Natürlich muss die Aufgabe korrekt befolgt werden, so wie im wahren Leben auch. Thema verfehlen ist nicht gut, in der Prüfung und im Betrieb. Wenn es Probleme mit der Interpretation der Prüfungsaufgabe gibt, dann haben Prüflinge das gute Recht, in das Prüfungsprotokoll zu sehen. Nach Einsicht in das Prüfungsprotokoll ist eigentlich gut zu beurteilen, ob die Aufgabe inhaltlich korrekt bearbeitet wurde und dann die berufliche Handlungsfähigkeit vorlag. Bei einer schriftlichen Prüfung sollte das sicher zu beurteilen sein. Ihr habt natürlich, wie bei jeder Verwaltungsentscheidung in einer Demokratie, das Recht, Widerspruch einzulegen.

Nun noch zu der Frage, was ist denn fachlich korrekt. Das ist wie in jeder Branche die Frage nach der guten fachlichen Praxis (landwirtschaftlicher Begriff) oder dem Stand der Technik/ Wissenschaft. Außenseitermeinungen sind in der Abschlussprüfung nicht gefragt. Bei Reitböden könnt Ihr davon ausgehen, dass folgende Veröffentlichung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung der Standard ist: Orientierungshilfen Reitanlagen- & Stallbau, FN- Verlag

Ich hoffe sehr, dass ich Euch ein wenig weiterhelfen konnte und bloß keine Panik vor der weiteren Prüfung. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass die Noten erst ganz zum Schluß genannt werden sollten. Ich weiß, das das Vor- und Nachteile hat.

Wenn noch was ist, meldet Euch gerne

Eine Note unfair! Anfechten?

n.n., 13.05.2013:
Ich habe meine Prüfung erfolgreich bestanden, fühle mich aber in der Notenvergabe im Reiten unfair behandelt. Meiner Ansicht nach habe ich mich im Reiten im Vergleich zu meiner Zwischenprüfung nicht verschlechtert, sondern bin der Ansicht mich sogar verbessert zu haben! Kann ich diese Note anfechten? Besteht die Möglichkeit Protokolle einzufordern? Wie MÜSSTE ich weiter vorgehen? Es wäre super, Sie könnten mir die weiteren Schritte auflisten. Oder ist es bereits zu spät die Note anzufechten? Wie würden meine Chancen stehen?
Dietbert Arnold, 13.05.2013
Jede Prüfung und das Prüfungszeugnis ist ein Verwaltungsakt. Jeder Bürger in Deutschland kann sich gegen Verwaltungsakte wehren. Welche Möglichkeiten hast Du?
  1. Einsicht in die Prüfungsakte und lesen des Protokolls. Das nennt eine Behörde Akteneinsicht. Dazu muss man sich bei der Zuständigen Stelle beim Ausbildungsberater anmelden und dort in die Akte einsehen. Du darfst Dir dazu Notizen machen, auch kannst Du z.B. einen Rechtsanwalt, einen Gewerkschaftsvertreter oder Eltern mitnehmen. Auch solltest Du bei Zweifeln Fragen stellen und Dir Unklarheiten erklären lassen. Oft stell man dann fest, dass doch alles gut gelaufen ist.
  2. Wenn Du aber denkst da ist was schief oder unfair gelaufen, dann hat jeder Bürger in Deutschland das Recht, Widerspruch gegen eine Verwaltungsentscheidung einzulegen. Entweder schriftlich oder mündlich zu Protokoll direkt bei der Zuständigen Stelle. Ein Widerspruch muss natürlich vernünftig begründet werden. Unerlässlich ist natürlich der Blick vorher in das Berufsbildungsgesetz, die Verordnung Pferdewirt und die gültige Prüfungsordnung der Zuständigen Stelle. Üblicherweise hast Du für den Widerspruch 1 Monat Zeit. Ganz genau steht das in der  Rechtsbehelfsbelehrung direkt im Anschreiben zum Prüfungszeugnis. Fehlt die Rechtsbehelfsbelehrung ist die Frist bis zu ein Jahr.
  3. Unabhängig von 1. und 2. kannst Du natürlich auch einen Rechtsanwalt einschalten, der Einsicht nimmt, Widerspruch einlegt und Klage beim Verwaltungsgericht erhebt.
  4. Du bist Mitglied der IG Bauen Agrar Umwelt und besprichst das Problem mit der Rechtsschutzabteilung. Wenn die sehen, dass die Benotung unfair oder falsch war, können die Zuständige Stelle anschreiben, mit Dir zusammen Einsicht in die Prüfungsakte nehmen, Dir beim Widerspruch helfen oder im Notfall auch für Dich Klage erheben.

Aber zu allererst schaue in die Verordnung, da findest Du z.B., dass bei Haltung & Service das Reiten und Longieren mit einer Note gewertet wird. Gefordert wird ausbalanciertes Reiten in allen drei Grundarten, überwinden kleiner Sprünge und das Anführen eines Ausrittes. Eines ist aber klar: Es muss sich um eine Aufgabe handeln, die Du selbständig löst, also eine vorgelesene Aufgabe beim Reiten erfüllt diesen komplexen Ansatz nicht.

 

Achtung: Dies ist keine Rechtsberatung. Über das genaue Widerspruchsverfahren muss diejenige Stelle Auskunft geben, die die Verwaltungsentscheidung getroffen hat.