Nach der Schule noch arbeiten?

Der Berufsschulbesuch ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Prüfung. Deshalb hat jeder Azubi das Recht von Beginn der Ausbildung an die Berufsschule zu besuchen. Der Chef MUSS Euch gehen lassen!

 

Jeder Azubi in Deutschland hat das Recht während seiner Berufsausbildung die Berufsschule zu besuchen und der Ausbilder muss seine Azubis dafür freistellen.

Da Schule in Deutschland von den Bundesländern organisiert wird, gibt es so viele Schulgesetze wie Bundesländer. Die Mehrzahl der Bundesländer ordnet während der Berufsausbildung absolute Schulpflicht an, einige Bundesländer haben für manche Schüler eine lediglich eine Kann- Regelung. Genaues zu Eurem Bundesland findet Ihr hier.

Immer wieder gibt es Streit um die Zeiten des Berufsschulbesuches und die Frage, ob vor oder nach der Schule noch gearbeitet werden muss.

Grundsätzlich gibt es dazu klare Grundsätze:

  1. Die freizustellende Zeit zum Besuch der Berufsschule beginnt mit dem Schulweg und endet mit der Rückkehr in den Betrieb. Schulpausen oder eine Freistunden gelten als Schulzeit. Gleiches gilt für Schulveranstaltungen, wie Exkursionen, Klassenfahren, usw.. Aber: Ihr müsst den kürzesten Weg zur und von der Schule nutzen. Eigenmächtige Pausen bei MacD sind nicht in der Schulzeit enthalten. Ist die Schule kürzer als auf dem Stundenplan vermerkt, müsst Ihr direkt nach dem aktuellen Schulschluss zurück in den Betrieb. Entsprechend, wenn die Schule später beginnt.
  2. Um zu entscheiden, ob Ihr vor- oder nach der Schule im Betrieb arbeiten müsst, seht Ihr in Euren Ausbildungsvertrag. Dort MUSS die tägliche Ausbildungszeit stehen. Wenn nicht, wendet Euch an die Zuständige Stelle und lasst den Ausbildungsvertrag korrigieren, denn alle anderen Zeitangaben anstelle der täglichen Ausbildungszeit sind rechtswidrig. Besonders übers Ohr gehauen werden Azubis in Rheinland- Pfalz, weil sich die Zuständige Stelle nicht bequemt, ihre rechtswidrigen Ausbildungsverträge zu korrigieren. Nehmen wir einmal an, die tägliche Ausbildungszeit beträgt 8 h, dann zieht Ihr die Schulzeit (Schulhinweg + Schulstunden + Schulrückweg) von den 8 h ab. Bleibt ein Rest, müsst Ihr wieder in den Betrieb. Entsteht ein Minus, dann habt Ihr Überstunden geleistet, die entweder bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden müssen.
  3. Für Jugendliche, die noch nicht 18 Jahre alt sind, gilt das schärfere Jugendarbeitsschutzgesetz.

Wer zahlt den teuren Schulweg?

  • n.n

Meine Tochter wird 2013 nach ihrem Abitur ihre Ausbildung als Pferdewirtin, Fachrichtung klassische Reitausbildung, beginnen. Der Berufsschulbesuch gehört dann unweigerlich dazu. Da sie in Nordhessen ihre Ausbildung macht, muss sie nach Oberursel oder kann nach Hannover.

Diesbezüglich stellen sich mir verschiedene Fragen zu den Fahrtkosten zur Berufsschule. Müssen die Fahrtkosten aus eigener Tasche bezahlt werden? Wenn ja, kann man diese irgendwo absetzen? Kann der Auszubildende in irgendeiner Form Unterstützung für die Fahrtkosten beantragen?

Da der Schulbesuch nicht in Blockzeit, sondern wöchentlich genommen wird, gehe ich einmal von 40 Tagen Berufsschulbesuch aus. Für jeden Tag muss meine Tochter ca. 414 km (hin und zurück) fahren. Bei 40 Tagen sind das 16560 km. Hier setze ich mal 0,40 Euro Pkw – Kosten/km an. Das ergäben 6624,00 Euro bei 16560 km.

Um auch pünktlich zur Schule zukommen, muss sie 2 ½ Stunden Fahrzeit nach Oberursel bei Frankfurt bedenken. Hier würde ihr auch keine andere Möglichkeit bleiben. Wenn sie mit dem Zug fahren würde, müsste sie den Zug um 05:02 Uhr in Kassel – Wilhelmshöhe nehmen, um dann um 07:26 Uhr in Oberursel anzukommen. Dann liegen ca. noch 20 Minuten Fußmarsch zur Schule vor ihr.

Gesamtkosten bei 40 Tagen/Jahr gesehen (mit der Bahn zur Berufsschule nach Oberursel.

  • Pkw – Kosten gesamt =   480,00 Euro
  • Parkplatz Kassel gesamt =   520,00 Euro
  • Bahnfahrt gesamt = 1290,00 Euro
  • BahnCard25 gesamt = 39,00 Euro
  • Gesamtausgaben 2329,00 Euro   

Wenn meine Tochter nach Hannover dürfte, würden sich folgende Kosten gegenüberstehen. Pkw = 5952,00 Euro à Bahn = 2329,00 Euro. Hier ist die Fahrtzeit gegenüber Oberursel auch mit 2 ½ Stunden anzurechnen. Aber hier wäre die Zugverbindung erheblich besser. Abfahrt 06:36 Uhr und Ankunft um 07:32 Uhr dann noch ca. 16 Minuten mit der Stadtbahn zur Schule.

Meine Tochter hält natürlich gesehen nichts von einer Zugfahrt. Aber sie muss es ja auch nicht bezahlen. Um Fahrgemeinschaften zubilden, fehlt mir die Erfahrung. Kann man hier die jeweiligen Schulen im Vorhinein anschreiben, um mögliche Mitschüler zu finden, die auf etwa der gleichen Fahrstrecke liegen?

  Heute musste ich mal wieder feststellen, dass das Hobby und demnächst die Berufung Pferd, eine teure Angelegenheit ist. Aber man macht es ja gerne, auch wenn es manchmal wehtut. Hier entschädigen die glücklichen Augen der Tochter.

Vielleicht können Sie mir wieder auf einige Fragen die passende Antwort geben. Ich bedanke mich für Ihre Mühe schon einmal im Voraus. Sollten Sie etwas veröffentlichen, bitte ich um Anonymität.

  • Dietbert Arnold

Natürlich veröffentliche ich (fast) jeden Beitrag, denn diese Themen interessieren ganz viele Azubis.

Also Kosten für die Schule. Einmal der Reihe nach: Für die Berufsschule ist immer der zuständige Kreis des Erstwohnsitzes oder des Ausbildungsbetriebes zuständig. Bei sog. Splitterberufen kann ein Kreis natürlich nicht die gesamte Palette der Berufe anbieten. Deshalb schließen sich Kreise oder auch Bundesländer zusammen und gründen Landesfachklassen oder sogar Bundesfachklassen. Nun ist es leider so, dass der Ausbildungsbetrieb zwar jeden Azubi zur Berufsschule freistellen muss, aber nicht für die Kosten aufkommen muss. Das ist höchstrichterlich entschieden. Folglich beteiligen sich nur ganz wenige Ausbildungsbetriebe an den Kosten. Für die Kosten der Schule kommen also grundsätzlich die Schüler auf. Leider mangels Masse dann oft die Eltern.

Sprich bitte die zuständige Schulbehörde Deines Wohnsitzes bzw. Ausbildungsbetriebes an und frage sie, wie sie finanziell helfen können, wenn der zuständige Kreis seiner Beschulungspflicht nicht selber nachkommen kann und Deine Tochter in andere Regionen schicken muss. Es gibt Bundesländer in Deutschland, die beteiligen sich an den Fahrtkosten in überörtliche Berufsschulen. Ganz genau kann ich Dir das für jedes Bundesland nicht sagen.

Und dann gibt es ja noch die Berufsausbildungsbeihilfe BAB. Informiere Dich im Internet und beim Zuständigen Arbeitsamt über die BAB. Dazu kann ich Dir keine Auskünfte nennen, da die Zahlung von BAB vom Einkommen abhängt. Relativ gut ist im Internet der BAB- Rechner.

Und ganz zum Schluss, so als kleiner Trost, wenn Du der Hauptsponsor Deiner Tochter wirst, dann kannst Du diese Kosten von der Steuer absetzen. 

Du kannst uns ja mal das Ergebnis Deiner Fragen mitteilen. Das ist für viele Hessen bestimmt sehr interessant. 

EINES sollte aber für alle Pferdewirtazubis klar sein: Niemals aus Kostengründen den Berufsschulbesuch meiden. Denn das rächt sich nach meiner Erfahrung spätestens zur Abschlussprüfung. Da würde ich auch niemals auf den gut gemeinten Rat meines Ausbilders hören, den lästigen und teuren Schulbesuch sausen zu lassen und stattdessen lieber im Betrieb zu arbeiten. Das sind fast immer eigenützige Ratschläge. Nachtigall ich höre Dir trapsen!

Nachtrag: Wie mir Ende Oktober 2012 von der Berufsschule in Hessen mitgeteilt wurde, übernimmt in der Grundstufe derjenige Kreis, in dem der Ausbildungsbetrieb liegt, die Fahrkosten. Natürlich nur die günstigste Verbindung und keine Parkgebühren oder andere Kosten. In der Mittel- und Oberstufe entfällt das leider, da gehen die Azubis leer aus.