Fachrichtung wechseln?

In den ersten zwei Jahren könnt Ihr die Fachrichtung noch wechseln. Entweder in der Probezeit oder danach nur nach Absprache mit Eurem Ausbilder.

n.n., 07.05.2017 (dem Admin bekannt)

Ich befinde mich jetzt seit 3 Monaten in der Ausbildung zum Pferdewirt FR Pferderennen EG Trabrennfahren. In ca. eineinhalb Monaten steht meine Zwischenprüfung bevor.

Mir macht das Fahren sehr viel Spaß, auch mit den Geschwindigkeiten habe ich kein Problem, nur habe ich mittlerweile das Gefühl, ich hätte kein „Handchen“ als Fahrerin. Zudem bezweifle ich momentan stark, ob ich Freude und genug Ehrgeiz für die Rennen hätte, da sich die Situation auf der Rennbahn doch sehr von der im Training unterscheidet.

Trotzdem fühle ich mich in meinem jetzigen Ausbildungsbetrieb wirklich wohl, ich komme mit den anderen Mitarbeitern, meinem Chef und den Pferden sehr gut klar und möchte das Umfeld dort nicht mehr missen! Allerdings möchte ich mich natürlich auch weiterentwickeln, auch reiterlich, was momentan nicht möglich ist.

Ich habe überlegt, die Fachrichtung zu wechseln, möglichst zur Zucht. Ich habe auch schon zwei mögliche Betriebe gefunden, die ich kontaktieren möchte, damit sie meine weitere Ausbildung übernehmen. Ist das überhaupt möglich oder muss ich erst „in den sauren Apfel beißen“ und meine jetzige Fachrichtung zu Ende lernen um dann zu wechseln? Könnte es Probleme geben, weil ich im zweiten Lehrjahr angefangen habe?

Haben Sie zudem eine Idee, wie ich ein Gespräch mit meinem jetzigen Chef anstoßen könnte, der wird ja wohl nicht allzu begeistert sein.

Dietbert Arnold, 08.05.2017

Grundsätzlich ist ein Wechsel der Fachrichtung oder des Einsatzgebietes im Beruf Pferdewirt/in möglich. Nach der Verordnung zum Beruf Pferdewirt/sind die ersten zwei Jahre der Ausbildung identisch, nur das dritte Ausbildungsjahr ist dann fachrichtungsbezogen. Das bedeutet, dass Du die ersten zwei Jahre in der Ausbildung immer für alle Fachrichtungen anerkannt bekommst. Du musst also nicht die Ausbildung neu beginnen. Selbst wenn Du die Abschlussprüfung in der einen Fachrichtung bestanden hast, benötigst Du nur noch ein Jahr weitere Ausbildung, also das dritte Ausbildungsjahr in einer anderen Fachrichtung, um dann die Abschlussprüfung in der weiteren Fachrichtung machen zu können.

Jetzt kommt aber die nächste Überlegung: Aus einem Ausbildungsvertrag kann man/frau nicht so einfach aussteigen. Dazu benötigst Du wichtige Gründe (Ausbildungsmängel, Verfehlungen des Ausbilders, Verbot die Berufsschule zu besuchen, usw.) oder aber der Hinweis, dass Du die Berufsausbildung ganz aufgeben möchtest. Das ist bei Dir augenscheinlich nicht der Fall. Weil eine Berufsausbildung so ein fester Vertrag ist, hat der Gesetzgeber bestimmt, dass es immer eine Probezeit geben muss, mindestens 1 Monat und maximal 4 Monate. In dieser Zeit können beide Seiten die Ausbildung ohne Begründung sofort beenden. Auf gut Deutsch: Chef ich bin dann mal weg, drehst Dich um und gehst. Danach geht das eben nicht mehr. Natürlich kann eine Berufsausbildung auch im gegenseitigen Einverständnis gelöst werden. Das muss aber schriftlich passieren. Die Zuständige Stelle hat dafür Vordrucke.

In Deinem Ausbildungsvertrag steht genau drin, wie lang Deine Probezeit ist, in der Du jederzeit in der Probezeit ohne jeglichen Grund kündigen kannst. Die beste Lösung ist immer, wenn Ausbilder und Auszubildende sich aussprechen und der Wechsel nicht im Streit geschieht. Ich rate Dir, ein Gespräch mit Deinem Ausbilder zu suchen und ohne Vorwürfe an ihn Deine Situation schildern und darum zu bitten, für Deine Entscheidung Verständnis aufzubringen. Du bringst Verständnis für seine Situation auf, denn der Ausbilder hat ja mit Dir als Arbeitskraft gerechnet. So ein Gespräch solltest Du nicht auf der Stallgasse suchen, sondern machst mit Deinem Ausbilder einen Termin aus, bei dem ihr euch bei einer Tasse Kaffee mal ganz in Ruhe unterhalten könnt. Ohne Handy und anderen Störungen.

Ganz zum Schluss muss ich Dir sagen, dass es durchaus eine gute Idee sein kann, von den Trabern zu einer anderen Fachrichtung zu wechseln, denn im Trabrennsport ist die Situation nicht wirklich zukunftsfähig. Das könnte eine Sackgasse sein für Auszubildende. Leider streiten sich die „Traber“ gerne mal untereinander und vergessen dabei, dass sie ihrem Beruf dabei nicht gerade weiterbringen.

Eine neue Fachrichtung lernen

n.n. 01.09.2013:

Erstmal ein großes Lob für Ihre tolle Internetseite!

2010 habe ich meine Prüfung zur Pferdewirtin Zucht und Haltung

abgeschlossen. In einem Fach haben Sie mich sogar geprüft :). Danach habe ich in verschiedenen Ställen gearbeitet und mich nun entschlossen noch den Schwerpunkt Klassische Reitausbildung zu lernen.

Am 01.08.13 habe ich die Ausbildung begonnen und bin schon total unglücklich. Von meinen täglichen 10-11 Stunden Arbeitszeit reite und bewege ich ca. 2 Stunden Pferde, der Rest ist nur Stallarbeit. Natürlich habe ich in meinem Berichtsheft alles genau protokolliert. Mein Ausbilder hat mir jetzt jedoch verboten meine Arbeitszeiten zu notieren.

Jetzt überlege ich den Betrieb zu wechseln. Können Sie mir Betriebe nennen in denen man wirklich ausgebildet wird (Raum Hamburg/Schleswig-Holstein/Niedersachsen)? Ich bin reiterlich noch nicht so weit und habe mich entschlossen 2 Jahre die Ausbildung zu machen. Trotzdem brauche ich einen Betrieb bei dem ich was lerne!

Und noch eine weitere Frage, mein Ausbilder sagte, dass ich nicht zu Zwischenprüfung muss, weil ich schon Zucht und Haltung gelernt habe. Ist das richtig?

Vielen Dank schon im Vorraus.

Liebe Grüße

Dietbert Arnold, 02.09.2013:

Hallo n.n., hoffentlich war ich bei der Prüfung nicht zu streng! Lasse mich mal zunächst ein paar grundsätzliche Sachen sagen:

  1. Natürlich darf ein Ausbilder Dir nicht verbieten, die Arbeitszeiten und die Ausbildungsinhalte zu notieren. Wenn der den Ausbildungsnachweis ( wahrscheinlich nennt er es Berichtsheft) nicht unterschreiben will, ist das sein Problem! Lade Dir hier die Formblätter Ausbildungsnachweis herunter (http://pferdewirtpruefung.de/wordpress/?page_id=86) und fülle den ganz genau aus. Der Ausbildungsnachweis ist auch gültig, wenn Dein Ausbilder ihn nicht unterschreiben will. Der hat nämlich die Pflicht, den Ausbildungsnachweis durchzusehen und zu unterschreiben. Wenn nicht, sein Problem.
  2. Du kannst eine zweiteFachrichtung als Berufsausbildung anhängen, musst es aber nicht. Du hast auch die Option, ganz normal als fertige Pferdewirtin zu arbeiten und dich dann nach § 45.2 zur Prüfung anzumelden. Wenn Du Dich 1,5 x 1 Jahr als arbeitende Pferdewirtin auf die neue Fachrichtung vorbereitest, kann Du Dich sofort zu Prüfung anmelden.
  3. Ich sage immer wieder, dass alle, die eine weitere Fachrichtung weiter erlernen wollen, aufpassen müssen, dass sie nicht von ihrem „Ausbildungsbetrieb“ ausgebeutet werden. Du bist ausgelernte Pferdewirtin, wertvoll für den Betrieb und bekommst aber kleines Geld. Da gibt es nicht nur einen Betrieb in Deutschland, der da schwach wird und die weitere Ausbildung vernachlässigt und Dich einfach nur arbeiten lässt. Manche „Ausbilder“ sind darauf noch stolz und brüsten sich über so viel Cleverness.
  4. Du lernst eine weitere Fachrichtung mit einem zweiten Berufsausbildungsvertrag. Damit hast Du das Recht, auch die Berufsschule zu besuchen. Denke daran, dass in den Fachrichtungen durchaus andere Inhalte geprüft werden und Du nur in der Berufsschule den Kontakt zu Auszubildenden Deiner neuen Fachrichtung bekommst.
  5. Die Zwischenprüfung musst Du nicht mehr machen, denn formal werden Dir ja zwei Jahre anerkannt. In der Zeit war die Zwischenprüfung. Wenn Du aber einen zweijährigen Vertrag abschließt, dann sollte die Zwischenprüfung noch gemacht werden. Aber: Grundsätzlich ist es bei den reitenden Fachrichtungen ganz ganz wichtig, zur Zwischenprüfung zu gehen, denn dort findet auch eine Beurteilung und Beratung über die reiterlichen Fähigkeiten und Entwicklungen statt. Und das von unabhängigen Prüfern. Wenn ein Ausbildungsbetrieb Dir das nicht ermöglich, dann weißt Du welche Eigenschaften Dein „Ausbilder“ an Dir schätzt: billig Arbeiten.
  6. Merkst Du übrigens jetzt, dass es sich lohnt, in die Gewerkschaft IG Bauen, Agrar, Umwelt einzutreten, um von denen Beratung und auch Rechtsschutz zu bekommen?
  7. Ich sende Dir den Namen meines Kollegen aus Schleswig Holstein per Mail, bestelle schöne Grüße von mir und rufe ihn bitte an. Wenn Dir einer im Norden helfen kann, dann …. .

Viele liebe Grüße und viel Glück

Zusätzliche Fachrichtung lernen?

  • Monika

Ich werde meine Prüfung zur Pferdewirtin Z&H dieses Jahr mit Auszeichnung abschliessen (voraussichtlich auf jedenfalls). Mein Betrieb würde mich gerne behalten und reiterlich weiter fördern so dass ich nach einem Jahr die Prüfung als Pferdewirt klassische Reitausbildung absolvieren kann.

Ist dies so möglich? Falls ja was muss ich beachten? Wo muss ich mich zur Prüfung anmelden?

Vielen Dank für ganz schnelle Antwort, ich habe bereits schon einiges hier im Forum gelesen, aber dieses Thema noch nicht gefunden.

  • Dietbert Arnold

Hallo Monika,

nun ist die Antwort zwar nicht ganz schnell, aber sie kommt:

Grundsätzlich sind beim Pferdewirt (alte Verordnung und neue Verordnung) die ersten zwei Jahre identisch und werden deshalb auf alle Fachrichtungen (früher Scherpunkte) angerechnet. Deshalb ist es möglich, einen neuen Ausbildungsvertrag mit Deinem alten Ausbildungsbetrieb zu schließen und in diesem Ausbildungsvertrag dann die Fachrichtung zu wechseln. Bei Dir von Z&H auf jetzt Klassische Reitausbildung. Der neue Ausbildungsvertrag darf natürlich nur 1 Jahr dauern, denn 1. und 2. Ausbildungsjahr hast Du ja schon. Rechtlich bist Du dann wieder Azubi, mit allen Rechten und Pflichten. So auch Dein neuer(alter) Ausbildungsbetrieb, der Dich zur Prüfung anmelden muss, diese natürlich auch bezahlen muss und Dich zur Schule schicken muss. Natürlich bekommst Du das Auszubildendengehalt des 3. Ausbildungsjahres. Aber: Niemand verbietet einem Betrieb, mehr zu bezahlen. 

Da gibt es aber noch einen Weg: Du wirst ganz normal als Pferdewirtin im Betrieb angestellt. Wenn Du das Reiten soweit trainiert hast, meldest Du Dich bei der Zuständigen Stelle als Quereinsteigerin zur Prüfung (§ 45.2 Berufsbildungsgestz). Die Praxiszeit im Betrieb nach der Z&H- Prüfung bestimmt die Zuständige Stelle, das wären minimal zwei Jahre. Allerdings musst DU dich anmelden und DU die Prüfung bezahlen. Im Betrieb wärst Du dann vollbezahlte Pferdewirtin.

So jetzt noch ein genereller Tipp. Es ist ja nicht selten, dass Pferdewirte mit Z&H (jetzt H&S) anschließend die Prüfung in der klassischen Reitausbildung machen wollen. Meist machen sie noch ein Lehrjahr zusätzlich. Jetzt kommt aber der Haken: Der Betrieb vergisst viel zu oft das intensive Ausbilden in diesem Jahr, denn die Azubis sind ja schon fertige Pferdewirte und auf die muss man ja nicht mehr aufpassen. Ganz oft habe ich bei Prüfungen gesehen, dass sich diese Haltung der Betriebe rächt und die Prüfung im Reiten in die Hose geht. Also: Die zusätzliche Prüfung wird nur erfolgreich, wenn das vierte, zusätzliche Jahr intensiv zum Reiten und unterrichten genutzt wird. Sonst stellt sich hinterher nur raus, dass Du ein Jahr lang ganz billig für Deinen Betrieb geschuftet hast. Pferdewirtin mit Azubi- Gehalt.

Noch ein Tipp: Lasse es Dir im neuen Ausbildungsvertrag quittieren, dass der Betrieb sowohl die Prüfungsgebühren als auch den Vorbereitungslehrgang in Warendorf bezahlt. Wenn der Betrieb damit Schwierigkeiten hat, dann weißt Du, dass er das nicht bezahlen will. Dann Finger weg. Für einen seriösen Betrieb ist das selbstverständlich und dann wird der auch nicht stutzen bei dem Passus im Ausbildungsvertrag.

Jetzt, Monika, solltest Du das Nötigste wissen