Grundsätze zur Prüfungszulassung für Externe (§45.2 BBiG)

Abschlusszeugnis
Das Pferdewirtzeugnis ist der Eintritt in die lebenslange Weiterbildung. Wer möchte bis zum Universitätsabschluss.

Bevor Ihr hier weiterlest, beachtet bitte, dass ich hier meine persönliche Meinung aufschreibe.

Für Klarheit könnten folgende Grundsätze sorgen:

  1. Es können Personen auch ohne Berufsausbildung zu einer Berufsabschlussprüfung zugelassen werden. Damit können „Ungelernte“ ihre berufliche Qualifikation auch schwarz auf weiß nachweisen und so deutlich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Also: vom Mister und Pfleger zum Pferdewirt aufsteigen. Der § 45.2 Berufsbildungsgesetz BBiG ist also eine große Chance sich im Berufsleben zu qualifizieren und aufzusteigen. Der Schritt zum Berufsabschluss ist auch deshalb so wichtig, weil das Berufsbildungssystem mittlerweile keine Sackgasse mehr ist, sondern den Aufstieg bis zum Universitätsabschluss eröffnet.
  2. Die Prüfungszulassung für Externe wendet sich vorrangig an folgende Personen: a) Mitarbeiter, die in einem Beruf qualifiziert arbeiten, es aber irgendwie versäumt haben, eine formale Berufsausbildung zu durchlaufen b) Personen die z.B. durch Arbeitslosigkeit in einen ungelernten Beruf wechseln mussten oder wollten.
  3. Personen, die die Abschlussprüfung z.B. zum Pferdewirt machen möchten, müssen der Zuständigen Stelle nachweisen, dass sie die Anforderungen zur Zulassung im besonderen Fall gem. BBiG erfüllen. Also: Ihr müsst die Bescheinigungen vorlegen.
  4. Erste wesentliche Anforderung: Die erforderliche Mindestzeit in dem Beruf, in dem die Abschlussprüfung angestrebt wird, beträgt das 1,5fache der Ausbildungszeit.
  5. Zweite wesentliche Anforderung: Die maßgebliche Mindestzeit (1,5fache der Ausbildungszeit) muss im angestrebten Beruf, hier bei uns Pferdewirt, nachgewiesen werden.
  6. Die Zuständigen Stellen haben zu prüfen, ob eine Person, die die Abschlussprüfung machen möchte, im Beruf tätig war und 4,5 Jahre als qualifizierte Fachkraft gearbeitet hat.
  7. Im Beruf tätig ist nach allgemeiner Auffassung nur eine Person, die in Vollzeit, über eine längere Dauer wirklichkeitsnah und natürlich gegen eine angemessene Bezahlung im Beruf ohne Berufsabschluss gearbeitet hat.
  8. Personen, die für eine angemessene Bezahlung im Beruf dauerhaft gearbeitet haben, können üblicherweise immer auch die entsprechenden Sozialversicherungsnachweise beifügen. Wer selbständige Zeiten nachweisen möchte, kann dies problemlos durch entsprechende Steuerbescheide tun.
  9. Berufserfahrung und Qualifizierung für den Beruf Pferdewirt ist nachzuweisen. Eine formale, nicht qualifizierende Tätigkeit führt nicht zur Prüfungszulassung. Also: Es reicht nicht aus, irgendwie in einem Pferdebetrieb tätig gewesen zu sein.
  10. Wer einem Sport, Hobby, Schüler- oder Studentenjob nachgeht, ist, das wird deutlich, nicht über einen längeren Zeitraum beruflich tätig geworden.
  11. Alle Bescheinigungen der FN oder anderer Sportverbände sind dem Hobby zuzurechnen. Die FN ist ein Sportverband des Deutschen Olympischen Sportbundes DSOB.
  12. Lehrgänge sind keine berufliche Tätigkeit, in der wirklichkeitsnah berufliche Tätigkeiten ausgeführt und berufliche Erfahrungen gesammelt werden können.
  13. Reine Prüfungsvorbereitungslehrgänge sind zwar hilfreich, zählen aber nicht zur beruflichen Tätigkeit.
  14. Nebenbeschäftigungen sind ebenfalls keine vollwertige Berufstätigkeit und taugen deshalb nicht als Mindestzeitnachweis. Verlangt werden reguläre, hauptberufliche und sozialversicherungspflichtige Arbeitszeiten.
  15. Die Behauptung, während einer Schul- oder Universitätsausbildung hauptberuflich berufstätig gewesen zu sein, kann durchaus problematisch sein. Der Status Schüler/ Student und hauptberufliche berufliche Tätigkeit schließt sich aus, es kann zu Diskussionen mit dem Finanzamt, der Ausbildungsstätte und den Sozialversicherungen führen, die auch mit einem Strafverfahren enden können. Also: Wer als Student ausgesprochen billig Bus fährt und preiswert in der Mensa speist, der kann nicht hauptberuflich berufstätig gewesen sein. Wenn doch, dann … .
  16. Die Zulassung zur Prüfung in besonderen Fällen muss immer bei der Zuständigen Stelle gestellt werden und die Person, die den Antrag stellt, muss belegen, dass es zu einer berechtigten Prüfungszulassung kommt. Ist die Zuständige Stelle nicht von einer Prüfungszulassung überzeugt, entscheidet der gesamte Prüfungsausschuss.
  17. In Ausnahmefällen kann die Zuständige Stelle sogar auf die Mindestzeitregel (1,5fache Ausbildungszeit) verzichten, wenn im Antrag von der Person der Erwerb der beruflichen Handlungsfähigkeit im angestrebten Beruf auch ohne Berufstätigkeit bewiesen werden kann. Das ist aber nur in Ausnahmefällen zielführend, weil die berufliche Handlungsfähigkeit in den meisten Fällen nur zu erreichen ist, wenn im Beruf hauptberuflich über einen längeren Zeitraum gearbeitet wurde. Diese Ausnahmeregelung wäre eventuell hilfreich für Frauen, die während der Kindererziehungszeiten nicht vollberuflich arbeiten konnten. Also: Ausnahmefälle gibt es, Ausnahmen bleiben aber Ausnahmen und stehen im Ermessen der Zuständigen Stellen.

Pferdewirtprüfung nach Mitarbeit im eigenen Betrieb?

100_3667
Zur Berufsabschlussprüfung Pferdewirt werden auch pferdeerfahrene Mitarbeiter eines Pferdebetriebes zugelassen, auch wenn sie keine Berufsausbildung durchlaufen haben. Näheres regelt § 45.2 Berufsbildungsgesetz.
  • Alexandra 28.03.2013:

Ihre Internetseite ist sehr interessant und informativ. Vielleicht können Sie mir vorab eine Frage zur Zulassung für die Abschlussprüfung zum Pferdewirt „Haltung und Service“ als Quereinsteiger beantworten. Die Unterlagen für die Antragstellung habe ich bereits ausgedruckt und mit denen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ergänzt.

Nun zu meinen Daten. Ich bin wohnhaft in B. und 41 Jahre alt. Seit 1995 halten wir (ich und mein Mann) am Hof Pferde.

Von 1999 – 2004 war mein Mann Nebenerwerbslandwirt mit Pensionspferden (15 Pferde). Zu dieser Zeit waren wir beide berufstätig und haben den Hof gemeinsam geführt. Seit 2004 vergrößerten wir unser Anwesen um einen weiteren Stall und eine Reithalle (32 Pferde).

Ab 2004 sind wir Selbständig. Bedingt durch die Geburt unseres Kindes arbeitete ich nur sozusagen Teilzeit im Betrieb mit.

Alle Arbeiten werden von uns beiden bewerkstelligt. Allerdings ist der Betrieb nur auf meinen Mann gemeldet und ich arbeite entgeldlos mit. Wie sehen Sie die Chancen auf Zulassung zur Prüfung zum Pferdewirt Haltung & Service ? Da ich bedingt durch Betrieb und Familie keine Möglichkeit habe, außerhalb eine Ausbildung zu beginnen wäre dies eine gute Möglichkeit, doch noch einen Abschluß in diesem Beruf zu bekommen.