Kein Ausbilder mehr – keine Prüfung?

Ziel einer jeden Berufsausbildung ist die Abschlussprüfung. Jeder Azubi hat darauf ein Recht und Ausbildungsbetrieb und Zuständige Stelle haben alles zu unternehmen, dass das Recht auf Prüfung auch erfüllt wird.
Ziel einer jeden Berufsausbildung ist die Abschlussprüfung. Jeder Azubi hat darauf ein Recht und Ausbildungsbetrieb und Zuständige Stelle haben alles zu unternehmen, dass das Recht auf Prüfung auch erfüllt wird.

n.n. (Name bekannt), 18.10.2016

Hallo,
Ich bin Auszubildende im 3. Lehrjahr Schwerpunkt Klassische Reitausbildung in Bayern.

Ich habe im Dezember 2013 meine Lehre angefangen, durch einen Umzug/neue Anerkennung aber 4 Monate „verloren“ (trotzdem im Betrieb nachweisbar gearbeitet und bezahlt worden), sodass ich nun laut Vertrag im April 2017 fertig bin.

Nun ist es so, dass meine Ausbilderin vorhat, innerhalb der nächsten Wochen zu kündigen. In meinem Betrieb möchte ich aus persönlichen Gründen ohne meine Ausbilderin nicht bleiben. Es wird auch kein neuer Meister angestellt.

Was kann ich machen? Kann ich mich so zur Prüfung anmelden? Mein Problem ist auch, dass ich in Bayern ja verpflichtet bin, eigene Prüfungspferde mitzubringen. Diese nimmt meine Ausbilderin aber mit. Könnte ich dann beantragen, die Prüfung in Warendorf zu machen? Ich komme ursprünglich nicht aus Bayern und würde, wenn meine Ausbilderin kündigt, wieder dort wegziehen. Was sind meine Möglichkeiten, sodass ich möglichst nicht das 3. Lehrjahr wiederholen muss?

 

Dietbert Arnold, 19.10.2016

Das ist eine blöde Situation für Dich. Wenn der Betrieb nicht mehr die Voraussetzungen der Ausbildung besitzt, weil z.B. die Meisterin geht und kein neuer Ausbilder eingestellt wird, dann muss der Betrieb einen neuen Ausbilder einstellen. Nur weil die Ausbilderin geht, endet Dein Ausbildungsvertrag nicht. Wenn der Betrieb nicht alles tut, um das Ausbildungsziel zu erreichen, dann ist er eventuell sogar haftpflichtig.

Nur wenn Du kündigst, gilt der Ausbildungsvertrag nicht mehr und Du bist ganz alleine dafür verantwortlich, die Prüfung zu organisieren und zu finanzieren.

Also, was rate ich Dir:

  1. Die Zuständige Stelle in Bayern hat die fachliche Eignung des Betriebes ständig zu überwachen. DIE sind zuständig dafür, dass in Deiner Ausbildung alles korrekt läuft. Neben der Überwachungsfunktion haben die auch eine Beratungsfunktion und deshalb  müssen die Dir ganz konkret helfen durch Beratung und Hilfe, wie Du zu Deiner Prüfung kommst. Mich wundert es schon, dass Du mit denen scheinbar nicht gesprochen hast. Eines jedenfalls ist sicher: Du hast das Recht auf Prüfung und die Zuständige Stelle muss Dir die Prüfung ermöglichen. Wenn das nicht so ist, dann verstösst das gegen das Grundgesetz, das Recht auf freie Berufswahl.
  2. DU kündigst erst einmal überhaupt nicht!!!!! Du verlierst sonst alle Ansprüche gegenüber Deinem Ausbildungsbetrieb. DU unterschreibst ohne Beratung erst einmal gar nichts! Dein Gehalt muss weitergezahlt werden!
  3. DU solltest unbedingt Mitglied der Pferdewirtgewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt werden, denn die haben Fachleute, die Dich rechtlich sicher beraten können. Alternativ kannst Du auch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht kontaktieren. Den musst Du aber bezahlen. Wenn Du Hilfe bei einem Kontakt in Bayern brauchst, dann kannst Du Dich noch einmal melden.
  4. Generell ist es mit Genehmigung der Zuständigen Stelle in Bayern möglich, in Warendorf die Prüfung zu machen. Aber!, da entstehen kKosten für den Vorbereitungskurs und die Prüfung, so um 2.000.- Euro. Und wenn Du vorschnell kündigst, dann musst Du das zahlen! Also aufpassen. Deshalb der dringende Rat, Dich an die Gewerkschaft zu wenden.

Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen, wenn noch Fragen sind, dann melde Dich noch einmal. Ich jedenfalls drücke Dir die Daumen! Kopf hoch!