Und Tschüss

Die Probezeit nutzen, um den Schwarzen Schafen in der Berufsausbildung zum Pferdewirt*in zu entkommen.

Wehret den Anfängen: Vorbeugen ist besser als nachsorgen. Lasst Euch ausbilden und nicht ausbeuten.

In jedem Ausbildungsvertrag muss die Probezeit niedergeschrieben sein. Das Gesetz bestimmt: Wenigstens 1 Monat, maximal 4 Monate.

Es gibt gute Gründe, die Probezeit in der Berufsausbildung zum Pferdewirt*in zu nutzen:

  1. Der Ausbildungsvertrag ist nicht vom Ausbildungsbetrieb und der Zuständigen Stelle unterschrieben.
  2. Dir wurde keine Kopie des Ausbildungsvertrages ausgehändigt, der von Dir, dem Ausbildungsbetrieb und der Zuständigen Stelle unterschrieben ist.
  3. Du hast keine sachliche und zeitliche Gliederung für Deine Ausbildung ( persönlicher Ausbildungsplan) zusammen mit Deinem komplett unterschriebenen Ausbildungsvertrages erhalten. Bedenke: Eine einfache Kopie des Ausbildungsrahmenplans aus der Verordnung Pferdewirt ist keine auf Dich abgestellte sachliche und zeitliche Gliederung (persönlicher Ausbildungsplan) Deiner Ausbildung.
  4. Dein Ausbildungsbetrieb besitzt keinen Ausbilder mit einer Ausbildungseignung. Tipp: Im Zweifel und bei jedem Ausbilderwechsel immer bei der Zuständigen Stelle anrufen und fragen! Du läufst sonst Gefahr, dass Deine Ausbildung nicht anerkannt wird und Du keine Abschlussprüfung machen darfst!
  5. Dein Ausbilder ist nur selten im Ausbildungsbetrieb.
  6. Du besuchst nicht regelmäßig die Berufsschule. Tipp: Du hast ein Recht zum Berufsschulbesuch, egal wie alt Du bist und welche Vorbildung Du hast!
  7. Ein sechsstündiger Berufsschultag ersetzt nicht einen kompletten Arbeitstag, obwohl das vom Gesetz so vorgeschrieben wird.
  8. Die im Ausbildungsvertrag vereinbarte Arbeitszeit wird nicht eingehalten.
  9. Überstunden werden ständig angeordnet und Überstunden nicht durch Freizeit ausgeglichen.
  10. Arbeit an Sonn- und Feiertagen werden nicht durch Freizeit ausgeglichen.
  11. Du erhältst nicht die im Ausbildungsvertrag vereinbarten Urlaubstage.
  12. Du erhältst keine schriftliche Lohnabrechnung.
  13. Du erhältst nicht die im Ausbildungsvertrag vereinbarte Entlohnung.
  14. Du bekommst nicht vom Ausbildungsbetrieb die gesetzlich vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt: Reithelm, Sturzweste, Sicherheitsschuhe, Reitbekleidung, Arbeitshandschuhe, Wetterschutzbekleidung, usw.
  15. Du bist nicht gesetzlich krankenversichert.
  16. Du erhältst keinen regelmäßigen Reit- bzw. Fahrunterricht. Bedenke: Unterricht, der nur ein mal in der Woche stattfindet ist nicht ausreichend!

Jeder einzelne Punkt alleine kann erfahrungsgemäß schon ausreichen, sich von einem Schwarzen Schaf in der Berufsausbildung zu trennen, denn deren Tricks gleichen sich auffallend. Die Wahrscheinlich, einem Schwarzen Schaf auf dem Leim gegangen zu sein, der/die Dich ausnutzt und nicht ausbildet, ist sehr groß.

Warum musst Du im Beruf Pferdewirt*in besonders vorsichtig sein?

Schwarze Schafe sind in der Pferdewirtschaft nicht selten. Die suchen Dich als billige Arbeitskraft, denn Auszubildende erwirtschaften dem Betrieb in aller Regel einen ordentlichen Gewinn. Mit Auszubildenden in den Pferdebetrieben kann man richtig Kasse machen! Viele Auszubildende fallen auf diese „Ausbilder“ herein und jeder zweite Azubi schmeisst auch aus diesen Gründen vor der Prüfung völlig enttäuscht die Berufsausbildung hin. Es gibt leider nur sehr wenige Zuständige Stellen, die die Auszubildenden während ihrer Ausbildung befragen (feed back), so die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Und das Ergebnis: Ganz miese Noten für die Ausbildungsbetriebe!

Drei Jahre ackern ohne Ende und dann durch die Prüfung fallen, weil es keine Ausbildung gab. Und hinter Deinem Rücken sagen die Schwarzen Schafe dann noch: Die war einfach nur faul.

Heftet Euren Schwarzen Schafen diesen Zettel an die Tür. Hinterher geht es Euch besser und niemand vermiest Euch den Beruf Pferdewirt. Und dann sucht Ihr Euch in aller Ruhe einen echten Ausbildungsbetrieb.

Damit Dir diese Tortur erspart bleibt, nutze die Liste mit den Tricks der Schwarzen Schafe und nutze vor allem die Chance, völlig komplikationslos innerhalb der Probezeit zu gehen. Du kannst Dich umdrehen und gehen. Ohne Kündigungsfrist, ohne Schadenersatz, ohne Konsequenzen. Und dann suchst Du Dir einen wirklichen Ausbildungsbetrieb. Schlechtes Gewissen? Müsst Ihr nicht haben, seid froh, dass Ihr den Schwarzen Schafen entkommen seid, die, die Euch ausbeuten und Euch den Beruf vermiesen.

Gericht: Nichtigkeit eines Berufs- Ausbildungsvertrages zur FN-geprüften Pferdepflegerin

Die Schwarzen Schafe in der Pferdewirtschaft werden immer frecher und die Notwendigkeit als Gewerkschaftsmitglied von einem konsequenten Rechtsschutz besser geschützt zu sein.

Strohkarren

 

Ein besonders dreister Arbeitgeber hat ein Ausbildungsverhältnis nur vorgetäuscht und in Wirklichkeit ein Arbeitsverhältnis mit ausbeuterischem Charakter bezweckt, berichtet die DGB-Rechtsschutz GmbH. Das Arbeitsgericht Osnabrück deckte den Fall des nichtigen Ausbildungsvertrages auf.

 

Ausbildungsvertrag ohne Ausbildung ?

Nun hat vor kurzem ein Arbeitgeber im niedersächsischen Osnabrück ein derartiges Ausbildungsver-hältnis nur vorgetäuscht. Bei näherer Betrachtung stellte sich nämlich heraus, dass es sich gar nicht um ein Ausbildungsverhältnis handelte und der Arbeitgeber in Wirklichkeit ein Arbeitsverhältnis mit ausbeuterischem Charakter bezweckte.

Im vorliegenden Fall schloss die volljährige vermeintliche Auszubildende nach einer abgebrochenen Berufsausbildung im staatlich anerkannten Ausbildungsberuf zum Pferdewirt mit dem vermeintlichen Ausbilder einen Ausbildungsvertrag zur sogenannten .

Vertrag

Der „Pferdefuß“ an dieser Vertragsgestaltung war, dass ein solches wirksames Ausbildungsverhältnis einen ordnungsgemäßen Ausbildungsgang erfordert. Dafür ist wiederum die Erstellung eines betrieblichen Ausbildungsplanes notwendig, der Gegenstand des Berufsausbildungsvertrages wird und an dem sich die Ausbildungsleistungen orientieren müssen.

Wenn aber die Berufsausbildung in einem solchen geordneten Ausbildungsgang nicht durchgeführt wird, so ist der Ausbildungsvertrag nichtig.

Kein Meistertitel, keine Berufsschule

PferdFohlenIm vorliegenden Fall setzte der vermeintliche Ausbilder die vermeintliche Auszubildende schon ab Beginn des Vertragsverhältnisses frech als Gestütshilfskraft mit 45 Stunden pro Woche zzgl. Über-stunden ein und das, obwohl nach den Vorschriften des Berufsbildungsgesetzes eine 40 Stunden-woche nicht überschritten werden darf.

Weiter musste die vermeintliche Auszubildende schwere körperliche Arbeiten verrichten, wozu auch das Bereiten von Pferden gehörte. Nach der Ausbildungsordnung für die Zulassung zur Prüfung zur FN-geprüften Pferdepflegerin wäre jedoch eine etwa zwei-jährige hauptberufliche Tätigkeit im Umfang und in der Pflege von Pferden in einem Reit- oder Zuchtbetrieb erforderlich gewesen.

Der Ausbilder täuschte somit ein formelles „Ausbildungsverhältnis“ vor und nahm in Wirklichkeit gar keine Ausbildung mit der Auszubildenden vor. Auch ging die Auszubildende während ihrer Beschäftigungszeit nicht in die Berufsschule.

Zudem stellte sich heraus, dass der Ausbildende weder über einen Meistertitel verfügte, noch gab es eine Person im Betrieb des Ausbilders, die den Meistertitel innehatte. Der Gipfel war dann die Ausbildungsvergütung in Höhe von sage und schreibe nur 530,– EUR brutto pro Monat.

Die „Auszubildende“ hatte diese Arbeitsumstände satt und verklagte den vermeintlichen Ausbilder auf den Differenzbetrag von 9.478,19 €.

Arbeitsgericht stellt Nichtigkeit fest

Das Arbeitsgericht Osnabrück stellte fest, dass es sich hier aufgrund des fehlenden Ausbildungsplans keine Ausbildung vorlag und das Ausbildungsverhältnis nichtig war.

Doch was bedeutet dies im konkreten Fall?

Im Arbeitsrecht spricht man dann von einem sogenannten „faktischen Arbeitsverhältnis“, das heißt rechtlich bestand zwar gar kein Arbeitsverhältnis, tatsächlich wurde aber Arbeit geleistet, die natürlich auch entlohnt werden muss. Insofern erhielt die Auszubildende dann den vollen eingeklagten Lohn.

Reitverbot

Hinsichtlich des Versuches des Arbeitgebers hier durch ein vorgetäuschtes Ausbildungsverhältnis billig eine Arbeitskraft zu rekrutieren, kann man nur sagen: „Verritten: Disqualifiziert“!

(aus: DGB Rechtsschutz GmbH; Daniel Capellaro,
Rechtsschutzsekretär und Online-Redakteur)


Das Arbeitsgericht Osnabrück veröffentlichte folgende Pressemitteilung:

Arbeitsgericht Osnabrück: 2 Ca 431/14:

Nichtigkeit eines Ausbildungsvertrages zur FN-geprüften Pferdepflegerin

Ein Ausbildungsvertrag für einen staatlich nicht anerkannten Ausbildungsberuf mit einem Minderjährigen ist wegen Verstoßes gegen ein gesetzliches Verbot gemäß § 4 Abs. 2 BBiG nichtig. Bei Volljährigen erfordert ein solches wirksames Ausbildungsverhältnis einen ordnungsgemäßen Ausbildungsgang. Voraussetzung hierfür ist die Erstellung eines betrieblichen Ausbildungsplanes, der Gegenstand des Berufsausbildungsvertrages wird und an dem sich die Ausbildungsleistungen zur orientieren haben. Findet danach eine Berufsausbildung in einem solchen geordneten Ausbildungsgang tatsächlich nicht statt, ist der Ausbildungsvertrag nichtig.

Die volljährige Klägerin schloss nach einer abgebrochenen Berufsausbildung im staatlich anerkannten Ausbildungsberuf zur Pferdewirtin mit der Beklagten einen Ausbildungsvertrag zur sogenannten FN-geprüften Pferdepflegerin. Hierbei handelte es sich nicht um einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf. Ab Beginn des Vertragsverhältnisses wurde sie tatsächlich als Gestütshilfskraft mit 45 Stunden pro Woche zuzüglich Überstunden eingesetzt. Hierzu gehörten schwere körperliche Arbeiten, aber auch das Bereiten der Pferde. Die Ausbildungsordnung für die Zulassung zur Prüfung zur FN-geprüften Pferdepflegerin vor der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. sah eine etwa zweijährige hauptberufliche Tätigkeit im Umfang und in der Pflege von Pferden in einem Reit- oder Zuchtbetrieb vor.

Die Beklagte und ihr Ehemann hatten diese Zulassungsvoraussetzungen in ein formelles „Ausbildungsverhältnis“ eingekleidet, ohne tatsächlich eine Ausbildung im Rahmen eines Ausbildungsplanes durchzuführen. Die Klägerin besuchte während ihrer Beschäftigungszeit nicht die Berufsschule. Die Beklagte verfügte weder über einen Meistertitel noch gab es in ihrem Betrieb einen angestellten Meister. Die Klägerin wurde über einen Zeitraum von zehn Monaten mit 530,00 € brutto pro Monat vergütet.

Das Arbeitsgericht Osnabrück hat die Kündigungsschutzklage der Klägerin abgewiesen.

Das Beschäftigungsverhältnis der Parteien ist mit dem Rechtsmangel der Nichtigkeit behaftet, da die Klägerin in dem staatlich nicht anerkannten Ausbildungsberuf keine Berufsausbildung in einem geordneten Ausbildungsgang im Betrieb der Beklagten erfahren hatte. Für den Zeitraum der Durchführung des nichtigen Vertrages liegt lediglich ein sog. faktisches Arbeitsverhältnis vor. Für die Zukunft können die Parteien eines faktischen Arbeitsverhältnisses sich ohne weiteres und ohne Ausspruch einer Kündigung voneinander lösen.

Dem Zahlungsantrag über 9.478,19 Euro brutto hat das Arbeitsgericht dagegen entsprochen. Für faktische Arbeitsverhältnisse ist eine angemessene Vergütung zugrunde zu legen. Für die Tätigkeit als Gestütshilfskraft hat das Arbeitsgericht vorliegend einen Bruttostundenlohn von 7,00 Euro als angemessen angesehen.

(Anmerkung d. Redaktion: Zu der Zeit galt noch nicht das Mindestlohngesetz)

Mein Chef haut mich übers Ohr

    • Sarah

    Ich habe gerade akut ein Problem. Ich bin 24 Jahre alt und arbeite in einem Bereiterstall. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung, aber schon von Kinderbeinen an mit Pferden zu tun. Deshalb hab ich letztes Jahr im Dezember im Pferdestall das Arbeiten angefangen.

    Eigentlich fing da das Problem schon an. Ich habe am 01.12.2010 zu arbeiten begonnen. Erste Absprache war, das ich Teilzeit anfange, also von 07:00 bis 12:00 Uhr. Denn er kann sich keine zweite Kraft in Vollzeit leisten (Seine vorherige Angestellte war krank geschrieben und es war noch unklar ob sie wieder kommt). Ich bekomme von ihm 600,00 € netto für eine 6 Tage Woche mit 30 Stunden. Schien mir okay. Nach ca. 1 bis 2 Wochen kam dann schon die Anfrage ob ich nicht doch Vollzeit arbeiten kann (50 Std Woche, Überstunden noch nicht dazu gerechnet). Klar konnte ich. Ich habe auch 2 eigene Pferde, die ich natürlich bei ihm einstellen kann, was ja das beste wäre. Hab ich dann auch gemacht. Da ich ja bei ihm arbeite verlangt er nur das Futtergeld (100,00 € pro Tier) Natürlich habe ich absolut nichts schriftlich bekommen in der Zeit. Weder einen Arbeitsvertrag noch einen Vertrag wegen meiner Pferde.

    Es war dann klar dass meine Vorgängerin nicht mehr kommt und daraufhin erfuhr ich dass er mich nun bald anmelden könne… Er hat mir dann erklärt er könne mich nur Teilzeit (in meiner Welt sind das 20/25 Std die Woche) anmelden, denn er hat kein Geld! (Berittstall mit Platz für 21 Pferde, 2-Mann Betrieb) Ich war damit einverstanden, aber nur mit der Bedingung dass es nach kurzer Zeit ein Vollzeit Vertrag wird, denn das habe ich ja schliesslich auch gearbeitet. Hat er zugestimmt. Ab 01.03.2011 war ich endlich angemeldet. Die Zeit vorher war einfach „Praktikum“. Arbeitsvertrag liegt in seiner Ablage, denn bekomm ich schon noch. Fakt: Bis heute nicht. Ich habe weiterhin 600,00 € netto bekommen. Plötzlich wollte er 400,00 € für die Pferde und misten durfte ich sie nur meiner Freizeit. Das Futtergeld will er doch nicht. Sehr verwirrend…

    Die ganze Zeit wurden Versprechungen gemacht, nicht gehalten. Worte wurden im Mund umgedreht. Psychische Spiele fingen an, in Form von dass ich ernsthaft immer dachte dass ich an ALLEM Schuld sei. Er hatte mich oft so im Griff dass ich übelst krank trotzdem kam um zu schuften. Er hatte extrem viel Freizeit weil alles auf mich abgeladen wurde. Und immer wenn ich das Handtuch schmeissen wollte, war er so nett und fürsorglich… Da hatte ich ernsthaft ein schlechtes Gewissen!!!

    Ende September, Anfang Oktober erfuhr ich durch einen Zufall dass ich lediglich auf 14 Stunden Basis angemeldet bin! Während der ganzen Zeit habe ich zwar eine Gehaltsabechnung bekommen auf der ein minimaler Betrag von 420,00 € brutto stand, aber er hat ich immer beruhigt, dass das schon so stimme…

    Nun ist es so dass ich seit dem 27.10.2011 krank geschrieben bin, da man unter anderem einen Bandscheibenschaden festgestellt hat. Nun ist für mich klar dass ich das nutzen kann um abzuspringen. Als ich mit ihm reden wollte, kamen nur Vorwürfe. Ich habe keine Schmerzen, ich ziehe lediglich eine Show ab! Und im Übrigen wolle er nun von mir 10,00 € tgl für das misten meiner Pferde! Er will nächste Woche dann abrechnen.

    Jetzt (viel zu spät, wie immer) krieg ich mit dass er Sozialversicherungsbetrug begangen hat. Unter anderem auch damit dass er Sachleistungen (meine Pferde, Frühstück) nicht in den Gehaltszettel mit versteuert hat. Und noch einiges mehr. Das Versprechen dass ich einen Vollzeitvertrag bekomme, habe er so nie gesagt… Nun war ich eine Schwarzarbeiterin und stecke mit in der Klemme, oder? Dann hat er versucht mich zu erpressen mit meinen Pferden. Er will nicht dass ich gehe (logisch, wer ist auch so bescheuert wie ich!!!) Ich habe gestern meine Vorgängerin angerufen und wollte wissen was da los war. Sie ging wegen Burn-out. Bei ihr genau das selbe! Aber ganz genau! Als sie gehen wollte wurde auch verrechnet…

    Was kann ich jetzt tun? Er kündigt mich nicht, das ist mein Problem. Mein Arzt stellt mir zwar was aus, zwecks der Sperre, aber was soll ich bitte dem Arbeitsamt erzählen? Warum ich solange für so wenig Geld gearbeitet habe???

    Können Sie mir helfen?

  • Dietbert Arnold

Meine Güte Sarah,

wie kann es passieren, dass Du Dich mit immerhin 24 Jahren so übers Ohr hauen lässt? Vielleich hättest Du vorher in der Berufsschule einmal den Politikunterricht ernster nehmen sollen. Da gibt es z.B. das Arbeitszeitgesetz, da gibt es das Nachweisgesetz, da habt Ihr in der Schule doch sicher über Arbeitsverträge gesprochen! Also ganz, liebe Sarah, kann ich Dir eine gewisse Gutgläubigkeit nicht absprechen. Ist doch ein bisschen naiv, sich so im Leben rumschubsen zu lassen.

Trotz allem, natürlich lasse ich Dich hier nicht im Regen stehen. Nicht umsonst habt Ihr im Unterricht schon einmal über die Interessenvertretung von Arbeitnehmern gesprochen. Genau, ich meine die Gewerkschaft. Und genau die brauchst Du jetzt ganz dringend. Für Dich ist die Pferdewirtgewerkschaft, die IG Bauen, Agrar, Umwelt zuständig.

Eine Gewerkschaft ist aber immer nur für ihre Mitglieder zuständig. Nur dann kann sie tätig werden und helfen. Ja, wenn Du Dich jetzt entschließen könntest, Mitglied der IG Bauen, Agrar, Umwelt zu werden, dann könnten die Arbeitsrechtsexperten Dich zunächst einmal vernünftig beraten und notfalls auch gerichtlich gegen Deinen Chef vorgehen. Dann jedenfalls wärst Du nicht alleine und hättest eine kompetente und starke Unterstützung.

Ideal wäre natürlich, dass sich möglichst viele aus der Pferdebrance schon von Beginn an in der IG Bauen, Agrar, Umwelt organisieren würden. Dann nämlich ständen noch viel mehr Beträge zur Verfügung, Notfällen wie Dir zu helfen. Vergiß bitte nicht, Rechtsberatung für ihre Mitglieder kostet einer Gewerkschaft schon Geld, schließlich muss eine Gewerkschaft auch Löhne für ihre Mitarbeiter bezahlen. Aber das soll nicht heißen, dass die IG Bauen, Agrar, Umwelt Dir als neues Mitglied nicht helfen will. Vielleicht werden ja jetzt doch einige, die diesen Beitrag lesen, nachdenklich und überlegen einmal, in die IG Bauen, Agrar, Umwelt einzutreten.

Falls Du einen Kontakt zur Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt suchst, schreibe mir, wo Du lebst und dann kann ich Dir die zuständige Region der Gewerkschaft mit einem kompetenten Kollegen nennen.

  • Nachtrag 1:

Sarah hat einen kompetenten Ansprechpartner der IG Bauen, Agrar, Umwelt in ihrer Region genannt bekommen und wird sich jetzt hoffentlich erfolgreich gegen ihre menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen durchsetzen können. Auffällig ist derzeit eine deutliche Häufung von Pferdewirten und Pferdewirtauszubildenden, die den Rechtsschutz ihrer Gewerkschaft in Anspruch nehmen müssen.

  • Nachtrag 2:

Sarah wird jetzt durch die IG Bauen, Agrar, Umwelt in Nürnberg vertreten. Für Sarah eine schöne Situation zu Weihnachten, für Ihren Chef eher ein Weihnachten, an das er noch lange zurückdenken wird.