Faire Arbeit Jetzt!

 

Tag der Arbeit historisch
Historische Plakat zum Tag der Arbeit: Der Samstag sollte kein Arbeitstag mehr sein. Wer dennoch Samstags arbeiten muss, hat Anspruch auf einen anderen freien Tag.

Bundesarbeitskreis Berufliche Qualifizierung zum „Tag der Arbeit“ am 1. Mai

„Faire Arbeit Jetzt!“ unter diesem Grundsatz engagiert sich die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) für bessere Ausbildungsbedingungen in den Betrieben. Unter diesem Blickwinkel betrachtete der Bundesarbeitskreis Berufliche Qualifizierung (BAK BQ) der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt die derzeitige Situation in der Berufsausbildung und beobachtet mit Sorge, dass es immer noch Ausbildungsbetriebe gibt, die ihre Auszubildenden nicht fair behandeln:

  • Arbeitszeiten von 60 – 70 h/ Woche (auch bei unter 18jährigen)
  • unbezahlte Überstunden
  • verweigerter Urlaub
  • verbotener Berufsschulbesuch
  • fehlende Ausbildungsinhalte
  • privat zu beschaffende Arbeitskleidung
  • gravierende Verstöße bei der Arbeitssicherheit
  • Absenkung der Ausbildungsvergütung um 20 Prozent.

Deutlich mehr Auszubildende beklagen sich übrigens über unfaire Berufsausbildungen in genau denjenigen Branchen, in denen sich nicht genügend Arbeitnehmer in einer Gewerkschaft organisieren. Es gibt folglich keine Tarifverträge und nicht wenige Ausbilder halten sich nicht an bestehende Regeln, werden maßlos und missbrauchen ungeniert und folgenfrei ihre Azubis als billige Arbeitskräfte.

Von unfairer Ausbildung betroffene Azubis, die Mitglied ihrer IG Bauen-Agrar-Umwelt sind, haben es da besser, bleiben mit ihren Nöten nicht alleine, sie erhalten selbstverständlich Unterstützung von ihrer Gewerkschaft. Versprochen ist versprochen.

1 Mai 2014
Plakat zum Tag der Arbeit 2014

Ausbildung lohnt sich! Was verdient wer?

Meisterausbildung

Ausbildung lohnt sich auch finanziell. Die durchschnittlichen Brutto- Jahreslöhne in Deutschland zeigen, was Ungelernte, Ausgelernte und Meister bzw. Hochschulabsolventen  in Deutschland verdienen.

Diese Tabelle ist eben auch dazu geeignet zu sehen, was in Deutschland verdient wird. So können Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister ein Angebot eines Arbeitgebers gut einordnen oder aber realistische Gehälter fordern.

Also, wenn Ihr 30 Jahre alt seid, ist ein fairer Jahresbruttolohn als Pferdewirt ca. 25.000 €, als Meister sollten es schon 39.000 € brutto im Jahr sein.

Was zeigt diese Tabelle noch? Wenn Ihr mit Eurem Gehalt jetzt und zukünftig nicht zufrieden seid, dann müsst Ihr entweder eine Bank überfallen, reich erben oder heiraten oder Euch weiter qualifizieren. Überlegt nach dem Pferdewirt den Meister zu machen und oder ein Studium anzuhängen. Der Pferdepfleger/in ist und bleibt eine Sackgasse mit dürftigen Verdienstaussichten mit zunehmendem Alter. Das Schlagwort heißt zu Recht Lebenslanges Lernen.

Je mehr Ihr lernt, das bestätigen alle Untersuchungen, desto geringer das Risiko der Arbeitslosigkeit.

Alter

Ungelernt

Berufsabschluss

Meister

Fachhochschule

Hochschule

25

17.000

22.000

26.000

27.000

30

21.000

25.000

39.000

42.000

35

22.000

29.000

46.000

55.000

40

24.000

30.000

54.000

65.000

45

26.000

32.000

56.000

66.000

50

28.000

32.000

58.000

67.000

55

28.000

33.000

55.000

62.000

60

28.000

33.000

52.000

62.000

65

29.000

36.000

59.000

63.000

Diese Daten kommen vom rennomierten Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit.

Alle Daten und Analysen findet Ihr hier:

https://www.igbau.de/Gute_Ausbildung_-_Gutes_Geld.html

 

Muss ich erst Pferde für meine Ausbildung besorgen?

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n.n., 14.12.2013:

Hallo,

ich möchte eine Ausbildung als Pferdewirtin anfangen mit Schwerpunkt Reiten. Das Problem ist, dass mein Betrieb noch nicht die Zulassung dafür hat, nur für Haltung und Service. Um diese Zulassung zu erlangen muss man anscheinend 3 L-platzierte Springpferde und 3 L-platzierte Dressurpferde nachweisen.

Der Betrieb verfügt über ein S-platziertes Dressurpferd und zwei L-fertige, jedoch nicht vorgestellte bzw. platzierte Pferde, sowie ein L-fertiges aber ebenfalls nicht vorgestelltes Springpferd. Außerdem noch einige Pferde auf niedrigerem Ausbildungsniveau.

Das heißt, dass man jetzt in der kommenden Saison auf Biegen und Brechen die Dressurpferde durch die Dressur- und Springprüfungen schicken muss und dann auch noch platziert werden muss, um zum Ausbildungsbeginn eine Zulassung zu bekommen? Ich kenne bei uns einige Ausbildungsbetriebe, die nicht annähernd solche Pferde nachweisen könnten und trotzdem ausbilden dürfen. Sind die Bestimmungen tatsächlich so streng oder hatten wir einfach die falsche Person am Telefon?

Gerade die Tatsache, dass das Pferd auch noch platziert sein soll ist bei uns sehr schwierig zu realisieren. In den Klassen E-L starten unglaublich viele Reiter, da ist man oft nichtmal mit einer Nullrunde und guter Zeit auf der sicheren Seite.

Am Ende muss ich vermutlich auf eigene Kosten zwei Springpferde hierher stellen, um die Ausbildung anfangen zu können.

Wissen Sie vielleicht Rat?

Liebe Grüße aus S.-H.

Dietbert Arnold, 15.12.2013:

Wenn ein Betrieb nicht für eine bestimmte Fachrichtung von der Zuständigen Stelle anerkannt ist, dann hat das Gründe. Und diese Gründe führen dazu, dass der Betrieb nicht zur Ausbildung zugelassen ist. Ob Du es jetzt hören willst oder nicht, lasse die Finger von einem Betrieb, der nicht zur Ausbildung zugelassen ist. Ich kenne so viele Fälle, wo gutgläubige Jugendliche gemeint haben, Azubis zu sein, in Wirklichkeit nur billige Arbeitskräfte waren. Sehr oft habe ich später berichtet bekommen, dass es angeblich nur um winzige Details ging, warum eine Ausbildungsberechtigung kurz bevor stand, in Wirklichkeit scheiterte die Ausbildung aber an ganz ganz vielen zentralen Mängeln.

Und dann werde ich schon wieder hellhörig. Du bist die zweite Schreiberin in diesem Monat, die Pferde für ihre Ausbildung finanzieren „muss“. Lasse Dich um Himmels Willen nicht in die Situation bringen, Pferde einzustellen, nur damit Du ausgebildet wirst. Aus aller Erfahrung weiß ich, dass Betriebe, die so etwas praktizieren oder auch nur in Erwägung ziehen, schwerste Ausbildungsmängel haben. Ein seriöser Ausbildungsbetrieb tut so etwas nicht. 

Für Dich und aber auch alle anderen schreibe ich hier einmal die Anforderungen, die eine Zuständige Stelle an einen Ausbildungsbetrieb bei der Feststellung der Eignung einer Ausbildungsstätte für die Berufsausbildung zum Pferdewirt meistens stellen wird:

  1. Kontinuierliche Anleitung durch allgemein anwesenden Ausbilder
  2. Hauptberuflich im Ausbildungsbetrieb tätiger Ausbilder
  3. Ausbilder mehr als 50% im Ausbildungsbetrieb anwesend
  4. Ausbildungsbetrieb ist Haupterwerbsbetrieb
  5. Ausbildungsbetrieb wird nach betriebswirtschaftlichen Gründen geführt
  6. Fachgerechte Buchführung im Ausbildungsbetrieb
  7. Gebäude, Anlagen und technische Ausstattung im Ausbildungsbetrieb entsprechend dem üblichen Stand der Technik
  8. Tierschutz gemäß der BMELV- Leitlinien (Haltung und Sport)
  9. Ordnungsgemäßer Zustand des Ausbildungsbetriebes
  10. Vermittlung von Ausbildungsinhalten bei Vertragspartnern nur mit Dokumentation im Ausbildungsvertrag
  11. Alle zur Ausbildung zählenden Betriebsmittel (auch Pferde) müssen im Ausbildungsbetrieb vorhanden sein und dürfen keinesfalls durch den Azubi finanziert werden
  12. PC- Ausstattung mit Internet- Zugang muss im Ausbildungsbetrieb auch von den Azubis  nutzbar sein
  13. Fachliteratur, Tarife, Verordnungstexte, Unfallverhütungsvorschriften, Jugendarbeitsschutzgesetz, Fachzeitschriften, usw.  müssen dem Azubi zur Verfügung stehen
  14. Genügend in der Zahl und getrennt nach Geschlecht Sanitärräume
  15. Angemessene Unterbringung (wenn Unterbringung vereinbart) der Auszubildenden im Betrieb
  16. Aktuelle Mängelfreiheits- Bescheinigung einer Betriebsprüfung durch die zuständige gesetzliche Unfallversicherung
  17. Kein laufendes Insolvenz-/ Vergleichsverfahren des Ausbildungsbetriebes
  18. Ausbildungsbetrieb Fachrichtung Haltung & Service zusätzlich: Mindestpferdebestand 20 Pferde (Pension oder Betrieb), mehrere Reit- und/oder Fahrpferde (samt Gespann), regelmäßiger Kundenkontakt und Räume zur Kundenbetreuung/-beratung , z.B. Sattelkammer, Lehrraum, Aufenthaltsraum, Lehrtafel, Präsentationstechnik, Fachliteratur, Medien, usw., Auslaufplätze, Reitplätze, Fahrplätze (wenn Fahren), mind. 5 Hektar Weide
  19. Ausbildungsbetrieb Fachrichtung Zucht zusätzlich: min. 5 Pferde im aktiven Zuchteinsatz, regelmäßig tragende Stuten, betriebliche Nachzucht in allen drei Jahrgängen, Gruppenhaltung der Nachzucht, Reproduktion (Eigenbestandsbesamung) auch durch Azubis, Mitglied des Betriebes in einem Pferde- Zuchtverband, Auslaufplätze, Longierplatz, mind. 5 Hektar Weideland
  20. Ausbildungsbetrieb Fachrichtung Klassische Reitausbildung zusätzlich: mind. drei Dressur- und Springpferde (Dressur: Kandare, beginnende Versammlung, Springen: Parcours, 1,20 m Höhe), Räume zur Ausbildung von Kunden , z.B. Sattelkammer, Lehrraum, Aufenthaltsraum, Lehrtafel, Präsentationstechnik, Fachliteratur, Medien, usw., Reithalle, Außenplatz, Springparcours, Auslauf- und Bewegungsplätze.
  21. Ausbildungsbetrieb Fachrichtung Pferderennen zusätzlich: min. 10 Pferde im Training, ganzjähriger Trainingsbetrieb, Trainingsbahn !, Teilnahme am Rennen muss belegt werden, Anbindung an Rennbahn, ganzjährig zu nutzende Auslauf- und Bewegungsplätze
  22. Ausbildungsbetrieb Fachrichtung Spezialreitweisen Westernreiten zusätzlich: Mindestens drei Pferde die Stop, Spin, Backup, Seitwärts, Speedcontrol, Stangen L und Tor mit Bit oder Snaffle- Bit gehen. Räume zur Ausbildung von Kunden , z.B. Sattelkammer, Lehrraum, Aufenthaltsraum, Lehrtafel, Präsentationstechnik, Fachliteratur, Medien, usw., Reithalle, Außenplatz, Springparcours, Auslauf- und Bewegungsplätze, Material für Super- Horse- Aufgabe
  23. Ausbildungsbetrieb Fachrichtung Spezialreitweisen Gangreiten: Mind. drei Pferde, die Arbeitstempo Tölt bis Mitteltempo Tölt, Arbeits- bis Mitteltempo Trab, Mittelschritt, Arbeite- bis Mitteltempo Galopp, starkes Tempo Tölt bzw. Rennpass), Räume zur Ausbildung von Kunden , z.B. Sattelkammer, Lehrraum, Aufenthaltsraum, Lehrtafel, Präsentationstechnik, Fachliteratur, Medien, usw., Reithalle, Außenplatz, Ovalbahn, Auslauf- und Bewegungsplätze.