Ausbildungsalltag

6 Kommentare zu Ausbildungsalltag

  1. Martina Schonig sagt:

    Wie steht es um die Anerkennung der Abschlüsse, die bei der British Horse Society abgelegt werden können? Werden sie In Deutschland anerkannt? Und im Ausland?
    Besten Dank für Ihre Rückmeldung!
    Martina

    • Dietbert Arnold sagt:

      Ich will einmal, liebe Martina, Dir meine Meinung zu verdeutlichen.

      Die British Horse Society BHS ist die FN von Großbritannien und somit die Schwesterorganisation der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Beide FNs sind Sportverbände und somit nicht mit der Berufsausbildung befasst. Anders ausgedrückt: Die Prüfungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sowie der BHS sind reine Amateurausbildungen. Amateurausbildungen haben mit der öffentlich rechtlichen Berufsausbildung, z.B. zum Pferdewirt, nichts zu tun. Folglich ist es schwer, BHS- Abschlüsse, also Amateurabschlüsse für eine Berufsausbildung anzuerkennen.

      Nun ist das Ganze doch noch komplizierter, weil in Großbritannien gibt es keine öffentlich rechtliche Berufsausbildung zum Pferdewirt. Und nun kommt die EU in Spiel. Mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen EQR werden Abschlüsse des beruflichen Systems verglichen. Wenn Großbritannien bestimmte BHS- Abschlüsse für die berufliche Ausbildung anerkennt, dann muss es für diese Abschlüsse ein Europass- Zeugnis geben, in dem das Niveau genannt wird. Der Pferdewirt hat das Niveau 4, der Pferdewirtschaftsmeister Niveau 6. Wenn es also für eine BHS- Prüfung ein Europas- Zeugnis mit einer Niveau- Festlegung gibt, dann muss diese Ausbildung für die hiesige Berufsausbildung anerkannt werden. Niveau 4 ist überall in Europa als Niveau 4 anerkannt. Da siehst Du, dass Europa auch große Vorteile hat. Schaue mal oben unter „Europa“ in diesem Forum.

      Wenn es von der britischen Akreditierungsstelle kein Europas- Zeugnis gibt, dann ist es eine reine Amateurprüfung und wird meist nie für die Berufsausbildung anerkannt. Daran ändert sich nichts, auch wenn die Deutsche Reiterliche Vereinigung und die BHS ihre Amateurprüfungen gegenseitig anerkennen und verglichen haben. Aber wie gesagt: Amateure sind keine Berufler.

      Du hast jetzt meine private Meinung gelesen. Ich kenne nicht nur das Ausbildungssystem in Deutschland ganz gut, sondern auch die Situation in GB. Mag sein, dass eine Zuständige Stelle das anders sieht.

      Viele liebe Grüße
      Dietbert Arnold

  2. Jytte sagt:

    Hallo Herr Arnold ,
    ich hoffe , dass Sie mir nach meinem letztem etwas kritischem Beitrag noch antworten , denn dieses Mal habe ich wieder ein ganz konkretes “ Pferdewirt- Azubi- Problem “ welches ich hoffe mit ihrer Hilfe lösen zu können . 🙂
    Es geht um die Bereitstellung der Sicherheitsbekleidung . Der Arbeitgeber ist in diesem Fall kein Betrieb , sondern ein Bildungsträger , der natürlich keine Steuergelder verprassen soll aber es kann doch nicht sein , dass eine Hobby- Einsteiger – Ausrüstung , die für die ersten 5 Longenstunden okay ist vorgeschlagen wird . Eine Sicherheitsreitweste wird vom Träger als überflüssig abgelehnt …
    Auf Nachfrage der Ausbilderin im Praxisbetrieb , was denn wäre wenn das Mädchen fällt , erfolgte nur die lapidare Aussage , das könne dem Betrieb egal sein , sie sei ja über den Träger versichert … Damit überhaupt eine reiterliche Ausbildung stattfinden kann , bekommt die Auszubildende die notwendige Sicherheitsbekleidung nun leihweise vom Praxisbetrieb, was aber kein Dauerzustand sein kann , da die Leih – Ausrüstung nicht übrig ist und somit jemand anderem fehlt . Was soll der Betrieb jetzt machen ? Und was die Azubine ?
    Ich hoffe das sie Lust und Zeit für eine Antwort finden und verbleibe mit freundlichen Grüßen Jytte

  3. Dietbert Arnold sagt:

    Hallo liebe Jytte,

    was denkst Du denn von mir. Es ist einfach nur ein wenig später geworden mit der Antwort, ich hatte einen privaten Notfall abzuarbeiten und dann geht diese Arbeit einfach mal vor.

    Du hast völlig Recht, der Arbeitgeber hat eine persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen. Richtig, auch Schulen und sogar auch Kindergärten sind Arbeitgeber. In Deinem Fall ist der Arbeitgeber ein privater Bildungsträger. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ist die gesetzliche Unfallversicherung, hier gibt es verschiedene Träger, die Verwaltungsberufsgenossenschaft (www.vbg.de). Die kennen sich übrigens mit den Pferden ganz gut aus, weil da sind auch die Reitvereine unfallversichert. Die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) gelten deutschlandweit für alle gesetzlichen Unfallversicherungen. Wie gesagt, die sagen, dass gefährliche Arbeiten, und dazu gehört ganz besonders der Umgang mit dem Pferd, ganz besonders abgesichert werden müssen. Z.B. Sicherheitsschuhe, Reitbekleidung, Sicherheitsweste, Heilhelm, Handschuhe, usw.. Diese persönliche Schutzausrüstung ist dem Arbeitnehmer vom Arbeitgeber kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Nicht zu schenken! Natürlich dürfen die Sachen auch gebraucht sein, wenn in Ordnung und zumutbar. Ich empfehle Dir dringend, Dich mit dem technischen Aufsichtsdienst der VBG in Verbindung zu setzen. Das sind diejenigen Mitarbeiter, die die Betriebe überwachen und bei Unfällen ermitteln. Genau die können Dir sagen, welche Anforderungen die an die persönliche Schutzausrüstung von Deinen Reitanfängern stellen. Wenn das mit dem, was Deine Reitschüler haben, nicht übereinstimmt, dann sage dem technischen Aufsichtsdienst, dass sie „Deinen“ Bildungsträger bitte anweisen, ihre Schüler (= Arbeitnehmer) nach den Vorschriften der Unfallverhütungsvorschriften (UVV) auszurüsten. Frage den technischen Aufsichtsdienst bitte, wie DU Dich denn verhalten sollst, wenn die schlecht ausgerüstet erscheinen? Wahrscheinlich werden die Dir sagen, dann darfst Du sie nicht an und auf das Pferd lassen.

    Du siehst also, Lust zu antworten ist immer da, mit der Zeit kann es auch mal schwieriger werden.

  4. Jule sagt:

    Guten Tag, ich habe mal eine etwas anders geartete Frage, undzwar habe ich eine Ausbildung angefangen, diese jedoch aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung abgebrochen. Nun arbeite ich seit 4 Jahren an mir selbst, habe eine Betreuerin und so weiter und mit dieser versuche ich mich nun zu orientieren was ich gerne machen würde. Da ich 20 Jahre Reiterfahrung habe, kam ich auf die Idee eine Ausbildung zur Pferdewirtin zu machen.. Nun habe ich also recherchiert und Ihre Seite gefunden.. Mir quasi alles durchgelesen und obwohl ich vorhin noch so motiviert war wird mein Gesicht nun immer länger.. Ist es wirklich so schlimm was Überstunden und arbeiten bis zum Umfallen angeht und für jemanden wie mich eher nicht zu empfehlen? Ich weiß leider nicht wirklich wie belastbar ich bin, ob ich es wirklich schaffen würde jeden Morgen aufzustehen und so weiter..

    Würden Sie mir eher davon abraten dieses Ziel zu verfolgen?
    Ich bin mir direkt unsicher :/

    Beste Grüße,
    Jule

  5. Dietbert Arnold sagt:

    Hallo Jule,

    Einen Rat kann ich Dir auf keinen Fall geben, dafür kenne ich Dich nicht.

    Richtig ist, dass im Beruf Pferdewirt und auch in der Ausbildung in 90% der Betriebe mit einer 48 – 50 Stundenwoche zurechnen ist, aber nur für 38 h in der Woche bezahlt wird. Ich weiß aus Erfahrung, dass das selbst für „taffe“ Azubis oft zu viel ist.

    Lasse uns einfach nur ehrlich miteinander überlegen: Nicht umsonst hast Du eine Betreuerin und deshalb musst Du genau herausfinden, ob das mit Dir und der Pferdewirtin gut geht. Mache da mal ein paar Fragezeichen dran.

    Jetzt kommt aber das berühmte aber: Pferde können schon mal erhebliche positive Wirkungen auf Dich und Deine sensible Psyche ausüben. Das allerdings nur, wenn auch das Umfeld, also der Betrieb dazu passt. Wenn Du so einen Betrieb findest, kann das klappen. Aber nur, wenn alles bei Dir und beim Betrieb rund läuft.

    Einen Fehler darfst Du nicht tun: Du hast eine Schwäche. Da gibt es nichts zu beschönigen. Aber deshalb darst Du nicht in Sack und Asche gehen, und in der Hoffnung, überhaupt einen Ausbildungsbetrieb zu finden, große Kompromisse machen, wie, ich arbeite auch umsonst, ich stelle keine Forderungen, die Hauptsache, ich darf bei den Pferden sein. Diese Haltung wäre ziemlich verständlich, aber grundfalsch. Gute Betriebe, die Dir eine Chance geben könnten, die würden so etwas nie tun, die würden Dich ganz normal ausbilden wollen und Dich wertschätzen.

    Was solltest Du jetzt aus meiner Sicht tun? Praktika in verschiedenen Betrieben, um herauszufinden, ob Du im richtigen Beruf bist oder nicht. Die Praktika sollten nie länger als 14 Tage sein, schließlich sollst Du nicht die Mitarbeiterin für lau werden. Wird nämlich gerne genommen. Wer Dir freudestrahlend erst mal ein Jahrespraktikum anbietet, der ist nur an Deiner Arbeitskraft interessiert. Kommt nicht selten vor, ist aber nur strafbare Schwarzarbeit.

    Ich würde mich freuen, wenn das bei Dir klappen würde. Mache Dir aber nichts vor, die Wahrscheinlichkeit, dass Du in diesem Beruf scheitert, ist nicht unwahrscheinlich. Das ist dann keine Niederlage sondern eine wertvolle Erfahrung, dass dieser Beruf zwar verlockend zu sein scheint, für Dich aber nun gerade nicht der richtige ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.