Unfall: Kündigung?

n.n.:

Montag, 25. Februar 2013

Hallo,
ich hoffe das ist ok wenn ich einfach so meine Fragen schreibe.
Ich bin Auszubildene im Schwerpunkt Reiten und habe mir vor 3 Monaten bei einem Sturz vm Pferd eine schwere Verletzung zugezogen. Ich bin jetzt seid 3 Monaten krank und es wird wohl auch noch etwas dauern.
Jetzt versucht mein Ausbilder mich zu zwingen den Vertrag aufzulösen, was natürlich nicht in meinem Sinne ist. Anfangs wurde mir im Krankenhaus gesagt, dass ich wohl nie wieder Reiten kann. Daraufhin habe ich meinem Ausbilder gesagt, dass ich die Ausbildung nicht beenden kann, ich aber nicht sofort die Vertragsauflösung möchte solange ich noch krank bin, da ich auch auf das Krankengeld angewiesen bin.
Jetzt verheilt mein Fuß besser als angenommen und es besteht eine Chance vielleicht doch wieder einsteigen zu können. Als mein Ausbilder das erfahren hat, ist er sehr sauer geworden da er sich darauf verlassen hat, dass ich nicht wieder komme. Jetzt hat er mir eine Frist von 3 Tagen gegeben um ihm zu sagen wann und ob ich wieder komme, oder er kündigt mich. Ich wünschte ich könnte ihm das sagen aber ob und wann ich wieder arbeiten kann weiß noch nicht einmal mein Arzt. Er sagt mir er möchte einen neuen Lehrling einstellen und kann dies nur wenn wir den Vertrag auflösen, wenn ich jedoch wiederkommen will, soll ich ihm diesbezüglich ein verbindliches Datum geben wann ich wieder einsteige. Ich bin ziemlich verzweifelt, denn ich möchte wenigstens die Option haben die Lehre zu beenden. Hätte auch nur noch ein Lehrjahr vor mir.
Was kann ich tun? Kann er mich einfach so kündigen?
Vielen Dank für die Hilfe!!!

RTH

Auch ein langer Ausfall nach einem Unfall ändert nach der Probezeit nichts an dem Kündigungsschutz während der Berufsausbildung.

Dietbert Arnold:

Montag, 25.Februar 2013

Liebe n.n. (ich habe Deinen Namen mal weggelassen),

Du hast einen Unfall mit einem Pferd erlitten. Da stellt sich sofort die Frage: War das ein Arbeitsunfall oder war das ein Privatunfall?

Egal ob ein privater oder dienstlicher Unfall, Dein Berufsausbildungsverhältnis besteht!! Ich gehe davon aus, dass die Probezeit beendet ist und somit der Berufsausbildungsvertrag unkündbar ist. Er endet, egal ob Du wieder gesund bist oder nicht, mit dem im Vertrag geschriebenen Enddatum. Da anzunehmen ist, dass Du keine silbernen Löffel geklaut hast und nicht schon abgemahnt wurdest, kann das Berufsausbildungsverhältnis nur vorzeitig beendet werden, wenn Dein Ausbilder und Du einen Aufhebungsvertrag unterschreiben oder Du sagst, Du willst den Beruf Pferdewirt verlassen und einen anderen Beruf lernen.

Also noch einmal: Kein Unfall kann dazu führen, dass Du nach der Probezeit gegen Deinen Willen entlassen wirst!

Nehmen wir an, es war ein Privatunfall: Du wirst nach 6 Wochen kein Azubigehalt mehr bekommen, sondern ein reduziertes Krankengeld von der Krankenversicherung. Das hat übrigens mit Deiner Anstellung als Azubi überhaupt nichts zu tun. Lediglich die Lohnfortzahlung des Betriebes endet nach 6 Wochen. Und wenn Dich ein Arzt ganz lange krank schreibt, dann endet Dein Ausbildungsvertrag frühestens mit dem Ende des Ausbildungsvertrages.

Wäre aber besser, es wäre ein Arbeitsunfall gewesen. Dann bezahlt die gesetzliche Unfallversicherung nach 6 Wochen Dein gesamtes Ausbildungsgehalt. Ohne Abzüge. Wenn die Ärzte feststellen sollten, dass der Beruf nicht mehr von Dir ausgeübt werden kann, dann wird Dich die Unfallversicherung umschulen, eventuell sogar eine Rente zahlen. Die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung enden erst, wenn sie nicht mehr nötig sind, haben also mit dem Ausbildungsende nichts zu tun. Dein Ausbildungsvertrag endet auch, wie beim Privatunfall, mit Ende des Berufsausbildungsvertrages.

Was tun?

  • Lasse Dich niemals von Deinem Ausbilder nötigen!
  • Unterschreibe nichts! Sage nichts!
  • Weise nur nach, dass Du noch arbeitsunfähig bist (gelber Schein oder Krankenhausbescheinigung).
  • Und wenn Dich Dein Ausbilder tausendmal drängt, sage einfach, dass es noch nicht fest steht, wie es weiter geht.
  • Ich rate Dir dringend, Kontakt mit der IG BAU aufzunehmen, dort Mitglied zu werden und Dich dann von denen rechtlich vertreten zu lassen. Im Augenblick können eventuell Entscheidungen von Dir getroffen werden, deren lebenslange Tragweite Du vielleicht gar nicht übersehen kannst.
  • Das übrigens, was Dein Ausbilder da mit Dir macht, dass er Dich auf Deubel komm raus los werden will, könnte sogar Nötigung sein. Wenn das so wäre, dann wäre das sogar eine Straftat. Also, lasse Dich niemals treiben von Deinem Chef!
  • Und dann kontrollierst Du auch noch, ob Dir Sachleistungen, wie Wohnen und Essen abgezogen werden. Die müssen natürlich während der Krankheit, wenn Du sie nicht in Anspruch nimmst, zurückgezahlt werden!
  • Und noch etwas: Natürlich steht Dir nach der Krankheit der normale Urlaub zu. So, als wenn Du nicht krank geschrieben gewesen wärest.
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