Urlaub als Quereinsteigerin

  • J.K.

Meine Tochter arbeitet seit 1 Jahr auf einem Gestüt. Sie hat einen Anstellungsvertrag und möchte als Quereinsteiger bei der Kölner Pferdeakademie den Pferdefachwirt machen. Im Arbeitsvertrag steht folgendes: wöchentliche Arbeitszeit 40 Std., 6 Arbeitstage pro Woche. Gesetzliche Feiertage gelten als Arbeitstage. Jahresurlaub 24 Werktage. Sie arbeitet am Wochenende abwechselnd Samstag oder Sonntag. Meine Frage lautet, muss ein Ausgleich für die Arbeit an Sonn- und Feiertage gewährt werden? Ist es richtig, dass ihr 6 Urlaubstage für 1 Woche Urlaub angerechnet werden?

Danke für Ihre Hilfe,

  • Dietbert Arnold

Das mit der Arbeitszeit im Pferdebereich ist immer problematisch, weil viele Arbeitgeber glauben, dass Gesetze nicht in Pferdebetrieben gelten. Zum Glück gibt es dasArbeitszeitgesetz. Grundsätzlich darf nicht mehr als 8 Std. am Tag gearbeitet werden. Wenn im Vertrag steht, dass die Arbeitswoche aus 6 Tagen besteht, dann ist der Samstag ein Werktag (und zählt natürlich auch zur Urlaubszeit). Eines ist aber auch sicher: mehr als 40 Std. darf es auch an 6 Tagen nicht sein, wenn die Arbeitszeit 40 Std. laut Vertrag gilt. An Sonn- und Feiertagen dürfen laut Gesetz keine Arbeitnehmer beschäftigt werden. Natürlich gelten Ausnahmen. So z.B. in Krankenhäusern, bei der Polizei und Feuerwehr und in der Tierhaltung. Das heißt aber nicht, dass diese Zeit zusätzlich gearbeitet werden muss. Innerhalb von 14 Tagen sind die an Sonn- und Feiertagen geleisteten Stunden grundsätzlich mit Freizeit auszugleichen! Also, wer Heiligabend und Sylvester arbeitet, bekommt einen je einen halben Tag und wer an den Weihnachtsfeiertagen und Neujahr arbeitet, bekommt je einen ganzen Tag gutgeschrieben und hat diese zusätzliche Freizeit innerhalb von 14 Tagen zu bekommen. Wie soll es auch anders sein, denn auch Pferdewirte haben Anspruch auf Sonn- und Feiertage. Auch wenn viele Chefs das nicht wahr haben wollen. Und dann gibt es da noch eine wichtige Vorschrift: 15 Sonntage im Jahr müssen auch für Pferdewirte komplett frei sein!

So, jetzt noch ein Wort zur Kölner Pferdeakademie: Das ist eine private Einrichtung außerhalb der offiziellen Berufsausbildung des Staates. Folglich zählen die Abschlüsse nicht bei Abschlussprüfungen, Meisterprüfungen oder zum Hochschulbesuch. Der Pferdefachwirt ist einfach ein frei erfundener Titel der Akademie. Deine Tochter ist auch nach dieser „Ausbildung“ weiterhin ungelernte Arbeiterin.

Dadurch wird für Deine Tochter keine Durchlässigkeit im Bildungssystem entstehen, also z.B. Pferdewirt – Pferdewirtschaftsmeister – Hochschustudium. Bereits zwei Jahre nach dem Pferdewirt kann der Meister gemacht werden, egal in welchem Schwerpunkt, und danach ist die Hochschulreife erlangt.

Deine Tochter macht für viel Geld eine „Ausbildung“, bleibt aber Ungelernte. Das ist nicht gut, denn alle Untersuchungen sagen, dass Ungelernte ein wesentlich höheres Risiko der Arbeitslosigkeit haben werden. Ihr dürft auch nicht vergessen, dass Ungelernte wohl kaum mehr als 1500.- EUR brutto bekommen werden und demnach im Alter oder im Krankheitsfall auf die Grundversorgung (Sozialhilfe) des Staates angewiesen sein werden. Über die Gründung einer Familie wollen wir erst gar nicht reden.

Du siehst, es ist problematisch, was Ihr da vorhabt. Wenn Ihr das wisst, dann müsst Ihr diesen Weg gehen. Meinen Kindern hätte ich diesen Weg nicht empfohlen.

Eines solltet Ihr aber nicht vergessen: Deine Tochter „muss“ natürlich in die IG BAU, denn wer berät und kämpft für sie? Ich kann das hier nur grundsätzlich und habe mein Wissen als Mitglied dieser Pferdewirtgewerkschaft erworben. Die IG BAU bietet im Notfall nicht nur kompetente Beratung sondern auch Rechtsschutz. Und der ist im Pferdebereicht oft bitter nötig.

  • J.K.

Danke für die schnelle Antwort. Wie wird denn der Urlaub korrekt abgerechnet, wenn man abwechselnd Samstag oder Sonntag arbeitet, sind es z.B. für 2 Wochen Urlaub 12 oder 11 Urlaubstage (bei 6 Tage-Woche)?

Weiterhin ist mir nicht ganz klar, wie die Regelung mit dem Sonntag ist. Alle 2 Wochen wird am Sonntag gearbeitet und der Samstag ist frei. Wenn es dann für den Sonntag einen freien Tag gibt, hat man doch seine 40 std. nicht voll in dieser Woche.

Wie man ja in den verschiedenen Foren liest, halten sich viele Betriebe nicht an 40 Std.-Woche oder Arbeitszeitgesetz.

Bei meiner Tochter bleibt es weitestgehend im Rahmen. Auch ist sie nicht ¾ des Tages mit misten beschäftigt sondern kümmert sich hauptsächlich um die Pferde und erhält regelmäßig Reitunterricht.

Das die Ausbildung an der Kölner Pferdeakademie nicht ganz billig, ist richtig. Aber in den Kursen wird der Stoff der Berufsschule vermittelt, den man nur schwer selbst erarbeiten kann. Nach 4,5 Jahren sollte man dann die Prüfung ein zweites Mal vor der Landwirtschaftskammer ablegen ist dann staatlich anerkannter Pferdewirt. Der Pferdefachwirt soll bei Behörden bereits anerkannt werden, falls man sich selbständig machen möchte (stand so in der Presse).

  • Dietbert Arnold

Der Samstag ist normaler Arbeitstag. Wenn am Sonntag gearbeitet wird und dafür als Ausgleich der Samstag frei ist, dann ist alles gut. Bei einer vertraglich vereinbarten 6-Tage-Woche ist eine Urlaubswoche 6 Tage. In diesem Falle ist in einer Woche Mo Di Mi Do Sa und in der anderen Woche Mo Di Mi So Arbeitszeit und somit je 6 Tage zu je 40 Std. Wenn also urlaub gewährt wird, dann zählt eine Urlaubswoche 6 Tage. Wenn an Feiertagen gearbeitet wird, dann muss hierfür extra Freizeit gewährt werden. Feiertage sind keine anrechenbare Urlaubstage.

Ich verstehe immer noch nicht, warum Deine Tochter keine normale Berufsausbildung macht. Gut, dass müsst Ihr wissen. Ich sehe das kritisch. Aber eines ist sicher: Von Behörden wird gar nichts anerkannt. Das einzige, was Du vielleicht meinst, ist der sog. Sachkundenachweis zur Pferdehaltung, den ungelernte Leute gem. Tierschutzgesetz benötigen, um hauptberuflich Pferde zu halten. Dieser sog. Sachkundenachweis, den der Amtsveterinär haben möchte, ist ein Kurzlehrgang von max. 1 Woche. Das hat mit professioneller Ausbildung nichts zu tun. Das sind Minimalvoraussetzungen, damit das Tierschutzgesetz erfüllt wird. Das ist bei der Kölner Akademie teuer erkauft! So ein Sachkundenachweis ist mit weniger als 500 EUR in der Tasche! Gut, Du kennst jetzt meine Bedenken. 

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