Arbeitszeitgesetz (ArbZG)

Arbeitszeitgesetz (ArbZG)

Keine Chance für Sklaventreiber!

Die wichtigsten Bestimmungen

  • Tägliche Arbeitszeit  8 Std. (Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.)
  • Die Arbeitszeit beginnt und endet am eigentlichen Arbeitsplatz
  • Der Weg zur und von der Arbeit gehört nicht zur Arbeitszeit.
  • Ruhepausen müssen sein! 6-9 h Arbeitszeit: 30 min, 9-10 h Arbeitszeit: 45 min. Mindestpausenlänge bei Pausenteilung: 15 min, nach 6 h Arbeitszeit muss Pause eingelegt werden. Ruhepausen sind keine Arbeitszeit und werden nicht entlohnt.
  • Mindestens 15 Sonntage müssen frei sein im Jahr
  • Für Arbeit an Sonn- und Feiertagen muss es innerhalb von zwei Wochen Ersatzruhetage geben
  • Arbeitszeitgesetz muss im Betrieb ausgelegt/ausgehängt werden
  • Arbeitszeitnachweise müssen vom Betrieb geführt und zwei Jahre aufbewahrt werden
  • Gewerbeaufsichtsämter überwachen das Arbeitszeitgesetz und nehmen Hinweise auf Gesetzesverstöße entgegen
  • Gesetzesverstöße werden von den Gewerbeaufsichtsämtern mit Bußgeldern geahndet
  • [Eine Liste der Gewerbeaufsichtsämter in Deutschland findet man hier]
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8 Antworten zu Arbeitszeitgesetz (ArbZG)

  1. I. Synom sagt:

    Ich habe da mal eine dringende frage und zwar wie sieht es aus wenn mein vertrag mit 48std nicht durchgekommen ist sondern laut landwirtschaftskammer mit 40 std im monat ???

    Lg

  2. Dietbert Arnold sagt:

    Das ist eigentlich ganz einfach. Die Zuständigen Stellen unterschreiben in Deutschland generell keine Ausbildungsverträge mit mehr als 40h/Woche. Wenn in Deinem Ausbildungsvertrag 48h/Woche steht, dann wird dieser Vertrag nicht gültig. Entweder der Betrieb kürzt die Wochenarbeitszeit oder der Ausbildungsvertrag wird nicht gültig. Punkt.

    Jetzt mal meine unerhebliche Meinung: Ein Betrieb, der einen derartigen Berufsausbildungsvertrag ausfüllt, der ist nicht seriös. Du kannst froh sein, dass die Zuständige Stelle das verhindert. Auch wenn Du jetzt vielleicht noch kein Verständnis für die Zuständige Stelle haben solltest, aber drei Jahre sind eine lange Zeit, die es gilt körperlich durchzuhalten. Ich habe da so viele Jahre Erfahrungen, wie solche Überforderungen ausgehen. Mal so eine kleine Zusatzfrage: Ist der regelmäßige Berufsschulbesuch fest vereinbart?

    Ich sage Dir ganz ehrlich: Finger weg von solchen Betrieben!

    Viele liebe Grüsse
    Dietbert Arnold

  3. n.n. (Name dem Admin bekannt) sagt:

    Hallo

    mit großem Interesse lese ich ihre Seite im Internet. Unser Kind macht seit einigen Monaten eine Ausbildung zum/zur Pferdewirt/in. Unser Kind ist volljährig. Lebt für diesen Beruf. Ist talentiert und kann arbeiten bis zum Umfallen.
    Wir kommen aus der „Reiterszene“ ….Wissen um die dort herschenden Zustände, und haben uns bei der Auswahl eines Lehrbetriebes die größte Mühe gegeben.

    Im Gegensatz zu anderen Lehrbetrieben haben wir wohl noch das große Los gezogen. Zumindest was die fachliche und reiterliche Ausbildung anbelangt. Da können und dürfen wir uns nicht beschweren….merken aber doch…Was nützt die beste Ausbildung wenn der Mensch irgendwann einfach nicht mehr kann.

    So gibt es das eine oder andere Problem welches geklärt werden sollte. Das ist einfach der Gesunderhaltung der Auszubildenen dort geschuldet. Daher meine Fragen :

    1. In dem Ausbildungsvertrag steht eine wöchentliche Arbeitszeit von deutlich über 40 Stunden. Überstunden werden gesondert abgegolten.
    Der Vertrag wurde bei der Landwirschaftskammer vorgelegt und für ok befunden. Ist das Rechtens?

    2. Wer Urlaub einreicht muss eine Ersatzperson bestimmen welche in der Zeit zusätzlich die Arbeiten wie Misten / Pferde rein und raus bringen übernimmt. Findet man keinen willigen anderen Azubi wird der Urlaub nicht genehmigt.

    3. Die Arbeitszeiten:
    Montag ist 8 Stunden Schule. Fahrzeit mindestens 1 Stunde. Anschließend noch mindestens 2 Stunden Stallarbeit.

    Dienstag bis Freitag: Reine Arbeitszeit sind 8.5 Stunden. Zusätzlich kommen die Pausen.

    Arbeitszeit durchgehendes Wochenende :
    Samstag 11 Stunden abzüglich 2.5 Stunden Pause.
    Sonntag 10,5 Stunden Uhr abzüglich 4.5 Stunden Pause.

    Arbeitszeiten kurzes Wochenende:
    Samstag 5,5 Stunden Uhr abzüglich 0.5 Stunden Pause.

    Geplant ist

    1 Wochenende arbeiten
    1 Kurzes Wochenende
    1 Wochenende arbeiten
    1 Wochenende frei

    Wenn der März vorbei ist wird unser Kind 26 Tage an einem Stück gearbeitet haben.
    ABER:
    Feiertage gibt es nicht. Diese gelten als normale Arbeitstage.
    Es gibt Auszubildene in diesem Betrieb die arbeiten nun vier Wochen an einem Stück durch. Ohne einen einzigen Tag Pause oder Urlaub gemacht zu haben. Freie Wochenenden werden nämlich gerne mal kurzfristig ersatzlos gestrichen. Keiner zählt die Überstunden die in einem Pferdebetrieb immer anfallen.

    Muss / Soll man dieses Vorgehen stillschweigend hinnehmen? Ich nenne das modernes Sklaventum. Wer sich beschwert weil er nicht mehr kann dem wird im Besten Fall lapidar gesagt…..selber Schuld hast dir den Job doch ausgesucht. Oder angeschrien oder mit Konsequenzen gedroht.

    Mein Rat an die Azubis dort wäre….führt täglich Buch über eure Arbeitszeiten und Pausen. Habt ihr ein repräsentatives Ergebnis versucht ein vernünftiges Gespräch mit eurem Chef.

    Aber wie sieht das aus mit denn Sonntagen für die es eigentlich zeitnah einen Ausgleich geben müsste?

    Was ist mit den Diensten welche erst um 22.15 Uhr enden. Am nächsten Tag geht es dort pünktlich für alle um 07.00 Uhr wieder los.

    Was ist mit den Feiertagen? Auch hier müsste es doch einen anderen freien Tag als Ausgleich geben.

    Keiner der anderen 20 Auszubildenen in der Klasse muss nach der Schule zurück in den Dienst.

    Wer sorgt eigentlich für die Einhaltung der Gesetzte, welche ja auch für den Pferdewirt greifen müssten.

    Das sind viele Fragen welche auf Dauer zu klären sind. Vielleicht haben Sie einen Rat?

    Liebe Grüße

    nn

    • Dietbert Arnold sagt:

      Hallo n.n. (Du weisst schon, wen ich Dich meine),

      es ist immer wieder zum Verzweifeln, wie wenig sich die Chefs im Pferdebereich an Recht und Gesetz halten. Die verhalten sich teilweise noch wie Großgrundbesitzer und behandeln ihre Azubis wie Knechte und Mägde.

      Deine Tochter ist volljährig, das dürfen wir hier bei der Diskussion nicht vergessen. Natürlich gilt für Azubis genau das Arbeitszeitgesetz. Da steht, dass pro Werktag (Mo. – Sa.) nicht mehr als 8 h täglich ausgebildet werden dürfen. Also max 48 h in der Woche. Also: Ein Ausbildungsvertrag mit 45 h/Woche ist rechtmäßig. Es gab mal das Übereinkommen, dass die Zuständigen Stellen nicht mehr als 40 h/Woche dulden und unterschreiben. Das ist hier nicht der Fall gewesen. Da scheint die Zuständige Stelle eingeknickt zu sein. Muss wohl ein großer Name im Reitsport sein, der da die 45 Stunden durchgeboxt hat. Das wird jetzt kein Einzelfall mehr bleiben. So ist das, wenn eine Aufsichtsbehörde keinen Hintern in der Hose hat. Zwischen den Arbeitstagen müssen immer mindestens 11 h zusammenhängende Ruhepausen herrschen. (Der ganze Text steht oben im Reiter „Gesetzliche Grundlagen“)

      Überstunden, bei Eurem Vertrag ab 45h/Woche, müssen bezahlt werden. Allerdings gibt es kein Recht auf zusätzliche Zuschläge.

      Die Berufsschulstunden (incl. der Pausen) sowie der Wegezeit zur Schule müssen bezahlt freigestellt werden. Wenn die Schule beendet ist, muss Deine volljährige Tochter wieder in den Betrieb zurückkehren und so lange dort arbeiten, bis die 8 h erreicht sind. Das gilt auch, wenn die Schule ganz oder teilweise ausfällt. Dann muss sie zurück in den Betrieb.

      Natürlich haben Azubis auch Urlaub. Es bleibt mir die Luft weg, wenn ich höre, dass Deine Tochter nur Urlaub machen darf, wenn sie Ersatz findet. Eine absolute Sauerei! Ebenso MUSS es für Feiertage einen Freizeitausgleich geben, ebenso für Sonntage, an denen gearbeitet werden muss. Übrigens: Mindestens 15 Sonntage müssen frei sein. Die anderen Sonntage dürfen gearbeitet werden, es muss dafür aber ein anderer Wochentag komplett frei sein.

      Wer hilft Dir und Euch?
      Nicht der Ritter auf dem weißen Pferd! Da muss man/frau sich schon ein wenig selber helfen, damit andere dann unterstützen können.
      1. Zuständige Stelle. Nach dem Berufsbildungsgesetz überwachen die Zuständigen Stellen die Berufsausbildung und müssen einschreiten, wenn das Berufsausbildungsgesetz und die entsprechenden Arbeitsschutzgesetze (Arbeitszeit, Urlaub, Arbeitssicherheit, Jugendschutz, usw.) verletzt werden.
      2. Gewerbeaufsichtsämter. Die müssen Hinweisen nachgehen und sie müssen Hinweise auf Wunsch anonym bearbeiten.
      3. Einen großen Bruder, der sich auskennt und der immer dann hilft, wenn es brennt, den gibt es in der Berufsausbildung. Das sind nämlich die Gewerkschaften, die Euch beraten und notfalls auch einmal kostenfreien Rechtsschutz bieten. Einem großen Bruder, der einem immer hilft, dem gibt man auch mal ein Bier aus und viel mehr kostet der monatliche Beitrag für Azubis bei der IG Bauen Agrar Umwelt auch nicht. Wer es jetzt immer noch nicht weiss: Die Gewerkschaft für die Pferdewirte heißt IG Bauen Agrar Umwelt. Kleiner Tipp: Schlagt doch einmal als Schüler vor, dass ein Vertreter der IG Bauen Agrar Umwelt mal zu Euch in den Unterricht kommt und mit Euch über die Arbeitsschutzgesetze und die Möglichkeiten sich gegen den Missbrauch zu wehren diskutiert. Das ist sinnvoller, hilfreicher Politikunterricht.
      Übrigens: Überall dort, wo sich viele Azubis einer Gewerkschaft angeschlossen haben, wird ordentlich bezahlt, gibt es geregelte Arbeitszeiten, werden Überstunden entlohnt, darf die Berufsschule besucht werden und sind die Abbrecherquoten nur halb so hoch wie bei den Pferdewirten.

      Es ist einfach so: Wenn Ihr alleine vor dem schreienden Chef steht, dann habt Ihr verloren. Wenn der Chef aber weiß, dass morgen die Gewerkschaft in seinem Büro steht, dann sieht das schon anders aus. Entweder Ihr tut was oder Ihr bleibt Knechte und Mägde und die Großgrundbesitzer. Arbeit nach Gutsherrenart.

      • n.n. (Name dem Admin bekannt) sagt:

        Wir werden nun in Ruhe darüber nachdenken wie es weiter gehen wird. Als erste Maßnahme sind wir nun Mitglied in der IG Bau geworden. Die Arbeitszeiten wird unsere Tochter ab sofort genau notieren. Es geht uns nicht um Kleinigkeiten, es geht um grundsätzliches. Dann wird ein Gespräch mit dem Chef unausweichlich sein. Wir werden schauen wie man dann reagieren wird. Fakt ist….schlechte Arbeitsbedingungen gibt es sicher auch anderswo. Da brauchen wir nicht an diesen festzuhalten. Unsere Tochter wird Pferdewirtin werden weil es ihr Leben ist. Den geeigneten Betrieb zu finden wird dann unsere vorangige Aufgabe sein.

        Liebe Grüße und vielen Dank!

        • n.n. (Name dem Admin bekannt) sagt:

          Unbekannterweise drücke ich Ihnen die Daumen und ich finde es wunderbar, dass Ihre Tochter der Gewerkschaft beigetreten ist und sich ein Gespräch mit ihrem Chef zu diesem Thema zutraut.

          Meine Tochter hat Ähnliches erlebt – nur leider war nicht einmal die Qualität der Ausbildung besonders positiv zu bewerten – und hat aber leider nur still leidend die Zähne zusammengebissen bis zur Abschlussprüfung.

          Trotz Übernahmeangebot hat sie dann sofort den Betrieb gewechselt und ist mit den Arbeitsbedingungen beim neuen Arbeitgeber bisher weitgehend zufrieden – es gibt also nicht nur die rabenschwarzen Schafe, aber zumindest dunkelgrau sind in dieser Branche wohl leider die meisten – und sei der Name noch so bekannt!

          Alles Gute Ihnen!

  4. Emmeran sagt:

    Leider erleben wir mit unserer Tochter gerade genau die selben Probleme, wie sie hier geschildert werden. Das zuständige Amt, reagiert nicht, ganz im Gegenteil. Der „Präsident“ dieses Amtes hat uns auch noch mitgeteilt, dass unsere Probleme nicht existieren und alle vorgetragenen Beschwerden haltlos sind. Es ist traurig, dass diese Ausbildungsbetriebe von öffentlicher Seite auch noch geschützt werden. Auf geltendes Recht wird keine Rücksicht genommen.
    Unsere Tochter überlegt, ihren Traumberuf aufzugeben. Schade, denn so werden die nötigen Fachleute leider nicht herangezogen.

    • Dietbert Arnold sagt:

      Ich kann Deinen Ärger gut verstehen. Dennoch wäre es gut, wenn Du von verlässlicher und vertrauensvoller Seite beraten wirst, ob Deine Einschätzung richtig ist. Dann wüsstest Du, ob die Zuständige Stelle mauert, den Schreibtisch sauber hält und mit den Betrieben mauschelt. Dagegen kannst Du dann mit Sicherheit vorgehen und die Chancen z.B. vor dem Verwaltungsgericht oder der Dienstaufsicht stehen in solchen Fällen nicht schlecht.

      Solche Beratungen und auch Rechtsschutz bieten natürlich die Gewerkschaften kostenfrei für ihre Mitglieder an. Deshalb wäre es super wichtig, wenn Eure Tochter Mitglied ihrer zuständigen Gewerkschaft wird. Für kleines Geld gibt es den maximalen Schutz einer starken Gewerkschaft. Du kannst davon ausgehen, dass die Gewerkschaft immer auf der Seite der Arbeitnehmer steht. Und glaube es mir, wenn der „Präsident“ ein Schreiben mit Klageandrohung von der Gewerkschaft erhält, dann werdet ihr nicht mehr abgewimmelt.

      Und ob die Arbeitsbedingungen im weiteren Berufsleben einer Pferdewirtin besser werden, darf mit leider ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit bezweifelt werden. Zum Erwachsenwerden gehört auch sich mit Realitäten auseinanderzusetzen, damit der Traumberuf nicht zum Albtraumberuf wird. Ein Plan B in der Tasche zu haben ist sicher hilfreich. Die meisten Azubis verlassen spätestens nach der Prüfung den Beruf, total ernüchtert, gedemütigt von ihren Chefs. Ich kann das verstehen. Sollen die Chefs doch selber misten!

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