Unbezahltes Jahrespraktikum ist Schwarzarbeit!

  • H.H. Jörgensen (Besitzertrainer, Ausbilder)

Um allen Irrtümern vorzubeugen: Die deutschen Steuer- und Sozialgesetze gelten auch auf Reit- und Rennbahnen. Ein freiwilliges Praktikum (nicht Schul- oder Studiumspraktikum) ist ein ganz normales steuer- und versicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Das bedarf gemäß Nachweisgesetz eines Arbeitsvertrages. Gibt es keinen, oder einen sittenwidrigen und damit nichtigen, liegt im Arbeitsgerichtsverfahren die Beweislast für die Vereinbarung „kein Barlohn“ beim Arbeitgeber. Da wird er sich schwer tun. Die Drohung eines Arbeitgebers mit Schadenersatzansprüchen gegenüber Praktikanten, die vorzeitig kündigen, ist schlicht lächerlich. Auch wenn der Betrieb sich nicht als Ausbeuter sondern Wohltäter versteht, er handelt mächtig blauäugig, denn er muss mit erheblichen Steuer- und Sozialversicherungs-Nachzahlungen rechnen. Der Praktikant bei Kost und Logis und mitgebrachtem Pferd ist ja nicht völlig lohnlos geblieben. Er hat laut Sachbezugsverordnung durch Kost und Logis im Monat 440,00 Euro erhalten. Hinzu kommt die Pension für sein Pferd mit 250 Euro plus 19% Umsatzsteuer. Die 47,50 Euro Umsatzsteuer muss der Betrieb melden und nachzahlen Das macht zusammen ein Nettolohn von 737,50 Euro, also schon außerhalb der Geringfügigkeitsgrenze und Gleitzone. Wohlgemerkt, das ist die Nettolohnzahlung. Da (sicher) keine Steuerkarte vorgelegen hat, ist die Lohnsteuer nach der teuren Steuerklasse VI zu berechnen. Dieser Nettolohn setzt einen Bruttolohn von ziemlich präzise 1500 Euro voraus, nach dem sich Steuern und Sozialabgaben wie folgt berechnen: Lohnsteuer mit Kirchensteuer und Solidaritäts- Zuschlag 354.17 Euro, Sozialabgaben vom Arbeitnehmer einbehalten 325,50,- Euro, Sozialabgaben Arbeitgeber zusätzlich 294 Euro. Summe 973,67 Euro hinzu Umatzsteuer Pensionseinnahme 47,50,- Euro macht monatlich 1021,17 Euro Nachzahlung für 12 Monate 12 254,04 Euro. Noch nicht einberechnet sind die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung. Und hinzu dürfte ein ähnlich hohes Bußgeld wegen Nichtabgabe der Anmeldungen und Nichtabführung der einbehaltenen Steuern und Beiträge kommen. Frohe Weihnachten !

Nachzahlungen und Bußgeld für einen unbezahlten Jahrespraktikant kann ca. 25.000 EUR betragen! 

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