Probezeit: Nutzt die Chancen! Lasst die Schwarzen Schafe alleine misten!

Das steht im Gesetz:

Berufsbildungsgesetz

(BBiG)
§ 20 Probezeit

Das Berufsausbildungsverhältnis beginnt mit der Probezeit. Sie muss mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen.

Die meisten von Euch werden eine viermonatige Probezeit im Ausbildungsvertrag vereinbart haben und diese endet in der Mehrheit der Fälle Ende November.

Was bedeutet das für Euch?

Der Sinn der Probezeit ist, dass Euer Ausbilder innerhalb der Probezeit erkennen kann, ob Ihr überhaupt für die Ausbildung geeignet seid. Für Euch bietet sich die Chance, in aller Ruhe und Konsequenz zu überlegen, ob Euer Ausbilder Euch überhaupt ausbildet oder nur als billige Arbeitskraft nutzt.

Wenn Euer Ausbilder oder Ihr zu dem Schluss gekommen seid, das Ausbildungsverhältnis zu beenden, dann ist das innerhalb der Probezeit komplikationslos möglich: Das Ausbildungsverhältnis kann ohne Einhaltung einer Probezeit jederzeit gekündigt werden. Nach der Probezeit ist eine Trennung nur sehr schwer möglich: Ihr könnt nicht so einfach gehen, Euer Ausbilder wird Euch nicht so schnell los.

Wann beginnt die Probezeit?

Die Probezeit beginnt mit dem Ausbildungsbeginn, der im Berufsausbildungsvertrag vereinbart ist.

Wann sollte aus meiner Sicht das Berufsausbildungsverhältnis in der Probezeit gekündigt werden?

  • Ständige Überforderung und Angst während der Arbeit
  • Die anfängliche Freude am Beruf ist verloren gegangen
  • Ausbilder lässt Euch nicht regelmäßig die Berufsschule besuchen
  • Hauptaufgabe ist das Putzen der Pferde und Misten der Boxen
  • Keine Ausbildung durch den Ausbilder
  • Kein Ausbilder im Betrieb
  • Mangelnde Wertschätzung im Betrieb, abfällige Bemerkungen, Anschreien, …
  • Ständige unbezahlte Überstunden, kein Freizeitausgleich
  • Ständig mehr als 40 Stunden Arbeitszeit in der Woche, kein vereinbarter Urlaub, unregelmäßige Entlohnung, keine Entlohnung in Höhe des Ausbildungsvertrages
  • Kein Ausbildungsvertrag, der von der Zuständigen Stelle unterschrieben ist und Euch ausgehändigt wurde
  • Keine monatlichen Gehaltsabrechnungen mit Auflistung der Sozialversicherungen
  • Der Betrieb stellt keine Schutzkleidung (Regen-/Kälteschutzbekleidung, Helm, Sicherheitsschuhe, …)

Müsst Ihr nach der Kündigung den Beruf aufgeben?

Natürlich nicht! Die Kündigung bedeutet meist, dass Ihr mit dem Ausbildungsbetrieb nicht zufrieden seid. Lasst Euch nicht einreden, dass Ihr die Schuldigen seid! Wenn es in einem Betrieb nicht passt, dann wechselt und sucht Euch einen passenderen Betrieb. Da die Zahl der Pferdewirtazubis deutlich abgenommen hat, suchen viele Betriebe händeringend Auszubildende. Das ist Eure Chance: Ihr habt die Wahl und kein Azubi hat es nötig, eine Berufsausbildung bei einem „Schwarzen Schaf“ zu machen. Die bisher absolvierte Ausbildungszeit wird natürlich auch bei einem neuen Ausbildungsvertrag angerechnet.

Mein Tipp: Lasst die Schwarzen Schafe alleine misten!

Immer wieder kommen Auszubildende nach drei Jahren zur Abschlussprüfung, die nur ausgenutzt und nicht ausgebildet wurden. Nicht selten müssen die Prüfer dann feststellen, dass die berufliche Handlungsfähigkeit nicht vorhanden ist und die Auszubildenden durch die Prüfung fallen. Das muss nicht sein! Nutzt die Probezeit, um die Ausbildungszeit in dem Ausbildungsbetrieb ganz nüchtern zu überdenken. Macht Euch eine Strichliste mit positiven und negativen Punkten Eurer Ausbildung. Wenn die Gesamtbilanz negativ ist, dann nutzt unbedingt die Probezeit zur komplikationslosen Kündigung. In aller Regel ist es kein Problem, einen passenderen Ausbildungsbetrieb zu finden, denn Pferdewirtazubns sind heiß gesucht und IHR könnt Euch den richtigen Betrieb aussuchen.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Ausbildungsalltag, Berufsstart, Tipps & Tricks abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Probezeit: Nutzt die Chancen! Lasst die Schwarzen Schafe alleine misten!

  1. n.n. (dem Admin bekannt) sagt:

    Guten Tag, ich habe eine Frage zu den mehr als 40 Stunden Arbeitszeit für Azubis – ab dem 18 Lebensjahr sollte meine Tochter 48 Stunden in der Woche Arbeiten – stand so auf dem Arbeitsvertrag handschriftlich hinzugefügt – ist das rechtens?
    Arbeitsschuhe würden uns am Anfang der Ausbildung zugesagt – nach zwei Jahren nichts erhalten – keine Arbeitshandschuhe nichts! Sie reitet Jungpferde und muss sie auch an den Hufen bearbeiten.
    Überstunden würde es auch nicht geben!
    Habe ihre Seite leider erst heute entdeckt – werde mich auch bei der IG Bau melden!
    Vielen Dank für ihre wichtige Arbeit!
    LG

  2. Dietbert Arnold sagt:

    Liebe n.n.,

    zuerst habe ich Deinen Namen und Deine Mailadresse gelöscht. So können wir offener miteinander reden.

    Da ist schon wieder ein schwarzes Schaf unterwegs und versucht Euch über das Ohr zu hauen. Anders kann ich das nicht beschreiben. Gut finde ich, dass Du Dich so für Deine Tochter einsetzt. Erkläre ihr aber, dass im Arbeitsleben die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft besonders wichtig ist, wenn Arbeitnehmer selbstbewusst Ihre guten Rechte einfordern, denn eine Gewerkschaft, auch die IG Bauen Agrar Umwelt, finanziert sich ausschließlich durch die Beiträge ihrer Mitglieder und ermöglicht damit z.B. die Rechtsberatung und den nicht billigen Rechtsschutz vor Gericht. Deine Tochter muss, bei aller Deiner Fürsorge, selber lernen sich gegen Ausbeutung zu wehren. Diese Fähigkeit wird sie im ganzen Leben benötigen.

    Also ganz wesentlich ist, dass der Ausbildungsvertrag in drei Durchschriften abgefasst wird, eine für den Ausbildungsbetrieb, eine für Deine Tochter, bzw. Eltern bei Minderjährigen und der Zuständigen Stelle (Landwirtschaftskammer oder Landwirtschaftsbehörde). Die muss den Vertrag rechtlich überprüfen und abheften. Korrekt heisst das: Prüfung und Eintragung in das Verzeichnis der Berufsbildungsverträge durch die Zuständige Stelle. Wichtig: Auch Änderungen müssen von allen drei Seiten (Azubi, Ausbildungsbetrieb, Zuständige Stelle) neu unterschrieben werden. Da die Zuständige Stelle diese Änderung wiederum prüfen muss, ist davon auszugehen, dass sie 48 h pro Woche bei Azubis nie genehmigt und eingetragen hätte. Es darf zwar generell bis max. 48 h/Woche lt. Arbeitszeitgesetz gearbeitet werden, das gilt aber so für Azubis nicht, denn es wird erwartet, das Azubis ihrer Lernpflicht nachkommen und sich natürlich auch mit dem Aussbildungsinhalt jeweils auseinandersetzen können und auch den Kopf ins Buch stecken. Wenn also nicht alle drei Ausbildungsvertragskopien gleich sind und dann auch noch mit einem Vermerk und Dienststempel der Zuständigen Stelle genehmigt und eingetragen wurden, dann ist die Änderung ungültig.

    Arbeitsschutz ist gesetzlich vorgeschrieben und der Ausbildungsbetrieb muss den stellen! Wenn der sich weigert, dann könnt Ihr jederzeit das Gewerbeaufsichtsamt, die Landwirtschaftliche Unfallversicherung (SVLFG: Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau), die Zuständige Stelle oder die IG Bauen Agrar Umwelt einschalten. Das Gewerbeaufsichtsamt muss (!) ermitteln und Anonymität gewähren.

    Adressen der Zuständigen Stellen, der Gewerbeaufsichtsämter sowie der IG Bauen Agrar Umwelt kannst Du natürlich hier auf meiner Seite nachlesen.

    Kleiner Tipp von mir: Lasse Dich nicht von der Zuständigen Stelle abweisen, die müssen Recht und Gesetz im Auftrage des Staates Geltung verschaffen. Manchmal macht das Arbeit und einige wenige Ausbildungsberater vermeiden eine zu starke Arbeitsbelastung.

    Und wenn Ihr jetzt schon so miese Ausbildungsverhältnisse vorfindet, dann solltet Ihr schon überlegen, den selber misten zu lassen und eine neue Ausbildungsstelle zu suchen. Die gibt es mittlerweile reichlich und die Betriebe reißen sich um Azubis, denn das Geschäftsmodell der meisten Betriebe ist, mit preiswerten Azubis Kasse zu machen. Entgegen aller Behauptungen der Betriebe bringen Pferdewirtazubis bares Geld auf den Hof, übrigens einer der höchsten Wertschöpfungen aller Ausbildungsberufe in Deutschland. Sie kosten viel weniger als sie erarbeiten. Das ist Fakt und wissenschaftlich von einer Bundesdienststelle, dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB), belegt.

    Ich hoffe, Ihr kommt mit meiner Antwort, die natürlich keine Rechtsauskunft darstellt, weiter und schreibt uns bitte einmal, wie es weitergegangen ist, denn nur wer die Erfahrungsberichte anderer Azubis liest, ist davor geschützt, die selben Fehler zu begehen und auf die selben Schwarzen Schafe hereinzufallen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.