Pferdewerker

  • Michelle

Hallo,
mein Name ist Michelle. Bin 17 Jahre und möchte gerne eine Ausbildung als Pferdewerker machen. Pferdewerker aus dem Grund, da ich eine auditive Wahrnehmungsstörung habe und für mich die Ausbildung zur Pferdewirtin von der Schule her schwerer wäre.
Nun bin ich fertig mit der Schule und habe einige Praktika auf Reiterhöfen gemacht.
Nun habe ich festgestellt, das ich bis jetzt kein Erfolg habe als Werker in einen Betrieb zu kommen, geschweige in einer Bildungsstätte rein zu kommen.
Vom Arbeitsamt, haben wir keine Hilfe bekommen und meine Mutter  sich die Finger wund wählt und telefoniert was das Zeug hält.
Wir sind mit unserem Latein am Ende und wissen nicht, wo wir uns noch hin wenden können. Landwirtschaftskammer, Futterkamp können uns auch nicht so recht weiterhelfen. Und die Bildungseinrichtungen  sind belegt.
Ich suche nur eine netten freundlichen Betrieb, der mich nicht gleich vom Hof jagt, wenn ich mal etwas vergesse oder nicht ausführe (es kommt vor, das, wenn ich zu viele Anforderungen gestellt bekomme, es in meinem Kopf wie eine Klappe zugeht und nichts mehr aufnehmen kann. Dadurch meinen dann die Besitzer von Pferden, das ich die Arbeit nicht ausführen will oder kann und das ich nicht genug zuhöre ) 🙁 . Mein letztes Praktikum lief sehr gut, aber leider darf  und kann diese Betrieb nicht ausbilden 🙁  🙁

Ich wohne in Schleswig-Holstein und ich währe sehr dankbar, wenn ich mit dieser Mail etwas erreichen kann.
Vielen Dank,

  • Dietbert Arnold

Hallo Michelle,

Du schreibst mir, dass Du eine Behinderung, oder besser gesagt ein Schwäche hast. Das Berufsausbildungsgesetz in § 64 bis 67 sagt dazu ganz klar, dass auch Du mit Deiner Lernschwäche in einem anerkannten Beruf (hier Pferdewirt) ausgebildet werden sollst. Dazu müssen Dir Hilfen und Erleichterungen bei der Ausbildung gegeben werden!  Sowohl die Zuständige Stelle (Landwirtschaftskammer SH) als auch die Schule (Futterkamp) haben die Pflicht, Deine Belange zu berücksichtigen, Dir zu helfen und bei der Ausbildung und Prüfung entgegen zu kommen! Dieses Recht kannst Du einfordern.

Ganz konkret: Die Schule muss Dir z.B. mehr Zeit bei den Klassenarbeiten geben, Dir kürzere Arbeitsaufträge geben, die Du behalten kannst und natürlich auch Förderunterricht anbieten. Auch bei der Prüfung hat man Dir entgegen zu kommen, damit Du die Prüfung schaffen kannst, so z.B. durch mündliche Aufträge, mehr Zeit und kürzere, nicht zusammenhängende Arbeitsaufträge. 

Natürlich muss in einem Gutachten genau festgeschrieben sein, welche Art der Behinderung Du hast und wie Du gezielt zu fördern bist. Auch sollte darin stehen, wie Du in einer Prüfung am erfolgreichsten arbeiten kannst.

Wenn Du das hier jetzt gelesen hast, dann gibt es ja eigentlich keinen Grund, eine Werkerausbildung zu machen! Ich hätte Dir davon sowieso abgeraten, denn meist hast Du hinterher ganz schlechte Berufschancen. Bitte setze Dich durch und fordere Dein recht bei der Zuständigen Stelle und der Schule ein. Du hast sogar das Recht, dass die Zuständige Stelle Deine Behinderung und deren Berücksichtigung in den Ausbildungsvertrag schreibt. Damit ist dann alles wasserdicht geregelt.

Also, meint Tipp ist, dass Du Dich bemühst, in SH eine Pferdewirtausbildungsstelle zu finden. Das kann durchaus klappen und Du solltest schon auch die Hilfe der Zuständigen Stelle dabei erbitten. Genau so die Hilfe der Schule. Sprich doch einmal mit dem Lehrer Bünger in Futterkamp. Bestelle schöne Grüße von mir und vielleicht weiß er einen Betrieb für Dich. 

Und denke an meinen Rat: Finger weg vom Werker! Das ist Schmalspur und führt nur zum Ausnutzen und zum Hungerlohn! Ich jedenfalls drücke Dir und Deiner Mutter die Daumen. Nicht unterkriegen lassen. !

  • Stefanie

Vorab möchte ich mich ganz herzlich, für Ihre Antwort auf den Hilferuf meiner Tochter bedanken.
Wir haben schon bei der LWK und Futterkamp angerufen, nur bekamen wir da zu hören, das wir uns von denListen Betriebe aussuchen sollen und selbst anrufen müßten. Dieses haben wir auch getan, leider ohne Erfolg. Nun ist meine Tochter seit September in Sachsen-Anhalt bei einem Bildungsträger.
Wir waren sehr froh, das es nach vielen Telefonaten mit Michelle’s Rehaberater, doch noch geklappt hat. Sind aber sehr enttäuscht, das wir sehr viel selbst regeln mussten (Telefonate führen mit dem Bildungsträger,Rehaberater anrufen,das er endlich mal die Unterlagen abschickt,was sehr lange dauerte).
Michelle macht die Arbeit sehr viel Spaß, weil es ja Ihr Traumberuf ist. Nur werden Ihr sehr viele Steine in den Weg gelegt.
In dieser Einrichtung sind noch andere Jugendlichen mit verschiedenen Problemen.
Letztes Jahr wurde Sie zusammengeschlagen, es kam zur Gerichtsverhandlung. Danach wurde Sie wieder zusammengeschlagen, wo es erst Aussage gegen Aussage stand, aber später haben sich doch zwei getraut und der Leiterin zu sagen, dass die Aussage von Michelle stimmte.
Dann wurde Ihr Öl in den Koffer geschüttet,das Bekleidung nach mehreren Waschgänge nicht mehr zu retten war, vom Zeugnis ganz zu schweigen, kaum noch lesbar.
Nun ging es auch einige Zeit wieder gut, dann wurden Ihr die Stiefelschäfte gestohlen,daraufhin wurde gesagt, dass Michelle nur die Aufmerksamkeit suche und die Schäfte selbst gestohlen hätte.
Bis letztes Wochenende, wo Michelle mit drei anderen Mädchen Wochenenddienst hatte. Da wurde Sie auch geschlagen, ich wurde beschimpft, obwohl ich das Mädchen nicht kenne.
Michelle hält sich noch zurück, der Meister hat von einem Tierarzt den Vorfall geschildert bekommen, der das ganze mitbekommen hatte. Nur es ist so traurig….. es passiert nichts. Ich habe Michelle vorgeschlagen,das Sie morgen zur Leiterin des Bildungsträgers  gehen soll und das ein Gespräch geführt werden soll. Das Mädchen und Michelle, hatten sich bis Samstag noch sehr gut verstanden,darum verstehen wir Ihr Verhalten nicht.
Kann es wirklich sein,das Jugendliche, die den Beruf unbedingt lernen wollen, gehindert werden, nur weil einige andere Jugendliche ein Problem damit haben,wenn jemand etwas besser ist?
Michelle wird bestimmt alles hinschmeissen,was ich auch verstehen kann. Von unserem Rehaberater bekommen wir auch keine Hilfe. Ich bin kurz davor, einen Anwalt einzuschalten ,weil ich mir nicht andes zu helfen weiss.
Das ist dann das nächste Problem, wenn Michelle aufgibt,wie und wo kann Sie dann weiterlernen,wenn uns keiner etwas hilft.

Vielen Dank und viele Grüße

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3 Kommentare zu Pferdewerker

  1. n.n. sagt:

    Sehr geehrter Herr Arnold,
    Auch ich interessiere mich für den Pferdewerker, kann aber auch Ihre Gegenargumente nachvollziehen. Sie schrieben das eine reguläre Ausbildung auch für Menschen mit Beeinträchtigung möglich sein sollte. Wie setzt man das um? Wie bekommt man Nach teils aus gleiche oder ähnliches? Wie schafft man es etwas andere Rahmenbedingungen in Berufsschule und Betrieb zu erhalten? Das aller wichtigste: wer ist für so was der richtige Ansprechpartner? Leider ist meine Rehaberaterin bei der Agentur für Arbeit der Meinung das so was nur für Lernstörungen im klassischen Sinn zutrifft.

    Ich habe Asperger Autismus und eine Auditive Wahrnehmungsstörung sowie eine Angststörung. Zzt. ohne Arbeit und bei der Überlegung wie weiter. Ich hatte leider durch sehr viele Schwierigkeiten keine Möglichkeit zum Berufsabschluss. Für mich kommt nur die Fachrichtung Zucht in Frage jedoch bin ich mir nicht sicher ob ich den Anforderungen gewachsen wäre, Besamungstechnik, Pferde Beurteilung, Wirtschaftlicher Papier kram, Schwierigkeiten in der Berufsschule.

    Ich „arbeite“ schon länger mit Pferden, meine Chefs, so sie mit mir zurechtkommen sind der Meinung das ich es gut mache, habe aber Probleme neues zu lernen. Habe eigendlich sehr viel theoretisches Wissen nach Berufsschulmaßstab, weiß aber nich ob ich daran anknüpfen kann. Es wäre für mich aber sinnvoll einen anerkannten Berufsabschluss zu haben. Ohne ist es enorm schwer Arbeit zu finden und auch ernst genommen zu werden. Ich kann mich nicht gut präsentieren und vermarkten, bin off extreme zurückhaltend und werde oft unterschätzt obwohl ich mehr kann- auch wenn ich es manchmal anders mache aber das selbe Ziel erreiche.
    Mein riesen Problem ist die Kommunikation mit Menschen und diese Verstehen und das diese mich nicht falsch verstehen.
    Ein anderer Beruf kommt für mich nicht in frage, Pferde ist mein Spezial Interesse. Ich bin mir aber durchaus bewusst das ich den Anforderungen wie sie in einem Betrieb mit sagen wir mit 7 Leuten nicht gewachsen bin zzt. Bzw. Sehr von den Leitungsfähigkeiten des Chefs abhängig bin. (Ich war auch schon in einem sehr großen Betrieb, das hat durch meinen Chef gut funktioniert).
    Da ich psychisch und gesundheitlich angeschlagen bin, versuche ich im Laufe der nächsten 6 Monate erstmal wieder auf die Hufe zu kommen, alles andere wäre auch für einen Betrieb nicht fair.
    Danach würde ich aber gerne wieder zurück in meinen Job. Und wäre auch bereit dafür die Ausbildung evtl. nachzuholen. Einen kooperativen Betrieb gibt es evtl. der geeignet wäre.

    Vielleicht haben Sie einen Rat für welchen Bildungsweg ich mich entscheiden könnte und wie man so was umsetzt? Der Quereinstieg wird für mich wohl nicht in Frage kommen, ich habe in einer 30h Woche generell gearbeitet. Außerdem habe ich bedenken wegen der Prüfungsvorbereitung.
    Vielen Dank im Voraus.
    Mit freundlichem Gruß.

  2. n.n. sagt:

    Nachtrag: es handelt sich um Niedersachsen, wohnhaft an der Nordsee, ortsgebunden, zuständig wäre die Berufsschule Hannover glaube ich.

  3. Dietbert Arnold sagt:

    Hallo n.n.,

    das Berufsbildungsgesetzt sagt ganz deutlich in § 64, dass behinderte Menschen in einem anerkannten Ausbildungsberuf ausgebildet werden sollen.

    Was behinderte Menschen sind, steht im Sozialgesetzbuch § 2 Abs. 1 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch.

    Also auf Deutsch heißt das: Auch behinderte Menschen haben das Recht im Regelfall eine anerkannte Berufsausbildung zu machen.

    Damit das gelingt, soll, heißt soviel wie muss, behinderten Menschen geholfen werden, ihre Berufsausbildung trotz Behinderung zu machen. Dazu müssen die Zuständigen Stellen, die Berufsschulen und die Prüfer die Ausbildung so gestalten, dass es für Dich möglich und für den Beruf aber noch verantwortbar ist. Anpassungen kann es z.B. geben bei der zeitlichen und sachlichen Gliederung, Dauer der Prüfungszeiten, Hilfsmittel, Zulassung von Assistenz bei der Prüfung, usw..

    Du siehst also, dass der Gesetzgeber wünscht, dass Du mit einem Handicapt eine Berufsausbildung machst. Und dafür sind verantwortbare Kompromisse zu treffen, die Dir eine Prüfung ermöglichen.

    Klar muss Deine Behinderung fachlich dokumentiert sein. Da wäre es hilfreich, wenn Du ein Dokument eines Arztes hast, der die Behinderung nicht nur attestiert, sondern auch aufschreibt, wie Dir zu einer erfolgreichen Berufsausbildung geholfen werden kann.

    Eine Werkerausbildung ist nur dann vorgesehen, wenn eine reguläre Ausbildung überhaupt nicht in Betracht kommt. So steht es in § 66 Berufsbildungsgesetz. Übrigens: Eine wirklich verantwortbare Werkerausbildung nach § 66 BBiG gibt es derzeit nur in Timmendorfer Strand beim dortigen Berufsbildungswerk.

    Gerade bei Deiner Behinderung ist eine Werkerausbildung nicht empfehlenswert, weil als Wernerin bist und bleibst Du nur eine Dauermisterin.

    Nicht ganz einfach ist Dein Weg dennoch nicht, denn DU musst einen Betrieb finden, der diesen Weg mit Dir geht. Kein Betrieb kann gezwungen werden, eine behinderte Person als Auszubildende einzustellen. Die Rücksichtnahme der Berufsschule und der zuständigen Stelle bei der Ausbildung sehe ich als geringstes Problem an.

    Achte bitte darauf, dass Du nicht auf irgendwelche Betriebe, die nur eine billige Arbeitskraft wollen, reinfällst. Auch wenn dann da plötzlich ein Betrieb sagen sollte, ja, wir nehmen Dich, dann prüfe das Angebot sehr genau, frage die Zuständige Stelle, ob die überhaupt ausbilden dürfen, frage die ferner, ob dieser Betrieb das wohl leisten könnte, usw..

    In Niedersachsen solltet Du mit der Zuständigen Stelle Ganz offen und ehrlich Kontakt aufnehmen und alles weitere bereden. Ich weiß, dass die Dich gut und seriös beraten werden. Hier die Kontaktdaten:

    Udo Meyer
    Ausbildungsberater Ausbildungsberatung und Meisterfortbildung im Beruf Pferdewirt/in
    Telefon: 0511 3665-1462
    Telefax: 0511 3665-1566
    E-Mail: udo.meyer@lwk-niedersachsen.de

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