Du hast ein Recht auf ein Arbeitszeugnis!

n.n.(dem Admin bekannt), 07.04.2017

Hallo,
Ich habe meinen Ausbilder gebeten mir ein Zeugnis auszustellen aber ich soll dieses selbst schreiben. Gibt es Vorlagen oder ähnliches ?

Dietbert Arnold, 08.04.2017

Hallo liebe n.n.

da macht es sich aber Dein Chef zu einfach! DER hat gemäß Berufsbildungsgesetz § 16 die Pflicht, Dir ein schriftliches Zeugnis auszustellen. Nicht DU, sondern DER muss das Zeugnis schreiben. Ich rate Dir dringend, nicht einen Zeugnistext zu schreiben, denn Du kannst überhaupt nicht abschätzen, welche Folgen welche Zeugnisformulierungen für Deinen weiteren Lebensweg haben werden. Dieses Zeugnis wird Dich lebenslang begleiten.

Du hast einen einklagbaren Anspruch auf ein Zeugnis Deines Ausbildenden und der hat am Ende der Berufsausbildung das Zeugnis auszustellen. Der Ausbildende kann aber verlangen, dass Du das Zeugnis bei ihm abholst. Bekommst DU kein Arbeitszeugnis von Deinem Chef, kannst Du ihn u.U. schadenersatzpflichtig machen!

DU musst übrigens Deinem Chef sagen, ob Du ein „einfaches“ oder ein „qualifiziertes“ Zeugnis haben möchtest. DU hast das Wahlrecht!

Das „einfache“ Zeugnis muss gemäß Berufsbildungsgesetz folgende Mindestinhalte haben: Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung, erworbene Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. Das Zeugnis muss schriftlich auf Papier und nicht in elektronischer Form erstellt werden. Zeugnisse müssen immer wahrheitsgemäß, vollständig und wohlwollend formuliert sein.

Das „qualifizierte Zeugnis“ enthält Angaben über Dein Verhalten ( Pünktlichkeit, Kundenumgang, Umgang mit Vorgesetzten, Mitarbeitern und Mitazubis, Umgang mit den Pferden, usw.) und Deine Leistungen in der Berufsausbildung (Auffassungsgabe, Lernwille, Leistungsbereitschaft, Selbständigkeit, Qualität der Arbeit, Zusatzqualifikationen, Turnierteilnahmen, Berufswettbewerbe, Arbeitstempo, Eigeninitiative, Entscheidungsfähigkeit, Urteilsvermögen, usw.). Das qualifizierte Zeugnis darf nur auf Deinen Wunsch erstellt werden. Auf keinen Fall dürfen bestimmte Formulierungen benutzt werden, die als sog. Geheimcodes dienen. Da werden positive Beurteilungen dazu genutzt, Dich zu kritisieren. Oft erkennen nur Profis die Geheimcodes, deshalb ist die Begutachtung des Zeugnisses von Fachleuten nicht falsch.

Am Ende des Zeugnisses wird eine Schlussformel erwartet.

Im Übrigen darf ein Ausbilder keine Auskünfte z.B. an neue Arbeitgeber ohne Deine Zustimmung geben. Zur Information an neue, zukünftige Arbeitgeber dient das Arbeitszeugnis.

Das Arbeitszeugnis muss auf dem betrieblich benutzten Geschäftsbogen erstellt und natürlich mit Ort und Datum unterschrieben werden. Das Zeugnis muss die Überschrift „Zeugnis“ oder „Arbeitszeugnis“ tragen und in einer akzeptablen Form erstellt werden (fehlerfrei, fleckenlos, umgeknickt, keine Radierungen oder Verbesserungen) und klar gegliedert und verständlich formuliert sein.

DU siehst jetzt, das ist keine Aufgabe eines Azubis. Lasse bitte, das ist mein dringender Rat, die Finger von der Zeugnisformulierung. Die rechtlichen Bestimmungen und Kommentare sind noch seitenlang und füllen Bücher!

Auch siehst Du jetzt, dass es einfach gut ist, wenn Du jemanden hast, der Dir im Berufsleben sagen kann, wo oben und unten  und was richtig und falsch ist. Deshalb bin ich Mitglied der Pferdewirtgewerkschaft IG Bauen, Agrar, Umwelt. Die beraten mich und denen lege ich bei solchen Fragen mein Arbeitszeugnis zur Kontrolle vor und notfalls geben die mir auch Rechtsschutz. Deshalb verlange von Deinem Ausbildenden ein Zeugnis, „einfach“ oder „qualifiziert“ und lege das dann als Gewerkschaftsmitglied den Rechtsschutzsekretären zur Prüfung vor. Das ist natürlich kostenloser Service für IG BAU- Mitglieder. Alternativ, wenn Du nicht Mitglied der Gewerkschaft werden möchtest,  lege das Zeugnis einem Fachanwalt für Arbeitsrecht zur Prüfung vor. Dann aber kommt eine Rechnung auf Dich zu.

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