Ein Beruf schafft sich selber ab!

Wenn ein Berufsstand es nicht schafft bzw. es nicht schaffen will, wirkungsvoll gegen die Schwarzen Schafe im Beruf und in der Berufsausbildung vorzugehen und auch nicht bereit ist, seine Berufsausbildung zu modernisieren, dann darf man/frau sich nicht wundern, dass sich die erheblichen Missstände herumsprechen und Mitarbeiter und Auszubildende immer öfter einen großen Bogen um den Beruf Pferdewirt machen. Schon jetzt ist zu beobachten, dass nahezu alle guten Azubis nach der Ausbildung den Beruf verlassen.

Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Anzahl der Pferdewirtauszubildenden in Deutschland sinkt deutlich und die  Zahl der vorzeitigen Ausbildungsvertragslösungen erreicht bundesweite Spitzenquoten. 50 %, oder anders herum ausgedrückt, jede zweite Auszubildende bei den Pferdewirten schmeißt hin und kündigt den Ausbildungsvertrag. Die Gründe sind mangelnde Wertschätzung und fehlende Ausbildung durch die Ausbilder, die Pferdewirtschaftsmeister. Der nicht vorhandene Wille, die Neuordnung des Berufes Pferdewirtes umzusetzen, verhindert zusätzlich wirksam die Wandlung zu einer attraktiven, zukunftssicheren Berufsausbildung. Stattdessen verharren Arbeitgeber, viele Zuständige Stellen sowie die Berufsschulen in alten, überkommenen Strukturen und verpassen so die Chance, den Beruf Pferdewirt für junge Menschen attraktiv zu machen. Es keimt der Verdacht auf, der Berufsstand sucht lediglich mehrheitlich widerspruchslose, billige Pferdepfleger und nicht gut ausgebildete Pferdeexperten und tut alles, um überqualifiziertes, selbstbewusstes und gutes  Stallpersonal zu verhindern. Und weil die jungen Leute so schlecht ausgebildet sind, deshalb kann man sie auch nur so niedrig entlohnen, so das Argument eines Vorstandsmitgliedes der Bundesvereinigung der Berufsreiter.

Die Pferdewirtschaftsmeister sind ganz alleine für ihren Berufsstand verantwortlich. Derzeit ist nicht zu erkennen, dass sich der Berufsstand ernsthaft Gedanken macht, wie verhindert werden kann, dass ein Berufsstand in Verruf gerät. Es ist keine Prognose mehr sondern bereits Wirklichkeit, dass immer mehr Schulabgänger einen ganz großen Bogen um den Beruf Pferdewirt machen und nach der Schule gleich eine Hochschule oder Uni besuchen. Derzeit sind es schon 60% aller Schulabgänger, die den direkten Weg zur Hochschule einschlagen. Wenn dann ein Beruf noch in Verruf gerät, dann wird es in bereits wenigen Jahren nicht mehr möglich sein, auch nur annähernd genügend Azubis für den Beruf zu finden. Und ein Beruf ohne Berufsnachwuchs schafft sich selber ab

Statistik der Pferdewirtauszubildenden: Weniger Auszubildende (grüne Trendlinie) und davon löst jeder/e Zweite ihren Ausbildungsvertrag wieder auf (rote Trendlinie). Zufriedenheit mit der Berufsausbildung zum Pferdewirt/in sieht anders aus. Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Statistisches Bundesamt

Statistik der Pferdewirtauszubildenden: Weniger Auszubildende (grüne Trendlinie) und davon löst jeder/e Zweite ihren Ausbildungsvertrag wieder auf (rote Trendlinie). Zufriedenheit mit der Berufsausbildung zum Pferdewirt/in sieht anders aus. Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Statistisches Bundesamt

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50 Kommentare zu Ein Beruf schafft sich selber ab!

  1. Pferdewirt aus Hessen sagt:

    Ich bin ein ausgelernter Pferdewirt ( die schlechten Erfahrungen, die man hier über die Ausbildung liest, kann ich auch unterschreiben) uns ich ich sag nur ….Kunde: „Und als was arbeiten Sie eigentlich?!“…..Unser Beruf wird überall nicht ernst genommen. Jeder Laie denkt, er kanns besser. Wozu braucht man dafür ne Ausbildung…Viele Betriebe sehen einen nur als unwertige Arbeitskraft, Überstunden selbstverständlich, alles zu dem nicht mal erreichten Mindestlohn zusätzlich. Urlaub?! Nä, geht nicht, wie sollen wir dich in der Zeit ersetzen. Kostet ja zusätzlich- zahlen wir nicht und wenn dann nur mal tageweise. Gesetze?! Welche Gesetze?! An Urlaub am Stück nicht zu denken. Grad die die als Einziger in den Betrieben angestellt sind haben das Nachsehen. Da heißts dann, dafür haben wir dich ja eingestellt…. Da kommt oft die Frage auf, warum man das eigentlich noch macht. In anderen Jobs, verdient man z B als Putzfrau mehr. Hat Feiertage, weniger Arbeit und Urlaub is auch kein Problem….traurig , aber wahr.Tarifvertrag?! Was ist das. Ich könnte kot*** wenn ich die ganzen Streiks sehe. Beschweren sich in einer Tour, trotz geregelten Gehaltserhöhungen und sämtlichen anderen Regelungen und vieeeeeeeeeel weniger Arbeit als wir. Da frag ich mich, obs nicht endlich mal Zeit wird, dass wir auch mal nen TARIFVERTRAG FÜR PFERDEWIRTE bekommen! An die Anlehung an den landwirtschaftlichen hält sich doch keiner. Hauptsache billig und macht alles rund um die Uhr – Eierlegende Wollmilchsau eben….. grrr. Und Neuerungen ist auch so ein Thema. Wir haben es schon Jahre so gemacht, also machen wir es weiterhin so. Fortbildungen in neue Wege, werden belächelt oder gar nicht erwünscht. Ist ja alles Humbug. Nun, die Zeiten haben sich geändert. Für die meisten Menschen ist Reiten zur Entspannung, als Hobby gedacht. Da will keiner mehr im Reitunterricht angebrüllt werden und sich verbiegen, mit Hacken runter, Schultern zurück und co verspannt durch die Reithalle eiern…

    • Dietbert Arnold sagt:

      Eines solltest Du wissen: Tarifverträge bekommt man nicht, die muss man sich erkämpfen. Nur wenn genügend Pferdewirte sich in einer Gewerkschaft organisieren, dann sind sie in der Lage, Tarifverträge mit den Arbeitgebern zu schließen und mit ihrer Macht auch faire Bedingungen festzuschreiben. Eines ist übrigens statistisch sauber erwiesen: In allen Branchen, in denen es starke Gewerkschaften gibt, haben wir ein höheres Lohnniveau, faire Arbeitsbedingungen und deutlich weniger Ausbildungsvertragslösungen. Auf einen Tarifvertrag zu warten, das wird hoffnungslos, den müsst Ihr Euch erkämpfen. Solange die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, wie zu Bismarcks Zeiten, nicht selten für Pferdewirte die Kündigung bedeuten kann, wird es keinen Tarifvertrag für Pferdewirte geben. Nur wenn IHR Euch organisiert werden die Betriebe den nötigen Respekt vor Euch haben und Euch fair, auf Augenhöhe behandeln. Denkt bitte daran: Tarifverträge werden immer von den Sozialpartnern ausgehandelt und das sind Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände.

  2. N.N. sagt:

    Sehr geehrte Herr Arnold,

    mit diesem Beitrag haben Sie wirklich ins Schwarze getroffen. Ich selber bin Auszubildende im 3. Lehrjahr und kurz vor meiner Abschlussprüfung, auch ich habe in meiner Lehrzeit bereits einmal den Betrieb wechseln müssen und das nicht in gegenseitigem Einverständnis. In meinem ersten Ausbildungsbetrieb war irgendwann die Situation eingetreten, dass zu wenig Personal vorhanden war, so dass ich als Azubi ohne Bedenken gut 20 Pferde auf meiner Liste hatte um die ich mich zu kümmern hatte und sowohl Pferdewirtschaftsmeister sowie die zusätzlich Angestellte Pferdewirtschaftsmeisterin haben sich nicht im geringsten dafür interessiert an diesem Zustand zunächst was zu ändern, denn irgendwie würde ich ja alles schaffen. Das Motto war: Hauptsache die Pferde funktionieren, wie ist uninteressant!
    Ebenso durfte ich miterleben wie andere Auszubildende kurz vor ihrer Abschlussprüfung nicht von ihrem Ausbilder darauf vorbereitet wurden, stattdessen versuchte ich dann denjenigen noch, in dem mir möglichem Rahmen, unter die Arme zu greifen und ihnen nach Feierabend zusätzlich Unterricht gegeben habe.
    Wenn man auf solche Zustände trifft und dann nach 2 Jahren endlich schafft die Augen zu öffnen und dann auch den Mut findet den Ausbildungsplatz noch zu wechseln, dann hat man meist schon längst den Gedanken im Hinterkopf diesen Beruf nicht weiter auszuführen.
    Auch ich werde nach Bestehen meiner Abschlussprüfung einen anderen Berufsweg einschlagen!

  3. Jana Thumann sagt:

    Ehrlich gesagt … wundert mich das nicht! In der Zeit der insgesamt immer weniger werdenden Wertschätzung einer Leistung oder des umfassenden Know-Hows werden Respekt & Achtung immer kleiner geschrieben. Parallel sinken Gehälter und die gesamte Bereitschaft der „Pferdeleute“, langfristig zu investieren. Sei es in das eigene Pferd, die Unterbringung, die Ausrüstung und auch der Reitlehrer muss „billig“ sein. Insgesamt ist das ehemalige Privileg, reiten zu dürfen oder sogar ein Pferd zu besitzen auf dem Weg zum „Geiz ist geil“. Persönlich finde ich den Vorwurf gegenüber den Pferdewirtschaftsmeistern unfair; sie haben all das hinter sich und haben sich trotz all der Aufgaben qualifiziert. Mit Sicherheit gibt es Ausbeutebetriebe, nur werden die nicht immer von einem Pferdewirtschaftsmeister geführt. Vielleicht ist auch die Prüfungsverordnung insgesamt anzuheben; hat es mich persönlich jedoch äußerst irritiert, dass auch ein Pferdewirtschaftsmeister in einer Teilprüfung nicht antreten darf, diese dann mit einer Not 6 beendet und trotzdem über den Notendurchschnitt seinen „Meistertitel“ erhält …

    • Ulrike Grugel sagt:

      Hallo,
      ich bin Pferdewirtschaftsmeisterin und möchte Ihnen mitteilen, dass Sie hier offenbar falsch informiert sind, denn in der Meisterprüfung muss man ALLE Teilbereiche ablegen und die Note „6“ in auch nur EINEM Teilbereich bedeutet automatisch, dass die Prüfung nicht bestanden ist, egal, wie gut man jeden anderen Teilbereich abgeschlossen hat!
      Viele Grüße!

  4. Jytte sagt:

    Hallo Herr Arnold,
    macht man es sich nicht etwas sehr einfach , wenn man für sinkende Ausbildubgszahlen, hohe Abbrecherquote und viele Berufsaussteiger allein ‚den bösen Meister‘ verantwortlich macht ? Mir ist auch bewusst das die Tierhaltung im Allgemeinen und Pferdebetriebe im Besonderen sehr oft kein gutes Beispiel für ordentliche Ausbildungs-und Arbeitsverhältnisse sind. Aber jeder Apfel hat zwei Seiten… und an der Berufswahl und Ausbildungsplatzfindung ist eben nicht nur der Meister beteiligt , sondern auch der ( zukünftige) Azubi (der oft noch gar nicht weiß , was er will und kann) , seine Eltern ( die ständig Angst haben das dem Kind irgendetwas zugemutet werden könnte) , die Berufsberatung ( die oft völlig inkompetent ist ) , der Berufseinstiegsbegleiter ( der den Ausbilder für eine eierlegende Wollmilchsau hält ) . Nicht jedes Ausbildungsverhältnis wird durch den Auzubi gelöst , weil es ihm an Urlaub , Bildung oder Wertschätzung fehlt. Oft genug erkennt auch die kleine Michelle , die immer so gerne beim Nachbarn die Ponys gestreichelt hat , das sie den falschen Beruf gewählt hat . Überstunden , nein die brauche sie als Azubi nicht machen hatten ihr die Eltern erklärt. Bei der Berufsberatung hatte man ihr gesagt ,man könne jeden Beruf ohne jede Vorkenntnisse erlernen , und der Berufeinstiegsbegleiter hatte ihr mit auf den Weg gegeben es wäre egal wie lange sie für eine Aufgabe braucht , sie sei ja zum lernen da und nicht zum arbeiten… Nun war alles ganz anders gekommen … überfordert in Betrieb und Schule hört Michelle frustriert auf , aber daran ist ganz sicher ,nur ihr böser Meister schuld…
    Sinkende Azubi – Zahlen sind eine Tatsache , mit der auch das Handwerk und die IHK – Berufe zu kämpfen haben . Mehr Hochschulabsolventen sind seit Jahren politisch gewollt.
    Man kann über schlechte Beispiele meckern , oder die Guten hervorheben. Man kann beklagen, dass die neueVerordnung nur teilweise umgesetzt wird , wobei dazu eben auch wieder mehr gehören als nur der Meister … die Kammer und wieder die Arbeitsagentur die Bewerber auf Ausbildungsstellen ‚Zucht und Haltung ( Reiten ) ‚ vermittelt , also in eine Fachrichtung die es nie gegeben hat , anerkannt ist der Betrieb übrigens für Haltung und Service… raus kommt dabei was , was nicht Fisch und nicht Fleisch ist .
    Oder man sucht nach Lösungen , die aber kann man nur gemeinsam finden…
    Wer möchte dass alle der gutausgebildeten Fachkräfte auch im Beruf bleiben ( und auch entsprechend gut bezahlt werden ) muß vielleicht damit leben , dass mittelmäßige und schlechte Ausbilder vom Markt verschwinden ,es also absolut deutlich weniger Stellen gibt und die verbleibenden Stellen an Azubis vergeben werden von den denen der Ausbilder denkt , das Zeit Geld und Aufwand bei ihnen gut aufgehoben sind, schwächere Bewerber also keine Chance mehr auf eine Ausbildung in dem Beruf haben , auch wenn sie anders als Michelle grundsätzlich dafür geeignet wären…( das ist defakto bei den Tierpflegern so , die Kammern sind da ganz rigide beim Betriebe anerkennen, entsprechend wenig Stellen gibt es )
    Eine gewisse Spannbreite bei den Ansprüchen und der Qualität ist vielleicht gar nicht so verkehrt , aber das muß jeder selbst wissen.
    Gruß Jytte , die von Ausbildung und im Augenblick ziemlich die … voll hat

    • Dietbert Arnold sagt:

      Hallo Jytte,
      lasse mich einige Dinge zu Deiner Zuschrift, über die ich mich immer freue, sagen:
      1. Ein Berufsstand muss sich immer selber organisieren. Das ist nicht die Aufgabe des Staates. Deshalb werden z.B. Ausbildungsverordnungen von den Sozialpartnern gemacht, also den Gewerkschaften und den Arbeitgebern. Bei den Pferdewirten ist das die IG Bauen Agrar Umwelt und der Bauernverband.
      2. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Verallgemeinerungen sind aber da zulässig, wo es die Situation treffend beschreibt und nach meiner Einschätzung ist die Situation von mir treffend beschrieben.
      3. In den meisten Ausbildungsberufen ist die Auflösungsquote von Berufsausbildungsverträgen nur halb so hoch wie bei den Pferdewirten.
      4. Alle seriösen Forschungen sagen seit Jahren, dass die Azubis nicht wegen Geld und Arbeitszeiten hinschmeißen, sondern wegen mangelnder Wertschätzung und mangelnder bis gar nicht erlebter Ausbildung.
      5. Nahezu alle Azubis, auch das bestätigen ganz viele wissenschaftliche Untersuchungen, haben vor Ausbildungsbeginn mindestens ein, meist mehrere Praktika im Pferdebereich gemacht, bevor sie sich für diesen Beruf entschieden haben. Die immer wieder beschriebenen Wendymädels gibt es nur sehr selten.
      6. Ich persönlich finde es sehr traurig, dass im Beruf Pferdewirt die Azubis auf so viele masslose Chefs treffen und die dann auch noch über die unfähigen Stifte lästern. Jeder, der einmal andere Berufe in der Schule unterrichtet hat, der weiß, dass in den Pferdewirtklassen die nettesten, bescheidensten, fleißigsten, verantwortungsvollsten und engagiertesten jungen Leute sitzen. Und ausgerechnet die fallen dann auf die Schwarzen Schafe herein. Und was lernen die jungen Leute dann zu Beginn ihres Berufslebens: Arbeitsleben ist doof.
      7. Nahezu alle Azubis, die hinschmeißen, sehen dieses als ihr persönliches Versagen an und sind total frustriert über das gesamte Berufsleben. Dass auch Ausbilder zu verantworten haben, dass die Berufsausbildung beendet wird, dass sehen die jungen Leute leider nicht.

      • Jytte sagt:

        Hallo Herr Arnold , und Hallo an alle Forumsteilnehmer !
        Leider komme ich erst jetzt dazu mich wieder zu dem Thema zu äußern. Hier ist ja jetzt richtig was los.
        Ich hatte übrigens auch eine Arbeitswoche von mehr als 70 Std und in meinem 1. Jahr (eigentlich war ich im BGJ) auf dem Betrieb ganze 9 ! Tage frei ,und auch die nur , weil meine Mutter sonst ausgeflippt wäre ( ich war gerade 16)… ja es war ein Pferdebetrieb und ich habe dort zwischen BGJ und Ausbildung noch ein weiteres Jahr gearbeitet.. außerdem war ich der perfekte Fußabtretreter für Junior und Gesellen als ich dann in der regulären Ausbildung war , und meinen Meister habe ich auf die Ausbildung hochgerechnet vielleicht 3 Stunden gesehen , davon eine Stunde sturzbetrunken.. . Ansonsten habe ich grundsätzlich alleine gearbeitet.. Mein Lehrberuf ist übrigens nicht Pferdewirtin…als ich später noch eine weitere Ausbildung machte , war meine Ausbilderin zwar bemüht , hatte im Betrieb aber gar nichts zu sagen , mit dem Ergebnis das ich zwei Jahre lang mit grabbelnden und sabbernden vornehmlich osteuropäischen Saisonkräften einfache Hilfsarbeiten ausgeführt habe… merkte man dann auch am Prüfungergebnis… Das erstmal zumir.
        Nun zurück
        zu 1 )
        Dies ist mir bewusst , aber die Agentur für Arbeit sagt nunmal , nur sie sei für die Stellenvermittlung zuständig , und wenn die nur an nachweislich gut ausbildende Betriebe vermitteln würden , und nicht einzig und allein darum ihre Statistik zu schönen und um Geld zu sparen , jeden noch so ungeeigneten Azubi in das letzte Drecksloch schicken würden und die Kammer , die ja nunmal die Betiebe anerkennt ( und bei schlechter Ausbildung eben die Ausbildungsberchtigung aberkennen könnte) ihren Job konsequent tun würden , gäbe es dann nicht weniger Probleme ? Grundsätzlich sind die Eltern ( also die Sozialpartner) für die Erziehung ( also Ausbildung )zuständig, kommen sie nicht klar , kommt im wahren Leben das Jugendamt ( also der Staat) , kappt also die Umsetzung der von den Sozialpartnern entworfenen Ausbildungsordnug in der Praxis nicht , wer ist dann dran ( zumindest im wahren Leben ) ? So habe ich das gemeint.
        zu 2)
        Das seh ich anders , Verallgemeinerungen des Negativen frustrieren alle anderen.
        zu 3)
        Ja , aber warum ist das so ? Wenn es bundesweit 500 Stellen gibt und pro Stelle > 500 Bewerber , dann bricht keiner die Ausbildung ab , und sei sie auch noch so sch…ist z. B bei den Tierpflegern so.. oder es gibt viele Aussteiger und wenig Erst-Azubis in dem Beruf … die brechen auch nicht ab , egal wie doof … ist z. B. bei Schäfern und Imkern so…
        oder Papi hat nen Betrieb und Opa auch schon ,und wenn Fritz nicht Bauer wird dann gibt’s was an die Ohren und enterbt wird der Fritz natürlich auch ,und ob der Fritz was lernt ist doch eh egal , weil der Fritz kommt ja nach Haus … ist bei ( gar nicht sowenigen ) Landwirten ( und bei Obst-und Gemüsegärtnern ) so.
        oder die haben einfach gar keine Alternative , weil die stehen mit dem Rücken zur Wand und mit Abbruch gibt’s nicht mal Hartz 4 und von der ‚ Gesellschaft ‚ nen A…tritt dazu , die können gar nicht abbrechen wollen , und davon gibt’s gaaanz viele…
        zu 4 )
        Richtig , aber : Was ist denn ‚Gute Ausbildung ‚ heute ? Auf dieses Thema haben hier soviele reagiert wie sonst nur selten , also nichts wie ran Azubis von heute und morgen Meister , Lehrer : was ist gute Ausbildung heute , und wie muß sie sein um für morgen gut zu bleiben ? Und um dabei zu bleiben , was ist die von den Gerkschaften gepriesene ‚Gute Arbeit‘ für Euch ? Die ‚Gute Arbeit‘ der Gewerkschaften ( unbefristet in einem Betrieb , immer die gleichen Zecken am Hals 40 Std ) ist für mich ganz persönlich eine Horrorvorstellung und für mich ‚Gute Arbeit‘ ist ( nämlich ein Mix -aus Freiberuflich , sozialversicherungspflichtig , Minijob und ehrenamtlichen Elementen )ist für Gewerkschafter die Hölle schlechthin … Was ist / wäre für Euch ‚Gute Arbeit‘ ?
        zu 6)
        Ich bin Kein Lehrer und kann dies deshalb nicht beurteilen..
        zu 7 )
        Ich weiß , aber hinfallen und gehört für alle zum Leben dazu .
        So jetzt aber genug gute Nacht jytte

  5. D.F. sagt:

    Der Fisch stinkt wie meistens vom Kopf her. Da es sich um einen recht alten Kopf handelt, wird der Geruch auch nicht so schnell verfliegen. Solange einerseits Pferde immer schneller „fertig“ gemacht werden müssen um das wirtschaftliche Überleben ihrer Züchter und Bereiter zu sichern und in den Landgestüten und in Warendorf als den zuständigen Prüfungsanstalten die Abkehr von veralteten Haltungs- und Ausbildungsmethoden nicht gefragt ist, erscheint es doch logisch, dass selbstständig denkende junge Menschen fehl in diesem System sind und es schnellstmöglichst wieder verlassen. Im besten Fall bleiben sie den Pferden treu und haben wenigstens gelernt wie man es nicht machen sollte…..

  6. Pede sagt:

    Hallo wir bilden seit 1993 Pferdewirt aus. In den ersten Jahren waren die jungen
    Azubia noch Pferdeleute mit sehr viel Interesse an diesem Beruf heute sind es nur noch Azubis die Pferde schön finden und an dem wirklichen Job wenig Interesse haben. Leider ist so die Realität .Da hat man es als Ausbilder auch sehr schwer.

  7. V.B sagt:

    Hallo,
    Mein Freund hat vor 2 Jahren eine Ausbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt reiten abgeschlossen. Die Ausbildungszeit war sehr Lehrreich und hat ihm auf jeden Fall für einen guten Start in den Beruf sehr weitergeholfen, heute ist er mit einem pensionsstall, Unterricht und beritt sowie anreiten von Pferden selbständig und ich muss sagen wir können sehr gut davon leben und er hat es nicht bereut diesen Weg einzuschlagen. Ich glaube, dass viele unterschätzen wie hart der Beruf ist und das man als angestellter bereiter natürlich nicht sehr viel verdient…viele unterscheiden nicht zwischen Hobby und Beruf und sind oft auch nicht talentiert genug um Erfolg in diesem Beruf zu haben.
    Ich bin der Meinung, dass man mit dem richtigen Background sprich eigene Anlage viel erfolg in diesem Beruf haben kann.

    • Sophra sagt:

      Ja sehr lustig. Und wo kommt die Knete her, um die eigene Anlage zu mieten/pachten?

      Wenn da nicht schon vom Elternhaus her die Pferde und/oder die Moneten da sind, dann wird aus dem „selbständig mit eigener Anlage“ nicht so schnell was.

      • Hexe1606 sagt:

        Das finde ich ist teilweise auch eine „Ausrede“!!!! Wenn ich einen Traum habe und den verwirklichen möchte und nicht arbeitsscheu bin – kann ich mich selbständig machen!!! Aber dann arbeite ich halt auch mal 3 bis 4 Jahre viele Stunden für sehr wenig Geld – aber wenn man gut ist – dann rechnet es sich! Wer nicht gut ist – wird dabei leider eine Bauchlandung hinlegen! Das hat auch nix mit Geld vom Elternhaus zu tun. Mit einer qualifizierten Ausbildung und einem gut erarbeiteten Plan gibt die Bank einem Geld – und teilweise gibt es sogar zuschüsse!

        • Alegra sagt:

          Doch, alles das hat mit dem Geld vom Elternhaus zu tun… alleine schon der Einstieg ins Reiterleben kostet unfassbar viel Geld… Denn wenn ein Kind zBsp eine alleinerziehende Mutter hat, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten gehen kann, hat das Kind einen schweren Start in den Traumberuf…. ICH WEIß WOVON ICH SCHREIBE!! Selbstverständlich versuche ich alles was mögliche zu tun, um meinem Kind regelmäßig Reitunterricht, mit der Ausstattung, die dazugehört und natürlich auch den Kontakt zu Ponys und Pferden zu ermöglichen. Jetzt ist sie schon länger dabei und müsste/könnte es auch, anfangen `Nachweise´ zu sammeln = Abzeichen machen, Turniererfahrung sammeln…. aber woher das ganze Geld nehmen?? Soviel zum Thema auch ohne Geld aus dem Elternhaus ist eine qualifizierte Ausbildung möglich….DIE Ausbildung an sich, ja, vielleicht, aber der Weg bis zur Ausbildung, für die Chance einer guten Ausbildungsstätte, geht es nicht ohne Geld aus dem Elternhaus und auch wenn ich auf mich für alles verzichte, wird es mir immer schwerer meine Tochter finanziell so zu unterstützen, wie es nötig ist!!!

  8. Sandra Teine sagt:

    Ganz ehrlich? Pferdewirt ist nun mal ein echter Knochenjob und die Zeiten sind teils echt vorbei wo die Leute sich noch körperlich so anstrengen. Wenn ich sehe das die Jugendlichen von heute schon das Putzen eines Pferdes vor dem Reiten als totale Anstrengung ansehen und sich davor drücken wo sie nur können dann ist es kein Wunder das keiner mehr diesen Beruf womöglich machen will, Anstrengung sind die meisten von Haus aus nicht gewöhnt (im Gegensatz zu früher wo Kinder und Jugendliche überall mit anpacken mussten und generell körperlich viel mobiler waren) und beim Misten und Fegen hört der Spaß schon lange auf, man findet ja schon keinen mehr der gegen Mithilfe bei der Stallarbeit umsonst Reiten möchte, dann lieber verzichten oder bezahlen. Einzig die schlechte Bezahlung für den Knochenjob von dem man kaum leben kann ist das große übel an dem Beruf aber ansonsten bringt der Nachwuchs einfach nicht mehr die nötige Härte mit für den Beruf, die bleiben lieber beim Hobby Pferd. Es liegt mit Sicherheit nicht an den Meistern nur denn die sind in allen Berufen mal gut und mal schlecht und in allen Berufen gibt es gute Ausbilder und Betriebe die in einem Azubi eine billige Hilfskraft sehen.

  9. M.L sagt:

    Hallo,
    Leider ist der ganze Artikel vollkommen Wahr! Ich selbst habe 2009 mein Prüfung abgelegt,ich habe auf mehreren Betrieben unterbezahlt gearbeitet! In meiner Ausbildung hatte ich eine 60ig Stunden Woche!! Das war kein Zuckerschleken.. zeit zum lernen hmm war kaum da! Nach 4 Wöchiger Eingewöhnung gings auch gleich zur Sache..Unterricht geben als Azubi ohne Anleitung nicht nur Anfänger! Man war des öfteren hilflos… die Arbeit an sich hat mich nicht gestört,das es körperliche Arbeit wird war mir klar! Ich hatte Zuhause denn Stall selber voller Pferde vor der Ausbildung! Es wird sich einfach zu wenig zeit für Azubis genommen und es wird ein viel zu viel abverlangt! Natürlich habe ich beim ersten Anlauf meine Prüfung auch nicht geschafft! Wie auch wenn man in der Berufschule aufen Tisch am Schläfen ist weil der Körper nicht mehr kann. Ich habe sofort nach der Prüfung gekündigt und mich das halbe Jahr zur nächsten Prüfung ordentlich vorbereitet. Zeit war ja nun endlich mal da zum lernen! Zum Glück hatte ich noch eine Cousine die Bereiterin ist und mir dabei unter die Arme gegriffen hat! Zeit zum lernen gabs ja nicht auf dem Betrieb.. mein Fazit ich arbeite nun in der Landwirtschaft mit Kühen und dort ist es viel ruhiger als auf einen Pferdehof. Ich werde wenn möglich auch nie mehr diesen Beruf ausüben! Liebe grüße M.L

  10. Petra sagt:

    Hallo,

    habe 25 Jahre einen eigenen Betrieb und würde gerne den Pferdewirtschaftsmeister machen um ausbilden zu können. Anfragen habe ich genug. Habe 18 Pferde hier kann aber leider nicht weg und mir die Ausbildung auch nicht leisten. Das ist ein Dilemma vieler kleiner seriöser Betriebe. Im Moment mache ich alles alleine, ohne Urlaub oder Wochenende. Gelegentlich mit Praktikanten. Der Unterricht ist nicht kostendeckend und die Pension im Grunde auch nicht. Für Musikschulen geben die Eltern meist 60,- im Monat aus, aber Reiten darf nix Kosten. Da rechne ich denen gelegentlich vor, wie viel ein Klavier frisst. Reiten ist ja Spass und Musik höherwertig, haha. Daher kann man sich meistens kein Personal leisten.

  11. M.L sagt:

    Was ich noch hinzufügen muss es waren in meiner Klasse um die 85% die vor der Schule Arbeiten mussten die auch meist auf dem Tisch geschlafen haben oder wenn früher Schule zuende war erst gar nicht zum Betrieb mehr gefahren sind obwohl es Pflicht war. Ich selbst habe des öfteren das Auto abends versteckt um mal eine Stunde länger zu schlafen! Die meisten haben das auch getan! Selbst denn Betrieb gewechselt oder auch noch im 3ten Jahr aufgehört! Wenn man meist nur runter gemacht wird vom Ausbilder und als volle Arbeitskraft angesehen wird ist es nicht verwunderlich das ein irgendwann die Lust vergeht. So gings denn meisten in der Klasse auch. Schade das ein der Zuständige Berater der LW ein auch nicht wirklich hilft :/

  12. Pferdewirt aus Hessen sagt:

    Hallo Herr Arnold,

    „Solange die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, wie zu Bismarcks Zeiten, nicht selten für Pferdewirte die Kündigung bedeuten kann, wird es keinen Tarifvertrag für Pferdewirte geben. “

    Eben das ist es! Sobald man versucht etwas zu ändern, kommt der nächste Tritt. Reden erweist sich oft als sinnlos oder verschlimmert die Situation. Wenn man dann auch noch als Einziger im Betrieb arbeitet, hat man noch nicht mal da jemanden mit dem man sich „verbünden“ kann. Wenn ich an meinen Ausbildungsbetrieb denke, sträubt sich mir das Nackenhaar. Da wäre die Hölle los gewesen, wenn ich mit einer Gewerkschaft gekommen wäre. Wie soll man sich da verteidigen, wenn einem zwei Chefs gegenüber sitzen und man sich nur selbst hat. Ich denke viele würden mitmachen, wenn wir mal eine Chance hätten uns zu sammeln, wie bei Streiks und Demos. Allerdings sehe ich auch hier das Problem, dass es schwer ist sich durch zu setzen, da wir heut zu Tage die Allgemeinheit (aufgrund dessen das Pferde nur noch Hobby sind) mit einem Streik nicht hart genug treffen und wir wenig Alternativen haben in unserem Beruf ggf in andere Branchen auszuweichen. So ist es schwierig Arbeitgebern Druck zu machen. In der Regel wird man einfach ersetzt.

    Dazu kommt noch, dass unser Beruf zunehmend durch das Thema Pferdesteuer bedroht wird.

    Selbst daran sieht man wie unwichtig unser Beruf auch von der Politik gesehen wird.

  13. Sa Gro sagt:

    Habe das selber mit gemacht….
    Um es vorweg zu nehmen, ich war nicht das Pony streichelnde Mädchen. Habe vor der Lehre ein Jahr Berufspraktikum absolviert, mit allem drum und dran. Im ersten halben Jahr in einem großen Privatstall samt Hengststation, im 2. Halbjahr in einer Reitschule, denn ohne Berufserfahrung wird man erst gar nicht genommen.
    Selbst im Praktikum stand ich von früh um 4 Uhr bis Abends um 20 Uhr auf Arbeit. Da sollte vor dem Tunier noch Ausgemistet werden, die Pferde geputzt und versorgt, die Sachen verladen und die Tunierpferde verpackt werden.
    Um 6.00 war Abfahrt….
    Natürlich durfte man als TT mit und wurde auch gerne an andere Teilnehmer ausgeliehen um sich um deren Tiere/Ausrüstung zu kümmern.
    Abends war man natürlich müde und kaputt, durfte sich aber gerne noch alle anfallenden Beschwerden diverser Pferde Besitzer anhören. Man hätte das Pferd nicht ordentlich geführt/ ausgemistet/geputzt. Überhaupt kann man nichts richtig machen und was einem einfällt das Schlamm verkrustete Pony mit der groben Bürste zu putzen, er wär doch so sensibel.
    Man braucht schon ein dickes Fell in dem Job, 12 Stunden Tage Standart, meist sogar mehr.
    Wärend man mit dem Ausmisten beschäftigt ist, kommen schon die ersten Reitschüler, die meisten noch ganz frisch und können nicht vorne von hinten unterscheiden also beim putzen und satteln helfen aber eigentlich hätte man ja das Beritt Pferd für den Chef schon fertig haben sollen, der schon schreit wo man denn bleibt.
    In der Mittagspause möchte man doch bitte das Pferd vom Chef reiten damit der gute auch etwas Bewegung bekommt, essen und Pause wird sowieso völlig überbewetet.
    Meistens sind die Stallbetreiber auch noch notorische Koleriker die einen einfach wegen jeder Kleinigkeit, z.B einer verrutschen Abschwitzdecke in Grund und Boden brüllen, wie dämlich und unfähig man doch sei.
    In der Berufsschule denkt man dann noch, man hätte das große Los gezogen wenn man hört was andere Lehrlinge für Probleme haben.
    Diese durften kostenfreie Kinderbetreuung , beim privaten Hausbau helfen und die Haushaltsreinigung des Chefs übernehmen.
    Unterm Strich gibt es Jobs die besser bezahlt werden und wenigstens diversen Regeln unterliegen. Ich rate jedem davon ab!

  14. Maria Scheiber sagt:

    Ich habe selbs eine alles andere als faire Ausbildung zum Pferdewirt absolviert und sogar mit toller Staubfängerplakette abgeschloßen. Alles für die Katz.
    Die Hoffnung auf eine besseres Berufsleben nach der Ausbildung hat sich mehr als schnell zerschlagen. Sprüche wie “ Frisch mit der Ausbildung fertig? Da können sie ja gar nichts!“, „Machen sie doch erstmal 4 Wochen unbezahltes Praktikum“ oder „Wohnen auf der Arbeitsstelle ist verpflichtend für uns. Partner sind unerwünscht und führen zur sofortigen Kündigung.“ waren die Regel. Da fragt man sich allen Ernstes ob Sklaverei nicht schon lange verboten ist.
    Schon in der Ausbildung habe ich die hier beschriebene Kleinhaltungspolitik der Ausbilder zu spüren bekommen. Auch die aufgeführte Geiz ist Geil Masche greift hier immer wieder. Monatelang kein Gehalt und und wüste Beschimpfungen, weil man irgendwann nicht mehr den nötigen Sprit im Tank hat um zur Arbeit zu kommen, sind häufiger vorgekommen. Dazu beadarf es nicht mal eines Pferdewirtschaftsmeister, mein Ausbilder und meine Chefs in den folgenden Jahren waren immer Agraringeneure oder ähnliches.
    Doch diese Münze hat auch zwei Seiten. Die berühmten Wendymädchen gingen in meinem Lehrbetrieb ein und aus. In 3 Jahren habe ich 10 Lehrlinge kommen und gehen sehne. Davon waren 2 wirklich motivierte und tatkräftige Junge Leute, der Rest hat mal bei Opa das Pony gestreichelt und war nicht bereit auch nur ansatzweise körperliche Arbeit und vor allem Zeit in den Beruf zu stecken. Trotzdem gab es bisher mit mir in 15 Jahren nur 2 Azubis die ihre Ausbildung dort abgeschlossen haben.
    Die Situation in der ganzen Branche ist stark durch Konkurrenzdruck und zahlungsunwilliger Kundschaft geprägt. Kein Wunder dass da an jeder Ecke gespart wird. Was macht da schon ein schlecht bezahlter Azubi mehr oder weniger Verschleiß im Jahr? Nachschub ist fast immer da. Ich selbst habe 60 Bewerbungen schreiben müssen, um dann über einen Bekannten eines Bekannten usw. eine Lehrstelle in meinem Traumberuf zu bekommen.
    Es wird Zeit für ein Umdenken in der gesamten Branche. Nicht nur bei den Ausbildern, auch bei den Azubis. Wer für den Beritt eines Pferdes nur minimale Kosten verlangt kann auch keine großen Sprünge machen um die Ausbildung von Pferd und Reiter zu verbessern. Es gibt auch Ställe in denen das sehr gut funktioniert und von denen man nicht nur als billige Arbeitskraft ausgebeutet wird, leider sind diese sehr selten zu finden und suchen fast nie Personal. Das Angestellte dort gehen kommt eher selten vor.
    Inzwischen habe ich auch einen anderen Berufsweg eingeschlagen. Ich hatte die Schnauze voll von schlecht bezahlter Arbeit und dem ständigen Druck immer mehr für immer weniger Anerkennung und Weiterbildungsmöglichkeiten zu leisten. Den Pferden bin ich immer noch treu, dafür aber in einem anderen Dienstleistungsektor.

  15. Marina Schneider sagt:

    Ich habe meine Prüfung zur Pferdewirtin schon im Jahr 2001 abgelegt. Durch die Lehre hab ich mich wortwörtlich durchgekämpft, und ohne meinen Willen, es unbedingt schaffen zu wollen, hätte ich durchaus eine von den vielen werden können, die nicht durchhielten. Schon damals war die Abbruchquote sehr hoch. Ich arbeite immer noch mit Pferden, allerdings verdiene ich mein Geld hauptsächlich mit Pferdepension. Der Beruf ist leider inzwischen so in Verruf geraten, dass ich mich manchmal schon schäme zu sagen, ich bin Pferdewirtin. Wenn ich es doch erwähne, dann füge ich sofort hinterher, dass ich mich von dem, was ich mal gelernt habe, verabschiedet habe und heute den Schwerpunkt auf artgerechte Haltung und Ausbildung lege. In meiner Lehrzeit war das nämlich nicht der Fall, gewurmt hat mich das damals schon, nur als Lehrling hatte ich keine Möglichkeit, dagegen anzukommen. Heute weiß ich es nicht nur besser, sondern ich kann es vor allem anders machen. Es ist schade, dass so viele andere lieber einen anderen Job wählen, als den Versuch zu wagen, es besser zu machen.

  16. Nina sagt:

    Hallo,
    ich habe vor 5 Jahren meine Ausbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten abgeschlossen und muss sagen, ich gehöre nicht zu denen, die großes Talent haben. Aber ich habe eine solide Grundausbildung genossen und mein Ausbilder hat sich auch mal Zeit für uns Azubis genommen und hat sich hingesetzt und uns Reitunterricht erteilt. Dazu muss ich sagen, dass ich wirklich Glück hatte mit meiner Ausbildungsstelle. Wir hatten geregelte Arbeitszeiten von 7-17.15 Uhr. Hatten immer unseren Urlaub bekommen, auch wenn wir nur zu viert im Team waren. Der erste Nachteil war, dass wir leider keine Berufschule hatten, musste mir alles alleine aneignen, habe trotzdem gut in meiner Prüfung abgeschlossen.
    Der zweite Nachteil war, dass mein Ausbilder nur Dressur ausgebildet hat. Wir hatten zwar die Möglichkeit, auf dem Hof bei den Privatreitern im Springunterricht mitzureiten, hatte aber nie die Chance Springunterricht zu erteilen.
    Aber im großen und ganzen war ich zufrieden. Inzwischen arbeite ich nicht mehr als Pferdewirt. Aber einfach, weil ich selber für mich entschieden habe, dass ich nicht gut genug in dem Beruf bin um mir was eigenes aufzubauen und gut davon Leben zu können, zum anderen habe ich leider gesundheitliche Probleme bekommen schon während meiner Ausbildung. Ich habe jetzt nochmal eine Ausbildung zur Kauffrau angefangen und habe wieder ein ganz tolles Hobby!

  17. König sagt:

    Ich wollte nach meiner Ausbildung zur Landwirtin gern im Pferdebereich arbeiten und hab nach wenigen Wochen geschmissen: Wenn für neue Pferde mal schnell fünfstellige Beträge ausgegeben werden, aber bei Minustemperaturen kein neues Fenster im Zimmer der Mitarbeiter drin ist geschwige denn für ordentliches Arbeitsmaterial und man dann zur Krönung auch noch einen Bewerber für die eigene Stelle rumführen darf, vergeht einem jegliche Lust.

  18. S.A. sagt:

    Mit großem Interesse habe ich die Kommentare gelesen, denn es erging mir auch nicht anders.

    Vor Ausbildungsstart habe ich ein halbjähriges Praktikum absolviert – natürlich weil die Eltern darauf bestanden haben und ich nicht eines dieser berüchtigten Wendy-Mädchen werden sollte. Aber ich sah meinen Berufswunsch bestätigt und so habe ich unzählige Bewerbungen geschrieben, keine oder sehr sehr verzögerte Antworten erhalten bis ich über ein Praktikum schließlich in meinen ersten (!) Ausbildungsbetrieb rutschte. #
    Die Bedingungen waren grauenhaft. Familienbetrieb mit angestelltem Meister, an sich klang das nicht so schlecht. Wenn aber die Chefin der Meinung ist man kann nicht reiten und ein (!) Schulpferd zu reiten hat, kann das ganze ja auch nichts werden. Im Großen und Ganzen war ich vormittags mit misten und nachmittags mit Schulunterricht geben beschäftigt. In den Unterricht wurde ich ohne Anleitung hineingeschmissen und hatte ihn sogar größtenteils allein zu organisieren. Zum Unterricht reiten kam ich oft nicht, weil zu viel Schulbetrieb war. Wenn ich damals (auf sicherem A-Niveau unterwegs) ohne Dreieckszügel oder eventuell gar einmal Kandarre ausprobieren wollte (natürlich unter meisterlicher Aufsicht), war das Zeter und Mordio der Chefin groß. Ich hätte ja was kaputt machen können…
    Nach mehreren fruchtlosen Gesprächen um an dieser Situation etwas zu ändern wechselte ich den Betrieb – und kam von der Traufe nur in den Regen.

    Ich durfte die Berufsschule nicht besuchen, Unterricht geben und misten war immer noch fester Bestandteil meiner täglichen Arbeit. Aber ich kam immerhin schon mehr zum reiten und mir wurde auch mal von den zwei Meistern und der Bereiterin im Vorbeireiten ein Tipp zu geknurrt. Richtigen Unterricht gab es nur wenn man mit genügend Vorlauf eindringlich darauf bestand – oft nur wenn es einen triftigen Grund gab wie Turnier oder Prüfung.
    Die Einsteller durften aber oft nicht wissen, dass wir auf ihren Pferden „herumjuckelten“ sie zahlten ja schließlich für einen professionellen Beritt und wir Azubis könnten das ja noch nicht. Natürlich gab es auch nette Ausnahmen, die waren aber wirklich selten!

    Die Meister tragen natürlich mit Schuld an der Ausbildungssituation, schließlich ist es wirklich knallhart ihnen anzulasten ob der Azubi Unterricht erhält, gute Pferde zu reiten und zu lernen hat und schließlich auch die Prüfung schafft.
    Natürlich gibt es Wendy-Mädchen und Azubis die sich nicht anstrengen wollen, aber es gibt auch Dachdecker-Azubis die feststellen, dass sie doch Höhenangst haben. Deshalb würde ich diese Abbrecher ausklammern.

    Geringe Wertschätzung und mangelnde Achtung vor einer qualitativ hochwertigen Ausbildung führen zur Frustration vieler Azubis. Wenn man dann selber vielleicht auch noch feststellt, dass man nicht ganz so talentiert ist um international vorne mitreiten zu können – und sich das auch nicht durch eine eigene/elterliche Anlage oder wenigstens das entsprechende Geld ermöglichen kann – bleibt oft nur der Schritt raus aus der Branche.

    So war es auch bei mir. Meine Meister waren bemüht, aber haben die Augen davor verschlossen, dass ein Azubi noch nicht alles kann und deshalb Unterstützung und Anleitung benötigt. Ich habe die Prüfung geschafft und mich nachträglich für ein Studium entschieden.
    Dennoch würde ich alles nocheinmal genauso machen – schließlich ist es mein traumberuf. Aber eine Gewerkschaft ist dringend notwendig, oder zumindest klare Regelungen für die Ausbildungsanerkennung von Betrieben. Wenn eine wöchentliche Arbeitszeit von 60 h Glück ist und eher 80 die Regel sind. Darf so ein Betrieb keine Zertifizierung erhalten! Ebenso wenn nicht genügend gute Pferde für die Ausbildung zur Verfügung stehen. Zudem sollte es überwachte Pflicht zu mindestens einer wöchentlichen Unterrichtsstunde im Betrieb geben, denn die geht selbst bei Turnierstress irgendwo mit rein!

    Heute kann ich sagen, ich kann hart arbeiten und scheue mich auch nicht davor und habe richtig reiten gelernt. In zukunft soll es aber mein Hobby bleiben.

  19. pferdewirtin im Umkreis von ahrensbök sagt:

    Ich bin 16 und im 1. Lehrjahr. Ich kann verstehen warum so wenige diesen Beruf komplett durchziehen… man wir angeschriehen, muss alle Drecksarbeiten erledigen und wenn der Chef ausrastet wird einem gedroht weil man etwas falsch gemacht hat weil man es einfach nicht gelernt hat…. jeder Arbeitgeber geht davon aus das man alles von allein kann…. und egal wie gefährlich es ist mit mir kann man es ja machen…. egal ob man einfach nur noch überarbeitet ist J d kurz davor steht umzukippen….
    Dann kommt auch noch hinzu das die Arbeitgeber das schon von Praktikanten vorderen die erst seit ner Stunde den Hof kennt… und auch das ich, die noch unter dem jungenschutzgesetz steht, teilweise 4 Wochen durcharbeiten… ohne wenigstens einen halben Tag frei zu bekommen… ich kann alle verstehen die abbrechen…

    • S.A. sagt:

      Ja an Rücksicht und Menschlichkeit und einer pädagogischen Befähigung fehlt es vielen Meistern leider.
      Wenn du es als so schlimm erlebst würde ich dir vor dem Abbruch zum Gespräch und zum Wechsel raten!

  20. Alexander Rehwagen sagt:

    Meiner Meinung nach liegt es nicht nur an den Pferdewirtschaftsmeistern. Sondern eher an den sehr oft verbreiteten sehr schlechten Arbeitsbedingungen in den Betrieben an sich. 70 Stunden in der Woche sind normal und oft nur das Minimum. Dazu kommt Arbeit an nahezu allen Feiertagen und Wochenenden von Überstunden ganz zu schweigen. Die Betriebe erwarten das man sein ganzes Leben opfert für die Pferde und das zu einer verdammt schlechten Bezahlung. In den meisten Betrieben herrscht dauerhafte Unterbesetzung und das auf Kosten der Pferde und Pferdewirte. Ich selbst habe in meinem Ausbildungsbetrieb eine hervorragende Ausbildung genießen dürfen und habe mit Graf von Lehndorff Plakette die Ausbildung abgeschlossen. Und was hat es mir auf dem Arbeitsmarkt gebracht? Gar nichts. Das Problem liegt nicht in der Ausbildung sondern bei den Betrieben die oft nicht bereit sind die geleistete Arbeit und die damit verbundene Aufopferung wertzuschätzen und gebührend zu entlohnen. Stattdessen wird man noch behandelt wie der letzte Dreck. Darum sollte sich unser Landwirtschaftsminister mal kümmern!

  21. GJ Bereiterin FN Heinsberg sagt:

    Mein ganzes Leben für die Pferde!
    Ich bin Jahrgang 1957 und mit Pferden aufgewachsen. Mein sehnlichster Wunsch war es, Reiten zu erlernen. Nach dem Abitur habe ich mich in der Reiterstadt Aachen um einen Ausbildungsplatz beworben. Die Ausbildung war mehr als hart: 60 Pferde auf dem Betrieb, morgens um 07.00 antreten … von Heinsberg aus mit dem Auto nach Aachen, keine Wochenenden frei. Ich habe geschuftet, für wenig Lehrgeld mich abgerackert, bis die Knochen krachten. Mein Ausbilder war kompetent, motivierend, ein großartiger Mentor, für ihn wollte ich es schaffen und für mich! mit aller Kraft. Er verließ Aachen, um in seine alte Heimat zurückzukehren, ich mußte zu anderen Ausbildungsplätzen wechseln. Mein Glück war ein wunderbarer Mensch, ein Grand Prix Reiter der alten Schule, Werner Schönwald, vom dem Ich ALLES gelernt habe, es war eine Ehre bei IHM reiten zu dürfen. Zehn Jahre nach Beendigung der Lehre fuhr ich immer noch zum Training nach Aachen. Ein Bestehen in diesem Beruf war überaus schwierig, als Frau doppelt schwer sich durchzusetzen. Pferdehandel und Pferdezucht, Ausbildung, Beritt, Reitunterricht und Verkauf erbrachten immer nur so viel, um gerade eben zu überleben. Es gab keine Freizeit. Ich habe auf die Zähne gebißen und eisern durchgehalten. Heute bin ich selbstständig, ich habe mir im Verlauf der Jahrzehnte auch andere Stützpunkte beruflicher Art erarbeitet, um mir diese Berufung, mein Hobby, dass ich mir zur Beruf gemacht habe, zu erhalten.

    • reutgens sagt:

      Wüsste von keiner Bereiterin, die Werner Schönwald ausgebildet hätte und mit der er Jahre danach noch Kontakt gehabt hätte – allerdings von allzu vielen, die seinen Namen ausnutzen, um für sich selbst unlauteren Wettbewerb zu betreiben.
      Wer bitte wollen Sie sein?

  22. Marisa Schädler sagt:

    Eigentlich kann ich fast Alles oben beschriebene so unterschreiben.
    Pferdewirt ist ein Beruf geworden in dem eigentlich alles, was man lieben muss um diesen Beruf gerne zu tun über Bord geworfen werden kann.
    Eigentlich sollte ein Pferdewirt in der Lage sein, verschiedenartigste Pferde ihren Talenten entsprechend für die zukünftigen Reiter auszubilden.
    Das Einzige, was sie heute lernen ist, wie mannach Schema F in kürzester Zeit ein Pferd verkaufsfertig macht. Rübe runter, Sporen in die alten Löcher und wwehe der Scheissbock tut nicht. In den Prüfungen die in Warendorf bzw. München abgenommen werden besteht nicht der, welcher nach den Grundsätzen der Richtlinien ausbilden und reiten kann. Wer Stensbeck bekommt oder wer durchfällt ist eigentlich ein reines Lotterie-Spiel. Es kommt auf die Prüfungskommission an, welches Pferd man bekommt, wenn man nicht ein sehr gutes eigens Pferd mitbringen kann und welche verbindungen man hat. Jedoch auch das ist keine Garantie. denn die Beurteilung ist dermassen subjektiv, wie ich es in noch keinem anderen Ausbildungsberuf erlebt habe. Prüflinge mit entsprechenden Verbindungen werden so oft die Pferde gewechselt, bis dann einer passt, mit dem die Prüfung bestanden werden kann. Befreundete Ausbilder sorgen dafür, dass dann alles in den richtigen Bahnen verläuft. Zur Not sitzt dann noch schnell vorher ein warendorfer Bereiter drauf um das Pferd für den Prüfling „vorzubereiten“. All diese Dinge habe ich selbst erlebt und gesehen. Für mich ist jemand der ordentlich reitet ohne Prüfung wesentlich mehr wert, als ein Stensbeck-Kandidat von Warendorfs Gnaden.

  23. Mb sagt:

    ich bin selbst pferdewirtschaftsmeister reiten, habe selbst ausgebildet und bin seid Anfang des Jahres aus dem Beruf raus ! Mit 30 möchte ich mal anmerken … Ich frage mich warum sich hier gegenseitig die Schuld hin und her geworfen wird!?
    Aus meiner Sicht ist es fast unmöglich mit Pferden vernünftig Geld zu verdienen! Man sollte sich mal fragen warum ist das so ….?
    In einer Zeit wo jede ponyranch jungendliche in die Mitte stellt, wo die fn es toll findet Trainer c/b/a wie toll hochzuheben und großzügig jeder trotten so einen Schein machen kann und sich hinstellt und Reiter und Pferde ausbildet , wo Züchter das 16j Mädel vom Rv seine Pferde anreiten lässt … Und das immer so günstig wie geht … Qualitätskriterium , wie gelernter Pferdewirt oder gar Meister braucht man doch kaum ….

    Worauf ich hinaus will …um mich und meinen Betrieb mit Lehrling aufrecht erhalten zukleben muss ich schon min 15 Pferde da haben , Unterricht erteilen , Lehrgänge geben … Weil alles was wir tun ja nix kosten darf ! Würden wir unsere Arbeitszeit wie im Handwerk mal als Stundenlohn in Rechnung stellen hätte ich jedenfalls kein Pferd mehr im stall … Also geht es ohne Überstunden für mich und meinen Lehrling gar nicht !!!
    Ich denke das komplette Konzept mit den ach so tollen Trainer c/b-a , und wo jeder alles machen kann ohne versichert zu sein macht unseren Beruf so kaputt !!!
    Ich jedenfalls hab für mich ein reines Gewissen das sich meine Lehrlinge bei mir wohl gefühlt haben und auch gerne mit mir gearbeitet haben !

    Also schiebt die Schuld nicht hin und her !

    Ändert etwas gemeinsam dran !!!

    • B.D. sagt:

      Das sehe ich auch so. Jeder Hinz und Kunz stellt sich hin und gibt Reitunterricht und bereitet Pferde und teilweise sogar ohne Trainerschein und natürlich auch ohne Berufsausbildung, wofür auch, wenn es genau Kunden gibt, die dafür Geld bezahlen.

  24. Lena sagt:

    Ich bin Pferdewirt Reiten Azubi im 2. LJ. Ich kann absolut unterschreiben, dass es ein wahnsinnig harter Job ist, der sicher nur für eine Handvoll Menschen das Richtige ist. Allerdings denke ich, dass viele mit einer zu rosigen Vorstellung den Vertrag unterschreiben und wenig später am Boden der Tatsachen wieder lösen. Sie sehen den Bereiter oder den Meister den ganzen Tag auf tollen Pferden und denken:das will ich auch! Dass derjenige dafür hart gearbeitet hat, wird schnell vergessen. Jeder kennt seine Rechte aber keiner die Pflichten…
    Man ist enttäuscht, wenn erstmal ein Jahr Sch… Schippen statt Turnierreiten im Vordergrund steht und nicht zu Lehrbeginn 10 eigene Berittpferde frisch von der Eliteauktion im Stall stehen. Ich denke das Hauptproblem liegt darin, dass kaum noch jemand hart über einen längeren Zeitraum auf ein Ziel hinarbeiten kann. Alles muss spätestens gestern passiert sein. Dafür, dass ein Meister einen Azubi nicht 3 Stunden täglich auf seinen Grand-Prix-Pferden üben lässt kann man wirklich niemandem einen Vorwurf machen! Mit ein wenig Fleiß kommt jeder voran, in diesem wundervollen Beruf gilt das erst recht!

    • M.G. sagt:

      Hallo Lena, das hast du wunderbar geschrieben. Ich habe aufmerksam alle Beiträge durchgelesen und es tut mir im Herzen weh, wenn ich sehe, wie viele Azubis ausgebeutet werden. Ich selbst bin Pferdewirtschaftsmeisterin Haltung und Service und bemühe mich nach besten Wissen und Gewissen auszubilden. Keine leichte Sache – was an Bewerbern hereinkommt, ist inzwischen eine Katastrophe. Die meisten haben sich nicht wirklich mit dem Beruf auseinander gesetzt, denken, ein bißchen Ponyreiten in der Vergangenheit und ein schlechtes Schulzeugnis reichen aus, um Pferdwirt zu werden. Unsere Mitarbeiter (auch Azubis) haben relativ geregelte Arbeitszeiten mit einer 40-h-Woche, dürfen ihren Urlaub auch „aufbrauchen“ und werden fair nach den Vorschlägen der zuständigen Stelle bezahlt. Wir haben das Glück, das wir bisher tolle Azubis hatten, die fleißig waren. Aktuell haben wir seit einem Jahr eine Ausbildungsstelle frei – es ist KEIN geeigneter Anwärter für die Stelle zu bekommen. Charakterzüge wie Zuverlässigkeit, Verantwortungsgefühl und vor allem eine große Leidenschaft für diesen Beruf – Fehlanzeige!!!! Meist sind es verwöhnte Kids, wo Mama und Papa der Meinung sind, das Kind möge doch etwas Richtiges Lernen. Da kommen im Laufe der Ausbildung nur einmal Probleme auf, dann ist Mama und Papa froh, dass sich das Kind besonnen hat, statt ihm auch mal in den Popo zu treten… Zu meiner Zeit hieß es: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Da hat man sich auch mal durchgebissen. Das fehlt heutzutage den meisten jungen Menschen – wie schade! Dann die Vorstellung der meisten, der Beruf besteht vorrangig aus Reiten! Ich bin zwanzig Jahre im Stall gestanden und habe gemistet – für mich gehört so etwas zu der Pferdehaltung hinzu, ebenso die Versorgung einschließlich Service-Leistungen für die Kundenpferde. Dazu sind die wenigsten bereit – selbst bei ausgelernten Pferdewirten im Beruf Haltung und Service. Wir sind inzwischen so weit, auch einen Rumänen oder Polen einzustellen, wenn dieser der deutschen Sprache ansatzweise mächtig ist und Pferdeerfahrung mitbringt. Traurig, nicht?????

  25. J.G. sagt:

    Auch ich habe eine Ausbildung als Pferdewirtin Schwerpunkt Haltung & Service angefangen. Ich bin mit eigenen Pferden aufgewachsen und in dem Betrieb wo meine Pferde stehen, wurde früher aus ausgebildet. Bin also von klein auf an damit groß geworden und es war IMMER mein Traumberuf, ich wusste das es hart ist! Ich hatte dann das „große Glück“, trotz nicht all zu guten Noten, in einen Internationalen Turnierstall zu kommen, schon beim Probearbeiten, wo ich noch 17 Jahre alt war, wurde einiges von mir abverlangt. Ich durfte mit aufs Turnier – im Ausland – und wurde als Praktikantin dann Vorort mit den Pferden alleine gelassen. Ich durfte im LKW schlafen, wo die Heizung nicht ging, kein TV oder Radio war und abends auf dem Turnier tote Hose war. Nachts habe ich dann also in allen Klamotten die ich hatte geschlafen, damit ich nicht friere, der Zustand war reine Katasrophe. Als man dann wieder „zu Hause“ im Betrieb war, hatte ich ein Angebot bekommen dort meine Ausbildung anzufangen. Ich hätte vor Freude platzen können. Denn es ist insgeheim mein größter Traum (gewesen), selber erfolgreich auf Turnieren unterwegs sein zu können.
    Kaum fing die Ausbildung an, gingen auch die schlimmen Zeiten los. Am Anfang ging es noch, da war man noch nett zu mir. Allerdings habe ich dann schnell 10 Pferde am Tag geritten(+die normale Stallarbeit). Ich bin schnell an meine Grenzen gekommen. Für viele war/ist es normal, aber zuvor bin ich zu Hause immer nur eines geritten. Da war es natürlich echt eine umstellung. Aber damit konnte ich leben. Jedoch musste ich dann auch die dreijährigen Hensgte reiten. Laut Gesetz hätte ich es gar nicht machen dürfen. Aber wie einige schon schrieben: Gesetze kennt man nicht. Einmal bin ich auch von einem runtergefallen, hatte tierische Schmerzen, aber mein Chef sagte:“Es ist egal, du hast noch andere Pferde zu reiten!“ Also bin ich unter Tränen vor Schmerz weiter geritten. Dann musste ich vor und nach der Schule (8std) arbeiten. Ich hatte nicht einmal Zeit zum verschnaufen. Essen ging auch nur schnell während des umziehens. Nach 7 Wochen hatte ich das erste Mal frei. Aber auch nur, weil ich gefragt hatte. Ich durfte dann ausnahmsweise mal Freitags um 12h Feierabend machen. Aber es wurde sofort klargestellt, dass ich sonst erst Samstags um 12h Feierabend haben werde. Dabei hätte es sich das für mich überhaupt nicht gelohnt nach Hause zu fahren, da ich weiter weg wohnte. Als ich dann zu Hause ankam durfte ich mir erst einmal von allen Leuten anhören wie scheiße ich denn aussehe. War natürlich auch ganz toll. Aber all meine Klamotten waren mir zu groß geworden, weil ich durch den Druck (die Arbeit, das tägliche anschreien etc.) so viel abgenommen hatte. Ich bin eh eine dünne Person, bestand aber in der Zeit nur noch aus Haut und Knochen. Als ich dann nach 7 Wochen das erste Mal zu Hause sein konnte und wieder zurück im Betrieb war, stand ich Montags morgens im Stall, hatte gemistet und war noch etwas müde. Mein ex-Chef schrie mich so laut an, das man es selbst im Stalltrackt nebenan hörte. Glaube, dass ganze Dorf hatte was davon. Begründung war: Wenn ich jedes mal so müde von zu Hasue wiederkomme, dann darf ich gar nicht mehr nach Hause! Und da fiel dann endgültig die Klappe. In der Frühstückspause rief ich zu Hause an um zu sagen, dass man mich abholen könnte. Danach ging ich zu meinem damaligen Chef und habe gekündigt.
    Als ich zu Hause war sagte ich schon zu meiner Familie, dass ich mir wünsche so doll vom Pferd zu fallen, dass ich erst einmal einige Zeit Krankgeschrieben bin. Ich wollte absolut nicht mehr da sein. Es war der absolute Horror für mich.

    Hinterher habe ich übrigens von einigen Leuten erfahren, dass es in dem Betrieb ein ständiges kommen und gehen ist. Die wechseln ihre Angestellten wie Unterhosen. Kaum einer hält es dort wirklich lange aus. Und genauso habe ich es auch erlebt. Selbst in meinen 7 Wochen kamen und gingen die Leute.
    Die Krönung war, dass ich noch nicht einmal bei der Landwirtschaftskammer als Auszubildende gemeldet war.

  26. Dietbert Arnold sagt:

    Es zerreißt mich, wenn ich dieses Elend lese, wenn ich sehe, wie diese widerlichen Ausbilder Euch betrügen und gleichzeitig den Beruf kaputt machen. Da ich den Beruf Pferdewirt und seine Bedingungen ein klein wenig kenne, weiß ich, dass dieses Beispiel leider kein Einzelfall ist. Die Schwarzen Schafe dominieren den Beruf und diskriminieren die guten Ausbilder, die es auch noch gibt. Mittlerweile denke ich, sie sind bald in der Minderheit. Auf jeden Fall bin ich mir immer sichere, dass meine Überschrift der Seite richtig gewählt ist.
    Und Du? Warum wehrst Du Dich nicht? Einen Ausbildungsplätze Versprechen und kein Vertrag abschließen ist gegen das Berufsbildungsgesetz und kann neben Bußgeld auch Schadenersatz auslösen. Natürlich liegt ein Verstoß des Arbeitszeitgesetzes und Jugendarbeitsschutzgesetz? vor. Auch gut für ein Bußgeld. Ohne Ausbildungsvertrag warst Du keine Auszubildende sondern Hilfsarbeiterin, da gilt der Mindestlohn von 8,50 je Stunde. Diesen Lohn kannst Du einklagen. Frage Deine Krankenkasse ob Du sozialversichert warst. Wenn nicht ist das Sozialversicherungsbetrug. Wehre Dich! Verlange von der Zuständigen Stelle, dass sie eingreift, informiere Krankenkasse, Gewerbeaufsichtsamt und den Zoll. Natürlich sind die Arbeitsschutzgesetze verletzt worde. Das interessiert die Unfallversicherung und natürlich auch das Gewerbeaufsichtsamt. Ihr müsst Euch wehren, damit diese Leuten das Handwerk gelegt wird! Wenn Du jetzt sagst, das ist alles zu lästig, dann bedenke, dass da noch ganz viele wie Du da reinrasseln. Wenn Du sagst, das ist alles zu kompliziert, dann wäre die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt jetzt mit ihrem Rechtschutz genau das richtige. Und wenn Du gar nichts machen willst, dann hast Du vielleicht gelernt, dass die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft einfach zum Berufsleben dazu gehört.

    Hoffentlich bist Du jetzt nicht so gefrustet, dass Du erst mal alles hinschmeißt?

  27. Carolin Witte sagt:

    Auch ich als Azubine Schwerpunkt Haltung und Service möchte mich zu diesem Thema einmal äußern, da viele meiner Freunde mir einen Link hierher geschickt haben.
    Meine Ausbildung verlief ziemlich chaotisch, ein Betriebswechsel direkt nach dem ersten Lehrjahr aufgrund eines beinahe tödlichen Arbeitsunfalles, jetzt in einem anderen Betrieb nur Stallkraft, aber immerhin macht man sich hier nicht kaputt.
    In Gesprächen mit Klassenkameraden, Lehrgangskollegen und Co. hört man es immer wieder: Es wird uns Azubis einfach ein wenig viel zugemutet, wir arbeiten vom ersten Tag an alleine, ohne Anleitung, weil wir ja alle schon vorher Pferderfahrung haben. Wenn dann was nicht so läuft wie Chef sich das vorgestellt hat gibts kräftig Ärger und Strafarbeit. Mal drüber reden oder erklären? Dafür ist keine Zeit. Mal etwas verbessern? Wieso das machen wir schon immer so, das geht. (Das es schneller oder besser ginge ist ja egal, wenn man es nicht selber machen muss). Den schönsten Satz der mir mal gesagt wurde war „Solange mein Azubi mit dem Besen billiger ist, wird die Kehrmaschine nur zu besonderen Anlässen angestellt“.

    ABER
    Ich sehe es nicht ein die Schuld nur bei den anderen zu suchen. Ich sehe uns Azubis in der Pflicht uns durch diese verdammten drei Jahre durchzubeißen, alle Mittel zu nutzen uns zu bilden und es nachher besser zu machen.
    Mein Plan sieht zumindest so aus, dass ich diese drei Jahre einfach als Mittel zum Zweck sehe, mir einen offiziellen Schein zu besorgen auf dem steht „staatlich anerkannt ausgebildet“. Danach werde ich die Zeit nutzen mich von in meinen Augen guten Trainern ausbilden zu lassen. Alles in Hinsicht auf meine spätere Selbstständigkeit. Und nein ich komme weder aus einer Pferde- noch einer Landwirtsfamilie. Ich will den Meister. Ich will ausbilden dürfen. Ich will es besser machen. Jammern kann jeder, ändern können nur wir, als zukünftige Fachkräfte etwas an der Zukunft, auch wenn es heißt dafür jetzt die Arschbacken zusammen kneifen zu müssen.

  28. El Ähm sagt:

    Du sagst es! Ehrlich gesagt, es besser machen zu wollen war bereits VOR Ausbildungsbeginn der Plan, da mir die Zustände in Sport, Haltung, Umgang und Ausbildung tierisch gegen den Strich gehen.
    Ich werde nach der Prüfung noch bis zum Studienbeginn geschätzte 2 Jahre als Pferdewirt in Vollzeit arbeiten. Nettes Bonbon, dass ich dann nach oder zwischen dem Studium – was völlig unabhängig von der Landwirtschaft sein wird, so dass das Geld auf anderem Wege und hoffentlich zahlreich reinkommen wird! – jederzeit den Meister machen kann. Die Zeit vor dem Studium werde ich weitere Qualifikationen (Fahrlizenzen etc.) erwerben und fleißig sparen, um meinen Traum leben zu können und mir dabei selbst treu bleiben zu können. Rückblickend habe ich zwar viel gelernt in den drei Jahren (learning by doing). Nach drei Jahren Lehre komme ich aber langsam an einen Punkt, wo das Reiten als Beruf eher dem Fortschritt hinderlich entgegensteht; ich habe z.B. während des Abis deutlich intensiver mit meinen Trainingspferden arbeiten und voranschreiten können. Also mache ich, nachdem der Grundstein gelegt ist (!) – und die Ausbildung war trotzdem richtig! – das einzig richtige; eine Zweitausbildung mit ordentlichen Arbeitsbedingungen, schaffe mir ein sorgenfreieres Leben, als ich in den letzten drei Jahren jemals hatte, um nach getaner Arbeit wieder motiviert, erholt und ausgeglichen, geduldig, fit und mit positiver Einstellung in meiner ‚Freizeit‘ Pferde zu arbeiten.
    Nicht immer ist der Weg geradeaus der einfachste. Manchmal sind es die vielen Täler, Bäche und Felsen am Rand, die den Weg zu dem einzigartigen Erlebnis machen.
    Während der Ausbildung musste ich fortwährend gegen meine Überzeugungen handeln und reden (denn kaum ein Chef mag eigenständig denkende Mitarbeiter, und den Kunden soll man schließlich ‚professionell‘ gegenüber treten…..). Damit ist Schluss. Ich für mich habe erkannt, dass ich mehr vom Pferd hab, wenn ich mehr von mir hab.
    Ja, auch ich habe den Betrieb gewechselt. Knapp 4 Monate vor Ende! Und es war richtig, war nötig. Hatte das Glück, in einem Betrieb mit 39,5 Stunden/Woche aufgenommen zu werden, mit Überstundenausgleich, kaum Zeitdruck und jeder Menge erfahrener Pferdewirte, die es als ihre Aufgabe sehen, auszubilden! Plötzlich war ich nicht mehr Mister, Bereiter und ‚Züchter‘ (Schlaf wird überbewertet zur monatelangen Abfohlsaison) sowie Fußabtreter vor dem Herrn, sondern Auszubildende. Wow. Tolles Gefühl.
    Langsam erholte ich mich auch wieder. Die letzten 2 Monate haben mir bestätigt, dass es schlichtweg keinen Wert hat, sich kaputt zu arbeiten, des Idealismus wegen. Um durchgehalten zu haben. Natürlich kam Abbrechen niemals in Anfrage. Aber ich weiß jetzt, dass ich es als ausgelernte (der Einfachheit zunächst angestellter) Pferdewirtin anders angehen werde.
    Ich bin gut. Ich bin zuverlässig. Ich bin lernfähig, motiviert, teamfähig. Freundlich, gutmütig. Und wenn ich darf, bin ich ehrlich. (Die Ehrlichkeit verflüchtigte sich leider mit zunehmender Ausbildungsdauer, da sie dem Selbsterhaltungstrieb entschieden entgegen stand!)
    Aber ich bin vor allem eins: nicht total bescheuert.
    Ich werde nun das anwenden, was ich in der Arbeit mit Pferden, besonders Hengsten und Jungpferden, lernen durfte:
    Konsequenz: Von Anfang an sagen, wozu ich bereit bin, was ich machen will, und was nicht.
    Grenzen setzen: Chef und Mitarbeitern ganz klar vermitteln: bis hierhin und keinen Schritt weiter. Wenn es akzeptiert wird: super, mit Höchstleistung weiterarbeiten. Wenn nicht: Jobs findet man überall, einen neuen Körper bzw.eine neue Gesundheit nicht…..!
    Klare Kommunikation/Authentizität: hilft dabei, Ernst genommen und verstanden zu werden.
    Vertrauen schaffen: Routine und Zuverlässigkeit, klare Aufgabenverteilung, klare Hierarchie schaffen. Das A und O der Arbeitsorganisation und des geschäftigen Miteinanders!
    Hingabe: beflügelt das ganze Team.

    Es ist an der Zeit für die Pferdeleute unter uns, zu erkennen, dass dieselben Regeln, die eine gute Horsemanship ausmachen, auf das menschliche Miteinander und auch Arbeitsbeziehungen übertragbar ist.
    Dass es mangelnde Selbstwertschätzung ist, sich offenkundig wie der Arsch vom Dienst behandeln zu lassen. Es hat keine Perspektive.

    Wir müssen zusammen stark sein! Wenn jeder von uns, v.a. ausgelernten, einfach mal damit ANFÄNGT, für sich selbst zu sprechen, DANN können wir etwas erreichen. Denn wenn niemand mehr zu Ausbeute bereit ist, haben auch die ‚bösen‘ Chefs keine andere Wahl, als auf kurz oder lang einzulenken und Zugeständnisse zu machen. Das bedeutet für uns Pferdewirte aber auch, dass wir bereit sein müssen, Veränderungen zuzulassen! Auch mal ein Risiko einzugehen, oder zwei.
    Anfangs fühlt es sich merkwürdig an. Man ist so verletzlich. Aber dann, dann fühlt man sich auf einmal befreit, und am Ende kommen die vielen vielen kreativen Einfälle zurück, die man einst hatte, damals, als man noch Zeit hatte sich selbst zuzuhören.

    Pferdewirte wacht auf!

  29. Andreas - Pferdebesitzer, Reiter & damit "Kunde" sagt:

    Der Beruf des Bereiters leidet unter generellen Problemen im Reitsport, die struktureller Natur sind. Der Beruf ist kulturell bzw. von seinem Selbstverständnis zu sehr auf den traditionellen Reitsport nach FN bzw. klassisches Turnierreiten ausgerichtet. Nach FN Zahlen sind 92-93% der Reiter eben KEINE Turnierreiter. Es ist dieser Markt, der in Wirklichkeit repräsentativ für die deutsche Reiterei ist, und nicht die Welt, in der die meisten Ausbilder und Bereiter leben und arbeiten. Diese „normalen“ Reiter werden vielleicht als graue Masse zahlender Einsteller in den vielen Pensionsställen des Landes gesehen, aber nicht „emotional“ angesprochen. Damit wird Tür und Tor geöffnet für Amateurausbilder (mit und ohne Trainerscheine) und natürlich für die vielen fragwürdigen „Gurus“ – die aber alle den „richtigen Bereitern“ die Kunden auspannen. Damit bleibt für den klassischen Bereiter das „High-Ende“ Segment, für das man dann aber auch das weiter oben schon beschriebene „überdurchschnittliche Talent“ haben muss. Die breite Masse der Bereiter darf sich dann mit dem freien Markt abquälen, zu dem er aber größenteils weder kulturell passt, noch kann er sich gegen die unzähligen Amateurausbilder preislich durchsetzen. Der klassische Bereiter ist damit im heutigen Markt oft nicht konkurrenzfähig. Das merken die Azubis früher oder später und wechseln dann eben den Beruf – oder fangen gleich nach der Schule einen Beruf an, von dem man auch leben kann.

  30. Andrea sagt:

    Ich bin Jahrgang 74. Mein Traum war schon immer der Beruf des Pferdewirtes.
    Meine Schwester wollte Stewardess werden. Unsere Eltern sagten:“ Erst lernt ihr was vernünftiges, dann könnt ihr machen was ihr wollt!“
    Und sie hatten Recht! Als Pferdewirt und als Stewardess erreicht man selten das Rentenalter bei voller Arbeitsfähigkeit. Also machten wir beide eine andere Ausbildung vorweg, um einen Beruf in der Hinterhand zu haben, den man auch mit „Handicap“ ausführen kann…
    Zudem war ich 20 Jahre, als ich die Ausbildung zum Pferdewird begann. In meinen Augen ist der Beruf auch nichts für frische Schulabgänger…
    1996 habe ich mit meinen Eltern unseren Bauerhof auf Pferde umgestellt.
    Inzwischen habe ich den Betrieb nach dem Tot meines Vaters übernommen, meine Mutter ist auf Altenteil.
    Früher waren Turniere an der Tagesordnung, heute habe ich hauptsächlich Freizeitreiter, jugendliche Reitschüler und ein paar junge Pferde in Ausbildung. Ich achte sehr darauf, dass die Pferde genug Zeit bekommen für die Ausbildung. Keine Stutentests und Reitpferdeprüfungen…
    Freizeitreiter sind deutlich dankbarerere Kunden als Turnierreiter.
    Und mein Beruf verlangt, dass ich den Besitzern helfe, mit ihren Pferde glücklich zu werden, und nicht, möglichst teure Pferde möglichst schnell Turnier zu reiten!
    Ich reite genauso gerne Hafflinger und Pferde ohne Abstammung ein. Ist stressfreier und bringt das selbe Geld!
    Langsam beginne ich, mehr Unterricht zu geben, und weniger zu reiten.
    Schließlich will ich den Betrieb noch lange haben.
    Mein Beruf ist der schönste der Welt!
    Man muß am Wochenende arbeiten, aber man macht viele Reitschüler und Pferde damit glücklich!!!!!

  31. R.M. sagt:

    Ich lese und verfolge diese Seite schon eine ganze weile.. Vielleicht kurz mir. Ich bin 22 Jahre alt, musste feststellen, das die Ausbildung die ich jetzt mache, absolut nichts für mich ist. Kurze Randbemerkung: Bürojob.
    Schon immer schlug ich mich mit dem Gedanken rum, mein „Hobby“ zum Beruf zu machen. Wie es der zufall nun wollte habe ich während meines ersten LJes Ausbilder kennengelernt und überlegte meine momentane ausbildung abzubrechen. Ich war zum vorreiten und Bewerbungsgespräch, es war mehr als gut. Ich war eine woche zum Probearbeiten. Es war besser als ich es mir vorgestellt habe. Ich hielt den Vertrag in der Hand. Natürlich war ich erstmal geschockt: Wie soll ich mir bitte von der Vergütung eine Wohnung, mein Auto (absolutes Muss) geschweigedenn mein Pferd davon finanzieren??
    Nun gut, meine Eltern wussten nichts von meinem Vorhaben, denn hätten sie es gewusst, hätten sie mich eingesperrt.
    Ich war mir bewusst, das es schwer wird. Wollte es aber unbedingt. Ich lebe für diese Tiere. sie machen mich glücklich, sind da und ich bin zufrieden.
    Leider zog meine Offenbarung es nach sich das ich ausziehen musste, da meine Eltern der Meinung waren, dass es schlicht und einfach ein Fanatismus ist.
    Gut. Mache ich hier erstmal meine Ausbildung zu ende, gehe nebenbei noch arbeiten und versuche mich reiterlich dank meiner Trainerin weiterzuentwickeln.
    Ich zog mein Leben durch und stellte mich auf meine eigenen Beine. Harte schule. Meinen Urlaub den ich hatte verbrachte ich in dem Stall wo ich meine Ausbildung zum PW machen wollte. Ich hab mit gearbeitet, bekam dafür training und ein Dach übern kopf. Durfte erstmals eine Arbeitspirouette reiten, ahnen wie es sich anfühlt zu passagieren.
    Mein ausbilder hatte in den letzten 2 Jahren zwei Azubis, doch bei beiden, war das Interesse – Dressurpferde auszubilden einfach nicht da. Haben sport mit Geländereiterei verwechselt.
    als er dann gemerkt hat, das ich nicht locker lies, sagte er zu mir: Kleene, pass auf. Das ist n Job, wo es nicht um Beruf sondern um BERUFUNG geht. Und bei dir hab ick das Gefühl, du lebst das. Und nur solche leute können wir hier gebrauchen. Und haste auch nur ein Funken zweifel daran. Dann lass einfach und komm nicht wieder. Aber wenn du das wirklich willst. Dann ziehen wir das gemeinsam durch.
    Harte aber ehrliche Worte.
    Es ist nicht alles gold was glänzt. Das ist mir bewusst. Aber nun freue ich mich auf diese Ausbildung. Ich will etwas bewegen, in der Zukunft, für die Pferde, will selber später ausbilden dürfen, will die Materie Pferd anderen Menschen bewusst machen und meinen standpunkt von REELLER Pferdeausbildung signalisieren. Es wird hart. Es wird mich viel Schweiß kosten, aber ich bin bereit das alles zu geben und ich glaube, das es das ist, was vielen nicht bewusst ist.
    In nicht mal mehr einen Monat geht es los. Und ich freue mich tierischt darauf. Endlich einen Job auszuüben, der mich erfüllt.

    Mein Statement 😉

  32. Dietbert Arnold sagt:

    Schreibe uns dann mal nach einem halben und dann noch einmal nach einem Jahr, wie es Dir dann geht.

  33. n.n. sagt:

    Liebe R.M.

    Ich muss an mich halten um hier kein bitterböses Statement vom Stapel zu lassen, aber ich halte dich für sehr blauäugig. „Beruf“ kommt von „Berufung“ ….das ist richtig. Und im besten Fall sollte das auch immer so sein. Fakt ist, ich habe im wirklichen Leben noch keinen Pferdewirtazubi kennengelernt, der nicht seiner Berufung folgen wollte. Es dürfte sich mittlerweile bin in die hinterste Ecke Deutschlands herumgesprochen haben, das dieser Job ein Knochenjob mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, und in der Regel auch schlechter Bezahlung ist. Am schlimmsten finde ich persönlich aber die Menschen, die meinen man müsse den Hintern zusammen kneifen weil man schließlich seiner Berufung folgt, und jeder zu Beginn seiner Ausbildung weiß auf was man sich einlässt.
    Der Ausbilder hatte in den vergangenen 2 Jahren bereits 2 Azubis? Er lässt dich arbeiten für ein Dach über dem Kopf und einer Pirouette? Na, da hat er ja den richtigen gefunden!
    Aber es soll Menschen geben die sich gerne selber weit unter ihrem Wert verkaufen. Das muss jeder für sich selber entscheiden dürfen. Schlimm finde ich aber das du mit deinen Worten diejenigen diskreditierst, die nicht bereit sind sich ausbeuten zu lassen. Es geht hier nicht um ein paar (vielleicht) unbezahlte Überstunden. Es geht hier um einen Job, der körperlich hart und gleichzeitig auch noch gefährlich ist. Mit jeder Stunde Mehrarbeit sinkt prozentual dazu die körperliche Belastbarkeit und Aufmerksamkeit. Nicht umsonst passieren in diesem Sektor die schlimmsten und schwersten Unfälle. Mal abgesehen davon, das bei den zahlreichen Überstunden eine „Ausbildung“ gar nicht mehr möglich sein kann. Denn neben dem Job gibt es ja auch noch die Schule. Für mich haben die Menschen während ihrer Ausbildung am meisten gelernt, die heute „nein“ sagen können. „Nein“ zu Ausbeutung, „Nein“ zu modernem „Sklaventum“. Und diese Leute sind dann hoffentlich unsere Ausbilder von morgen! Diese Menschen können dann mit gutem Beispiel voran gehen…. Das kommt sicherlich dem ganzen Pferdesport zu Gute.

  34. R.M. sagt:

    Lieber Herr Arnold,
    Lieber n.n.,

    Ich wurde gebeten nach einem halben Jahr hier noch einnal ein „Statement“ abzugeben, wie es mir in meiner Pferdewirtausbildung ergeht.
    Ich habe die ersten 2 Monate quasi als BEZAHLTES Praktikum gearbeitet bevor es ab dem 1.9. nun offiziell los ging. Ich habe faire Arbeitszeiten von 7-13h und von 15-17h. Ich habe ein Dach ganz in der Nähe keine fünf minuten zum Stall übern kopf. Ich habe regelmäßig frei. Aller 2 Wochen ein komplettes Wochenende frei + 1 Tag in der Woche als Ausgleich. Kommt es vor, bspw. wegen TAbetreuung am abend, das ich länger bleibe, habe ich am darauffolgenden Nachmittag frei.
    Was meine Arbeit betrifft, klar ich mache sehr viel im Stall, reite aber genauso viel im Training bei meinem Ausbilder. ca. 2-4 Pferde am Tag. Er gibt mir die chance unterschiedlichste Pferde zu reiten, auf verschiedensten Ausbildungsniveaus. Vom 4jährigen angerittenen bis zum momentanen Crack vom chef.
    Auch schulisch setzen sich meine Ausbilder mit mir auseinander. D.h. sie fragen was wir gerade behandeln worüber wir gesprochen haben etc. p.p. . Habe ich fragen aus der Theorie für die Praxis kann ich auch diese mit meinem Ausbilder besprechen und er versucht es mir zu erklären wie man bestimmte dinge halt umsetzt.
    Auch Finanziell kann ich mich momentan nicht beschweren, heißt ich kann mein pferd gut halten, mein Auto – ja mein Leben, mit den Ansprüchen die ich habe, finanzieren.
    Ich darf sehr sehr viel von meinen chefs lernen, ich genieße diese Ausbildung und bin danbar dafür das ich eben NICHT zu den Azubis zähle, die bis zum geht nicht mehr ausbegeutet werden.

  35. VNS sagt:

    Hallo!
    Liegen Dir eigentlich Daten vor wie viele tatsächlich Auszubildende Ihre Pferdewirtprüfung pro Jahr ablegen? Für die klassische Reitausbildung habe ich Daten bei der FN gefunden, aber Haltung und Service finde ich nichts.
    Viele Grüße

  36. Dietbert Arnold sagt:

    Die Daten* liegen natürlich auch vor, sie sind aus 2016 und nennen die Teilnehmer/innen an Abschlussprüfungen im Jahr 2016:
    H&S: 243, davon 213 bestanden;
    Pferdezucht: 63, davon 54 bestanden;
    Klassische Reitausbildung: 198, davon 168 bestanden
    Pferderennen: 12, davon 12 bestanden
    Spezialreitweisen: 42, davon 36 bestanden
    * Alle Daten Statistisches Bundesamt, hier kannst Du den gesamten Bericht kostenfrei downloaden: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/BeruflicheBildung/BeruflicheBildung.html;jsessionid=ACB456E8B92DDB69EB35B6D0888AEDC9.cae3

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