Mit Studium zum Berufsausbilder?

MeisterPferdewirt

Myriam Ciernioch, 03.04.2015
Ich habe eine Ausbildung zur Pferdewirtin Fachrichtung klassische Reitausbildung erfolgreich abgeschlossen und studiere mittlerweile Agrarwissenschaften. Nun gibt es hier im Rahmen eines Moduls die Möglichkeit, die Ausbildereignungsprüfung abzulegen. Mich würde nun interessieren, ob es dadurch möglich wäre, selbst Pferdewirte Fachrichtung klassische Reitausbildung auszubilden? Also praktisch dadurch den Status eines Pferdewirtschaftsmeisters Reiten zu erlangen? In wie weit spielt die abzusehende Neuerung der Meisterprüfungsordnung hierbei eine Rolle?

Dietbert Arnold, 04.04.2015:

Hallo Myriam,

wenn Du Pferdewirte ausbilden möchtest, dann muss die fachliche Eignung vorhanden sein und die Ausbildungsstätte bestimmte Mindeststandards erfüllen. Die fachliche Eignung betrifft Dich. Mehr kannst Du unter >Downloads in der „Verordnung über die Anforderungen an die fachliche Eignung (…) in den Berufen der Landwirtschaft und der Hauswirtschaft“ nachlesen. Du hast die fachliche Eignung, wenn Du eine Abschlussprüfung an einer deutschen Hochschule (oder Uni) in einer dem Ausbildungsberuf entsprechenden Fachrichtung bestanden hast, die Prüfung zur Berufsausbildung und Mitarbeiterführung absolviert hast und eine angemessene Zeit in Deinem Beruf praktisch tätig warst.

Wenn Du einen landwirtschaftlichen oder pferdewirtschaftlichen Bachelor oder Master einer Hochschule oder Uni hast, dann musst Du mit der Zuständigen Stelle des Betriebsstandortes darüber diskutieren, wie lange Du im Beruf gearbeitet haben musst. Im Beruf gearbeitet meint in aller Regel Vollzeit und hauptberuflich. Da Du ja schon einen Berufsabschluss hast, wird man wahrscheinlich noch zwei Jahre (das ist die Praxiszeit zwischen Berufsabschluss und Zulassung zur Meisterprüfung) Berufspraxis von Dir verlangen. Hochschule- bzw. Uniabsolventen ohne Berufsabschluss werden eventuell 3 – 5 Jahre praktisch im Beruf arbeiten müssen (entsprechen der Zulassung zum Pferdewirtschaftsmeister). Danach wird man Dir die fachliche Eignung attestieren. Natürlich muss dann auch noch der Betrieb anerkannt werden. Dafür ist die Ausbildungsstättenverordnung im Beruf Pferdewirt maßgebend.

Nun noch das Problem mit der Berufsausbildung und Mitarbeiterführung. Das ist der neue Teil 3 der zukünftigen Meisterverordnung Pferdewirt. Der neue Teil 3 ist um die Mitarbeiterführung erweitert worden. Wenn die Berufsausbildung und Mitarbeiterführung nach der Verordnung 2014 bei Euch im Studium  durchgeführt wird, dann gibt es keine Probleme mit Teil 3 der Meisterverordnung. Hast Du nur so einen Kurzlehrgang zur Berufsausbildung, wie im Handwerk, dann könnte es passieren, dass Du den umfangreicheren, landwirtschaftlichen Lehrgang mit Prüfung noch machen musst. Das ist noch ein wenig in der Schwebe.

Reicht das zur Orientierung Myriam?

4 Antworten auf „Mit Studium zum Berufsausbilder?“

  1. Hallo Herr Arnold,

    vielen Dank für Ihre hilfreiche, ausführliche Antwort.

    Allerdings habe ich noch nicht ganz verstanden, ob fachliche Eignung gleichbedeutend mit Pferdewirtschaftsmeister ist. Also dürfte man mit nachgewiesener fachlicher Eignung (bestandene Ausbildereignungsprüfung (AEP), mind. zweijähriger Tätigkeit im Beruf (Pferdewirt klassische Reitausbildung) und Bachelorabschluss in verwandter Fachrichtung (Agrarwissenschaften)) offiziell die Bezeichnung Pferdewirtschaftsmeister führen oder kann man mit der AEP lediglich Teil 3 der Meisterprüfung ersetzen und muss die anderen Teile normal absolvieren um sich Pferdewirtschaftsmeister Schwerpunkt Reiten zu nennen und somit ausbilden zu dürfen (vorausgesetzt, der Betrieb ist anerkannt)?

    1. Hallo Myriam,

      Mit dem Bachelor oder Master in Agrarwissenschaften oder Pferdewissenschaften und zwei- oder dreijähriger Berufspraxis hast Du die fachliche Eignung. Ausbilden darfst Du dann, wenn Du die Ausbildereignungsprüfung für die Landwirtschaft bestanden hast. Entweder im Studium oder als anschließender Lehrgang z.B. bei der Landwirtschaftskammer NRW.

  2. Hallo Herr Arnold,
    ich verzweifle bald an der neuen Verordnung für die Pferdewirtschaftsmeisterprüfung.!

    Ich bin nun zugelassen für klassische Reitausbildung, jedoch haben die ihr Thema für Teil 1 schon bekommen. Also ist nun die Überlegung im Raum doch erst Haltung &SErvice zu machen, ist es denn einfach dann noch den MEistertitel in klassische Reitausbildung zu erlangen, oder muss ich dann eh nochmal knapp zwei Jahre investieren?
    Ich freue mich sehr über Antwort von Ihnen.

  3. Hallo Lena,

    ich war unterwegs, deshalb musstest Du jetzt warten. Lasse mich erst einmal vorweg sagen, dass ich Dir keine rechtliche Auskunft geben werde, das kann nur die Zuständige Stelle.

    Deine Situation hat mit der neuen Meisterverordnung nichts zu tun. Deshalb solltest Du nicht verzweifeln, denn auch früher gab es schon immer Termine, die eingehalten werden mussten. Auch früher schon musstest Du mindestens 1 Jahr warten, bis ein neuer Kurs begann.

    Das Problem ist, dass Du, wenn Du jetzt in Haltung & Service einsteigen könntest, diese drei Teile (Praxis, Betriebswirtschaft, Pädagogik) alle erst abschließen musst, damit Du ein Zeugnis bekommst. Nur wenn auf einem Zeugnis bescheinigt wird, dass Du Teil 1, 2 und 3 bestanden hast, kann Dir etwas für eine andere Fachrichtung anerkannt werden.

    Also, nur wenn Du die Meisterprüfung Haltung & Service, oder eine andere Fachrichtung, komplett abgeschlossen hast, dann kannst Du zur Zuständigen Stelle in NRW, hier Münster, gehen und Dir Teil 2 und 3 anerkennen lassen. Dann musst Du nur noch den Prüfungsteil 1 (Projekt und schriftliche Prüfung) machen. Klar, das ist Arbeit und kostet Zeit, dafür hast Du dann aber auch zwei Meistertitel.

    Wenn Dir das alles zu viel ist, dann musst Du bis zum nächsten Prüfungsdurchgang warten. Die Kammer NRW sagt Dir, wann der an der Deutschen Reitschule stattfinden wird.

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