Dürfen Azubis Reitunterricht erteilen?

Bratislava 2004 187

Marie, 17.10.2014

Sehr geehrter Herr Arnold,

ich bin zwar keine Auszubildende mehr, aber ich begleite meine beiden Töchter zur Reitstunde. In meiner Jugend habe ich ebenfalls geritten und mich auf dem Hof – heute wird man sagen –ehrenamtlich engagiert (Arbeit gegen Reiten). Heute engagiere ich mich weiterhin, allerdings in einem örtlichen Sportverein und besitze mehrere Übungsleiter-Lizenzen eines Landesportbundes und des Deutschen Sportbundes. Mit diesen Lizenzen habe ich auch Kindersportgruppen geleitet. Weiterhin besitze ich auch eine Ausbildungseignungsprüfung. Hier setzt jetzt meine Frage an.

In dem Betrieb, in dem meine Kinder reiten, werden Pferdewirte (Zucht und Service) ausgebildet. In der Regel sind die Auszubildende im 1. Und 2. Ausbildungsjahr unter 18 Jahre alt.

Hier meine konkrete Frage:
Dürfen minderjährige Auszubildende Reitgruppen beaufsichtigen (unterrichten) bzw. im Gelände eine Kinder-/Schülerreitgruppe leiten? Wie sieht rechtliche Handhabung aus, wenn es einmal zum Unfall kommt?

In konkreten Fall spricht für den Auszubildende, dass er Reiterfahrung hat (eigenes Pferd) und vorher als Jahres-Praktikant in dem Betrieb gearbeitet hat. Andererseits wird in der Trainerlaufbahn wird beim Trainerassistent zum Beispiel ein Mindestalter von 16 Jahren verlangt (einschl. Führungszeugnis), ein Trainer C muss 18 Jahre alt sein plus Nachweis verschiedener Reit- und Longierabzeichen.

Ich weiß, dass dieses Vorgehen durchaus praktiziert wird und das zwischen Theorie und Praxis viel Spielraum ist. Aber in anderen Ausbildungsberufen, insbesondere in denen der Kinder-/Jugendarbeit, muss immer ein Praxisanleiter die Gruppenarbeit begleiten.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort. Sie können diese Fragestellung gerne in Ihrem Forum veröffentlichen, entweder anonym oder mit Veränderung des Namens. Ich möchte mit dieser Frage auch keine „Schwierigkeiten“ machen, aber mich interessiert das Thema und ich habe darüber keine Antworten gefunden.

 

Dietbert Arnold, 21.10.2014:

Hallo Marie,

zu den Ausbildungsinhalten eines Pferdewirtazubis, besonders in der Fachrichtung Klassische Reitausbildung, Alternative Reitweisen und Haltung und Service gehört auch der Reitunterricht und das Organisieren und Durchführen von Ausritten. So steht es in der Verordnung zum Ausbildungsberuf Pferdewirt. Folglich muss ein Ausbilder diese Tätigkeiten auch ausbilden und dazu gehört natürlich die Praxis, also der richtige Unterricht und der richtige Ausritt.

Natürlich muss, das sind die Pflichten eines Ausbilders, auf die individuellen Voraussetzungen eingegangen werden. Dazu gehört, dass vom Ausbilder natürlich nur Aufgaben übertragen werden dürfen, die den Azubi nicht überfordern. Ein Ausbilder entscheidet, ob sein Azubi noch unter seiner Anleitung oder schon selbständig unter Aufsicht tätig werden kann. Diese Beurteilung liegt alleine in der Verantwortung des Ausbilders. Je sorgfältiger ein Ausbilder den Azubi vorbereitet hat, desto selbständiger kann dieser dann arbeiten.

Grundsätzlich verantwortet ein Ausbilder seine Entscheidungen und muss natürlich dafür gerade stehen, wenn da mal was schief läuft und es z.B. zu Verletzungen oder Sachschäden kommt. In aller Regel haftet der Ausbilder, wenn ein Azubi nicht vorsätzlich handelt oder gegen direkte Anweisungen handelt. Es ist normal, dass Azubis Fehler machen können, dass muss ein Ausbilder berücksichtigen, entsprechend vorsichtig handeln und auch dafür haften. Klar, wenn ein Azubi minderjährig ist, dann muss ein Ausbilder schon einkalkulieren, dass diese Azubis noch nicht so ernsthaft sein können, als wenn sie schon deutlich über Zwanzig sind. Das Ganze gilt natürlich nur, wenn der Azubi dienstlich, also während der Arbeitszeit, tätig wurde. Gibt ein Azubi privat Unterricht, dann haftet er ganz alleine, dafür ist der Ausbilder nicht verantwortlich.

Ob Azubis im Rahmen des organisierten Reitsports des DSOB und seines Mitgliedsverbandes Deutsche Reiterliche Vereinigung tätig werden können, ohne eine Trainerausbildung zu besitzen, hat mit dem Berufsausbildungsvertrag nichts zu tun und ist Sache des Sportverbandes. Die Berufsausbildung und die Sportverbände haben zunächst nichts miteinander zu tun. Die FN hätte lieber mehr Einfluss, hat sie aber nicht. Die Berufsausbildung ist staatlich geregelt durch die Verordnungen und Fortbildungsverordnungen, also Facharbeiter und Meister.

Du siehst, im Falle eines Schadens, den ein Azubi verursacht, muss im Einzelfall genau geprüft werden. Bitte bedenke, dass ich kein Jurist bin und Dir deshalb auch keinen Rechtsrat geben kann und darf.

Viele liebe Grüße nach … .

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