Probleme nach erzwungenem Ausbildungswechsel

Rennbahn Bremen 018

Eine Berufsausbildung im Rennsport ist nicht immer konfliktfrei.

n.n., 25.10.2013:

Meine Tochter macht die Ausbildung zum Pferdewirt Rennsport. Sie ist im zweiten Ausbildungsjahr und hat ihre Abschlussprüfung Juni 2014.

Im ersten Betrieb, in dem sie ihre Ausbildung begonnen hat, ist ihre Gutgläubigkeit missbraucht worden. Als sie gewisse Umstände angesprochen hat, wurde jeder Tag für sie zur Qual und ihr permanent mit Kündigung gedroht. Sie bekam Abmahnungen, die nicht berechtigt waren. Sogar wurde versucht sie zum Unterschreiben von Kündigungen zu zwingen. Am Ende ist es zur fristlosen Kündigung gekommen

Es gab ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht. Daraufhin ist meine Tochter in Betrieb ihres Ausbilders gewechselt. Nun ist sie dort schon zwei Monate beschäftigt.  Wichtige Unterlagen wurden bis letzte Woche nicht ausgehändigt. Jetzt soll sie auf einmal einen Folgevertrag zum ersten Vertrag unterschreiben mit 4 Monaten Kündigungszeit.

Meine Frage, sollte es zu einer Auflösung des Ausbildungsvertrags kommen, egal von welcher Seite, gibt es die Möglichkeit die Abschlussprüfung auch ohne anschließenden Ausbildungsvertrag zu absolvieren?

Mit freundlichen Grüssen

Dietbert Arnold, 25.10.2013:

Die Situation ist ja wirklich sehr unbefriedigend. Zunächst einmal zur Probezeit. Die gilt jeweils für das aktuelle Ausbildungsverhältnis. Wenn also Deine Tochter jetzt in einem neuen Betrieb die Ausbildung weiter macht, dann beginnt ein neues Ausbildungsverhältnis und da darf eine neue Probezeit vereinbart werden. Die Probezeit darf maximal 4 Monate betragen. Es ist also die Höchstprobezeit. Die darf auch durchaus kürzer sein, allerdings nicht weniger als 1 Monat, und dann so im Vertrag stehen.

Jetzt möchtest Du wissen, ob Deine Tochter, ihre Prüfung machen kann, obwohl sie keinen Ausbilder hat. Wenn Deine Tochter im zweiten Ausbildungsjahr ist und im Sommer 2014 ihre Abschlussprüfung hat, dann handelt es sich um eine zweijährige Ausbildung. Zur Prüfung zugelassen werden Azubis nur, wenn sie ihre Zwischenprüfung abgelegt haben, ein Ausbildungsverhältnis besteht und maximal zwei Monate vor dem vereinbarten Ausbildungsende, so wie es im Vertrag steht, die Prüfung ablegen. Da es bei den Rennreitern nur zwei Prüfungen im Jahr gibt, Winterprüfung und Sommerprüfung, kommt also nur eine Prüfung im Sommer 2014 in Frage. Zur Winterprüfung wäre Deine Tochter nur zugelassen, wenn die zweijährige Ausbildung noch einmal um ein halbes Jahr verkürzt wird. Diese Verkürzung müsstet Ihr bei der Zuständigen Stelle beantragen. Aber nach 1,5 Jahren Prüfung, ist da genügend Praxis vorhanden?

Das, was ich Dir hier schreibe, sind lediglich meine Gedanken zu diesem Thema. Verbindliche Antworten muss Dir die zuständige Zuständige Stelle geben, also die Stelle, die den Ausbildungsvertrag zusätzlich unterschrieben hat. Die Zuständige Stelle hat immer einen Ausbildungsberater und der muss die Berufsausbildung per Gesetz überwachen. Der Ausbildungsberater muss Dir klipp und klar sagen, ob Deine Tochter zu einer Prüfung zugelassen wird oder nicht, ob die Ausbildung verkürzt werden kann,  der Ausbildungsberater muss auch sagen können, ob eine zusätzliche Probezeit rechtmäßig ist und der Ausbildungsberater muss auch dafür sorgen, dass sich Ausbildungsbetriebe rechtlich korrekt verhalten. Mich wundert es deshalb, dass Du überhaupt nicht schreibst, was denn die Zuständige Stelle zu diesem ganzen Desaster sagt. Bitte beachte, dass Du die Zuständige Stelle nicht mit dem Direktorium oder der Jockeyschule verwechselst. Nur die Zuständige Stelle kann und muss Dir verbindliche Antworten geben.

Ich hoffe, ich habe Euch ein wenig weiter helfen können.

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2 Kommentare zu Probleme nach erzwungenem Ausbildungswechsel

  1. n.n. (Name dem Admin bekannt) sagt:

    Guten Tag
    Ich arbeite als Pferdewirt in Schwerpunkt Rennreiten, bin ausgelernt und arbeite nun Vollzeit..
    In meinem Vertrag sind keine Überstunden festgelegt aber ich mache davon sehr viele.
    Darf ich nun verlangen das das bezahlt wird oder das ich dafür einen Ausgleich bekomme ?

  2. Dietbert Arnold sagt:

    Hallo n.n.,

    ich habe einmal Deinen Namen unkenntlich gemacht. Natürlich muss der Arbeitsvertrag eingehalten werden. Zusätzliche Überstunden können nur angeordnet werden, wenn es um Notfälle geht. Wenn Du freiwillig Überstunden machst, dann muss das entweder zusätzlich entlohnt oder aber durch Freizeit ausgeglichen werden. Näheres findet Du im Arbeitszeitgesetz oben unter den Reitern. Ganz wichtig: Du musst Dir die Arbeitszeiten unbedingt genau aufschreiben, damit Du die Überstunden beweisen kannst. Jetzt kannst Du übrigens glücklich sein, dass Arbeitgeber die Arbeitszeiten genau dokumentieren müssen. So sagt es das Mindestlohngesetz. Ein Glück für Dich. Du weißt schon, dass Du mindestens 8,50 EUR/Stunde bekommen musst, auch für jede Überstunde. Zuschläge bei Überstunden sind zwar oft üblich, aber nicht gesetzlich vorgeschrieben. Ich empfehle Dir dringend, Mitglied der IG BAU zu werden und dann den Rechtsschutz der Gewerkschaft bitten, Dir zu helfen, an Deinen Dir zustehenden Lohn zu gelangen. Es kann nicht sein, dass Du nicht fair entlohnt wirst. Das ist für Dich ganz wichtig. Wenn Du z.B. länger krank wirst oder einen Unfall erleidest, wird nur der geringe Regellohn z.B. beim Krankengeld festgelegt. Und im Rentenfall gibt es dann nur eine Minirente, obwohl Du eigentlich viel mehr verdient hast und so auch eine höhere Rente gezahlt werden würde.

    Also, mein Rat, wehre Dich, nehme es nicht hin, dass Du für lau arbeitest und Dein Chef an Dir sich gesund stößt. Schreibe uns mal, wie es bei Dir weitergegangen ist.

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