Durchgefallen, wer zahlt die weitere Abschlussprüfung?

Seitdem sich meine pferdeverrückte Tochter vor Jahren dazu entschlossen hat, Pferdewirtin zu werden, lese ich auch immer wieder Ihre kompetenten und praxisnahen Einträge.

Heute habe ich nun auch eine Frage: Nachdem meine Tochter die Prüfung zum Pferdewirt Zucht und Haltung absolviert hatte, wollte sie ihren Traum leben und auch den Pferdewirt „Klassisches Reiten“ anhängen. Nachdem sie eine entsprechende Lehrstelle erhielt, hat sie zwar die Zwischenprüfung in Warendorf prima gemeistert, aber die Abschlussprüfung leider nicht bestanden.

Nun meine Frage: nachdem sie das Ausbildungsverhältnis auf eigenen Wunsch beendet hat, die Abschlussprüfung aber unbedingt wiederholen möchte, stellt sich jetzt für uns als Eltern die Frage: Wer zahlt die Kosten des Abschlusslehrgangs?

Sie haben in Ihrem Blog zwar geschrieben, dass der Ausbildungsbetrieb innerhalb einer Frist von drei Monaten verpflichtet ist, die Prüfungskosten zu tragen, aber gilt das auch im Fall eines bereits beendeten Vertrages?

Ich möchte noch hinzufügen, dass wir unsere Tochter jetzt seit mehr als sechs Jahren auf ihrem oft schweren Weg (viele Verletzungen, unmögliche Arbeitszeiten, von der Bezahlung ganz zu schweigen) immer wieder unterstützen, aber so langsam sind sowohl unsere Kräfte als auch die finanziellen Möglichkeiten erschöpft. Wenn wir sie dann aber wieder mit den Pferden arbeiten sehen und diese magische Verbindung zwischen Mensch und Pferd zu spüren ist, dann geht einem das Herz auf.

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen, möchte Sie jedoch bitten, meinen Namen nicht zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen und noch einmal vielen Dank für Ihre Arbeit.

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3 Antworten zu Durchgefallen, wer zahlt die weitere Abschlussprüfung?

  1. Hippologe sagt:

    Liebe …,

    grundsätzlich muss ein Ausbilder auch eine Wiederholungsprüfung bezahlen, wenn der Auszubildende das verlangt. Dann wird, auf Antrag des Azubis, der Vertrag bis zur nächsten Abschlussprüfung verlängert, max. um 1 Jahr und der Betrieb muss dann natürlich auch die Prüfung bezahlen.

    Bei Euch ist es aber anders, denn Deine Tochter hat die Verlängerung nicht verlangt und gekündigt. Natürlich hat Deine Tochter noch zwei weitere Versuche, die müssen aber privat durchgeführt werden. Bedeutet: Die Anmeldung muss von Deiner Tochter bei der Zuständigen Stelle erfolgen und dann kommt auch die Rechnung. Die Prüfungsgebühr selber ist wohl nicht das Problem. Kostenintensiv ist der Vorbereitungslehrgang. Der ist natürlich sinnvoll zur Prüfungsvorbereitung. Die Unterbringung kann im Emshof erfolgen, muss aber nicht. Hier ließe sich Geld sparen. Der Vorbereitungslehrgang muss absolviert werden, wenn Deine Tochter Schulpferde der Deutschen Reitschule reitet. Im Sinne der Pferde ist das auch verständlich. Falls Deine Tochter eigene Pferde mitbringt, dann wäre der Vorbereitungslehrgang freiwillig und die Kosten der Prüfung unter einhundert Euro.

    Ob diese Strategie, Kosten einzusparen, zielführend ist, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur aus Erfahrung, dass der Vorbereitungslehrgang schon richtig hilfreich ist.

    Auch weiß ich nicht, woran die Prüfung gescheitert ist. Nehmen wir einmal an, da sind dicke Fünfen in allen Reitfächern, dann ist natürlich auch zu prüfen, wie diese Leistungslücken zu schließen sind und wer bei der Prüfungsvorbereitung denn hilft. Alleine? Meist wird das nichts.

    Bitte sprich doch einmal mit dem Ausbildungsleiter der Deutschen Reitschule, Hannes Müller. Der kann Dir vielleicht einige praktische Hinweise geben und sicher einen kompetenten Berufskollegen nennen, der sich einmal das Reiten, das Zeugnis und das Protokoll der letzten Prüfung ansieht und den ihr dann ganz offen um Rat fragen solltet.

    Bei Eurer Tochter ist der Fall ja differenziert zu sehen. Sie ist abgeschlossene Pferdewirtin und nicht ohne Abschluss. Es könnte ja sein, ich kann das nicht beurteilen, dass das mit dem Reiten für die Fachrichtung Klassische Reitausbildung grenzwertig ist. Eine Alternative wäre dann z.B. zusätzlich zum bereits bestandenen Pferdewirt Zucht & Haltung den Trainer C zu machen. Also zusätzlich die Amateurschiene zur Fortbildung zu nutzen. Aber auch das solltet Ihr mit dem von Herrn Müller genannten Berufsreiter offen besprechen.

    Was meinst Du, ich konnte Dir helfen? Sonst melde Dich bitte wieder. Aber manchmal bin ich auch unterwegs und dann kann es mit der Antwort schon einmal dauern. Ich mache das ja in meiner knappen Freizeit. Das aber gerne.

  2. n.n. sagt:

    Wo ist geregelt, dass die Nachprüfung vom Ausbilder bezahlt werden muss? Und gehört dazu dann auch die Bezahlung des Vorbereitungslehrgangs für die Prüfung?
    Der Ausbilder meiner Tochter möchte nämlich die 2. Prüfung nicht bezahlen…..zahlt aber weiterhin das Azubi Gehalt ….

  3. Dietbert Arnold sagt:

    Hallo n.n.,

    ich habe einmal Deinen Namen herausgelassen, dann können wir besser zusammen „reden“, ohne dass Du, bzw. Deine Tochter einen Nachteil hat.

    Grundsätzlich ist alles, was mit der Ausbildung verbindlich geregelt ist, im Berufsbildungsgesetz BBiG enthalten (Link findest Du oben im Menü Downloads: http://pferdewirtpruefung.de/wordpress/?page_id=62.)

    Deine Tochter hat die Abschlussprüfung nicht bestanden. Jetzt musst Du in § 21 BBiG schauen. Das Ausbildungsverhältnis endet mit dem im Vertrag festgelegten Zeitpunkt. Und dann gibt es da im § 21 noch den Absatz (3): Bestehen Auszubildende die Abschlussprüfung nicht, so verlängert sich das Berufsausbildungsverhältnis auf ihr Verlangen bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, höchstens um 1 Jahr.

    Entscheidend ist das Wörtchen Verlangen. Also Deine Tochter muss nach dem Durchfallen gesagt haben, ich will den Ausbildungsvertrag verlängern bis zur nächsten Prüfung. Das Ausbildungsverhältnis wird nach dem Durchfallen nicht automatisch verlängert!!! Wenn das Geschen ist, dann ist sie nach wie vor Azubine und in § 14 BBiG steht, dass der Ausbildende dafür zu sorgen hat, dass das vorgesehene Ausbildungsziel erreicht werden kann. Dazu gehört natürlich auch die Abschlussprüfung. Natürlich muss Deine Tochter, wenn sie um Verlängerung gebeten hat, auch die Auszubildendenvergütung 3. Ausbildungsjahr bekommen. Der Ausbildende kann das Verlangen um Verlängerung nicht ablehnen! Das Gesetz schreibt keine Form der Mitteilung an den Ausbildenden vor, noch steht da eine Frist. Aber drei bis vier Wochen nach der Prüfung sind so ein Zeitrahmen, dann sollte das Verlangen auf Verlängerung dem Ausbildenden mitgeteilt sein. Also es gilt eine gewissen Überlegensfrist für Deine Tochter. Die sollte nicht viel länger sein als die 3-4 Wochen, weil der Betrieb natürlich auch kalkulieren muss. Wäre nicht schlecht, wenn das beweisbar ist.

    Wenn die Verlängerung nicht verlangt wurde, dann hat Deine Tochter vom Betrieb nichts mehr zu erwarten, weder Anmeldung, weder Freistellung, noch Übernahme der Kosten!

    Jetzt schreibst Du, Deine Tochter bekommt noch Azubigehalt. Das wäre nur richtig, wenn die Berufsausbildung laut Vertrag noch läuft. Dann übrigens kann in der gesamten regulären Ausbildungszeit noch das Verlangen ausgesprochen werden. Kann der Ausbildende nicht ablehnen!

    Wenn aber Deine Tochter nicht mehr Azubi ist und dennoch nur Azubivergütung bekommt, dann ist das ein Verstoß gegen das Mindestlohngesetz, dann muss €9,35 brutto je Stunde bezahlt werden, denn Deine Tochter ist Arbeitnehmerin. Wenn Ihr dagegen vorgehen wollt, dann ist entweder der Zoll zuständig, bzw. auch die Krankenkasse, denn die ist für den Einzug der korrekten Sozialversicherungsbeträge zuständig.

    Ihr habt jetzt die Möglichkeit Euch zu wehren, wenn da was schief laufen sollte. Da ist die Zuständige Stelle, ein Rechtsanwalt für Arbeitsrecht und die Gewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt. Wenn Deine Tochter Mitglied ist, gewährt die Gewerkschaft kostenlosen Rechtsschutz.

    Ich habe Dir jetzt mal meine private Meinung geschickt, dass ist keine Rechtsauskunft, der Du bedingungslos trauen darfst. Schließlich bin ich kein Jurist.

    Liebe Grüße und ich hoffe, Ihr könnt das jetzt besser einordnen.

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